Beiträge von Nathalie!

    Hallo zusammen,

    lieben Danl für eure Antworten!

    Girasole. Das hast du absolut richtig gesehen. Ich spalte meine Gefühle zu meinem Vater. Weil ich weiß, dass er uns schlecht behandelt hat, besonders meine Mutter. Das weiß mein Kopf. Mein Herz tickt da leider anders. Das ist das Kuriose - er hat es nicht verdient.

    Was ich von der Therapeutin halten soll, weiß ich nocht nicht. Sie macht mir wiederum ein schlechtes Gewissen. Ich habe ihr erzählt, was er uns angetan hat - und auch, dass ich trotzdem etwas für ihn empfinde. Meiner Mutter gegenüber habe ich ein schlechtes Gewissen deswegen.

    Sie sagt, so wie sich meine Geschichte anhört, habe er eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Er sei eben krank. Plus der Alkoholismus sei eben auch noch eine Krankheit. Beide Faktoren zusammen würden bedeuten, dass er quasi keine andere Wahl gehabt habe, als so zu enden wie er eben jetzt geendet ist.

    Er habe für seine Krankheit einen hohen Preis gezahlt: Mit seiner Gesundnheit, mit seiner Familie, Freunden, letztendlich seinem Status. Denn nun habe er buchstäblich nichts. Es hörte sich für mich fast so an, als wäre sein Weg von Kindesbeinen vorgezeichnet gewesen, so als hätte er nie einen anderen Weg gehen können. Als sei ihm nichts anderes übrig geblieben, meine Mutter zu schlagen, zu betrügen und zu erniedrigen.

    Also quasi ein armer, kranker Mensch, der nicht reflektieren kann. Irgendwie zynisch, finde ich. Trotzdem: Deswegen habe ich auch ein schlechtes Gewissen. Ich bestehe eigentlich nur noch aus Gewissensbissen.

    Sie sagte, dass es vielleicht helfen würde zu verstehen, warum er so ist, wie er ist. Dass ich hätte nichts dran ändern können. Ich muss mal schauen, ob das der richtige Weg ist. Ich muss aber für MICH da sein, MEIN Leben leben. Er hatte eines und nichts daraus gemacht.

    Ich habe erfahren, dass er eine Hirnatrophie hat.... eine generalsierte. Nicht gerade normal für Anfang 70. Vor allem nicht in unserer Familie, wo einige auf die 100 zugehen. Sonst habe er wohl nichts. Er wurde, bevor er ins Heim kam, untersucht. Blutwerte sehen gut aus.

    S.Braun. Danke für den Tipp mit der 8. Den werde ich mal ausprobieren. Vielleicht hilft ja diese Bildlichkeit ja auch schon ein wenig. Auch der Tipp mit dem Strauss ist super. Obwohl er es nicht verdient hat. Dennoch spüre ich leider Liebe für ihn. Diese innere Ambivalenz macht michfertig. Die Psychologin sagte mir aber auch, dass dies normal sei für Alkoholiker-Kinder.

    Das mit dem Besuch.. ich weiß es nicht, ich habe ihn in den letzten 12 Jahren einmal gesehen. Das war 2008. Da war der Verfall schon im vollen Gange. DEr war schon vergesslich mit Mitte 60. Nicht extrem, aber es fiel auf, dass er hier und da was durcheinander brachte. Unsauber war es. Unruhig und wütend war er. Es hatte mich nicht gut getan, da gewesen zu sein. Ich war danach erst mal psychisch fertig. Nicht auszudenken, wie es jetzt wäre. Der Pflege sagt, er würde sein Taschengeld regelrecht exzessiv wegsaufen.

    Dann sei erstmal wieder Ruhe. Er trinke einfach nicht, zittere nicht mal. Aber wenn er reinhaut, dann richtig. Und pinkelt sich sogar ein, er habe ihn schon widerlich stinkend aufgelesen. Menschenunwürdig.

    Ich muss diese seelischen Puzzlestücke, die zwischen "ich weiß, er war ein Arsch" und "leider fühle ich etwas für ihn" und "ich fühle mich schuldig" und "ich muss mich nicht schuldig fühlen" und "ich habe meiner Mutter gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil ich etwas für ihn empfinde, obwohl er grausam zu ihr war" zusammenbringen. ich muss aus diesem inneren Dilemma raus. Ich bin gespannt, ob die Therapeutin die richtige für mich ist. Ich hatte nämlich teilweise das Gefühl, dass es mehr um ihn ging, dass er für all das nicht kann.

    Danke für eure Worte. <3

    Hallo zusammen,

    es ist nun beinahe 6 Jahre her, als ich hier zum letzten Mal schrieb. Ich habe meinen Vater seit 7 Jahren nicht mehr gesehen, zum letzten Mal vor zwei Jahren mit ihm telefoniert. Das war allerdings unfreiwillig. Ich denke, er hat sein Handy geschrottet - und seitdem konnte ich ihn nicht mehr "überwachen", was wohl auch ganz gut für mich war.

    ich bekam nun einen Brief vom Sozialamt. Darin stand, dass er in einem Pflegeheim untergekommen ist. Ich soll zahlen. Dagegen werde ich natürlich vorgehen. Er hat mein Leben ruiniert. Bis heute weine ich oft, sehe mich selbst nicht mehr. Mein Mann fragt mich immer: "Was ist mit dir? Du denkst immer nur an andere, denk an dich. Du machst dein Leben kaputt." Er hat Recht, ich bin derzeit nicht mal mehr fähig zu arbeiten, die Tränen rollen nur noch. Konzentration gleich null.

