Beiträge von Fünf-vor-Zwölf

    Guten Morgen ihr Lieben,

    nein das soll kein "Abschiedsgruß" sein, eher ein Kurzbesuch :wink:

    Ich habe damals, Mitte Januar, auch in ein anderes Forum hinein geschnuppert und bin dort "hängen geblieben"...warum weiß ich gar nicht mehr. Vielleicht durch irgendeinen Zufall...?

    Mit meiner Sucht beschäftige ich mich recht intensiv, weil es mein größter Wunsch ist, nie mehr dahin zu kommen, wo ich war.

    Und da ich es immer wieder so traurig finde, von Neuankömmlingen plötzlich nichts mehr zu hören (da denkt man natürlich oft, oh abgebrochen, er/sie trinkt wohl wieder), dachte ich mir, ich gebe hier mal eine positive Rückmeldung!
    Verbunden mit einem "Dankeschön"...

    Liebe Grüße
    Antonia

    Ihr Lieben,

    nach langer Zeit möchte ich euch mal wieder "hallo" sagen.
    Es ist nicht mehr 5 vor 12, eine andere Zeitrechnung gilt nun: ich bin seit 5 einhalb Monaten trocken.

    Ich besuche eine SHG (bisschen unregelmäßig zwar...) und habe vor einem Monat eine ambulante Therapie begonnen.

    Der Freund, der mir in der ersten Zeit so schrecklich Sorgen bereitete, hat noch im Januar auch aufgehört zu trinken...ich habe ihn mit meinem Entschluss offenbar angespornt und Mut gemacht. Auch er ist bis heute trocken.

    Ich bin sehr überrascht worden, wie schnell ich mich verändere in der Trockenheit, und damit mein ganzes Leben.
    Ich lerne, mit Gefühlen umzugehen, sie anzunehmen. Hochs und Tiefs zu erleben, einen klaren Blick für die Zukunft zu bekommen.
    Ich lerne, nach Hilfe zu suchen, wenn ich nicht weiter weiß.

    Auch mein gesundheitlicher Zustand hat sich sehr gebessert.
    Obwohl der Arzt eine beginnende Leberzirrhose diagnostizierte, sind die Werte inzwischen wieder im normalen Bereich.

    Es gab in der Zeit eine Gelegenheit, die mich nahe an einen Rückfall brachte. Hier war die alkoholfreie Wohnung hilfreich und dass ich Hilfe suchte und fand.

    Wenn ich auch weiß, dass der Weg noch lang ist und nicht immer flauschig, so bin ich nicht mehr bange. Zuversicht ist mein Begleiter geworden.

    Ich möchte mich hiermit bei euch allen herzlich bedanken, die mir in den ersten schweren Tagen so hilfreich zur Seite standen...
    und ich wünsche euch weiterhin eine zufriedene Trockenheit und schöne Tage und Stunden!

    Ganz liebe Grüße
    Antonia

    Hallo Meike,

    ich möchte dir von einer Familie berichten, die ich schon sehr lange sehr gut kenne. Der Vater Alkoholiker, Spiegeltrinker, die Mutter trinkt ganz selten ein Gläschen, 2 Kinder. Eigentumswohnung, sichere Abeitsstelle, Sommerurlaube, Kinder brachten gute Noten nach Hause etc., nach außen also alles im grünen Bereich.

    Doch durch das Trinken wurde er immer unzuverlässiger, manchmal streitsüchtig, manchmal jähzornig. Die Mutter wurde immer unglücklicher, bat und bettelte, stand ihm aber als Co-Abhängige (was mir heute erst klar wird!) jahrelang bei, auch den Kindern "zuliebe".

    Doch irgendwann war das jüngste Kind kein Kind mehr, kurz vor`m Schulabschluss, und da war ihr Leidensdruck so groß geworden, dass sie ihm die Pistole auf die Brust setzte: "der Alkohol oder ich".
    Sie ließ absichtlich die Tageszeitung mit rot markierten Wohnungsangeboten herum liegen, machte sich rar, und das brachte wiederum ihn an seinen Tiefpunkt. Sie hätte Ernst gemacht.

    Er machte eine LZT und ist nun seit etwa 15 Jahren trocken, was er nie bereut hat -im Gegenteil.

    Hangel dich nicht von einer leeren Versprechung zur nächsten, die Enttäuschungen rauben dir die letzte Kraft und den Mut. Ich glaube nur mit einer ganz klaren Ansage (die auch absolut ernst gemeint sein muss) wirst du eine Lösung des Problems erzielen können (mit einem trockenen Mann oder ohne)...und lass dir dabei helfen, wie Nora schon sagte.

    Ich wünsche dir die Kraft!
    Liebe Grüße
    Antonia

    Hallo ihr Lieben,

    Yvonne, der Gedanke mit dem trockenen, warmen Mantel gefällt mir!

