• Mann oh Mann, bin ich froh, dass ich (zumindest hier in Deutschland) eine kleine Verwandtschaft habe. Mein Bruder ist Sportler mit Leib und Seele und trinkt nur ein-zweimal im Jahr eine Flaschen Bier, seine Frau trinkt überhaupt keinen Alk, meine Mutter (hat auch nur zu Familienfesten mal ein Glas Wein getrunken) hat momentan mit Chemo wegen Brustkrebs zu tun, versteht mich vollends und mein Vater, ist ein eingebildeter Kranker und liest nur medizinische Bücher und übersetzt alles Lateinische was er in die Hände bekommt (auch die Arztberichte meiner Mutter), um ja gegen alles Mögliche gewappnet zu sein, kennt sich dadurch natürlich auch bestens in meiner Krankheit aus. Es kommt also bei uns, bei Familientreffen überhaupt kein Gedanke an Alk auf. Trotzdem geht jeder immer mit Lachkrämpfen nach Hause, weil jeder mit seinen Eigenschaften irgendwo ein Unikum ist und darüber dürfen sich alle anderen immer kräftig lustig machen - nach der Devise: Wer betroffen ist darf bei Strafe nicht mitlachen :lol::lol::lol: . Ist schon immer schön so zusammen zu sitzen.
    Ich glaub ich würde bei Deinen Familienfesten nur mit dem Spiegel rumlaufen und jedem der was trinkt diesen dabei vor die Nase halten. :D
    LG, Andy

  • Hallo Andy,

    na, da hast Du ja ein lustiges Familchen (bis auf die Sache mit dem Krebs natürlich). Tja, die Sache mit dem Spiegel ... ich glaube, die Leute sind viel zu ignorant, um überhaupt im Ansatz zu verstehen, was Alkoholismus oder auch einfach nur sinnlos überzogenes Trinken bedeutet. Ich habe es mit Erklärungen oft genug versucht, aber ich muss am Ende einsehen, dass ich meine Aufklärungsargumente genau so gut einem Sack Kartoffeln erzählen könnte :roll: .

    Whatever. Morgen habe ich mal wieder einen Termin bei meinem (neuen) Bewerbungscoach. Wir nehmen uns auch ein wenig mehr Zeit und werden gemeinsam meine Zukunftsperspektiven ausloten ... bin mal gespannt.

    Und mal so am Rande: Ich glaube, ich habe während dieser Woche (ausser der Zeit, die ich hier im Forum verbrachte) kein einziges mal an Alkohol gedacht. Also nicht positiv oder negativ, sondern einfach gar nicht! Finde ich irgendwie gut, oder besser gesagt: befreiend! Ich deute dies mal als ein Zeichen, mich weiterhin auf einem guten Weg zu befinden.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen!

    Nur mal eine kurze Rückmeldung von meiner Wenigkeit. Kurz, weil ich grad viel zu tun habe und mich auch gleich wieder anderen Dingen zuwenden werde.

    Das Gespräch mit meinem neuen Bewerbungscoach war im Grunde genommen sehr positiv :D . Nachdem wir meinen Werdegang, meine Fähigkeiten und meine beruflichen Zielvorstellungen etwas genauer betrachtet haben, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass da sicher noch etwas geht und mir die Nummer mit dem Ein-Euro-Job oder dem Produktionshelfer in Zeitarbeit für 5,50/Stunde erspart bleiben kann. Ist vielleicht nicht ganz so einfach, aber dafür hat der gute Mann ja Erfahrung und die notwendigen Kontakte. Ehrlich gesagt: Ich ärgere mich ein wenig, dass ich nicht ein paar Tage früher auf die Idee gekommen bin. Denn warum sollte man in Sachen Beruf nicht das gleiche Vorgehen pflegen, wie in Sachen Alkoholismus: Hilfe annehmen! Aber hier gilt natürlich auch: Besser spät als nie.

