Schreiben wir hier nur, um Mitleid zu erhaschen?

  • Da dieses Thema derzeit gerade in meiner Umgebung aktuell angesprochen wird, möchte ich Euch fragen, aus welchem Grund Ihr hier schreibt? Wirklich nur, um Euch selbst zu bemitleiden oder Euch Hilfe zu suchen?

    Ich wurde kritisiert, dass ich den Tatsachen (in der Familie) nicht ins Gesicht sehen will, sondern Mitleid von anderen suchte. Ich habe den Trost von anderen sehr gebraucht, tu' es noch, es stärkt mir de Rücken. Aber auch die Kritik brauchte ich, die Menschen, die mir klipp und klar aufzeigten, dass ich andes denken muss, wenn ich ohne Sucht weiterleben will, sie war noch wichtiger als der Trost.

    Ich habe das Gefühl, dass meine Sucht wiederum Probleme innerhalb der Familie ausgelöst haben, die ich nicht lösen kann, wo meine Leute selbst aktiv werden müssten.

    Wo endet das Selbstmitleid von uns und wo beginnt die Arbeit?

    LG, Meni

  • Wo endet das Selbstmitleid von uns und wo beginnt die Arbeit?

    Die Arbeit beginnt

    an dem Tag wo ich aufhören wil zu trinken/saufen ohne aber

    an dem Tag wo ich dieses Ziel als erste Priorität setze ohne aber

    an dem Tag wo ich hilfe anneheme ohne aber

    gewillt bin zu lernen, zu verstehen und umzusetzen ohne aber

    dann hört auch das IAS-Syndrom auf, welches mich in meiner nassen Zeit genug begleitet hat und mir eh nicht weiter hilft.


    IAS=Ich Arme Sau

    Kompromisse bedeuten ein Rückfall riskieren
    (vor dem trink - Rückfall geht ein Verhaltensrückfall vorraus)
    nicht Trinkende seid 04.03.07

  • hallo meni,

    mitleid, heißt ja das der andere mit dir leidet und davon würde ich abraten.
    das hat so ein bissel von co-abhängigkeit.

    ich kann ja nicht meine gefühle auf einen anderen projezieren.

    mein leid hat in dem moment aufgehört, als ich mir eingestand alkoholkrank zu sein und ohne wenn und aber etwas gegen meine krankheit tat.
    endlich für mich die verantwortung wieder selbst übernahm.

    gruß schorni

  • Guten Morgen Meni,

    ich denke, die meisten hier, egal ob Alkoholiker oder Co., schreiben hier, weil sie sich Hilfe erhoffen, an einem Punkt, wo sie alleine nicht mehr weiterkommen.

    Ganz bestimmt gibt es auch welche, die in Selbstmitleid baden und bedauert werden möchten, keinen Rat annehmen wollen! Oder sogar aus reiner Selbstdarstellung hier schreiben!

    Aber, dass das sehr schnell durchschaut wird, konntest Du schon öfter hier in einigen Threads lesen.

    Diese Leute sind aber meistens sehr schnell wieder weg!

    Wir suchen Hilfe, weil wir mit der Situation alleine nicht mehr klar kommen!

    Und diese Hilfe wird einem hier geboten! Was man aber daraus macht, liegt an einem selber!

    Uns wird hier der Weg gewiesen, doch gehen müssen wir ihn allein!

    Lieben Gruß an Dich
    Speedy

  • Hallo Meni,

    das wir hier schreiben um Mitleid zu erhaschen, ist sehr kurzsichtig gedacht und geht am Kern der Sache vorbei. Der Kern ist für mich, dass ich hier lerne trocken zu leben. Ich bin hier, um etwas in mir und in meinem Leben zu ändern und das ist eben nicht so einfach, wie mancher das gerne mal von sich gibt. Das klappt gut mir dem Lernen bei mir. Es gibt hier genügend Mitglieder und Mods, die klipp und klar schreiben "red nicht rum, sondern geh los und ändere was", wenn man hier Postings reinstellt, die nur dem Selbstmitleid dienen. Wer dann nur hier ist um Mitleid zu bekommen, der wird entweder Streit vom Zaun brechen, oder verschwinden.

    Auch bin ich ein Mensch und manchmal brauche ich Trost. Nur die Leute, die immer alles alleine machen müssen (nicht wollen), meinen Trost wäre eine nicht duldbare Schwäche, was jedoch Unsinn ist. Ich bekomme hier Trost allein durchs lesen und dem Wissen, mir gehts eben nicht allein so. Aber ich bekomme hier eben auch die Möglichkeit mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.

    Viele Grüße,

    Timster

  • Hallo,

    warum schreibe ich hier im Forum? Welche Bedeutung hat das für mich?

    Ich schreibe nicht, weil ich Mitleid suche. Sowohl Mitleid als auch Selbstmitleid sind, glaube ich, keine guten Begleiter auf dem Weg in die Trockenheit.
    Gelitten habe ich durch meine Sauferei genug. Ich habe mich dabei auch viel selbst bemitleidet, mit dem Resultat, dass ich in der Sackgasse blieb, mich als hilfloses Opfer zu sehen, was wenig Einfluss auf sein eigenes Leben hat.
    Ich möchte mich nicht mehr selbst bemitleiden, das tut mir nicht gut. Und ich möchte auch nicht, das mich andere bemitleiden, das tut mir nämlich ebenso wenig gut.