    Elli, ja die Vergangenheit, von der wir uns beide ja erst ganz frisch offiziell verabschiedet haben...
    Hierzu hatte ich gestern ein Aha-Erlebnis: ich fuhr mit dem Auto aus einer Parklücke auf einem Supermarkt-Parkplatz rückwärts raus. Es war dämmrig und sehr neblig, ein grauhaariger, grau gekleideter Mann (also perfekt getarnt!) stand plötzlich vor meiner Heckscheibe. Ich konnte zum Glück noch bremsen, nichts passierte.
    Doch nach dem ersten Schreck dachte ich: nun bin ich vielleicht 10 Jahre lang nie nüchtern gefahren und außer Blechschäden ist nichts passiert, und nun bin ich 16 Tage nüchtern und fahre beinahe einen Menschen um.

    Doch mir wurde auch klar: früher hätte ich dies auf meinen Alkoholpegel geschoben und ein endlos schlechtes Gewissen gehabt -->heimfahren, Wein trinken. Diesmal hatte ich kein schlechtes Gewissen (bin langsam gefahren und habe geschaut), im Gegenteil, ich war glücklich, dass nichts Schlimmes passiert ist.
    Wieder ein Stein für das neue Haus!

    Die tägliche Konfrontation mit der Vergangenheit empfinde ich auch als Belastung, doch hier bediene ich mich ganz unverschämt bei den funktionierenden Verdrängungsmechanismen und nehme mir immer nur ein bissel vor. Ob das richtig ist, weiß ich nicht.
    Ich könnte es mir nicht anders erträglich vorstellen.

    Herzliche Grüße
    Antonia

    Guten Abend,

    eure Worte haben mich zum Denken angeregt, ich danke euch dafür, allerdings hat sich die Situation bez. meines Freundes sehr plötzlich sehr verändert. Doch da das in meinen Gedanken und Gefühlen momentan nicht im Vordergrund steht (habe es bewusst etwas zur Seite geschoben, so gut es eben geht), werde ich darüber erst mal nicht schreiben.

    Heute morgen war ich bei der Caritas, und in der Wartezeit las ich in einigen Broschüren. Beim Thema "Phasen der Alkoholabhängigkeit" las ich einen Satz, der mich sehr beschäftigt: Der Kranke zeigt sich mit zunehmenden inneren Qualen als Kompensation nach außen selbstsicher und optimistisch, ja sogar oft fröhlich, vermittelt den Eindruck eines optimistischen Menschen, der sein Leben unter Kontrolle hat (so sinngemäß). Hätte dahinter gestanden "Trifft das auf Sie zu?", ich hätte zähneknirschend "ja" angekreuzt.

    Der Gedanke wirbelte den ganzen Nachmittag im Hirn herum und machte mich ganz schwindelig. Ich glaubte ein ehrlicher Mensch zu sein, aber ich habe jahrelang alle belogen, auch mich selbst. Das erschreckt mich sehr.

    Heute abend war ich zum ersten Mal in einer Selbsthilfegruppe.
    Das Thema war Umgang mit der Vergangenheit (so langsam glaube ich nicht mehr an Zufälle!). Als ich dazu gefragt wurde, sagte ich erst mal MMH..., dann fiel mir spontan eine Metapher ein: die Vergangenheit als prächtiges Schloss, außen voller Gold und Silber, innen kalt, leer und schmutzig. Ich bin vor ein paar Tagen in Panik hinausgerannt, habe aus dem Fundament Steine herausgeschlagen und sehe nun beim Einsturz zu. Stehe nackt und staunend daneben, immer in der Angst, dass mich Steine treffen und erschlagen könnten. Und weiß nicht wohin.
    Weiß nur, dass ich ein neues Haus bauen muss, klein, bescheiden und gemütlich, in dem ich wohnen kann, und die Steine dafür mühsam zusammentragen. Habe aber nicht die leiseste Ahnung, wo ich die Steine hierfür finde. Die Trockenbausteine mögen das Fundament sein, aber es braucht noch mehr.

    Ich werde fast alles aufgeben müssen, mein Denken und Handeln in den vergangenen Jahren. Fühle mich unsicher und orientierungslos.
    Und ich werde lernen müssen, Hilfe anzunehmen.

    Es tut so gut, das niederzuschreiben. Und dass ihr zuhört.