    Ansonsten hatten wir ein sehr schönes Wochenende: Waren viel unterwegs und ich könnte jetzt auch eine Menge schreiben und meine Meinungen, Erfahrungen und Thesen zur Diskussion stellen, aber da das alles gar nichts mit Alkohol zu tun hat, mache ich das in einem dem entsprechendem Thema gewidmeten Forum :wink:. Thematisch passend allenfalls: Am Samstagabend haben sich auch einige (nicht die Mehrheit! <20%) an der ein oder anderen Flasche Bier ‚erfreut’. Mir fällt beim Anblick leicht angetrunkener Personen immer mehr auf, wie befremdlich dieser Prozess Alkoholkonsum eigentlich ist: Die Augen werden glasig, die Stimme verliert an Klarheit und die Gemütslage des Trinkers fällt in den Zustand ‚fröhlich-blöde’ – ganz zu Schweigen von der sich nach dem dritten Schluck entwickelnden Fahne :? . Solche Eindrücke finde ich recht hilfreich, sollte mein Hirn mal einen ‚Schwipps’ oder gar ein KT-Experiment vorschlagen: Trinken in jeder Form und Dosis ist frei von Sinn und hat mit Belohnung rein gar nichts zu tun!

    Soweit mal bis hierher.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    heute wird ein bemerkenswert unereignisreicher Tag: Ich werde gleich mit den Hunden in den Wald aufbrechen und wir werden gemeinsam das heimische Terrain per Markierung als unser Eigentum deklarieren. Diesbezüglich suche ich aber noch nach einer griffigen Argumentation, die die Rechtsgültigkeit unseres Handelns unterstreicht :wink: .

    Ansonsten lagern hier noch drei Bewerbungen, die am heutigen Tage ihre Reise antreten möchten, und auch einige Säuberungsarbeiten stehen an. Weitere Tätigkeiten sind nicht geplant, aber dank dieses Forums habe ich bereits eine Anregung für meine Abendgestaltung gefunden: Die kleine Zeile mit den Google-Anzeigen im Kopfbereich (nicht eingeloggt) enthält gerade folgende Surf-Tipps:

    Depression Jugendliche
    Starcraft 2
    Suchttherapie Alkohol
    Berichte Alkoholiker

    Nun ja, SC2 ist zwar noch in Arbeit, aber der erste Teil ist ja auch noch eine Freude. Dann werde ich also mal wieder ein wenig über die Zerg herfallen :wink: . (Auch wenn sich mir der Bezug zum Alkohol nicht wirklich erschließt).

    Wünsch Euch einen schönen, trockenen Tag.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    gestern Abend habe ich erfahren, dass ein Bekannter aus meiner alten Gruppe wohl wieder rückfällig geworden ist. Zwar bestreitet er das Geschehen, aber ich kann mir ehrlich gesagt schon vorstellen, dass an der Geschichte etwas dran ist. Ohne jetzt aus dem Nähkästchen plaudern zu wollen, aber dieses Rückfallgeschehen ist in diesem Falle durchaus leichtsinnig. Ich verwende bewusst das Wort ‚Leichtsinn’, weil ich kaum den Eindruck gewonnen habe, dass es dieser Person ernst mit der Trockenheit gewesen ist, sondern dieser Weg vielmehr aufgrund äußeren Druckes eingeschlagen wurde.

    Mir zeigt das einmal mehr, wie sehr sich der Wunsch nach einem nüchternen Leben aus einem selbst heraus entwickeln muss. Auch wenn sich Konsequenzen durch das eigene Trinken anbahnen, die bloße Androhung von Arbeitsplatzverlust oder Trennung des Partners reicht offenbar bei vielen noch nicht aus. Manch einer muss das Kind wirklich offenen Auges in den Brunnen fallen lassen, um zu begreifen.

    Schon bitter, aber so böse es auch klingen mag: Jeder ist in diesem Punkt für sich selbst verantwortlich!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Ja Joe, und manch einer springt sehenden Auges von selbst in den Brunnen und hört erst auf, wenn der Brunnen erschöpft ist (so sehe ich das manchmal bei meiner T-Karriere) oder wenn er (wie meine erste Frau) darin ertrunken ist.
    LG, Andy

  • Hallo zusammen,

    @joya:
    Danke für das kleine Kompliment. Freut mich auch, dass Du etwas aus meinem Thread mitnehmen konntest … aber das ist ja irgendwie auch der Sinn von einem Selbsthilfeforum :wink: . Ich habe bei Dir natürlich auch schon gelesen, und da haben wir ja neben dem Alkohol auch noch einige andere Erfahrungen mit rauschbringenden Substanzen gemein: xtc und diverse andere Uppers hatte ich auch einige Jahre in meinem ‚Programm’. Dazu noch ordentlichen Beikonsum von Cannabis und Alkohol (man merkt’s ja eh nicht). 96 wurde es dann auch richtig schlimm: Im Rausch der Megalomanie stand ich kurz vor der Entdeckung der Alles erklärenden Weltformel, konnte mit Tieren telepathisch kommunizieren und wenn mir eine Taube auf die Schulter schiss, dann war das eine von Gott persönlich an mich gerichtete Botschaft :shock:!

