Endlich mal "ohne" sein!

  • Hallo Marcel,

    wie Du habe ich den Alkohol als Betäubungsmittel für meine persönlichen Probleme benutzt. Vor allem am Anfang (also vor vier Wochen) kam ab und zu Saufdruck, aber das war eher die Gewohnheit, glaube ich, so wie der Griff zur Zigarette nach dem Essen. Ich habe deshalb bestimmte Rituale ganz bewusst abgeschafft.

    Gefühlt habe ich mich von Anfang an ziemlich gut, bis auf seelische Durchhänger, die dadurch entstanden sind, dass ich mir das alte "Dämm-Material" nicht mehr einflöße. Daran arbeite ich jetzt, vor allem durch Schreiben und Lesen hier im Forum.

    Raten kann ich Dir nur, zum Arzt zu gehen, ansonsten findest Du hier Berichte in Hülle und Fülle, die Dir vielleicht helfen können, für Dich ganz persönlich den besten Weg zu finden.

    LG und alles Gute für Dich, Meni

  • Hallo Marcel,

    das mit den Panikattacken kenne ich auch.

    Zitat von *Marcel*

    Seitdem sind die Panikanfälle wieder da, aber jedesmal nur wenn ich mal wieder verkatert war.

    Ich bin sicher, Du warst da nicht verkatert, sondern das waren schon heftige Entzugserscheinungen.

    Ich habe eine stationäre Entgiftung gemacht. Die erste Woche war zwar nicht so prickelnd, aber dann gings bergauf. Du bekommst dort auch Medikamente, die die Entzugserscheinungen dämpfen.

    Geh doch mal zu Deinem Hausarzt, und besprich das ganze ganz offen mit ihm. Ich denke, das ist notwendig bei Dir.

    Viele Grüße

    pauly

    Es ist nicht leicht, das Glück in sich selbst zu finden,
    doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden.

    Agnes Repplier

    Abstinent seit Oktober 2006

  • Hallo Marcel und herzlich willkommen,

    dass deine nächste Anlaufstelle ein Arzt sein sollte, hast du schon gehört. Mit ihm kannst du beratschlagen, welche Form von Entzug für dich geeignet ist. Sei von Anfang an ehrlich. Das bringt's. Stell' dich offen zu dem, was du hier geschrieben hast. Je schneller du echt verinnerlichst, dass du Alkoholiker bist, umso weniger dramatisch ist das.

    Wandel' deine Wut in positive Energie und beginne ein neues Leben. Und nichts anderes als ein neues Leben erwartet dich. Wie das dann im Einzelnen aussehen wird, bestimmst du. Vielleicht das erste Mal.

    Ich persönlich habe es vom ersten Tag genossen, nicht mehr trinken zu müssen. Ich habe die Sauferei gehasst. Ich hatte es zutiefst satt, deratig von etwas abhängig zu sein, was ich verabscheute und was mir zuerst die Lebensqualität und dann das ganze Leben rauben würde.

    Mach' dir nicht einen zu großen Kopf, wie es sein wird. Mir war egal, wie es sein würde, denn ich wusste: nichts wäre schlimmer, als so weiter zu leben. Ich habe das Verlassen des Alkohols aus meinem Körper und auch jeden einzelnen Tag danach als Befreiung erlebt, auch wenn im Leben deswegen nicht von heute auf morgen alles von allein rundläuft.

    Trockenwerden ist Arbeit. Der Entzug ist "nur" ein Schritt. Aber der erste. Und dann muss man bereit sein, viel für sein neues und trockenes Leben zu tun und zu lernen.

    Ich fühle mich vom Denken her noch nicht trocken. Aber ich bin mittlerweile auf einem guten Weg dorthin und kann sagen: Es lohnt sich. Und jeder kann es packen, wenn er ehrlich bereit ist und am Ball bleibt.

    Man braucht viel Mut und viel Kraft und viel Geduld mit sich und dafür bekommt man sein Leben zurück.

    Ich wünsche dir auf deinem Weg alles Gute

    Gruß vom Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Lieber Marcel,

    Herzlich Willkommen hier im Forum und unsere SHG.
    Meine Vorschreiber haben ja schon das wichtigste gesagt, dem möchte ich mich grundsätzlich so anschliessen. Außerdem möchte ich noch zusätzlich sagen, das wir uns hier auch als SHG sehen, eben halt online, und wir sind sicher auch eine gute Wahl. Natürlich kann auch jeder eine reale SHG besuchen, das tun ja auch einige hier. Das muß jeder für sich selber entscheiden, wie er das am besten kann. Manchmal ist es einfacher, sich hier zu offenbaren. Aber da ist jeder sicher anders.