    Er hat mein Mitleid nicht verdient, weil er Leid über mich gebracht hat. Schon immer. Meine Mama musste unter ihm leiden (Prügel, Betrug) - und ich bekam das alles mit. Der Alkohol regierte schon immer, sogar schon in seiner ersten Ehe, weit vor meiner Zeit.

    Als ich Kind war, warf er meine Mama raus. Binnen einer Stunde sollte sie das Haus verlassen. Dann ging er weg. Hastig packten wir unsere Sachen, natürlich ging ich mit. Ich musste ihn später alle 14 Tage besuchen fahren. Auch dann war er betrunken.
    Trotz seines Verhaltens hatte ich unerklärlicherweise Gefühle für diesen Menschen.

    Nun also seit 2 Jahren null Komma null Kontakt. Was erfahre ich scheibchenweise: Er hat seine Bude abgefackelt, landete im Obdachlosenheim und befindet sich nun in einem Pflegeheim. Er habe mehrere Dinge, sagte mir eine Heimangestellte. Ich fragte, ob er dement sei. "Ja, auch", sagte sie. Ich kann es mir schon vorstellen... Ich hatte irgendwann über ein Familienmitglied erfahren, dass er irgendwas von Geheimdiensten faselt - hört sich für mich nach Wahnvorstellungen an.

    Genaueres solle mir aber der Pfleger sagen, meinte die Dame am Telefon. Auf dessen Anruf warte ich gerade. Ich weiß, dass es mir den Boden unter den Füßen wegreißen wird, obgleich ich ahnte, dass es soweit kommen würde. Aber wenn es erstmal soweit ist, dann ist es trotzdem irgendwie noch ein anderer Schnack.

    Ich habe mir einen Termin bei einer Therapeutin geholt, weil ich nicht mehr weiter weiß. Er tut mir leid, ich habe Schuldgefühle, weiß aber, dass ich diese nicht haben sollte. Er war kein guter Mensch, ist für sich selbst verantwortlich. Trotzdem: Stelle ich mir vor, wie er da zwischen den Obdachlosen vor sich hin vegetiert, wird mir ganz anders. Scheiß Irrationaliät!

    Ich frage mich: Sollte ich ihn besuchen? Es geht ihm bestimmt extrem schlecht. Andererseits: Soll ich mir das antun? Ich weiß nicht, ob ich zusammenbrechen würde.

    Tja, wie ist es bei mir? Was sind meine Merkmale?
    Mein Vate hat seine Probleme damals gut im Griff gehabt, bevor meine Mutter ihn verließ, er trank zwar sehr viel, aber es hielt sich trotzdem in Grenzen,....so war es irgendwie.

    wie war ich:
    - unsicher
    - null Selbstbeusstsein
    - viel Angst (er könnte ja meiner Mutter etwas antun)
    - habe meiner mutter gesagt, als sie sich von ihm trennte, sie solle auf gar keine Fall zurückgehen - ja, irgendwie hatte ich schon verantwortungsbewusstsein

    Aber hat das alles damit zutun, dass ich ein Alkoholikerkind bin, zutun oder liegt es vielleicht an seiner rigenden Erziehung? Fheler durfte ich als kind nicht machen (Schule). Prfektion wurde verlangt. Und wenn etwas nicht perfekt war, dann wurde es wiederholt...und dann machte ich natürlich noch mehr fehler, weil ich irgendwann die konzentration verlor. daher denke ich, dass der faktor selbstbewusstsein sehr strak mit seinem drill zutun hat.

    ich war immer ein kind, dass man schnell ablenken konnte. ich habe auf jeden stift, der zu boden fiel geachtet, war in Mathe sehr schlecht. dafür konnte ich sehr achnell lesen. meine lehrerin fragte meine mutter, ob ich das lesen vorher geübt hatte, doch dem war nicht so. habe scheinbar eine sprachliche begabung, denn auch in englisch und frazöisch war ich gut. aber auch das ist, denke ich, eine veranlagung....und hat nichts mit alkoholismus zutun.

    - ich bin sehr sensibel. man kann mich leicht verletzen,

    -ich denke viel nach. ....und das oft sehr negativ.

    - ich finde schwer freunde, denke dass ich für andere uninteressant bin.

    -und finde für mich selber einfach keine positiven worte

    Ja, das bin ich.

    Hi Ihr,

    ich habe vor einiger Zeit mal hier von meiner Situation gesprochen. Mein Vater ist Alkoholiker. Ich denke, seitdem er von der einen in die andere Stadt gezogen ist, wurde es schlimmer. Ich hatte ihn ja vor einem Jahr besucht und war geschockt über das, was ich sah. Nunja, seitdem habe ich viele Briefe geschrieben, doch es brachte nichts. Er sieht es nicht ein. Ihr habt mir geraten, den Kontakt abzubrechen. Konnte ich nicht. Schließlich wurde im November letzten Jahres sein Telefon abgestellt. Er ist seitdem nicht erreichbar.

    Ich kann ihn nich mehr - ja, ich sage s bewusst - kontrollieren.
    Und was geschieht mit mir? Ich mache mir mehr Gedanken, dabei geht es um seinen Tod; ich sehe ihn durch die Strraßen torkeln, betrunken in Geschäfte gehen. allein in seiner Wohnung auf dem Boden liegen etc. - das alles befürchte ich.