    Liebe Grüße
    Antonia
    (deren Hände nicht mehr zittern, aber der Kopf fängt an)

    Hallo Elli,

    Zitat von misselli

    ...das bringt mich auf andere Gedanken.

    hier noch etwas für die anderen Gedanken.
    Am 4.Tag meiner Entgiftung, als ich wieder halbwegs schreiben konnte, habe ich mir sehr viele Gedanken über einen Rückfall gemacht, nicht zuletzt, weil so viele Mitpatienten um mich waren, die darin traurigerweise "Übung" hatten.
    So krakelte ich in mein Tagebuch folgenden Text, den ich seither täglich lese, besonders, wenn ich merke: oh oh, welche bösen Blitze wollen da in meinen Kopf. Vielleicht hilft er auch dir und anderen, die hier lesen, das wäre schön.

    BRIEF AN DEN TEUFEL

    So langsam beginne ich dich zu durchschauen, das Ausmaß deiner Hinterhältigkeit zu erahnen. Wie ein Zauberkünstler hast du 1000 Tricks auf Lager, um uns zu überlisten, zu täuschen, in die Irre zu führen, um uns hämisch grinsend einen weiteren Schritt zum Abgrund zu locken.
    Um uns dann laut lachend hinunter zu stoßen, noch bevor wir begreifen, was da geschah.

    Oh Teufel. Ich habe meine Augen einen kleinen Spalt geöffnet, dein Anblick ist erschreckend.
    Aber nein, auch wenn du jetzt panisch versuchst, mich zum Schließen der Augen zu bewegen: NEIN. Mit keinem Trick der Welt soll dir das gelingen.
    Denn durch den Schlitz der Lider sah ich nicht nur dich, sondern auch den Abgrund. Und erstarrte vor Angst und Verzweiflung.
    Doch aus Verzweiflung kann Mut erwachen, und so nehme ich -zwar noch etwas bang- das Duell mit dir auf.
    Ich bleibe auf der Stelle stehen, gehe keinen Schritt mehr vorwärts, nun ist es an mir, mich umzudrehen, um in kleinen Schritten rückwärts zu gehen, zurück zum Leben.

    Ich will dich durchschauen, deine Tricks und Strategien kennen lernen, mit denen du mich jahrelang hierher führtest.
    Und ich weiß, dass du nie aufgibst. Du bleibst auf der Lauer liegen und wartest, bis ich mal nicht wachsam bin. Dann schlägst du zu, und aus dem Spielchen, welches dir früher so viel Vergnügen bereitete, wird plötzlich bitterer Ernst.
    Du wirst mich dann nicht mehr zum Abgrund locken, sondern schieben und zerren.
    Soweit soll es nie kommen. Ich bleibe wachsam.


    Liebe Grüße
    Antonia

    Guten Morgen Elli,

    zu den Veränderungen: in deiner Beschreibung und auch in der von Backmaus erkenne ich mich auch wieder, und das schon am 14. Tag!

    Die "fehlenden" nächtlichen Angst-Attacken inkl. Zittern und Schweißausbrüchen, der Spaß an Tätigkeiten, die vorher lästig waren und möglichst verschoben wurden, das klarere Denken, ach es sind so viele Kleinigkeiten.
    Gestern trank ich einen Schluck heissen Kakao und spürte die Wärme bis in den Magen, das hat mich ungeheuer erfreut. Klingt verrückt gell?

    Habe mal (mit meinem Spleen zu analysieren) versucht, Vor-und Nachteile der Nüchternheit gegenüberzustellen, und he, auf der Nachteil-Seite ist mir nur ein einziges eingefallen: es ärgert mich, dass ich nicht schon viel früher den Absprung geschafft habe und 20 Jahre lang unter der Sauferei gelitten habe.

    Der Entgiftungs-Doc sagte, ich hätte vielleicht noch 10 Jahre überlebt, die Leberwerte sind z.T. 8-9fach erhöht, die Blutwerte eine Katastrophe.

    Hey Elli, jetzt geht`s bergauf!

    Du hast gestern morgen geschrieben:

    Zitat

    ...gestern abend war es wieder ein bisschen schwerer nicht zu trinken...

    Wie war das?

    Liebe Grüße
    Antonia

    Hallo Elli,

    Zitat von misselli

    ...dieses ganze Elend, wenn man so krank ist, ich will das nicht, ich will gesund werden.

    komisch, habe dir vorhin einen Post geschrieben und er wurde nicht eingetragen. Na, wahrscheinlich falsche Taste gedrückt, also nochmal in Kurzfassung:

    Hier was zum Mut machen bez. der körperlichen Schäden, du hast ja gestern von Polyneuropathie gesprochen.
    In der Entgiftung besuchte ich einen Vortrag über Folgeschäden. Es war eigentlich kein Vortrag, der Arzt forderte uns auf, Fragen zu stellen. Nach einer zähen Minute desinteressierten Schweigens (!!!) stellte ich all die Fragen, zu denen ich in Büchern/im Netz unzureichend Antworten fand.

