Irgendwann muss man drüber reden ...

  • hallo charisma,

    du musst dich nicht schämen über das was du schreibst, oder wie du denkst. ich glaube, das geht allen kindern von alkoholikern so: man schämt sich für das alkoholkranke elternteil, ist wütend, manchmal hasst man den menschen geradezu, fühlt sich hilflos, überfordert, das ganze chaos an gefühlen und gedanken. das ist für jeden einzelnen schlimm, aber es gibt viele, denen es so geht, das hast du sicher hier gemerkt. also willkommen erst einmal in diesem forum.

    du fragst, was du tun tun kannst. so brutal sich das anhört: nicht viel. alkoholismus ist eine sucht, die kann man nicht einfach abschalten. dein vater müsste von selbst WOLLEN, mit dem trinken aufzuhören. das einzige was du tun kannst ist zu versuchen, mit ihm zu reden, wenn er nüchtern ist. ihm zu sagen, dass das so nicht auf dauer gut geht, dass er sich selbst und seiner familie schadet. ob er nicht einmal überlegen möchte, ob er sich in ärztliche behandlung begibt. dass du ihn lieb hast und für ihn da bist, wenn er nüchtern ist. aber dass du mit einen betrunkenen vater nicht reden und umgehen magst. gut wäre natürlich, wenn deine mutter da mitziehen würde, aber das hört sich in deinem beitrag nicht so an.

    für dich kann ich dir nur raten, dich so weit wie möglich abzugrenzen. du schreibst, dass du ausziehst - das ist gut. du musst dein leben leben und musst versuchen, dich nicht noch weiter in dein heimisches schlamassel hineinziehen zu lassen, da DU aller voraussicht nach nichts ändern kannst. du hast auch keine schuld und keine verantwortung für deinen vater, es ist sein leben. wichtig ist, dass du auf dich aufpasst.

    wenn du dich weiter informieren magst, findest du hier im forum viel zu lesen, du kannst auch alle deine fragen stellen, es wird dir immer jemand antworten. vielleicht tut es dir auch einfach mal nur gut, hier drüber zu "reden".

    wünsche dir viel kraft

    lavendel

  • Hallo Charisma,

    willkommen im Forum ;)

    Ich kann Lavendel nur zustimmen. Ändern können wir Kinder von Abhängigen nichts, auch wenn wir dies noch so sehr wollten. So lange keine Einsicht des Kranken besteht, wird sich nichts ändern.
    Bei meinem Vater ist es nicht anders. Ab und an (wie z.B. jetzt auch) holt er sich alkoholfreies Bier bzw. lässt es sich von meiner Mutter holen... . Und nach kurzer Zeit geht er doch wieder an das "normale" Bier. Meine Mutter hat schon mal nen kompletten Kasten Alkoholfreies weggeschüttet, weil er nicht mehr dran gegangen ist.
    Das Gefühlschaos kenne ich zugut. Mit Knallfröschen in den Zigaretten wollte ich meinem Vater das Rauchen abgewöhnen. Aus Angst vor seiner Reaktion habe ich es dann doch nicht gewagt, damals war ich noch in der Grundschule (klingt als wär ich 50 *g*).
    Zwischendurch hatte ich Mitleid mit ihm, gab uns (meinen Geschwistern, meiner Mutter und mir die Schuld an dem Dilemma..."ist er überfordert?"). Heute ist es mir nur noch gleichgültig. Auch wenn er hier und da mal gute Seiten zeigt, so überwiegen die schlechten und das macht es mir schwer, zu hoffen, dass er eines Tages zur Einsicht kommen wird.

    Es tut weh, ich weiß.....war bei mir anfangs auch so. Aber seitdem mir richtig bewusst wurde, dass ich wegen ihm keine Kindheit und schon gar keine Jugend hatte, ist er mir egal....denn DAS tut mir mehr weh, dass er mir viele, viele Chancen im Leben verbaut hatte (allerdings auch meine Mutter, ob aus Hilflosigkeit oder aus welchem Grund auch immer, mag dahin gestellt sein, aber das ist ein anderes Thema).

    Ich kann Dir nur aus eigenener Erfahrung raten: Ziehe weiter weg als nur 10 Autominuten von Deinen Eltern entfernt (war damals mein Fehler), nimm Dein Leben in die Hand....denn ich bin mit 28 und meiner mittlerweile 3jährigen Tochter erst JETZT an dem Punkt angelangt, MEHR aus meinem Leben zu machen, als arbeiten zu gehen und nach der Arbeit und auch am Wochenende tagtäglich bei meinen Eltern zu hängen, wo Zigaretten und Alkohol an der Tagesordnung sind... .