    Und wie wirkt es sich aus? Bluthochdruck. Bin 28 Jahre alt. Normalerweise liegt der Blutdruck bei 120/80. Neige eigentlich zu niedrigem Blutdruck, doch seit dieser Zeit ist etwas anders geworden, ich bin zu einem kränklichen Menschen geworden und der Blutdruck schnellte auf 150/100. Bekam Beta-Blocker, aber die niedrigste Dosierung überhaupt - aber trotzdem furchtbar! Ich. Mit 28. Eigentlich gesund. Ich ahnte, dass die Ärzte nicht finden würden, und dass meine Probelem durch die Psyche bedingt waren. Und auch der Arzt hatte eine Vorahnung, da er realisierte wie ängstlich ich war. Ja, das war ich allerdings. Ich weiß nicht, woher das alles auf einmal kommt, diese Ängste, diese Todesängste,...ich hatte doch nie Probleme, bis auf....ja, bis ich meinen Vater nicht mehr erreichen konnte - und seit diesem Zeitpunkt steigterte sich alles bis ins Unermessliche.

    Ich vermute ganz stark, dass es damit zutun hat. Ich bin sowieso unzufrieden, weil sich die Dinge in den letzten Jahren so entwickelt haben. Es hat sich so vieles geändert und so viel vertraute Dinge gibt es nicht mehr. Das Haus, in dem ich aufgewachsen bin und in dem wir lebten, wurde verkauft (es gehörte ihm ja leider nicht). Das war hart. Es birgt so viele Erinnerungen...mit dem schönen Garten und dem Kletterbaum, in dem ich öfter saß...Er zog fort. In eine andere Stadt. Wollte alles hinter sich lassen. In diese Stadt wollte er sowieso immer. Schnitt sich damit komplett ab. Ich war die Einzige, die ihn besuche in all den Jahren. Es war kein Vater da, kein Sohn, nur die eine Tochter.

    ja, was soll ich sagen, er ist sicherlich an seinem Schicksal schuld, aber ich Sensibelchen habe trotzdem Mitleid, denn er ist ja mein Vater. Wie kann ich das Gefühlbloß abstellen und mich selber nicht kaputt machen? wie habt ihr es geschafft? wie wird man stark? auf psychologen gebe ich nichts. das sind auch nur menschen...ich will meinen Knackpunkt bzw. meinen Wach-werd-punkt alleine finden, alleine merken, dass er ein Arschloch ist. Schließlich hat meine Mutter auch unter ihm gelitten - trotzdem habe ich Mitleid, weswegen ich mich teilweise auch nicht wohl fühle, wie eine Verräterin. Und dann fühle ich mich gefühllos, wenn ich nicht mehr für ihn tue, weil er mein vater ist, und ich doch eigentlich die Pflicht habe ihm zu helfen. Kennt ihr das? Schildert mir eure Gefühle, Wie geht ihr damit um? Wie schlagt ihr euch jemanden aus dem Kopf?

    DANKE aius tiefstem Herzen.

    achso, ich habe noch etwas vergessen....gib mal im Internet Trinktypen ein. Dann wirst du sehen, dass es nichts besonderes ist, mal ne Woche (oder auch mehrere) auszusetzen und dann wieder ein paar Tage (oder auch Wochen) im "Koma" zu sein.

    LG
    Nathalie

    Hi Garfield,

    auch mein Vater säuft...schon lange eigentlich, nur hat es sich in den letzten Jahren verstärkt. Die Familie hat er kaputt gemacht und auch seine erste Ehe hat er kaputt gemacht. Ich denke, dass dies auch mit dem Alkoholkonsum zutun hat. Wenn er säuft ist er ein Ekel, ein gemeiner Mensch. Irgendwie merkt man, dass er total unzufrieden ist mit seinem Leben. Jetzt wohnt er schon seit 5 Jahren ziemlich weit weg von uns. Ich glaube, dass das die Situation verschlimmert hat.

    Es ist ähnlich wie bei dir: Phasenweise ist er jeden Tag voll, ich kann ihn eigentlich nicht nüchter am Telefon erwischen, selbst nicht mal morgens um 8 Uhr. An anderen Tagen ist er nüchtern. Zuletzt war er 3 Monate am Stück nüchtern. Ich hab mich wirklich darüber gewundert. Er sagt immer, dass er sich langweile...Ja, er hat dort auch niemanden. Es kann gut sein, dass der Umzug das Problem noch etwas verstärkt hat. Aber trotzdem war es früher ähnlich.

    Zuletzt war es so schlimm, dass er ins Krankenhaus kam. Angeblich haben ihn die Schwestern und Ärzte bewundert, dass er 4,6 Promille überlebt hat und sein Körper alles so schnell abgebaut hat...und eben, dass der Dauerkonsum ja angeblich KEINE Spuren hinterließ. Siehst du, auch hier eine kleine Parallele: Die LÜGEREI, nur um weiter saufen zu können. Mein Vater streitet auch seine Alkoholsucht ab...Er sagt, er vertrage es und dass es in der heutigen Gesellschaft ganz normal sei, mal was zu trinken.

    Ich kenne das Problem mit der Distanz. Räumlich ja, psychisch geht es schwer. Man ist wütend, weil er alles kaputt macht (oder gemacht hat) und man hat Angst, dass derjenige zugrunde geht. Momentan ist bei mir so, dass diese Angst vor seinem Tod überwiegt.

    Mit meiner Mutter lebt er schon seit 20 Jahren nicht mehr zusammen, sie haben sich getrennt als ich noch ein Kind war. damals hat sie seinen Alokolkonsum einfach nur ausgehalten, mehr nicht. Sie hat dazu nichts gesagt, weil sie Angst vor seiner Reaktion hatte. Irgendwann ging es dann nicht mehr und sie hat sich getrennt. Ich bin mitgegangen. Besser ist es nicht geworden. Im gegenteil ...nun hatte er Narrenfreiheit und erst recht einen "Grund" zum Saufen. Schließlich war er nun allein und verlassen...