    Mittlerweile kann ich schon fast darüber lachen, aber damals war das meine Realität und eigentlich war ich auf dem besten Weg in die Psychiatrie (einige meiner Bekannten aus dieser Zeit sind dort dann auch gelandet). Irgendwie habe ich damals aber doch noch die Kurve bekommen und seit 01 kann ich mich auch als vollständig drogenfrei bezeichnen :D .

    Schon irgendwie komisch: Trotz all dieser Erfahrungen mit Drogen ist Alkohol doch eine ganz andere Baustelle. Die Finger von Pillen und Pulvern zu lassen, fand ich letztendlich wesentlich leichter. Aber das soll mich ja nicht hindern, sondern eher anspornen :wink:. Das siehst Du sicher ähnlich, oder?

    @all:
    Morgen will der Schornsteinfeger kommen. Da hat der Gute heute einfach mal seinen Zettel an die Tür geklebt und war so frei, sich auch nicht weiter auf eine Uhrzeit festzulegen. Find ich irgendwie dreist, kann man ja auch ein paar Tage vorher und vor Allem auch mit einem etwas besser definierten Zeitfenster ankündigen, oder? Naja, mal schauen, ob die Hunde ihn auch hereinlassen :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    @joya:
    Ich denke auch, dass es eine Reihe von Gründen gibt, warum sich Alkohol etwas massiver in unseren Hirnen verankert hat. Die Verfügbarkeit und natürlich auch die Werbung spielen da sicher eine zentrale Rolle. Ein weiterer Punkt ist dann auch noch das Konsumritual: Beim Trinken begleitet einen der Alkohol den ganzen Abend, die Pille ist schwupps geschluckt und die Line zupp gezogen. Selbst wenn man sich dabei nur unter 'Gleichgesinnten' befindet: Der Konsum der meisten Drogen ist schnell erledigt und man kann sich dann längere Zeit an der Wirkung 'erfreuen' ohne alle 15 Minuten Nachschub zu besorgen. Der Alkohol ist da doch viel präsenter und genau diese Präsenz macht es wohl auch so unglaublich schwer, sich vom Alkohol dauerhaft zu lösen. Natürlich gibt es aber auch andere Substanzen, wie Heroin z.B., die trotzdem ein enormes Suchtpotential haben und die sehr schnell in eine (auch körperliche) Abhängigkeit führen können und damit überhaupt nicht diese über Jahre gepflegten Rituale brauchen.

    Insgesamt finde ich das ganze Thema schon recht spannend ... Also nicht den Konsum, sondern die Unterschiede, die auftreten, wenn man sich von einem Rauschmittel trennt bzw. wie stark und wie schnell sich vorher eine Abhängigkeit entwickelt hat.

    Die Tatsache, dass ich heute völlig frei von Verlangen und auch völlig frei von dem Gedanken an Verzicht bezüglich der Drogen lebe, stimmt mich natürlich grundsätzlich auch positiv, wenn ich über den langfristigen Erfolg meiner Alkoholabstinenz nachdenke. Denn ich weiss ja, dass es geht :wink: .

    @all:
    Der Schornsteinfeger war da, ich aber nicht! Naja, er ist trotzdem reingekommen, weil meine Partnerin zu Haus verweilte. Grundsätzlich finde ich es natürlich immer noch dreist, einfach 12 Stunden vorher einen Zettel an die Tür zu kleben und dabei nicht einmal eine ungefähre Uhrzeit anzugeben, ABER mir ist selbstverständlich auch der alte Hintergrund dieser Verärgerung bewusst geworden: Hätte ich am Abend vorher aus irgendwelchen Gründen mal wieder ein, zwei Bier mehr getrunken und der Mann wäre schon um 0800 auf der Matte gestanden, oder hätte er sich gar erdreistet erst gegen 1600 hier aufzutauchen und damit unter Umständen meinen Trinkstart verschoben, dann wäre das ja schon eine Frechheit gewesen :wink: . Überhaupt hatte hier niemand ab 1800 an der Tür zu klingeln, denn mein Heim war ja meine geschützte Trinkfeste, und in der durfte man mich natürlich nicht einfach und unangemeldet stören! Naja, da bin ich heute doch viel flexibler ... allerdings eine kurze Anmeldung finde ich dennoch immer nett :wink: .

