Hallo Lutz,
das ist lieb von dir, vielen Dank.
Ich denke, es ist einerseits Wertschätzung und Erinnerung an Weggefährten.
Andererseits wird einem dadurch auch der eigene Weg nochmal bewußt.
Eine Bitte habe ich - Lutz, du hast das ja gut gelöst mit den Abkürzungen - bitte schreibt so anonym wie möglich.
Oft geht es ja um Menschen, die man in realen Selbsthilfegruppen kennengelernt hat oder auch um Familienangehörige. Bitte schreibt so, daß man weder sie noch euch erkennen kann.
Ich möchte mal den Anfang machen mit einem meiner Weggefährten, der mir unendlich fehlt. 
Meinem Moderatorenkollegen Martin.
Am 12. Mai 2018 war einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Früh morgens erfuhr ich von seinem völlig überraschenden Tod. Im Forum lief zufällig genau an dem Tag ein update und man konnte nicht rein. Ich war vollkommen verzweifelt und aufgewühlt.
Es ist ja nicht so, daß wir Moderatoren uns alle privat kennen. Wir wohnen ja quer durchs Land verteilt. Martin war tatsächlich der einzige, der mich einigemal besucht hatte. Durch die langjährige Moderatorentätigkeit und natürlich auch durch das Tagebuchschreiben im geschützten Teil des Forums, hat man sich über die Jahre "kennengelernt" - wie man sich halt virtuell kennenlernen kann.
Aber wie gesagt, Martin kam mich jedes Jahr ein oder zweimal besuchen, und wir telefonierten öfters. Es entstand eine tiefe Freundschaft.
Er war jahrzehntelang Alkoholiker und das hatte an seinem Körper starke Spuren hinterlassen. Damit kam er aber gut zurecht. Er würde dieses Jahr seinen 18. Trockengeburtstag feiern können, wenn, ja wenn... 
Er war lustig, zurückhaltend, ernsthaft, gründlich, zuverlässig. Er fand immer die richtigen Worte. Ich war oft überrascht, wie intensiv er hier im Forum mitlas. Irgendwann sagte er mir mal, daß er all die ganzen Jahre jeden einzelnen Beitrag gelesen hat. Jeden einzelnen.
Ihm half das in seiner Trockenheitsarbeit, denn raus in eine reale SHG konnte er aufgrund seiner körperlichen Probleme nicht mehr. Daß er sooo schnell sterben würde, damit hat weder er noch irgendjemand sonst gerechnet.
Für mich war er wie ein Fels, obwohl er sooo wackelig und zierlich war. Auf ihn konnte ich mich immer verlassen. Ich vermisse ihn unendlich. Er war immer ein Vorbild für mich. Seine ruhige Art, sein Humor. Er hat immer versucht sich erst mal einen Überblick zu verschaffen, bevor er geschrieben hat. Ach und seine Smilies...
Er hatte ein unendlich große Smilie-Sammlung... Damit hat er in seinen Antworten oft gar nicht viele Worte machen müssen, um traurige Menschen wenigstens für einen Moment zum Lächeln zu bringen. Seine Antworten waren meist kurz, aber da war sooo viel Wertschätzung, Verständnis und Hilfsbereitschaft für uns Mitglieder hier in der SHG.
Martin und ich sind gleich alt. Es fiel mir sehr schwer alleine weiterzugehen. Nichts ist mehr wie es war. Klar sind andere Menschen da, ich bin ja nicht alleine. Aber die Lücke, genau diese eine Lücke tut so weh.
Ich glaube, selten hat mich etwas mehr in meinen Grundfesten erschüttert, wie sein plötzlicher Tod.
Tut weh und tut gut, mich an ihn zu erinnern.
Danke Lutz, daß du das Thema eröffnet hast. Der Mai ist seit drei Jahren mein schwierigster Monat. Es ist Frühling, alles blüht, alle rennen draußen rum und ich trauere.
Ich glaube, das Schreiben hat mir etwas geholfen.
LG, Linde