    Es ist schwer dir etwas zu raten, vor allem, weil ich selber in dieser Situation stecke. Diese innere Angst, es könne etwas passiere, wird wohl erst dann verschwinden, wenn er stirbt. Ich kann nicht loslassen - das ist mein Problem. Eine Zeit lang hatte ich über ein Jahr keinen telefonischen Kontakt mehr zu ihm - es hat nicht geholfen, er soff weiter. Ich hatte ihn dann fast 5 Jahre nicht gesehen und besuchte ihn nach dieser langen Zeit. Es war so komisch für mich. Als ich dann seine Wohnung betrat, war ich geschockt. Es war alles kaputt, er verwahrlost immer mehr. Früher hat er so viel Wert auf Ordnung und Saberkeit gelegt. Ich habe einfach nur gemerkt, dass es alles nicht gebracht hat. Ja, vielleicht muss er seinen persönlichen Tiefpunkt finden, wie hier alle im Forum sagen. Aber findet er ihn überhaupt? So wie er seine Krankheit leugnet und schön redet, weiß ich es einfach nicht.

    Ich hoffe, dass wir uns irgendwie helfen können.

    LG
    Nathalie

    Hi Dani,

    es geht mir relativ gut, danke der nachfrage. Du fragst ob ich jemanden zum Reden hätte...Ja, meinen Freund. Freunden mag ich ehrlich gesagt nicht erzählen. Meine beste Freundin weiß zwar, dass mein Vater ein Problem hat, aber nicht, wie stark er abgerutscht ist bzw. sich gehen lässt (Kleidung, geistige Abnahme). Und meine Mutter weiß es natürlich sowieso....Also, meine Ma und mein Freund sind die einzigen Personen, mit denen ich darüber richtig sprechen möchte.

    Aber es hilft natürlich auch nicht wirklich, da Gespräche nicht die Angst davor bekämpfen können, meinen Vater zu verlieren. Es sagt zwar jeder: Er muss es selbst wissen, denn nur er kann aufhören, aber es ist schwer jemanden abzuschreiben, da er nicht fremd ist, sondern mein Vater ist.

    Wie geht es dir? Kannst du damit gut umgehen, dass deine Ma trinkt? Wie gehst du damit um? Wann hast du gelernt, damit umzugehen? Ich denke, dass es wahnsinng schwer ist, oder? Du musst die Person ja schon ein irgendwie abschreiben....sich von dem Elternteil lossagen. Das ist nicht einfach und gelingt, denke ich, nie wirklich.

    Ich habe auch schon sooo viel erzählt, es fruchtet auch nicht. Er ist und bleibt kein Alki ;) ....Wenn ich das zu ihm sage, wird er nur wütend. Irgendwie MUSS ich ja dabei zugucken, wie es weiter geht, weil ich mit ihm verbunden bin - und das für immer und ewig. Er hat mich ja gezeugt, hat mich mit großgezogen...Es ist nicht so einfach wie bei Freunden, zu denen man sagen kann: "Mit dir will ich nichts zutun haben, du hast dich schlecht benommen, mir weh getan!" Es ist viel schwieriger, diese Liebe bleibt ein Leben lang, selbst wenn sich dieser Mensch unpassend verhält. Man ist höchstens verletzt, aber liebt weiterhin...Und da liegt doch die Krux: Abschreiben kann man die Person nicht einfach und es wird immer schmerzen, dass er trinkt. Und es wird weh tun, wenn er stirbt.

    Keine Angst, ich nicht den Bach runter mit ihm, ich habe ja ein Leben (und ich lebe es auch), aber die oben erwähnte Liebe macht es so schwer nicht in Sorge zu sein. Ich will ihn ja nicht verlieren, obwohl er sich ja schon verändert hat und nicht mein der Vater ist, der er mal war. Aber ich weiß auch, dass er, wenn er das Trinken stoppen würde, wieder so sein kann.

    LG

    Hi Majo,

    danke für deinen Beitrag. Ich habe auch deine Geschichte gelesen...Es ist schön, dass deine Mutter -vorerst- den Absprung geschafft hat. Sie hatte wenigstens den Willen aufzuhören. Mein Dad dagegen nicht. Ich glaube nicht, dass er es schon einmal probiert hat...vielleicht für sich,...dass er mal gesagt hat: ich trinke nichts mehr. Aber er war noch nie bei einer Selbsthilfegruppe oder hat ärztlichen Rat gesucht. Dazu ist er einfach zu stolz. Er würde sagen: "was soll ich da?" er würde es als schwäche sehen und er ist ja soooo stark ;-).

    Briefe habe ich ihm schon geschrieben. Er öffnet sie nicht. Majo, ich weiss nicht, ob ihm tatsächlich klar ist, auf welchem Weg er sich befindet. Ich habe noch nie jemanden kennen gelernt, der soooo stur, soooo überzeugt von sich selber ist....das nenne ich größenwahnsinning., Er baut sich seine welt zurecht. Meint, er kann jederzeit die finger vom Alk lassen, will es aber nicht. Sagt, dass er sein Leben voll im griff hat, weil er sich ja jeden Tag sein Essen kocht und bla bla bla.

    Und du hast Recht, vermutlich kann er sogar 93 Jahre alt werden...wenn er gesund wäre auf jeden Fall, da er eigentlich immer einen straken körper hatte, nie krank war. Mittlerweile sieht es aber anders auf. Auf die Dauer hält es nicht mal der stärkste Organismus aus. Er kränkelt auch schon rum mit Schnupfen und hier mal Schmerzen und da mal ein Wehwehchen. kannte ich nie.