    Du bist verdammt mehr wert, als in den 4 Wänden mit einem Alkoholiker und einer Mutter, die scheinbar leider nicht begreift, was da abgeht, zu leben.

    Tu Dir selbst diesen Gefallen, trenne Dich gedanklich von dem Mist (sorry, für den Ausdruck) und trenne Dich auch räumlich von Deinen Eltern.

    Es wird Zeit, dass Du an DICH denkst....bei mir ist es fast zu spät gewesen....

    Gruß,
    Kerstin

  • Hallo Charisma,

    sicher ist, dass ein Problem besteht !
    Deine Familie handelt ähnlich wie meine, nur dass sich keiner drüber lustig macht. Bei uns regt sich jeder drüber auf, aber nur wenn mein Vater nicht anwesend ist. Ist auch nicht immer leicht, zumal ich momentan versuche, dass alles einfach stur zu "übersehen". Ich will mit dem Kram wenigstens gedanklich nichts mehr zu tun haben, denn es macht mich nur fertig.

    Dass Du eine Blockade hast, ihm gegenüber Deine Ängste und Sorgen mitzuteilen, kann ich gut verstehen. Ich habe bis heute nicht mit meinem Vater drüber gesprochen, weil ich der Ansicht bin, dass es nicht meine Aufgabe sein kann, ihn zur Vernunft zu bringen oder ihm den Kopf zurecht zu rücken. Klar, vielleicht würde mein Vater dann auf mich hören und wirklich realisieren, was schief läuft. Aber wo führt das hin ? Selbst wenn er versuchen sollte, nen Entzug zu machen, so würde dieser aufgrund seines geringen eigenen Willen scheitern und wir würden bei Null anfangen.... .

    Ich kann Dir nur sagen, Du bist nicht verantwortlich, was da läuft....übertreiben tust Du mit Sicherheit nicht, denn Dein Vater IST krank. Mein Vater hat auch nicht den Bierkasten neben sich stehen, geht zur Arbeit, ist nicht aggressiv (noch nicht ?).....nach außen hin ist er über viele Jahrzehnte nicht aufgefallen. Erst in den letzten 3 Jahren machen sich Bekannte Sorgen um ihn, mahnen meine Mutter, ihm ins Gewissen zu reden, etc.

    Aber so lange die Kranken nicht sehen, DASS sie krank sind, kann man genauso versuchen, nen Stein zum Christentum bekehren zu wollen... .

    Nimm allen Mut zusammen und verlass das Schiff, bevor es am Eisberg zerschellt ist !!!

    Sonst sitzt Du eines Tages wie ich mit 28 da, und fragst Dich, warum Du nicht eher schon nen gedanklichen Schlußstrich gezogen hast und warum Du nicht schon eher gesagt hast "So nicht!"

    Sollte mein Vater in der nächsten Zeit wieder einen seiner Anfälle bekommen (Kontrollwahn) und über mich und mein Leben bestimmen wollen, dann kracht´s und ich garantiere für nichts.... .

    Lass also DU es nicht so weit kommen.....

  • Hallo!

    Auch von mir ein herzliches Willkommen!

    Es ist schön, dass Du Dir Hilfe suchst und wie Du bemerkt hast bist Du nicht alleine mit Deinen Problemen, die Dir verständlicherweise übertrieben und absonderlich vorkommen mochten.

    Als ich mich hier im Forum das erste mal "rein-las", war es wie ein Stoß vor den Kopf für mich. Meine ersten Gedanken waren: Oh Gott! SO VIELEN geht es genauso wie mir? So VIELE haben fast die selben oder zumindest annähernd ähnliche Erlebnisse wie ich gesammelt? Haben das selbe gefühlt und sich die selben Vorwürfe gemacht?

    Für mich war das eine unglaubliche Erleichterung. Und ich würde Dir wünschen, und jedem Neuen der den Weg hierher ins Forum findet, dass ihm oder ihr dasselbe wiederfährt ;) aber vor allem die Kraft und den Willen weiter zu machen, weiter Hilfe anzunehmen und sie auch zu WOLLEN.
    Das war und ist auch heute noch zum Teil ein Problem, mit dem ich zu kämpfen habe. Aber für mich selber habe ich erkannt dass ich es ohne Hilfe und Beistand nicht schaffe, aber ich muss bereit sein dies zu suchen und auch anzunehmen, die Dinge dann auch umzusetzen kann ich dann Schritt für Schritt.
    Am liebsten wäre mir auch jetzt noch ein "Allheilmittel" dass JETZT und SOFORT funktioniert. Geduld ist für mich etwas ganz besonderes, etwas kostbares, für das ich hart arbeiten muss...
    DU hast den ersten Schritt bereits getan. Du hast gemerkt dass es so nicht richtig ist wie es ist, und hast angefangen einen neuen Weg zu suchen. DU bist auf einem guten Weg. Schrecke nicht davor zurück vor dem was Dich erwartet. Es kann nur besser werden, selbst wenn Du es anfangs nicht gleich erkennst und Dir alles fremd, neu und vielleicht sogar furchtbar anstrengend vorkommt. :wink:
    Du warst bereit etwas zu ändern und das ist das, was eigentlich zählt.
    Ich wünsche Dir die Kraft die Du brauchst um das zu erreichen, was Du Dir erhoffst.
    Ganz liebe Grüße von Krümelmonster

