Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum?

  • Hallo liebe Forumsgemeinde,

    habe gestern im Vorstellungsbereich den Eintrag von Micha-Grophiusstadt gelesen, in welchem er berichtet hat, das er nach 13 Jahren der Trockenheit der einzige aus seiner ehemaligen Langzeittherapie ist, der noch heute trocken ist. Das war für mich der Grund intensiver über dieses Thema nachzudenken.

    Irgendwo habe ich auch mal gehört das nur 2 von 100 Alkoholikern es schaffen, bis an ihr Lebensende trocken zu bleiben, nachdem sie dem Alkohol ernsthaft entsagt haben.

    In meiner Suchtberatungsstelle gibt es zahlreiche Fälle von Menschen, die nach 6, 10, 12 und noch mehr Jahren rückfällig wurden. Auffallend war für mich, das ausschließlich alle berichteten, welch schönes Leben sie sich in den Jahren der Trockenheit aufgebaut haben.

    Jetzt frage ich mich natürlich: Welcher Teufel hat sie dann geritten, wieder zur Flasche zu greifen? War es Nachlässigkeit? Leichtsinn? Vergessen? Übersteigerte Selbstsicherheit?

    Wenn man rein von statistischen Werten ausgeht, muss man wohl auch davon ausgehen, das einige der Langzeittrockenen hier im Forum, die heute die überzeugendsten, sachlichsten und fundiertesten Beiträge schreiben, irgendwann in den nächsten Jahren wieder rückfällig werden. :(

    Ich finde diesen Gedanken ziemlich beunruhigend.

    Was meint ihr dazu?

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Servus Blizzard,

    ich muss Dir leider recht geben - auch das Zahlenverhältnis mag stimmen.

    Was bei den mir bekannten Rückfällen nach langer Trockenheit (+10 Jahre) in allen Fällen mit der Hauptgrund war, ist die Nachlässigkeit, die sich eingeschlichen hatte.

    Der eine ging nicht mehr regelmässig in die SHG ("mir ging's doch gut"), der andere gleich überhaupt nicht mehr ("ich hatte abgeschlossen mit dem Thema"), bei einem fing's mit dem Essen an ("der Burgunderbraten hat mir nicht geschadet, das Champagnersorbet auch nicht, da dachte ich, ich könnte mal wieder...") und einer hatte sich seine 14-jährige Trinkpause regelrecht "zementiert". Er schwor damals seiner Frau und seinen Kindern: "ihr werdet mich nie wieder in diesem Hause trinken sehen" - nun war die Frau tot und die Kinder aus dem Haus, und er fing wieder an.

    Dies alles gab und gibt auch mir immer wieder zu denken, und ich kann nur für mich versuchen die Erinnerung an meine Sucht in mir so lebendig zu halten, dass ich nicht leichtsinnig werde.
    Und das heisst für mich auch (lebenslanges) Arbeiten an mir selbst, um nicht irgendwann von den Geschehnissen "überrollt" zu werden.

    Für mich passt daher der Spruch: "wenn's Dir gut geht, geh in die Gruppe. Wenn's Dir schlecht geht, renn in die Gruppe"!

    LG
    Spedi

  • Hallo Blizzard,
    natürlich ist es erschreckend, wenn man die Prognosen für trockene Alkoholiker liest. Ich denke aber, wenn ich akzeptiere, dass Alkohol in unserem Leben immer eine Rolle spielen wird, werde ich die Gefahr nicht aus den Augen verlieren. Vor kurzem war ich in Urlaub und traf mittags einen gut angezogenen Mann volltrunken durch die Straße torkeln. Nachts hatte ich einen furchtbaren Traum und das nach fast 13 Jahren Trockenheit. shock:Das Suchtgedächtnis hat sich gemeldet. Alles kam wieder hoch und nach dem Erwachen war ich froh, dass alles nur ein Traum war. In diesem Fall kann man wirklich sagen, dass dieses Gedächtnis ein Segen für meine Trockenheit ist. :P :
    Liebe Grüße Elisabeth

  • Zitat von Spedi

    Für mich passt daher der Spruch: "wenn's Dir gut geht, geh in die Gruppe. Wenn's Dir schlecht geht, renn in die Gruppe"!

    Der iss gut :lol::lol::lol: .

  • hallo ihr

    möchte ja nicht neunmalklug sein, aber so weit ich weiß heißt der spruch
    wenn´s dir schlecht geht geh zur shg wenn´s dir gut geht renn zur shg.
    und genau das ist es ja was eben die vielen rückfälle nach soo vielen jahren bewirkt, den leuten geht es gut und sie unterschätzen völlig die gefahr.
    da gibt es ja noch son alten spruch der passt,
    wenns dem esel zu wohl wird geht er aufs eis tanzen

    es ist die sorglosigkeit, der gedanke nach der zeit bin ich gefeit, darin steckt eben der teufel bei unserer krankheit, man darf sich nie sicher sein dann ist man sicher(er)

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Hasenpfoetchen,

    habe Deine Beiträge hier noch nicht alle gelesen, sondern nur Deine letzte Antwort.
    Ich weiß nicht wie lange Du nichts mehr trinkst.
    Auch bei mir hat es einige Zeit gedauert bis dieses "nie mehr dürfen" in Desinteresse gegenüber dem Alkohol umschlug. Wobei der Prozess bei mir überhaupt noch nicht abgeschlossen ist. Aber "er" Interessiert mich immer weniger und ich denke demzufolge auch nicht ständig dran.
    Ich denke schon garnicht darüber nach das ich bis an mein Lebenende keinen Alkohol mehr trinken darf, will, kann.... Ich brauche ihn einfach nicht!

    Wie habe ich an anderer Stelle hier im Forum sinngemäß gelesen, das ist ein Berg bei dessen Besteigung ich scheitern kann.
    Also Schritt für Schritt und aufpassen das ich nicht hinfalle.

    Ich wünsch Dir gute24stunden

    Gruß
    Christian

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