    Soweit mal bis hier.

    Liebe Grüße

    j.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    Sabine :
    Auch Dir ein kurzer Dank :D. Es freut mich natürlich, wenn meine Worte auf Anklang stoßen – insbesondere, wenn dies nicht nur die Form, sondern auch den Inhalt betrifft.

    @all:
    Und wieder ist ein Wochenende vorübergegangen. Versprach der Wetterbericht am Freitag noch apokalyptische Zustände, so zeigte sich der Sturm hier doch von seiner sanften Seite. Bei genauerer Betrachtung auch gar nicht so verwunderlich, denn Kyrill hat vor einem Jahr doch sehr effektive Fällarbeiten geleistet und so schnell wachsen Bäume dann nun auch nicht nach :wink: .

    In den letzten zwei, drei Tagen habe ich auch noch einmal ein wenig über mein Konsumverhalten (Alkohol und Drogen) und die daraus resultierenden Auswirkungen für mein Leben nachgedacht. Gerade auch die von mir schon mal beschriebene Zurückhaltung gegenüber anderen Menschen, die phasenweise in regelrechte Angst ausartet, kann ich zumindest zum Teil auch durch mein Konsumverhalten erklären. Ich sehe da zwar keinen auslösenden Charakter, aber dennoch eine ganz klare Unterbindung von notwendigen Kurskorrekturen in meiner Entwicklung. So kann ich diese Zurückhaltung / Schüchternheit grundsätzlich auch viel, viel weiter zurückverfolgen, aber eben auch erkennen, dass der Griff zur Flasche & Co. ein Ausdruck von Überforderung und auch Resignation bezüglich dieser Problematik war. Gerade im Bereich illegaler Drogen schafft man sich ja neue soziale Kontakte, die durch das gemeinsame ‚Geheimnis’ eine spezielle Bindung bieten. Der Oberflächlichkeit dieser Bindung bin ich mir allerdings erst bewusst geworden, als der Rausch zum primären Ziel meines Handelns geworden ist. Dumme Sache.

    Na ja, das Verstehen dieser Entwicklung ist interessant, aber leider auch nur bedingt hilfreich: Es ist ja doch schon einige Zeit vergangen und meine aktuelle Lebenssituation hat sich auch verändert. Tja, die Uhr können wir nicht zurückdrehen, aber die Fehlerhaftigkeit unserer Wege erkennen und andere Richtungen einschlagen, das können wir sehr wohl.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo joya

    Du bist natürlich (wie auch alle anderen) immer herzlich eingeladen, hier bei mir vorbeizuschauen. Ich freu mich immer über Besuch :D!

    Zu der Schüchternheit bzw. der Angst vor Ablehnung: Ist das nicht irgendwie das gleiche, oder zumindest eine artverwandte Eigenschaft? Wenn ich mich (so wie Du es ja auch geschrieben hast) schwer damit tue, offen nach aussen zu treten, dann ist ja doch der Effekt, oder besser gesagt mein Problem, das gleiche: Die Unfähigkeit, frei und unbefangen zu kommunizieren. Dabei gibt es natürlich Situationen, die aufgrund ihrer Wichtigkeit per se eine gewisse Spannung mitbringen (Vorstellungsgespräche beispielsweise) und da gestehe ich mir diese Aufregung/Angst auch zu. Aber es gab (und gibt auch heute noch) auch Situationen, die eigentlich völlig unverfänglich waren (und sind), in denen ich ähnliche Empfindungen verspüre, und genau dort sitzen irgendwo die Wurzeln meiner ‚addictive personality’. Das Kompensieren/Überspielen dieser Unsicherheit funktioniert eben z.T. mit Alkohol, noch besser natürlich mit dem ganzen Amphetamin-gedöns. Wo das allerdings endet bzw. zu welchem Preis das geschieht, das haben wir ja nun gesehen. Hmmm …

    Bei der Aufarbeitung meiner Entwicklung bin ich irgendwie an einem Punkt angekommen, an dem ich keine neuen, wirklich bemerkenswerten Erkenntnisse gewinnen kann. Kindheit und Jugend verliefen bei mir irgendwie gar nicht so spektakulär und daher versuche ich mich jetzt auch primär auf die Zukunft zu konzentrieren. Aber das ist ja auch so ein Punkt, an dem jeder so seine ganz individuelle Geschichte mit sich trägt und die Notwendigkeit, das eigene Ich über das Vergangene zu verstehen, ist bei jedem sicher ganz unterschiedlich ausgeprägt.

