heute noch zum Arzt gehen

  • Hallo zusammen,

    bin auch neu hier.
    Erstmal vorneweg: es tut gut, mal offen über das alles sprechen zu können. Was soll ich jetzt sagen? Mir wird auch grad erst so richtig klar, wies um mich steht. Ich bin so ein typischer Quartalsäufer, ich trinke 3 oder 4 Tage gar nix, renne jeden Tag zum Sport, dann kommt wieder ein Abend, an dem ich mir einrede, ich hätte ja eigentlich alles im Griff. ein Fläschchen Wein geht schon, und ruckzuck hab ich mich die nächsten 2 Tage in der Wohnung verrammelt und 6 Flaschen ausgesoffen, dann kommt das schlechte Gewissen, wieder 3 oder 4 Tage Frieden, und auf in die nächste Katastrophe. So geht das schon ewig, mal mehr und mal weniger schlimm. Aber in den letzten paar Wochen wars mal wieder extrem heftig, und gestern morgen hab ich mir gesagt "jetzt ist Schluss, ich bin Alkoholiker, aber ich kann trocken werden".
    Da wäre dann auch gleich meine erste Frage: Seit gestern morgen hab ich nix mehr angerührt, soll ich heute noch zum Arzt gehen (Ambulanz KH), kann ich mich da gleich stationär legen lassen zur Entgiftung, geht sowas unbürokratisch, oder muss ich das übern Hausarzt machen? Das ginge dann halt frühstens Mittwoch, und solange will ich eigentlich gar nicht mehr warten.

    Ich wünsch euch allen schöne und trockene Weihnachten

  • Hallo Swiss,

    herzlich willkommen in unserem Forum und SHG!

    Karsten hat wohl recht, Du solltest mal bei der Ambulanz im KH vorbeischauen. Ich denke, die werden Dir dann sagen, wie es weiter gehen soll.
    Dein Hausarzt hat über die Festtage sicherlich eine Notdienstvertretung. Die könnte Dir eine benötigte Einweisung auch rausschreiben.

    Ich drück Dir ganz fest die Daumen. Du bist auf dem richtigen Weg.

    Viele Grüße und trotzdem ein schönes Fest

    Viele Grüße

    pauly

    Es ist nicht leicht, das Glück in sich selbst zu finden,
    doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden.

    Agnes Repplier

    Abstinent seit Oktober 2006

  • Hallo swiss,

    wir hatten heute ja nun im Weihnachtschat kommuniziert.
    Was machen die Maßnahmen zum KH, was macht dein Weg ?

    Gruß, Freund.

  • Hallo Freund,

    war ein guter Tag. Im KH hat mich ein Arzt untersucht (Puls,Blutdruck,...), war alles ganz okay, und er meinte, ohne Beschwerden kann er mich nicht stationär legen, hat aber gleich ein Termin für Mittwoch wegen Theraphie in ner anderen Klinik klargemacht (Motivations-Theraphie nennt sich die, er meinte, das sei das richtige). Hab dann heute noch meiner Mutter ne recht ausführliche mail geschrieben (da hats in letzter Zeit einige Spannungen gegeben, grade wegen der Sauferei), was ich vorhabe ("ich bin Alki", "ich brauch ne Theraphie" ... ) und sie hat super süss zurückgemailt, dass Sie mir ganz viel Erfolg wünscht und mich liebhat und so. Das war mir schon wichtig, dass meine Familie Bescheid weiss. Naja, meine Mutter ist Arzthelferin, du wusste eh wohl was los ist.
    Bock zu saufen hab ich nicht verspührt -> wegen mir kann der morgige Tag kommen.

    LG u eine schöne Weihnachtsnacht

    swiss

  • Hallo swiss,

    KLASSE!!!

    Ich drück Dir ganz fest die Daumen!

    Liebe Grüße

    pauly

    Es ist nicht leicht, das Glück in sich selbst zu finden,
    doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden.

    Agnes Repplier

    Abstinent seit Oktober 2006

  • morgen swiss

    heute gehts los! wünsch dir viel erfolg, und die karten auf den tischlegen, nichts beschönigen, dann kriegst du auch die richtige hilfe, aber das machst du ja.

    gruß doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo zusammen!