    Kann er wirklich jeder Zeit raus? Kranke Menschen (vor allem psychisch Karnke) kennen die Realität doch gar nicht. Und ehrlich: Er hat sich verändert, kennt manchmal die Tageszeiten nicht, ist vergesslich. Ich weiß nicht, ob er sich nicht mittlerweile eine Traumwelt aufgebaut hat, an die er glaubt.

    Es tut weh..

    Hallo Weitsicht,

    das ist es vielleicht, was mir fehlt: WUT. Momentan bin ich eher BESORGT, habe ANGST, dass er STIRBT, dass ich ihn verliere. Aber dann sage ich mir manchmal: was verliere ich eigentlich? Er ist doch gar nicht mehr derselbe Vater. Er hat sich doch mit der Zeit immer stärker verändert. Ist nur noch mit seinem Alkohol beschäftigt, will schon gar nicht mehr, dass seine Kinder vorbeikommen. Vielleicht aber, weil ich ihn das letzte und gleichzeitig ERSTE Mal angeriffen habe. Während des 2stüdigen Besuchs, habe ich nicht viel gesagt. Ich war nur schockiert über seine Lebensumstände....über Dreck, Unordung, verkommenheit. Ich war so froh, dass mein Freund dabei war, den mein Vater übrigens zum ersten Mal sah. Mein Freund wusste aber, dass mein Vater Alki ist.

    Das Schlimmste war, als wir durch die Stadt gingen und SPAZIEREN gingen, zeigte er uns die ganzen Kneipen - natürlich von außen: "Hier war ich schon, das ist ein toller Laden...." er hatte kein anderes Thema! Und als wir dann in einem Cafe saßen, trank er WEIN und aß Kuchen ...natürlich war auch in dem Alkohol drin. Ich musste das alles erstmal psychisch verdauen - zu viele Eindrücke, die von dem mir Bekannten abwichen...natürlich wird er schon damals ein Problem gehabt haben. Aber ich denke, dass es durch die einsamkeit und ferne sich verstärkt hat und er tiefer in den Sumpf gefallen ist.

    Wenn man mal mit ihm über seine Situation reden kann, dann sagt er, dass er Langeweile hat. Wenn ich ihm entgegne, was er tun würde, wenn ich soviel saufen würde sagt er: "Du bist jung, hast Arbeit und bist eine Frau! Kannst du dir eine Frau vorstellen, die besoffen auf der Straße liegt?" NEIN!!! ABER AUCH KEINEN MANN, UND SCHON GAR NICHT MEINEN VATER!!! Für mich ist es egal, ob Mann oder FRau. Aber er redet sich aus allem raus, versucht es immer zu beschwichtigen...Ach, es ist egal.

    Mir fehlt die WUT !

    Hi Spedi &caro

    ich denke, dass sich viele Kinder in irgendeiner Weise verantwortlich fühlen. Ich weiß auch, dass man das nicht muss. Aber das geschieht aus Liebe. man will den anderen nicht verlieren. Im Prinzip müsste ich ihn schon jetzt für tot erklären, ihn abstoßen, sagen dass es diesen Menschen nicht mehr gibt. Sonst wird man immer leiden, so wie vielleicht auch Eltern leiden würden, deren Kinder saufen oder Drogen nehmen.

    Und natürlich ist es nicht normal, dass ich das Leben meines Vater überwachen muss. Jeder sollte für sich selbst sorgen können, aber kann er das? Nein.

    Nein, ich habe noch keine Kinder, ich bin 27, vielleicht in zehn Jahren. Dann muss ich mir sowieso keine Gedanken mehr machen, denn meinen Vater werden sie sowieso nie als Opa kennen lernen. Gott, ich verstehe es einfach nicht. Wie kann man sein Kranksein sooo leugnen? Er bezeichnet sich ja quasi als naturwunder. ihm schade das Trinken nicht...er sei daran gewöhnt, weil er ja schon mit 14,15 bei seiner damaligen Ausbildung zum Handwerker von den älteren ordentlich zum Suafen verdonnert wurde. Eigentlich ist er doch schon seit 50 Jahren Säufer. Da hat er sich seine seine Welt sowieso schon zurecht gelegt.

    Wie gesagt, die Probleme sind gerade akut. Manchmal vergehen auch Wochen, die ich nicht mit ihm telefoniere....aber ich weiß, man ist trotzdem als kontrolleur beschäftigt, weil diese Perioden ja nie enden. Es ist wohl egal in welchen Zeiträumen ich bei ihm anrufe. Fakt ist, dass ich es tue und der Grund derselbe ist: Überwachung. Und eben abzuklopfen wie weit es wohl gerade dieses Mal ist. Man ist da schon in einem Kreislauf gefangen...Mal ist der Kontakt intensiver, mal weniger. Es ist das ausschlaggebende, wie stark man in seinen Gedanken, mit seinen Gefühlen involviert ist. Ja, und da lässt sich nicht drum rum reden. ich bin stark involviert, weil ich ihn LEIDER liebe. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

    LG

    Hi,

    heute habe ich ihn wieder angerufen - wieder voll gewesen. Wenn ich mit dem Thema anfange, dass er zu einer Selbsthilfegruppe gehen soll, die nur ein paar Hausnummern weiter weg ist, dann meint er, dass er "lieber in eine Kneipe" geht. Dann fragte er sich, wie er diese 4,6 Promille bloß überlebt hat, er müsse ja ziemlich stark sein...Und das ist seiner Meinung nach wieder ein Grund weiterzumachen, denn er ist ja sooo stark, ihn haut ja nichts um. Er KANN JA GAR KEIN Alki werden. So redet er sich die Welt. Ihn hätten die Schwestern auf der Station bewundernd angesehen und gesagt, wie jung er doch aussehe und wie intelligent er doch sei.

