Hallo Wibo,
schön, dass Du mit Deinem Mann ein nüchternes Gespräch führen konntest. Ich wünsche Dir, Euch beiden, dass er zu den notwendigen Einsichten kommt.
Du hast mich, glaube ich, falsch verstanden. Ich habe geschrieben, dass Du etwas für Dich tun musst, nicht das Du etwas tun musst.
Das einzige, was Deine Aufgabe ist, wenn man es mal so nennen will, ist angedrohte Konsequenzen auch durch zu ziehen. Allein schon um nicht unglaubwürdig zu werden, aber auch um Deine Grenzen zu wahren. Du kannst erst etwas tun, wenn Dein Mann zu der Einsicht gelangt, dass er a) ein sehr großes Problem hat und b) aktiv etwas dagegen tun will. Erst dann kannst Du ihn unterstützen, wenn er das möchte, vorher kannst Du nichts tun. Bis dahin ist es Zeit an Dich selbst zu denken.
Mit für sich tun, meine ich unter anderem auch ein Buch lesen o. ä., aber auch allein etwas unternehmen und zu planen, statt abzuwarten bis er wieder nüchtern wird und ihr zusammen etwas machen könnt. Dein Leben selbst zu gestalten und es nicht von seinen nüchternen Momenten abhängig zu machen und in der Warteschleife zu stecken. Auch mal etwas tun was Dir Spaß macht, ohne Rücksicht zu nehmen ob es ihm auch gefällt. Er kann derweil tun was ihm Spaß macht. Das meine ich mit etwas für Dich selbst tun.
Für sich selbst sorgen heißt, nicht das andere einem egal sein sollen, sondern die eigenen Bedürfnisse nach vorn zu rücken, wo sie auch hingehören. Damit meine ich z. B. nicht die Dinge zu erledigen, die Aufgabe Deines Mannes sind oder die er tun könnte, wenn er nicht betrunken wäre, sondern sie liegen zu lassen. Er kann sich kümmern, wenn er nüchtern ist oder auch nicht. Doch es sind seine Aufgaben nicht Deine. Wenn Du versucht zwei Leben zu ordnen, reibst Du Dich auf und das ohne Ergebnis, weil er nicht mitzieht.
Warum ich meine das Du etwas für Dich tun musst? Damit Du nicht untergehst, damit Du selbst ein Leben hast, an dem Du auch Freude hast. Damit Du ein Ziel hast, einen Grund morgens aufzustehen und Dich auf den Tag zu freuen. Jetzt sieht es doch wohl eher so aus, als das Du schon mit hochgezogenen Schultern aufstehst und Dich fragst was heute wieder auf Dich zukommt, um was für Katastrophen Du Dich kümmern musst. Dich fragst ob und wie viel er trinkt und was dann wieder kommt. Du kümmerst Dich um Deinen Mann und vernachlässigst Dich selbst. Du reibst Dich bei dem vergeblichen Kampf ihn vom Alkohol zu bringen und ihn vor den Folgen seines Trinkens zu schützen auf.
Deine Kraft wird immer weniger, ebenso wie Deine Lebensfreude. Du reibst Dich auf, für nichts, Du wirst nicht erreichen was Du willst, nämlich das er trocken wird. Wenn einer etwas tun kann dann Dein Mann. Gib diese Verantwortung ab und tue etwas für Dich. Er ist für sein Leben selbst verantwortlich. Wenn er will, kann er, wenn er nicht will, dann ist es nicht Deine Aufgabe, es zu übernehmen. Du würdest Dich doch auch wehren, wenn man versuchen würde, Dich zu etwas zu bringen, das Du nicht willst, oder? Auch wenn der andere es noch so gut meint. Deshalb meine ich Du sollst etwas für Dich tun, damit Du nicht auch untergehst. Denn dann hat der Alkohol schon zwei Leben ruiniert. Das Deines Mannes und Deins.
Auch wenn man sich mal gesagt hat, in guten wie in schlechten Zeiten, heißt dass noch lange nicht das man sich selbst aufgeben muß, wenn die Zeiten mal schlecht sind. Alles hat seine Grenzen, auch die Sorgen für den Partner. Diese Grenzen sind bei uns Co-Abhängigen schon sehr weit gesteckt, viel zu weit für das eigene Wohl. Ich weiß sehr gut, dass das setzen von neuen Grenzen sehr viel Mut erfordert und oft schmerzhaft ist, aber es ist es wert. An sich selbst zu denken ist nichts Falsches, sondern etwas Lebensnotwendiges.
Auch habe ich nicht gesagt, dass Du Dich trennen sollst. Ich habe geschrieben für sich sorgen muß nicht automatisch Trennung bedeuten. Wenn ich Deine Beiträge lese, scheint es nach meiner Meinung, der beste Weg für Dich zu sein. Eventuell auch für Ihn, denn nach Deinen Schilderungen scheint er zu den Alkoholikern zu gehören, die erst alles verlieren müssen, bis sie wach werden. Doch das ist meine Meinung, die ich beim lesen bekommen habe, die musst Du oder auch andere nicht teilen.
Viel Glück für die kommenden 3 Monate, ich hoffe, sie bringen Dir, was Du Dir wünschst.
Skye