    Also erstmal ganz vielen Dank für den super Zuspruch, den ich von euch allen bekomme! Es tut irre gut, zu wissen, dass da Leute sind,
    die an einen denken.
    So, aber jetzt zum heutigen Tage. Ich hatte ja heute einen Termin im KH wegen Therapie. War, hmmm, interessant. Anders kann ichs nicht
    ausdrücken. Man muss dazu sagen, dass ich die Angst, über meine Krankheit zu sprechen, nach dem Vorsprechen bei dem Arzt im andern KH am Samstag
    in dieser Hinsicht schon überwunden habe. Ich bin da also heute morgen hin, und musste erstmal ne halbe Stunde warten. War aber ganz gut so.
    Die Schwester hat mich halt am Empfang gefragt, wozu ich hier wäre, zu wem ich gerne wollte und so, und da dachte ich: gleich Karten auf den Tisch
    (am Samstag der Schwester ind der Ambulanz hatte ich ja noch was von "Bauchschmerzen" erzählt ;) ) . Sie hat superfreundlich reagiert: "ahaha und welche
    Therapieform, da ham Sie sich noch nicht entschieden? Dann geb ich ihnen mal auf jeden Fall noch ne Liste von Therapeuten mit, wenn sie bei uns nix
    machen wollen, sondern was Ambulantes in der Stadt" ???.
    Dann kam schliesslich der Doc: "Na, erzählen sie mal". Wer mich aus dem Chat kennt, der weiss, dass ich mitunter ne ganz schöne Laberbacke sein kann :).
    Na, und dann hab ich halt losgelegt.
    Vom saufen bis Freitag,
    vom Beschluss "Never ever again",
    vom 1. KH,
    dass es mir eigentlich super geht, dass ich aber auf jeden Fall was machen will, dass das auch so bleibt,
    warum ich denke, dass ich gesoffen hab,
    was ich an meinem Leben ändern will und was nicht,
    was ich an mir ändern will und was nicht,
    und und und ...
    irgendwann hat er mich dann mal gebremst ;) und mir die Optionen unterbreitet:
    3 W stationär in der Klinik
    6 W Tagestherapie in der Klinik
    Suchtberatung (Caritas, Diakonie, ...) bei ner anderen Institution
    SHG (konnt ich sagen, "hab ich schon" (dank euch, Leute, nochmal "Danke,Danke,Danke")
    oder (und das ist das, was ich machen werde) "Sie legen sich 2x die Woche bei einem Therapeuten ihrer Wahl auf die Couch"

    Ich weiss, dass jetzt einige vielleicht stutzig sind, aber bei mir siehts so aus, hab ich festgestellt, dass ich mit dem Alk
    abgeschlossen hab. Tag 5 ist heute abend durch, ich hatte praktisch keine körperlichen Beschwerden und auch seelisch gehts mir
    von Tag zu Tag besser. Aber es gibt Dinge in meinem Kopf und in meiner Seele, über die ich mir bei einem Profi den Mund fusslig
    reden will. Das sind die Dinge, die mich früher dazu verleitet ham, sie mir aus dem Hirn zu saufen. Aber das hat nicht funktioniert.
    Ich hab lang gesoffen, und sie sind immer noch da. Und darum gehts bei mir. Andererseits will ich sonst aber vieles ohne
    Unterbrechung beibehalten (meine Freiberuflichkeit, mein Ergänzungsstudium, meinen Sport), Dinge, die mit Alk nie was zu tun hatten.
    Jo, so sieht er aus, der Weg, den ich gehe. Einen Termin zu kreigen bei nem Therapeuten ist zwar für die Woche praktisch unmöglich
    (hab schon die halbe Liste abtelefoniert, nur AB´s, weil Urlaub), aber das macht nix. Ich weiss jetzt, wo´s langgeht, und darauf kommts an.
    Und ich freu mich drauf!

    Sooooo, das ist der aktuelle Stand beim Swiss,

    ich drück euch alle ganz lieb, ich wünsch euch schöne, trockene Tage und hoffe, euch alle spätestens beim Silvester-Chat zu "sehen",

    eure swiss

  • Nochmal der swiss

    Eine Sache will ich noch loswerden:

    Ich les hier viel zu viel über kalten Entzug!!!!!!!