    Ja, Marcel, die jetzigen Panikattacken bei Dir sind dann mittlerweile Entzugserscheinungen. Ich kenne das aus leidvoller, eigener Erahrung sehr genau. Ich bekam am Ende so starke Panikattacken, das ich dachte,ich muß sterben. Die kamen teilweise aus heiterem Himmel, teilweise in bedrängenden Situationen. Einen in der Schweiz hab ich noch in grausamer Erinnerung, wir waren in Zermatt, da kommt man nur mit dem Zug hin und zurück. Auf der Rückfahrt war der Zug proppevoll und ich bekam eine Panikattacke, die sich gewaschen hatte. Umkippen konnte ich nicht, der Zug war zu voll, das stimmt jetzt echt. Die Fahrt dauerte nur ca. 10 min und in diesen wenigen Minuten ging ich durch die Hölle, ich zählte die Sekunden. Als wir wieder raus konnten, sagte ich zu meinem Mann, ich müsse mal auf Toilette, im Wirklichkeit ging ich zu einem Kiosk daneben und kauft mir am hellerlichten Tag vor anderen 2 Flachmänner und trank die hastig auf Toilette. Ich hab mich selten so geschämt in meinem Leben. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen, ehe ich wach wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.
    Ich habe im Krankenhaus entgiftet, hätte ich das nicht getan, wäre ich heut tot. Ich hatte nur noch wenig Zeit, nur noch 2-3 Wochen, dann wäre es zu spät gewesen.

    Mach Du es lieber besser, hol Dir Hilfe, ich war zu dumm dazu und hab mich zu sehr geschämt. Ein großer Fehler.

    Ein kalter Entzug kann sehr gefährlich werden, es kann sein, das Du es dann nicht mehr zum Arzt schaffst. Geh besser so hin, pack aus, verschweige nichts, kein Arzt reißt Dir dafür den Kopf ab. Im Gegenteil, er wird Dir helfen. Du hast eine Suchterkrankung, die sehr viele haben. Kein Grund zur Scham, schämen braucht man sich nur, wenn man nichts dagegen tut. Du wirst danach sehr erleichtert sein und hast schonmal einen Verbündeten. Ich habe eine sehr nette Ärztin, zu der ich gern gehe, ohne Angst, was ich früher nicht konnte, da ich eine regelrechte Arztphobie hatte. Aber sie spricht immer mit mir über alles, ich kann ihr alles anvertrauen, nicht nur körperliche Beschwerden.

    Wie sieht das Leben danach aus? Ja, anfangs erscheint einen vieles schwierig, man wird einiges ändern müssen, dazu wirst Du hier noch viel Tipps bekommen. Was ich für das allerwichtigste halte, ist Offenheit, ansonsten muß man ja dauernd lügen, und weiß bald nicht mehr, was man wem erzählt hat. Und sie schützt auch zugleich, von Freunden wird Dir dann kein Alk mehr angeboten, kein Spruch:Ach komm, eins kannste doch. Wahre Freunde tun soetwas nicht.

    Man muß halt immer an und seiner Trockenheit arbeiten, anfangs erschient einem das schwer, aber es wird immer einfacher mit der Zeit. Unsere Krankheit tragen wir nun lebenslang in uns, sie vergeht nie wieder wie eine Grippe. Aber man kann damit ein zufriedenes und auch glückliches Leben führen. Das wichtigste ist halt, nie wieder Alk zu trinken, keinen Schluck, sonst wird man mit sehr großer Sicherheit rückfällig. Ansonsten bekommt man viel Lebensqualität zurück. Man kann wieder alles machen, was man früher durch den Suff nicht mehr konnte. Alkohol trinken kann man allerdigns nie wieder, weil wir Alkoholiker nicht kontrolliert trinken können.

    So, datt wars erstmal von mir

    Ach so, noch was vergessen, eine Panikattacke hatte ich nie wieder, bin sogar vor nicht allzulanger Zeit mal allein im Fahrstuhl steckengebleiben, selbst da bekam ich keine, wo evtl. sogar "normale" Menschen einen bekommen hätten.

    Ich sende Dir einen lieben Gruß
    Lilly

  • Hallo Marcel,

    dieses Wohlgefühl kenne ich auch und dachte, wie Du, dass es die Euphorie der ersten Zeit ist, aber tatsächlich vertieft es sich mit jedem Tag, an dem ich nicht trinke. Die innere Ruhe, die ich über lange Zeit mittels Alkohol gesucht habe, kehrt in ganz kleinen Schritten bei mir ein, sei es beim Laufen oder auch nur, weil ich immer öfter den Kopf heben kann, um anderen Menschen ins Gesicht zu sehen - und dort übrigens oft ein Lächeln entdecke (und das in dieser Riesenstadt).

    LG, Meni

    P.S.: Micha, Du hast mir mit Deinen Zeilen einfach aus der Seele gesprochen...

  • Hallo Marcel,

    du hattest während deiner sehr kurzen TRINKPAUSE am 5.12.06 geschrieben:

    Zitat

    lilly
    Hast ja einen schlimmen Weg hinter dir. Aber ich finde das zeigt das selbst extremen Fällen geholfen werden kann.
    Von Flachmännern und ähnlichem Gesöff habe ich mich immer fern gehalten

    Was wolltest du uns damit sagen? Dass du ein weniger extremer Fall bist?
    Was sagt mir die Info, dass du keine Flachmänner trinkst? Bist du kein Alkoholiker?