    Nun denn, die Hunde wollen in den Wald!

    Ich wünsch Dir was (den anderen natürlich auch) :wink:.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    Expositionstraining in vivo habe ich gerade hier im Forum gelesen. Und ja, es ging wohl auch um Alkoholismus.

    Hmmm, mal kurz nachdenken .... IDEE :!::!::!:

    Vielleicht sollten wir ja thereapeutisch wertvolle Besichtigungsfahrten zu Brauereien und Schnapsbrennereien organisieren. Und der Busfahrer darf auch ordentlich kosten! Na, wär das nix? :roll:

    Mit leicht verwunderten Grüßen

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • :) Hallo JoeDoe!
    Jetzt habe ich etliche Seiten in deinem Thread gelesen, viel gelacht und sehr oft genickt.
    Also, Komplimente hast du ja schon etliche bekommen. Ich glaube, ich brauche nicht mehr zu schreiben, dass du sehr gute Beiträge lieferst.
    Auf jeden Fall habe ich deinen "Namen" mal kurz auf einem Schmierzettel vermerkt, denn ich hoffe sehr, dass mein Mann doch noch mal hier reinschaut. Bei dir würde er sich ganz bestimmt wohl fühlen! (NIcht nur wegen der Hunde, denn wir haben auch zwei.) Er sagt zwar immer wieder, dass er gut alleine mit dem Trockensein zurechtkommt, aber - ich denke eben anders. (Lese hier auch viel Gegenteiliges.)
    Morgen kommt er wieder nach Hause. Werde deinen Thread mal ganz unauffällig offen lassen.
    Alles Gute weiterhin für dich,
    Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hallo JoeDoe,

    Zitat

    Bei der Aufarbeitung meiner Entwicklung bin ich irgendwie an einem Punkt angekommen, an dem ich keine neuen, wirklich bemerkenswerten Erkenntnisse gewinnen kann.


    Das geht mir genau so. Bis ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin, habe ich aber einen steinigen Weg hinter mich bringen müssen. Ich hatte zu Anfang meiner "Selbsthilfekarriere" (damals nicht auf Alk bezogen) nur mit Leuten zu tun gehabt, die ihre Vergangenheit bis ins kleinste Detail aufgearbeitet haben, ihre heutigen Probleme bis in jeden Winkel aus dem und dem Ereignis von damals haben herleiten können - und dann einfach stehen geblieben sind. So dachte ich auch lange: Na, wenn ich meine Vergangenheit irgendwann durchschaut hab, wird alles gut. Ja. Schön. Und mit fürchterlichem Krach spielen in des Grases Zweigen zwei Kamele lautlos Schach. :roll:

    Jedenfalls bin ich froh, diesen toten Punkt inzwischen überwunden zu haben. Daran hatte dieses Forum einen nicht unwesentlichen Anteil ;) .

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    ein schöner Spruch (der mit den zwei Kamelen) :D - Woher stammt dieses lust'ge Zitat? (auch wenn ich mir mit dieser Frage bewusst bin, eine signifikante Kulturlücke zu offenbaren :wink:)

    Zu der Aufarbeitung der Vergangenheit noch mal: Ich bin tatsächlich nicht einmal besonders daran interessiert, für meine vergangenen Entscheidungen jetzt exemplarische Schlüsselerlebnisse zu suchen, oder bestimmte Umgebungsvariablen zu finden, die meine Entwicklung beeinflusst haben. Dabei stehe ich prinzipiell auf dem Standpunkt, dass jede Entscheidung, die ich in meinem Leben je getroffen habe, zu dem Zeitpunkt, als ich sie getroffen habe, aus meiner eigenen Perspektive gesehen immer richtig war! Das gilt natürlich auch für das Trinken. In der Retrospektive, also nach dem Wirken meiner Entscheidungen, kann ich meinen Weg natürlich bewerten und auch zu dem Schluss kommen, dass ich einen Fehler begangen habe. Das ändert aber immer noch nichts daran, dass ich zum Entscheidungszeitpunkt das für mich subjektiv richtige getan habe. Aus den gewonnenen negativen Erfahrungen heraus habe ich heute aber die Möglichkeit, meine Entscheidungen anders zu gestalten. Das liegt ganz bei mir -> Stichwort Eigenverantwortung. Und dort, wo mir das Wissen fehlt, neue Wege auch dauerhaft zu beschreiten, da muss ich mir Hilfe holen, oder eben in alten Verhaltensweisen verharren (was beides subjektiv richtig wäre). (Das Forum hat mir diesbezüglich übrigens auch sehr geholfen!)