    Der richtige Weg ist nicht unbedingt auch der einfachste...

  • Hallo Charisma,
    wie hier schon viele auch geschrieben haben kann ich mich nur anschließen, irgendwie gleichen unsere Geschichten sich in gewisser Weise doch. Denke blos biemals, dass DU irgendwas mit der Sauferei Deines Vaters oder jemals irgendeiens menschen zu tun hast. Das wäre ein großer Irrtum. Du bist nur für DIch selbst verantwortlich. Und wie DU auch siehst kannst Du herzlich wenig Einfluß nehmen auf Deine Vater, selbst nicht einmal auf Deine Mutter, die ja nciht trinkt.
    Das liegt grundsätzlich erstmal wohl daran, dass DU ja das Kind bsit und Eltern sich grundsätzlcih nciht gerne Vorschriften von ihren Kindern machen lassen, und schon gar nicht wenn es um soclh wichtige Theman geht , wo sie sich ja grundsätzlich mal in Frage stellen müssen und eine riesige Veränderung in Kauf nehmen müssen. Du ziehst ihnen beiden gewissermaßen den Teppich unter den Füßen weg, wenn Du mit Recht kritisierst was bei Euch los ist.
    Daher haben alle Recht, dass es das beste für Dich ist Du gehst so schnell wie möglcih und so weit weg wie möglich, Auch ich habe diese Erfahrng hinter mir und es hat mir geholfen zu gehen. Mir selebr war im Gegensatz zu Dir zu der Zeit nciht einmal bewußt, dass es sich um eine Krankheit meines Vaters handelte. Ich hatte mir nciht viel Gedanken darüber gemacht, sondern hatte einfach 'die Schnauze voll' von allem.
    Einige Male hatte ich bzw, wir an unsere Mutter apelliert, dass sie sich doch trennen solle. Da war ich ungefähr 13. Aber meine Mutter war irgendwie geistig weggetreten, so hab ich es damals empfunden. Sie war so abhängig von meinem Vater, dass sie die Realität schon garnicht mehr richtig wahrgenommen hat oder es nicht wollte.
    Es ist sehr mutig von Dir, dass Du mal Deine Meinung gesagt hast. In der Tat brauchst Du niemanden durch die Gegend fahren, nur damit man sich vollaufen lassen kann. Das kann Dir keiner zum Vorwurf machen. Du kannst ruhig sagen, dass Du das ekelig und peinlich findest.
    Vielleicht kannst DU aber auch so nach und anch versuchen erstmal Deine Mutter zu bearbeiten. Wenn sie es nicht gewohnt ist über Probleme zu reden, dann kannst DU es ja so nach und nach probieren.
    Und Deinem Vater kannst Du auf jeden Fall sagen, dass Du es unangenhem findest, wenn Deine Freunde zu Besuch kommen und er betrunken ist. Wie er es denn finden würde. Kannst ja auch mal damit drohen, dass Du Dich in Zukunft daneben benimmst, wenn ER Besuch kriegt. Vielleicht entwickelt er schon nach und nach ein Bewußtsein dafür, was er da macht. Frag ihn doch mal, ob der viele Alkohol ihn glücklich macht und ob er Dir das auch weiter empfehlen würde . Dann muß er sich ja damit auseinandersetzen. Ich würde heutzutage versuchen meine Vater so richtig bloßzustellen. Wenn jemand anruft , würde ich sagen, dass er gerade nicht sprechen kann, weil er besoffen ist und nur noch rumlallt.
    Aber wie auch immer- das kannst Du machen, aber Du brauchst es nicht und Du brauchst auch keine Schuldgefühle haben. Schuldgefühle sollten Deine Eltern Dir gegenüber haben.
    Ich hoffe, dass Du das alles was hier für Dich geschrieben wurde zu Herzen nimmst und ganz viel Kraft für Dich hast, in erster Linie IMMER an DICH denkst, was aus Deinem Leben machst. Denn das ist wirlich nicht leicht ohne Unterstützung Deiner Eltern.

    Alles Gute für Dich
    Frozen Tears

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