    Das Thema Intelligenz kam sowieso in diesem "Gespräch" häufig vor. Er sei ja soooo schlau, habe eine IQ von 140. Da dreh ich durch. Mit so einem Menschen KANN man gar nicht reden. Ich habe ihm noch gesagt, dass sein Gehirn immer mehr zerfällt und dass von irgendeiner Intelligenz nicht viel übrig ist, dass er vergesslich ist und dass ich ihm erzählen kann, was ich will - er vergisst es sowieso wieder. Das ist ja das Traurige. früher war er nicht so. Ich kann deutlich erkennen, ja dabei zuschauen, wie er zerfällt...und er merkt es nicht mal. Ist das nicht grausam....Das ist fast so wie bei Alzheimerpatienten (Die können nur nichts dafür, dass sie krank sind, können es nicht beeinflussen).

    Ich habe auch das Gefühl, dass er es fast genießt zu erzählen, dass er dem Tod nahe war. Er WILL, dass man sich Sorgen macht. Für mich ist es jedoch ein Beweis, dass es bald soweit ist und dass ich jeden Tag damit rechnen muss. Insgeheim rechne ich schon lange damit. Schon als er wegzog dachte ich: Bald sehe ich ihn im Sarg liegen.

    Ja, ich lebe mein Leben. Wirklich. Aber es ist klar, dass ich diesen Menschen nicht einfach vergessen kann, nicht aus meinem Leben streichen kann. Leider. Wenn es ginge, würde ich es tun. Warum ich so häufig schreibe? weil es gerade akut ist. weil wieder mal was einschneidendes passiert ist. Die meiste zeit versuche ich ja nicht über ihn nachzudenken. Klar, zwsichendurch kontrolliere ich immer mal wieder seinen Zustand - Ist er tot, lebt er noch, hat er gesoffen, hat er mal ne nüchterne Periode?

    Ich denke, diese Anspannung wird erst ganz vergehen, wenn er tot ist. Traurig, aber wahr. Es sei denn, er schafft den Absprung, aber das glaube ich nicht. er ist viel zu stur und will sein leben so leben. er hat ja nur Suffis als freunde - wie soll sich da das Leben ändern? Familie? Die lebt weiter weg. Er ging vor ein paar Jahren, hat es sich selber ausgesucht. Ich vermute auch eine Entscheidung im Suff. Denn vor 5 Jahren habe ich den Kontakt abgebrochen, weil er im Suff verletzend wurde und ich nur noch wütend war, weil ich schon damals immer redete und redete und sich einfach nichts änderte. Ich habe bestimmt 1,5 Jahre nicht mehr mit ihm gesprochen. Teilweise habe ich mir Vorwürfe gemacht und gedacht, dass es meine Schuld war. Meine Schuld, dass er so noch tiefer gerutscht ist. er hatte ja niemanden mehr - und dann war ich auch noch weg!

    Ich weiß, ich mache mir zu viele Gedanken, aber ich denke, es ist normal so.

    Hi Doro,

    wie war es eigentlich bei dir? Wann hast du gemerkt, dass es nicht so weiter geht und warum konnten dir deine kinder nicht helfen bzw. der Fakt, dass du schwanger warst.

    Was muss ein Mensch erleben, damit er sich ändert. Ich denke schon fast, dass mein Vater zu alt ist, um sich zu ändern. Festgefahren, stur, keine Perspektiven mehr sieht. Er hat ja nichts, kein Hobby o.ä.

    LG

    Hi Loreen und Doro,

    ja, da ist was dran. E sit schon wirklich mies, dass er weiß, dass ich darunter leide und trotzdem weiterhin trinkt. Manchmal habe ich das gefühl, dass er es genießt, dass ich mir gedanken mache. Vielleicht auch darum, weil er es braucht - dieses Gefühl, dass jemand an ihn denkt. Eigentlich bin ich die einzige Person. Alle anderen ziehen ihre Scheuklappen auf oder wollen nichts von ihm wissen.

    Loreen, dein Vater lebt im Pflegeheim, das tut mir wirklich sehr leid. Es ist schrecklich zu wissen, dass man nur zuschauen kann...und ich kann mir auch gut vorstellen, dass es bei meinem Vater auch so enden wird. Sein Körper ist 65 Jahre alt, das kann nicht mehr lange gut gehen. Aber nicht mal sein Alter akzeptiert er. Er denkt er sei so fit, wie mit 25. Ich denke so oft, dass er nicht wahr haben will, dass er säuft.

    Wenn ich ihn Alkoholiker nenne, dann legt er direkt auf. Das will er nicht hört. das verneint er. nein, ein alki ist er nicht. er hat alles im griff, kann aufhören, wenn er will. aber er will eben nicht. vor allem sei er hart. seine generation sei sowieso diejenige, die aus harten männern besteht.

    ich weiß, er ist stur. seine meinung ist die wahre. Ich dachte, man kann die augen irgendwie öffnen.

    Hi Spedi,

    das ist Selbstmord, auch wenn er schleichend kommt. Für mich macht es keinen Unterschied, ob sich jemand vor einen Zug wirft oder sich langsam vergiftet.