    Was richtig ist, ist, dass jedem geholfen werden kann ... vorausgesetzt, dass er sich helfen lässt. Was hast du noch gelesen, von dem was dir geschrieben wurde?

    Hattest du gelesen, dass es besser ist zum Arzt zu gehen?
    Hattest du gelesen, dass man sich seine Trockenheit erarbeiten muss, indem man sich sehr intensiv und gewissenhaft mit seiner Erkrankung auseinandersetzt?
    Hattest du gelesen, dass es wichtig ist, sich mit ebenfalls Betroffenen auszutauschen, also beispielsweise hier in unserer Online-SHG?
    Dass es wichtig ist zu lernen von Menschen, die schon viele Erfahrungen haben, sowohl mit dem Saufen, als auch mit einem trockenen Leben danach?
    Glaubst du Lilly hat dir von sich geschrieben um dir zu sagen, dass es bei dir ja noch nicht so schlimm ist und du das so nebenbei - wie du das offensichtlich vorhattest - machen kannst?

    Dann willkommen in der Realität.


    Zitat

    Mein ganzer Bekanntkreis regt sich immerwieder drüber auf das ich ein Sturer Bock bin und nun muss ich einfach mal Stur zu mir selbst sein.

    Das reicht nicht, Marcel. Ganz im Gegenteil. Du musst vor allem offen sein, wenn du eingesehen hast, dass du das nicht alleine packst. Offen und zugänglich gutgemeinten Ratschlägen von Menschen, die wissen wovon sie reden und dir helfen wollen, indem sie dich an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben lassen.

    Ich find's gut, dass du dich wieder gemeldet hast und wünsche mir für dich, dass du begreifst, dass es ohne Hilfe und Austausch nicht geht.

    Erzähl' etwas von dir. Was trinkst du, wenn keine Flachmänner? Und wieviel und wann? Wie war das genau mit deinem "Rückfall" und was denkst , woran bist du gescheitert? Was erwartest du von deiner Freundin? Was bist du bereit in deinem Leben zu verändern, um trocken leben zu können?

    Gruß vom Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Hallo Marcel,
    10€hier,10€ da,aber Geld um Dir neueun Stoff zu kaufen hast Du ja scheinbar!!Schluß ist ja scheinbar immer noch nicht!Bist ja nicht weit gekommen,mit deinen guten Vorsätzen für dieses Jahr.4 Tage ohne Schlaf ist hart?4 Tage unter Strom,ist noch viel härter!!Merkst Du noch was?Wir wollen Dir hier helfen,und Du scheinst diese Hilfe und Unterstützung nicht annehmen zu wollen.Wenn Du der Meinung bist,wenn Du dir ein paar Bier kippst,dann besser schlafen zu können,dann bitte!Kannst dich ja mal wieder melden,wenn Du tatsächlich zu dem Entschluß gekommen bist,mit dem Trinken aufhören zu wollen!Wenn Dein Geist stets wach gewesen wäre,dann hättest Du mitbekommen das Dir hier Hilfe und Unterstützung angeboten wurde,aber Du hast sie für dich nicht annehmen wollen.Behalte doch dein Einschlaftips einfach bei Dir!!

    Gruß Andi

  • Hallo Marcel,
    einiges ist doch für dich mittlerweile ziemlich klar.
    1. Du bist mit deinem Problem noch isoliert & hast keinerlei Hilfe
    2. Du hast Angst vor der möglichen Hilfe
    3. Dein Problem verstärkt sich in physischer Hinsicht
    4. Seit du dir deines Problems bewusst bist, verstärkt es sich auch im Kopf
    Es ist allerhöchste Zeit, dass du jetzt etwas mit Hand & Fuß unternimmst. Das wäre in deinem Fall erstens der Gang zur nächsten Selbsthilfegruppe & vor allem die Vorstellung im Krankenhaus für eine stationäre Entgiftung. Die ist bei den von dir geschilderten Schwierigkeiten unumgänglich, es sei denn, du willst mit deinem Leben spielen.
    Was ist mit deiner Freundin? Die hattest du nicht erwähnt & auf die kannst du auch keine Rücksicht nehmen. Das von dir beschriebene Verhalten von ihr zeigt klar, dass sie mit deinem Problem völlig überfordert ist. Ohnehin gilt (nicht nur für dich sondern für jeden Alkoholiker): Trocken werden musst du ganz allein. Das nimmt dir keiner ab.
    Das hat auch etwas positives. Man muss sich nämlich seinen persönlichen Problemen stellen, die mit ursächlich für den Alkoholismus sind & kann dabei eine neues, zufriedeneres Lebensmodell angehen. Ich persönlich bin da noch ganz am Anfang & möchte nicht mehr zurück. Es lohnt sich wirklich.

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!