    Leute, geht zum Arzt! Wenn ihr nicht stationär liegen müsst,
    dann wird euch kein Arzt stationär legen. Aber wenn er es tut,
    dann nur deshalb, weil er sich um euch, um euer Leben sorgt!
    Das ist ne Entscheidung, die nur ein Arzt fällen kann!

    Wenn ihr ohne Arzt kalt entzieht riskiert ihr, dass euch der Alk noch fertig macht, obwohl ihr ihm schon fast aus den Fingern seid!

  • Hallo swiss,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht vom Arztbesuch. Jetzt hast Du ja schonmal ein paar Weichen gestellt.

    Ganz besonders wichtig, finde ich, dass Du nochmals ausdrücklich auf die (Lebens-)Gefährlichkeit eines kalten Entzuges hingewiesen hast.
    Ich z.B. hatte zwei kalte (Horror-)Entzüge hinter mir, bevor ich dann im Oktober einen stationären machte. Dort hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben, wie riskant so ein kalter Entzug ist, und dass man den unbedingt vermeiden muss!
    Ich will damit sagen, dass es solch 'Unwissenden', wie mich, bestimmt noch zuhauf gibt und man es deshalb nicht oft genug vorbeten kann.

    In diesem Sinne

    Liebe Grüße

    pauly

    Es ist nicht leicht, das Glück in sich selbst zu finden,
    doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden.

    Agnes Repplier

    Abstinent seit Oktober 2006

  • Hallo Achim,

    angesichts dessen, dass, wie von anderer Seite ja schon oft betont, dieses Forum nicht zur Selbstdarstellung da ist, und ich ausserdem aufgrund der Wahrung meiner Privatspäre ich nicht zu sehr ins Detail gehen möchte, nur soviel. Eine radikale Änderung meines Lebens (Wohnort, erweiterter Freundeskreis, Job, allgemeines Umfeld) habe ich bereits vor über 3 Monaten vorgenommen. Leider hat die Klette Alkohol irgendwie (durch mich, der Rest in meinem "neuen" Lebens ist von "Natur" aus trocken ) den "Umzug" geschaft. Soviel zum Thema "Vorbereitung".
    Ich bin in den 9 Tagen Trockenheit bei 2 Kliniken vorstellig geworden, beid denen ich jetzt Ansprechpartner habe, ich habe Termine bei 2 Suchtberatungsstellen und über meinem Schreibtisch hängt eine Liste mit Psychologen, die auf Fälle wie mich spezialisiert sind, von denen schon einige ne Nachricht auf dem AB haben. Meine Familie und meine engsten Freunde sind alle detailiert ins Bild gesetzt, wie meine momentane Lage ist und ich hab von allen die Zusage "wenn irgendwas ist, du kannst mich jederzeit anrufen, nur mach kein Scheiss".
    Und wenn nix mehr hilft und ich dennoch drohe, die Kontrolle zu verlieren, werd ich mich im Bad einschliesen, den Schlüssel runterspülen und solange an die Wand trommeln, bis die Feuerwehr mich rausholt und in die Ambulanz karrt. Soviel zum Thema "Absicherung".
    Ich werde nichts, aber auch nichts unversucht lassen, diese Nummer erfolgreich durchzuziehen.
    Alles andere, und da geb ich dir Recht, ist nämlich schwer gefährdet zu scheitern.

    So, das musste ich jetzt mal loswerden.

    Und jetzt wird trocken gefeiert, Lachen ist nämlich gesund und heut ist Silvester :)))))))))))

    swiss

  • hmmmm,

    den letzten Post von mir kann man ja jetzt auch schon wieder falsch verstehen, deshalb noch ein paar Erläuterungen.

    Achim,

    alles, was ich vermitteln wollte, ist, dass ich das Gefühl habe, dass du nicht alles in deiner Macht stehende unternimmst, um trocken zu werden und auch zu bleiben (und das auch zu überleben, siehe kalter Entzug).
    Ich glaube, du testest aus, was ist nötig, was nicht, also maximaler Erfolg bei minimalem Einsatz, und das ist in meinen Augen wie Rusisch-Roulette.
    Ich mach mir halt tierisch Sorgen, das ist alles.

    LG, swiss

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