    Und wenn sich jemand sein Hirn zerstört, durch den Alkohol, dann bezweifle ich, ob dieser Mensch in der Lage ist, sein Leben selbst zu gestalten. Und dann (sorry!) finde ich es eben schon angebracht, ihn zwangseinweisen zu lassen. Denn wenn er sein Leben weiterhin so lebt, dann wird es nicht mehr lange dauern und er beginnt sich die Hosen vollzumachen - und es ist auch das letzte Stück Resthirn weg gesoffen. Ich würde auch nicht "leichtfertig seine Menschenrechte entziehen". Ich weiß nicht, ob es nicht eher leichtfertig wäre, jemanden sterben zu lassen.

    Ich verstehe schon, dass du versuchst mir zu helfen. Dafür bin ich auch dankbar. Es ist aber trotzdem schwer, die Dinge anzunehmen. Und ich weiß auch, dass ich nicht die einzige wäre, wenn mein Vater sterben würde. Ich möchte aber einfach nicht zu diesem Kreis zählen, und deswegen versuche ich da gegenzuwirken.

    Los lassen heißt doch sterben lassen...Das Gefühl habe ich. Wisst ihr, was ich schon alles getan habe? Ich habe damals seine Weinflaschen ausgekippt, ihn ständig angerufen und kontrolliert, ihn beschimpft, behutsam auf ihn eingeredet, Briefe geschickt (mit Anlaufstellen, Tabellen der Alk-Typen und Stadien).

    Ich habe das Gefühlt, dass es durch die Einsamkeit verstärkt wurde, die er sich aber selbst zuzuschreiben hat. Es hat ihm niemand gesagt, dass er 300 km weiter weg ziehen soll. Aber er wollte es so. Er ist unzufrieden mit seinem Leben, ist "größenwahnsinnig" und "meckert" einfach nur noch. Es muss doch eine Möglichkeit geben. Nichts tun, kann doch nicht der richtige Weg sein. Das KANN es doch nicht wirklich sein. Man kann doch niemanden vor sich hin siechen lassen. Er ist süchtig und hat durch diese Sucht seine Persönlichkeit verändert und kann kein normales Leben mehr führen. Diese Menschen kann man doch nicht für sich selbst verantwortlich machen. Krass gesagt, brauchen solche Menschen doch einen Vormund.. oder etwa nicht?

    LG

    Hi Caro und Doro,

    auch dir vielen dank für eure Antwort. ich weiß nicht, ob man tiefer fallen kann, als bei 4,6 Promille zu landen. danach kann ja nur noch der Tod kommen...und dann war es das mit dem Nachdenken. Ja, ich hoffe tatsächlich, dass er durch einen langen Aufenthalt und Therapiegespräche auf den richtigen Weg kommt. Ich hoffe, dass professionelle Kräfte helfen können. Sie kennen den Umgang mit Alkoholkranken, wissen wie sie diese anpacken sollen.

    Kann ich denn jemandem Verantwortung für das eigene Leben geben, der nicht mehr in der Lage ist klar zu denken? Ich weiß ja nicht mal, ob er überhaupt noch lichte Momente hat. So wie ich es bisher mitbekommen habe, ist er ein Schatten seiner selbst.

    Kann man jemanden für sein eigenes Leben verantwortlich machen, wenn man ihm um 19 Uhr anruft und er sagt, es sei früh am Morgen? Kann man glauben, dass jemand im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist, wenn er größenwahnsinnig ist....wenn er meint, er sei kein Alki? Wenn er NUR säuft, wenn er mit Löcher in Schuhe herumläuft, wenn Geschirr mit Essensresten auf dem Tisch steht, wenn er nicht saugt....nur noch agressiv ist.

    Er hat eine völlig veränderte Persönlichkeit. Es ist unmenschlich jemanden einfach so sitzen zu lassen und zu sagen: "Hey, leb dein Leben. Ich habe mein eigenes. So wie du jetzt bist, passt es einfach nicht und macht mir nur Arbeit. Sauf dich doch tot." Als liebendes Familienmitglied geht das nicht. Wie soll es denn auch gehen? Ich habe Angst, dass ich mal anrufe und es geht niemand mehr an das Telefon. Und das Ende vom Lied: Er liegt tot in der Wohnung. Einmal hatte ich schon die Befürchtung. Da ging er auch nicht ran. Ich rief die polizei an, welche dann bei ihm klingelte. Er war da: Telefon kaputt. Ich dachte, er würde sich kein neues Gerät kaufen. Schließlich ist der Stoff ja wichtiger. Doch ein kleines Wunder geschah, er kaufte sich nach einer Woche ein neues Telefon. Glücklicherweise! denn ansonsten hätte ICH ihm eines kaufen und schicken müssen.

    Warum KANN ich nicht helfen? Kann nicht die Liebe des eigenen Kindes helfen, die Augen öffnen? Zeigen, dass es noch etwas anderes als Alk gibt? Wichtigere Dinge als das öde Trinken?

    LG

    Hi Spedi,

    vielen Dank für deine Antwort. Weißt du, wie schwer es ist, los zu lassen? Das werde ich wahrscheinlich einfach nicht können. Ich habe es ja schon versucht. Aber mein Vater ist leider(!) mein Vater. Und es tut weh, es zu sehen. Es tut weh, machtlos zu sein.

    Welcher Mensch will denn krank sein, Alkoholiker sein? Ich denke, er ist da in einen Strudel hinein gekommen, der immer schneller und tiefer ging. Ich weiß nicht, ob er überhaupt weiß, dass er ein Alki ist. Denn wenn ich ihn darauf anspreche, dann leugnet er es. Er habe das alles im Griff und kann aufhören, wenn er will. Er könne es ab, er sei stark. Das sind seine Aussagen!