    So, bevor es zu wild wird, stoppe ich da mal meine Gedanken, nur ganz kurz die kurzgefasste These, die wieder viel Raum zum philosophieren lässt:

    Ich mache keine Fehler. Niemals. (das gilt übrigens für jeden!)

    (Jetzt juckt’s mich doch, auf meine Urheberrechte aufmerksam zu machen :wink: - was bin ich fies heut!).

    Wie auch immer ...

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Oh, da hatte ich die gute Gotti doch glatt überlesen :oops:

    Hab bei Dir natürlich auch schon ein wenig gelesen und wünsch Dir und Deinem Mann natürlich alles Gute. Die neu gewonne Trockenheit Deines Mannes bringt ja sicher noch den ein oder anderen Wirbel in Eure Ehe. Ich wünsche Dir (Euch) jedenfalls, dass Ihr das alles wieder in dauerhaft harmonische Bahnen bringt!

    btw: Nüchtern machen auch die Hunde wieder viel mehr Spaß! Ich muss zugeben, dass ich unsere Tiere dann und wann sicher etwas vernachlässigt habe als ich noch trank! Wieder ein Grund mehr ... :wink:!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe,

    der Spruch stammt aus einer regionalen Variante des Gedichts "Dunkel war's, der Mond schien helle". Ich will das mal unbedingt auswendig lernen, weil es eins meiner Lieblingsgedichte ist ;) .

    Zitat

    Dabei stehe ich prinzipiell auf dem Standpunkt, dass jede Entscheidung, die ich in meinem Leben je getroffen habe, zu dem Zeitpunkt, als ich sie getroffen habe, aus meiner eigenen Perspektive gesehen immer richtig war!


    Das kann ich von mir leider nicht behaupten. Ich habe oft gemerkt, dass die Entscheidung, die ich gleich treffen werde, falsch sein wird. Jedoch sah ich aufgrund des Käfigs aus Phobien und - später - Alkoholismus keine alternativen Handlungsoptionen. Das war ein Teil einer fast schon zielgerichteten Selbstzerstörung, die ich an mir verübt habe. Ich habe mich wirklich gehasst. Das ist heute zum Glück anders.

    Aber genug schwermütiger Semon am Morgen. Draußen scheint die Sonne, es ist Wochenende, ich muss 24 Bilder scannen und viele Seiten italienischen Text lesen :? . Vamos!

    LG
    Plejaden

  • Hallo Joe,
    nur mal so zwischendurch ein Lebenszeichen und ein paar Gruesse von mir und das Du weisst, so ein Viech :twisted: ist mir noch nicht vors Gewehr gelaufen :D .
    LG, Andy

  • Hallo zusammen,

    Andy :
    Na, das ist doch prima mit (oder besser gesagt OHNE) die Viehcher. Bleib mal schön auf der Hut :wink:.

    Plejaden :

    Zitat

    Ich habe oft gemerkt, dass die Entscheidung, die ich gleich treffen werde, falsch sein wird. Jedoch sah ich aufgrund des Käfigs aus Phobien und - später - Alkoholismus keine alternativen Handlungsoptionen


    Und trotzdem behaupte ich, dass Du in jedem Moment die richtige Entscheidung getroffen hast. Auch wenn sich vielleicht sofort negative Folgen durch Dein Handeln abgezeichnet haben: Bei mangelnden Handlungsoptionen nimmt man eben den Weg, der einem am gangbarsten erscheint und somit den größtmöglichen Vorteil für einen selbst bietet. Dabei schränken Krankheiten wie Phobien (kenne ich ja auch) oder Alkoholismus natürlich zusätzlich ein und verändern auch das Bewertungssystem. Ein Blinder kann eben nicht sehen und macht das Beste aus seiner Situation. Selbst wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass man -eben anders als der Blinde- an behandelbaren Einschränkungen leidet, so bedarf es dann ja noch der aktiven Handlung, diese Einschränkungen anzugehen (wobei auch das Herumgeeier -in meinem Fall acht Jahre beim Thema Alkohol- manchmal der gangbarste und damit subjektiv der richtige Weg ist). Retrospektiv kann man natürlich immer die Entscheidungen neu bewerten, im eigentlichen Moment sind sie jedoch immer richtig. Das hört sich jetzt vielleicht etwas seltsam an, aber jede Flasche Bier, die ich getrunken habe, habe ich zu Recht getrunken! Hätte ich mich anders in meinem Leben verhalten, dann wäre ich jetzt vielleicht gar nicht hier und würde noch immer trinken, oder hätte vielleicht nie angefangen, oder was weiss ich?

