Fanny - Mein Partner ist alkoholkrank

  • Hallo zusammen, ich bin 47 Jahre alt und fühle mich sehr allein und möchte hier all meinen Mut zusammennehmen und hier schreiben.

    Ich lernte meinen Partner vor 22 Jahren kennen. Wir wurden ein tolles Paar. Allerdings mussten wir bereits nach einem Jahr mehrere schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Zuerst verstarben sehr plötzlich meine Eltern, ein Jahr später verlor ich kurz vor der Geburt unser erstes Kind.

    Wir bekamen dann zwei weitere Kinder, die für uns die Welt bedeuten.

    Doch nach zwei weiteren Jahren wurde die Tochter meines Mannes aus erster Ehe schwer krank und verstarb im letzten Jahr.

    All diese Schicksalsschläge brachten meinen Mann zu Trinken. Er konnte niemals drüber reden, aber er trank.

    Das alles frustrierte mich sehr, da ich immer für alle anderen in der Familie die Verantwortung übernehmen musste. Aber mein Leben und mittlerweile auch das Leben unserer Töchter drehte sich immer nur um seinen Alkohol. Speziell ich kontrollierte die Anzahl seiner Flaschen, suchte Verstecke und versuchte ihn immer davon zu überzeugen, sich Hilfe zu holen. Ich bin kläglich gescheitert. Auch zwei Bauchspeichelentzündungen redet er sich schön.

    Er hat sich zum Trinken zurückgezogen bis tief in die Nacht, kam erst ins Bett als ich längst geschlafen habe. Ich zog mich emotional deshalb zurück.

    Irgendwann von drei Jahren hab ich es dann nicht mehr ausgehalten und mir eine Wohnung als Rückzugsort gesucht. Trotzdem kamen wir immer wiedereinmal zeitlang zusammen, weil ich ihn liebe und unser Schicksal teile.

    Wir hatten dann auch eine angenehme Zeit. Waren dieses Jahr zweimal im Urlaub. Es war wunderschön. Aber der Alltag drehte sich weiter um die Flasche. Und aus heiterem hat er sich im Sommer von mir getrennt. Ich stecke in diesem Schock fest, dass ich ihm nie helfen konnte.

    Er hat sich sehr schnell eine andere Frau gesucht. Sie hält ihm keinen Spiegel vors Gesicht. Lässt ihn weitertrinken, obwohl sie sein Problem kennt. Er denkt, dass er jetzt seinen Frieden hat. Niemand mehr Druck macht. Die Frau wäre sonst nie sein "Niveau".

    Seinen beiden Töchtern geht er aus dem Weg. Das tut sehr weh.

    Das schlimme ist, dass keiner meinen Zustand sieht, da er nur zuhause trinkt. Bei Feiern mit anderen Leuten hält er sich dezent zurück. Im Job leistet er gute Arbeit. Er hat zwei Gesichter und nur seine Familie sieht das zeite Gesicht.

    Wann kommt der Zusammenbruch von dem immer alle sprechen?

    15 Jahre Alkoholiker. Er ist extrem schlank. Mittlerweile aber so, dass die normale Energiezufuhr nicht ausreicht und er selbst durch viel Essen nicht genug Reserven bekommt.

    Vielen Dank fürs geduldige Lesen

  • Hallo Fanny,

    herzlich willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe.

    So, wie du all die Jahre gelebt hast, dass sich alles um den Alkoholiker gedreht hat, dass du immer mehr alleinige Verantwortung übernommen hast, so ist das ganz oft in Suchtbeziehungen.

    Dass er sich getrennt hat weil er anscheinend in Ruhe bei seiner Freundin weitertrinken kann, ist klar. Ich könnte jetzt schreiben " sei froh, dass du ihn los bist". Aber das ist leichter gesagt als es sich in Wirklichkeit anfühlt.

    Für den Austausch klick bitte auf den Link: https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Nach der Freischaltung findest du dein Thema im Bereich für Angehörige und Coabhängige. Dort kannst du dich weiter austauschen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Aurora 30. Oktober 2026 um 10:46

    Hat den Titel des Themas von „Mein Partner ist alkoholkrank“ zu „Fanny - Mein Partner ist alkoholkrank“ geändert.
  • Hallo Fanny,

    ich habe dich freigeschaltet und du kannst dich hier überall austauschen. Schreibe bitte die ersten 4 Wochen aber nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Ich habe dir auch eine PN geschrieben, schau bitte oben rechts bei den beiden Sprechblasen nach.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Fanny,

    wohnt ihr denn jetzt wieder zusammen oder seid ihr auch immernoch räumlich getrennt?

    Ich stecke in diesem Schock fest, dass ich ihm nie helfen konnte.

    Sieh das doch mal nicht als Schock an sondern als Erkenntnis. Du hast alles gegeben in dem Glauben, eure Situation zu verbessern, das Bild einer " normalen" Familie aufrecht zu halten. Vielleicht immer mit dem Gedanken, er könnte dadurch zur Vernunft kommen.

    Ich schreib das einfach mal weil es zum Beispiel bei mir so war. Da war die Erkenntnis, dass ich niemals hätte ihm helfen können weil er es niemals selbst wollte. Da war erstmal große Traurigkeit in mir. Aber dann war es eine große Erleichterung. Ich hatte also keine Schuld an seinem Zustand. Ich war niemals wertlos deshalb.

    Er hatte nur eine andere Vorstellung wie er sein Leben leben wollte als ich es hatte. Meine Vorstellung war, dass ich glücklich sein wollte, nicht mehr bis zur Erschöpfung alles alleine machen wollte. Nicht mehr diese Wut auf ihn spüren wollte... usw.

    Das hat mir beim Loslösen aus der Ehe sehr geholfen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Aurora, in der Theorie verstehe ich das gut. Ich habe weder Macht noch Kontrolle.

    Aber ich kenne ihn halt auch schon so lange. Ich weiß, dass er mit all den schlimmen Schicksalsschlägen nicht fertig ist. Er kann mit niemanden drüber reden. Das ist sein Wesen. Er ist zu hart zu sich selber. Ist in sich gefangen. Er ist depressiv.

    Von außen sehe ich, dass er Hilfe braucht. Deshalb versuche ich ihm immer wieder zu helfen und zu animieren. Sicher nervt ihn das auch.

    Nun versuche ich Abstand zu halten. Wir wohnen getrennt. Habe ihn auf WhatsApp blockiert. Gemeinsame Schnittmenge sind nur die Kinder, die er aber ignoriert.

    Wann kommt denn endlich die Einsicht?

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