Angler - Hoffnung kommt hoffentlich

  • Ich bin jeden Tag froh, dass ich nicht in diesem Kreislauf mehr bin. Es gab zwar immer wieder Zeiten wo es gut lief aber wie gesagt es war immer so Art Hintertür offen. Ich habe mich dann jedesmal gefragt: du hast jetzt so lange ohne gemacht, wieso hast du dir jetzt wieder zwei Dosen Bier geholt?

    Mir war schon immer klar, dass ich kein Leben mit Alkohol führen möchte. Ich habe aber nie verstanden wieso andere mal ein Bier trinken und dann aufhören, ich aber deutlich mehr getrunken habe.

    Heute weiß ich es und von daher ist es für mich klar, dass ich gar nicht erst wieder damit anfangen darf. Aber es ist kein Verzicht, wie es mal war. Ich bin einfach nur dankbar.
    Ich erinnere mich dann an meine Jugend so mit 18 wo ich förmlich von Kumpels gezwungen wurde Bier zu trinken und nach der 2. Flasche kotzen musste.

    Das habe ich die ganzen Jahre immer wieder vergessen, dass ich eigentlich noch nie Alkohol mochte und es mir förmlich angeeignet habe. Soweit, dass er meine Probleme überdeckt hat und ich das Gefühl hatte, es geht nicht ohne.
    Jedesmal wenn ich trank habe ich den Kampf verloren und stellte fest, ich kann es nicht.

    Seit ich aber wieder mich spüre, merke es geht mir besser und ich kann nichts an Situationen ändern, keine Gefühle wegdrücken oder vor etwas fliehen, habe ich gemerkt, es geht auch ohne.
    Ich möchte das Gefühl nicht mehr, wenn alles leicht wird, schwummrig und gleichzeitig schwer.
    Wie soll ich das sagen? Ich mochte die ersten Momente der Leichtigkeit, aber das betrunkensein fand ich jedesmal wahnsinnig belastend.
    Wenn ich jetzt was trinken würde, dann würde ich ja das bekommen was ich nicht will.

    Nur wenn man in dem Kreislauf drin ist, merkt man das gar nicht mehr, wie das echte Leben ist, wie es sich anfühlt.

    Ich wurde hier mal als Shakespeare beschrieben aber für mich ist das so, alswenn ich jahrelang in einem dunklen Keller war und auf einmal durch blühende Wiesen laufen kann. Wer will da wieder zurück?

    Den Geschmack von Alkohol fand ich immer schon eklig, die Wirkung war reiner Missbrauch. Meine Veränderung habe ich gehasst, fand mich eklig.

    Ich will nicht sagen, dass es am Anfang sofort war, aber nach einigen Wochen kam das Ekelgefühl, den unglaublichen Drang der Freiheit. Kein Stolz aber die pure Freude da raus zu sein.

    Egal welche Situation auch kommt, ich kann doch nicht bewusst wieder da rein wollen. Sagen jetzt ist es heute egal, wird schon gut gehen.

    Meine Therapeutin hat auch gesagt, seitdem Bier in meinem Leben war, wie oft habe ich an mich gedacht? Selbstfürsorge.. nicht alle Probleme lösen wollen, nicht alles annehmen. Nicht den Kummer reinfressen. Zu sagen ich verlasse jetzt die Situation, ich achte jetzt auf mich. Und genau das ist es. Das hat mich jedesmal dazu gebracht zu trinken. Nicht im Urlaub wenn alles entspannt war, nicht in einer geselligen Runde wenn alle um mich herum tranken. Nein, wenn ich für mich war und alles verarbeitete.

    Ja, das Bewusstsein, wer ich mal war und bin musste erstmal wieder ganz tief aus mir herausgeholt werden. Und da erkannte ich, was ich mir immer mit Alkohol angetan habe. Wie ich mich zu wem anderen gemacht habe. Jemand der ich nicht bin und nie sein wollte.

    Mir ist es egal welches Lable ich heute trage. Wichtig ist nur, dass ich mich endlich unglaublich frei fühle, wieder den kleinen Jungen in mir spüre und einfach nur wieder leben möchte. Ich habe nie gern getrunken, es hat mir nie geschmeckt und es hat mich an den Abgrund gebracht. Es gibt heute absolut keinen Anreiz, Not oder was auch immer Alkohol zu trinken. Ja, es gehörte zu mir aber ich habe es als ganz dunkles Kapitel abgelegt das ich nie wieder durchmachen möchte.

  • Ok. Wie Du meinst. Mir ist neben anderem auch auf S. 13 deines Fadens noch nicht ganz klar, welche Rolle diese SHG für Dich spielt, was du dir hier erhoffst.

    Die von dir wahrgenommenen Fortschritte schreibst du ja eher der KI und der Therapie zu. Liest Du auch bei anderen hier? Du bist ja nicht der erste, der massenhaft Alkohol getrunken hat, obwohl er ihn nicht mochte. Oder keinen mehr trinken will. Oder ihn ursprünglich "nur" benutzt hat, um damit Probleme zu ertränken.

    Klingt für mich immer ein bisschen wie "Bei mir war das anders." "Ich war ja gar kein richtiger Alkoholiker". "Ich habe verstanden, und deshalb kann mir der Alkohol nichts mehr anhaben".

    Das wäre nicht nur für Dich gefährlich, sondern auch für die, die hier bisher nur still mitlesen.

    Unterschätzt die Sucht nicht! Sie hat einen verdammt langen Atem und zeigt verdammt viel Einfallsreichtum, um uns wieder in die nasse Spur zu bringen. Alles hier in unzähligen Variationen nachlesbar. Mein Wort zum Sonntag.

    Bin dann mal raus..

  • Klar lese ich das! Und ganz oft sind die Ähnlichkeiten da.

    Und ich würde nie sagen bei mir ist das anders. So wie ich es schreibe, so geht es mir, so fühle ich mich auch.


    Kann halt nur immer wieder sagen, dass bisher nicht ein Tag war, wo auch nur der Ansatz von Gelüsten war. Auch der normale Alltag stellt mir bisher kein Bein.
    der Respekt ist da.

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