    Mitgefühl ist sicherlich eher ein Aspekt, weshalb ich hier lese und schreibe. Wobei sicher auch Mitgefühl seine Grenzen hat. Jeder Mensch hat seine eigene Lebenssituation und seine eigenen Gefühle. Für mich ist es wichtig, wenn ich mich mit meinen Gefühlen einem anderen Menschen anvertraue, dass dieser prinzipiell meine Gefühle nachvollziehen kann, ein Verständnis dafür hat.
    Ja, das ist ein Grund, weshalb ich hier im Forum schreibe. Weil ich denke, dass ein solches Nachvollziehen von Lebenssituationen und Gefühlen unter Menschen, die ein zentrales Problem teilen, nämlich die Alkoholkrankheit, eher möglich ist, als unter Nichtalkoholikern.

    Ein anderer Punkt, weshalb ich hier schreibe, ist der der Fremdreflexion. Ich bin oft sehr verunsichert, was mein eigenes Handeln angeht. Das mag daran liegen, dass ich selten Menschen hatte, mit denen ich mich über mich selbst austauschen konnte. Mein Wunsch ist es, Rückmeldungen von anderen Menschen zu erfahren, die durchaus auch kritisch sein dürfen.

    Und schließlich bin ich hier im Forum, weil ich von anderen Menschen lernen möchte. Ich lese die Beiträge anderer Teilnehmer, um mir Gedanken darüber zu machen, wie ich es genauso oder besser nicht machen sollte. Und natürlich bin ich auch für Ratschläge anderer im Hinblick auf meine eigenen Beiträge offen und dankbar.

    Liebe Grüße
    Gitta

  • Hallo,

    ich hatte vor Tag 1 immer nur mit meinem eigenen (nassen) Denken versucht, Wege zu finden dem Alkohol zu entkommen. Ich hatte bis dato keine Gleichgesinnten, keine Menschen, die diesen Weg schon gegangen sind und an deren Erfahrung ich hätte lernen können. Ich habe es notgedrungen über den Willen gemacht, habe keinen Alkohol mehr getrunken, wußte aber nicht um diese Vielseitigkeit der Neustrukturierung.
    Letztendlich habe ich 1000 Gefahren nicht wahrgenommen, die mich letztendlich immer wieder zum Rückfall führten.

    Ab Tag 1, dem Beitritt meiner Gruppenarbeit, habe ich meine Erfahrungen und meine Gedanken zum Trockenwerden gleich am Eingang in den Mülleimer geschmissen und nur noch Längertrockenen zugehört (lesen), Fragen gestellt und erzählt (schreiben) und mich ausgetauscht. Meinen Kopf habe ich fortan damit zu 100% gefüllt.

    Gruß, Freund.

  • Hallo,
    ich mußte sehr viele Runden drehen,ich bin dabei auch immer wieder in Selbstmitleid versunken,und drehte,und drehte,letztendlich tatsächlich,biß zum Point of no Return.Ich begann Gruppen zu Besuchen,viele Gruppen!Bis ich vor 2 Jahren die richtige für mich fand,und der gehöre ich heute noch an,und das wird auch so bleiben!Ich brauche kein Selbstmitleid mehr,und ich habe gelernt Hilfe anzunehmen zu verinnerlichen,und umzusetzen!

    Gruß Andi

  • Hallo, ich grüße euch alle

    Ich kann mich an eine Zeit meiner Rückfallperioden in den 90ern erinnern, wo ich besonders aus dem engsten Familienkreis häufiger die Aussage z. B. zu hören bekam:
    „Mensch Junge, du tust uns doch schon so leid, was sollen wir denn noch alles tun, damit du endlich kapierst, dass du trocken bleiben musst um mit deinem Leben in zufriedener Abstinenz wieder klarzukommen.“

    Oder: "Denk doch mal an deine Frau und deine Kinder, statt dich immer nur selbst zu bemitleiden."

    Wenn ich heute zurückblicke, habe ich mich damals regelrecht gesuhlt in Selbstbemitleidung und auch darin, Mitleid von anderen zu bekommen oder auch zu erhaschen, wie meni es hier im Thema ausdrückt.

    Ich sage sogar, ich habe damit gespielt um mir selbst mitunter meine Sauferei zu rechtfertigen, was natürlich ein folgenschwerer Trugschluss war und auch immer bleiben wird.

    Die Frage von dir nun meni, ob ich bzw. wir hier im Forum schreibe/n, um mich/uns selbst zu bemitleiden oder auch Mitleid zu erhaschen, kann ich für mich selbst nur mit einem klaren „nein“ beantworten.

    Neben der SHG und amb. Therapie schreibe und lese ich hier in diesem Forum, weil ich erkannt habe, dass ich im Umgang mit meiner Abstinenz in den letzten Jahren noch sehr viele Fehler gemacht habe und gegenwärtig auch noch mit vielen Unsicherheiten am kämpfen bin.

    Ich lese und erfahre hier von anderen Mitgliedern sehr viel, und kristallisiere für mich das heraus, von dem ich überzeugt bin, damit meine noch vorhandenen Schwachstellen und Lücken schließen zu können.

    Auch etliche Dinge, Verhaltensweisen, Umgangsformen usw. endlich anzunehmen und umzusetzen, bei denen ich mich auch gegenwärtig immer wieder mal selbst dabei ertappe, dass ich sie verdränge oder auch gerne aufschieben möchte.
    Ich befinde mich inmitten dieser Arbeit an mir.
    Begonnen hat sie allerdings erst viel zu spät!

    Alsdann, LG Heiko

  • Meine Motivation ist ausschliesslich die (selbst)Reflektion - ich möchte vermeiden, dass ich mir selbst gegenüber nachlässig und überheblich werde im Umgang mit meiner Krankheit.
    Selbstmitleid? Nun, das ist wie mit dem Mitleid: das gibts geschenkt, nur den Neid muss man sich erarbeiten. Ich erarbeite mir die Dinge lieber...

    LG
    Spedi

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