    Wenn er sagt, dass er sterben will, dann glaube ich, dass es nicht wirklich wahr ist. Ich denke nicht, dass er vor 30 oder 40 Jahren gesagt hätte, dass er sich den Tod wünscht bzw. sich totsaufen wolle. Ich denke, dass der ganze Mist erst durch den Alkoholkonsum gekommen ist. Vielleicht auch daher, weil er die Familie zerstört hat. Er war ja auch vor der Ehe mit meiner Mutter bereits verheiratet und auch der Ehe Kinder. Nur will niemand mehr mit ihm etwas zutun haben. Die Ehe mit meiner Ma hat er auch zerstört. Damalige Freundschaften sind zerbrochen, weil er unbelehrbar ist, sich für besonders schlau hält und andere Menschen in seinem Suff beleidigt. Im Suff wird er unausstehlich, stellt sich gerne über andere, verletzt sie. Wenn er nüchtern war, dann war es anders. Lustig, mit Charme und nett.

    Nun hat er eigentlich niemanden mehr, fliegt aus Kneipen raus, weil er die anderen Leute durch seine arrogante Art beleidigt. Wenn ich anrufe, ist er meistens da, säuft allein.

    Ich denke oder hoffe einfach nur, dass wenn ich ihn einweisen lassen würde, er vielleicht zu sich kommt...zeit hat nachzudenken...und ihm durch eine Therapie gezeigt wird, dass man ohne Alk glücklich sein kann...ja, und dass er vielleicht seinen Stolz besiegt und auf andere Familienmitglieder zugeht, sich entschuldigt und von sich aus den Kontakt wieder aufbaut....dass er ein normales Leben führen kann.

    LG und nochmal Danke

    Hallo allerseits !

    Vor einigen Monaten habe ich schon einmal meine Geschichte bzw. die meines Vaters geschildert. Er trinkt - und das schon so lange ich denken kann.

    Nun lebt er seit beinahe 5 Jahren allein, ohne irgendwelchen Kontakt zu Familienangehörigen. Es ist schwer ihn im Auge zu behalten, da er eben vor genau diesen 5 Jahren in eine andere Stadt zog. Er verwahrlost immer mehr - und das obwohl ihm sein Äußeres und Sauberkeit einmal so sehr wichtig war. Er ist vergesslich, phantasiert. Die letzten zwei Monate war er jedoch nicht betrunken, fast ein Wunder. Bisher gab es in diesen letzten 5 Jahren keinen Tag an dem er nüchtern war. Bevor er in die andere Stadt zog, waren es Saufperioden. Seitdem er dort lebt, ist es sehr schlimm.

    Ich war froh, als ich durch meine Anrufe merkte, dass er nicht mehr zu saufen schien. Ich dachte: "Yiiipiieh! Da ändert sich vielleicht was." Doch Fehlanzeige! Gerade habe ich mit ihm telefoniert. Er war betrunken und erzählte doch glatt, dass er vor 1 oder 2 Wochen mit 4,6 Promille ins Krankenhaus gekommen ist. Er weiß nicht, wer ihn einliefern ließ. Er wusste nicht mal mehr, wann es genau war. Und er sagte, dass er topfit sei und man es ihm im Krankenhaus bestätigte. Doch es ist Quatsch. Er lügt. Ich glaube das nicht. Er ist 65 Jahre alt und trinkt schon so lange ich ihn kenne...und länger! Er behauptet von sich, er hätte keine Schäden, sei kein Alkoholiker und dazu hochintelligent. Zudem hätte ihn das Krankenhauspersonal, wie eine besondere Persönlichkeit behandelt. ...und dass er weitersaufen wird, weil er sterben will.

    Als er mir das alles erzählte, konnte ich mir zynische Sprüche nicht verkneifen. er scheint durchzudrehen. Ich frage mich, warum man ihn nicht im Krankenhaus behalten hat. Es ist doch offensichtlich, dass er krank ist?! Warum lässt man einen solchen Menschen gehen?! Kann ich ihn nicht zwangseinweisen? Es besteht doch Lebensgefahr. Jemand der solche Werte hatte, wird diese bestimmt wieder erreichen...oder vielleicht sogar höhere...und dann sterben.

    Vielleicht könnt ihr mir einen Rat geben....Ich weiß, dass ich mein eigenens Leben führen muss und Kontrollanrufe nichts bringen: er wird sein Leben sowieso leben, denn nur er kann selber bestimmen, wie es weiter geht. Aber vielleicht kann man eine Entgiftung/Kur auch "erzwingen"? Nur wann?

    LG

    Ich habe heute mit ihm telefoniert. Da sagt er mir tatsächlich, er würde aus einer anderen Zeit kommen, da verträgt man den Alkohol eben. Er ist ja im Krieg geboren worden und meint, dass Menschen, die in der Nachkriegszeit aufgewachsen sind härter sind ...und somit ja auch quasi nicht süchtig werden. So kann man sich natürlich auch alles schön reden. Ich meinte daraufhin, dass es egal ist, wann man geboren wurde und in welcher Zeit man aufgewachsen ist. Mensch bleibt Mensch...Er glaubt nicht, dass er süchtig ist! Es ist einfach nur schrecklich. Aber hatte er ja schon wieder einen getrunken. Ich habe es ja an seiner Stimme gehört :(

    Da kann man nicht weiterhelfen, oder? Ich glaube, er wird nie verstehen, dass er süchtig ist.