    In der Singularität der Selbstwahrnehmung bin ich bei der Entscheidungsfindung immer fehlerfrei!

    Diese Denkweise wird natürlich schwierig, wenn man im Rahmen von Interaktion anderen Individuen Schaden zufügt, oder zugefügt hat. Da spielen dann z.B. allgemeingültige Wertvorstellungen, Gesetze oder einfach die Gefühle meines Gegenübers eine Rolle und eben auch die Tatsache, dass ich mein Handeln so ausrichten sollte, dass ich die Ebengenannten dadurch nicht verletze. Allerdings kommt man dann auch auf eine intersubjektive Ebene, und über die wollte ich ja auch gar nicht sprechen :wink:

    Ich hab jetzt auch gar keine Ahnung, ob das, was ich zum Ausdruck bringen mag, auch wirklich von allen Lesern verstanden wird, aber ich mag grundsätzlich diesen positivistischen Ansatz. Zum einen befreit es mich von Jammereien über die verpassten Chancen und Möglichkeiten auf meinem Lebensweg, zum anderen lenkt es die Verantwortung auf mich, wenn ich merke, dass in meinem Leben zunehmend Probleme entstehen.

    Soweit mal von mir.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Zitat

    Und trotzdem behaupte ich, dass Du in jedem Moment die richtige Entscheidung getroffen hast. Auch wenn sich vielleicht sofort negative Folgen durch Dein Handeln abgezeichnet haben: Bei mangelnden Handlungsoptionen nimmt man eben den Weg, der einem am gangbarsten erscheint und somit den größtmöglichen Vorteil für einen selbst bietet.


    Mh, dann hatte ich "richtig" und "falsch" wohl zu sehr im Sinne von Gut und Böse interpretiert ;) . Das fatale an meinen Entscheidungen war eben, dass es mir sehr wohl bewusst war, dass es noch andere Möglichkeiten gab. Die lagen glasklar vor mir. Aber da war dann ein großes "aber ich kann nicht!". Und das war schon richtig finster groß. Und ich hab alle Leute beneidet, die scheinbar mühelos diese anderen Optionen wahrgenommen haben.

    Aber ich verstehe, was du damit sagen willst. Ich hatte das vor ein paar Monaten mit meiner Therapeutin durch gehabt, es lief bei mir unter dem Projektnamen "sich selbst verzeihen". Das fand meine Thera dann aber wieder nicht so gut, weil "verzeihen" ja einen vorher gemachten Fehler voraussetzt, den es bei mir ja nicht gab. Wir sind dann bei einer ähnlichen Lösung wie du gelandet ;) .

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    genau das meine ich: Ich muss mich nicht bei mir selbst für meine Entscheidungen und die daraus resultierenden Handlungen entschuldigen. Dort, wo sich diese negativ auf meine Ziele und Wünsche ausgewirkt haben, kann ich lediglich akzeptieren, dass ich zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit gehabt habe, einen anderen, einen besseren Weg zu beschreiten. Versöhnung in Form einer Entschuldigung ist nur dort angebracht, wo ich durch mein Verhalten andere Menschen negativ tangiert habe. Aber grundsätzlich strebe ich (und sicher auch viele andere) nach Selbstzufriedenheit und auf diesem Weg gibt es für mich selbst keine Fehler, nur negative Reaktionen durch meine Umwelt, die mein Handeln als falsch bewerten und mir dadurch das Erreichen der Selbstzufriedenheit verwehren. Denn ich bin ja Mensch und damit ein soziales Wesen, das sich eben auch durch erfolgreiche soziale Interaktion definiert (oder definieren möchte!). Bleibt letzteres aus, so muss ich überprüfen, ob meine 'Strategie' zur Selbstzufriedenheit so wirklich funktioniert.

    Puuh, wieder wilde Gedanken zur Nacht, ich geh mal lieber ins Bett :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!