    Dass die Leber ein sehr regenerationsfähiges Organ ist (wenn noch nicht zirrhotisch), weisst du sicher.
    Auch das Nervensystem ist regenerationsfähig, es dauert aber länger. Nervenbahnen können nachwachsen, es können neue Verknüpfungen hergestellt werden, wenn die chron. Vergiftung nicht mehr da ist. Beschleunigen kann man es durch Sport für die Peripherie und Hirntraining für den Kopp.
    Auch die anderen in Mitleidenschaft gezogenen Organe (Haut, Knochen, Nieren etc.) sind erstaunlich regenationsfähig.
    Also ängstige dich deswegen nicht!

    Zitat

    ...heut ist Tag 32.

    Super!
    Welche Veränderungen an dir hast du denn bis jetzt wahrgenommen?

    Liebe Grüße
    Antonia

    Guten Morgen


    Zitat von Spanijoggel


    Könnte es sein,dass Du Co-Anteile hast oder entwickelst?

    Ja! Wenn ich hier so im Co-Bereich lese, erkenne ich mich auf beängstigende Weise in vielem wieder. Gut, dass mal jemand das Kind beim Namen nennt, danke Yvonne.
    Na, dann habe ich eben noch eine Baustelle, die ich aber gerade jetzt nicht auf später verschieben darf.

    Mir war das mit der Co-Abhängigkeit bislang gar nicht so bewusst.

    Nun, ihr sagt "nicht fallen lassen wie eine heisse Kartoffel". So grob könnte ich gar nicht sein.

    Ihr habt sicher Recht, wenn ihr von Abgrenzung sprecht, eben das muss ich erst lernen: kein schlechtes Gefühl/Gewissen zu haben, wenn ich meine Hilfe auf das Nötigste beschränke, ohne mich dabei mies zu fühlen.

    Es ist wohl eine Gratwanderung mit der Hilfsbereitschaft.
    Zum Glück wird mein Hirn täglich klarer!

    Liebe Grüße
    Antonia

    Hallo Yvonne und Cora,
    ich danke für die aufmunternden Worte.

    Habe heute mal gründlich über mein Verhalten nachgedacht, bin zwar noch zu keinem Schluss gekommen, doch ist mir glasklar geworden, dass ein recht schwieriges Problem vor mir liegt bzw. ich stecke schon lange drin (und ich Dussel hab`s kaum bemerkt)...Vielleicht hat jemand von euch einen Rat hierzu? Ich schildere es mal kurz:

    Mein seit ca. 15 Jahren bester Freund hat sehr viele Probleme im Leben, er hatte eine widerliche Kindheit, ist mit Ängsten, Schüchternheit, Menschenscheu, Pessimismus und Depressionen behaftet. Ich bin seine engste Vertraute und so ziemlich das Gegenteil von ihm. Ich habe ihm schon oft mit Worten und Taten geholfen, oder ihm den nötigen A****tritt verpasst, damit er selbst eines seiner Probleme bewältigt.
    Nun ist er -als hätte er nicht genug Probleme- in den letzten Jahren alkoholkrank geworden, was alles noch verschlimmert. Er weiß es, er würde auch gerne etwas tun, doch fürchtet er sich vor dem riesigen "Müllberg", den es wegzuschaffen gilt, wenn er wirklich ein glücklicheres Leben führen möchte. Was ich schon irgendwie verstehen kann. Immerhin ist ihm klar geworden, dass er sein Alkoholproblem zuerst lösen muss und der Wille dazu ist offenbar nun endlich sehr stark am Reifen. Sein Leidensdruck ist immens!

    Da ich ihn sehr mag, es mich aber andererseits auch Kraft kostet, ihm beizustehen/Mut zu machen, bin ich im Konflikt:

    --Wenn ich weiterhin für ihn da bin, vergebe ich einen Teil der Energie, die ich z.Z. wohl eher für mich bräuchte.

    -Wenn ich ihm aber nicht helfe in dem Wissen, dass meine Unterstützung gerade jetzt an diesem seinem Wendepunkt sehr fruchtbar sein kann, fühle ich mich überhaupt nicht gut dabei, und auch das kostet sicher Unmengen Kraft...

    Versteht ihr in etwa, was ich meine? Ach, ich weiß nicht, was ich machen soll, wie es richtig und wie es falsch ist.
    Über meinen Schatten springen kann ich ja auch nicht.

    Liebe Grüße
    Antonia (die machmal vielleicht zu viel grübelt...)

    Hallo Elli,

    wie ist es bei mir, fragst du.
    Ich entschloss mich einige Tage vor Weihnachten zu dem Schritt, von dem ich glaubte, er sei furchtbar schwer. Hürde Nr.1, die allerschwerste!
    Am nächsten Tag ging ich zum Arzt, ich war ehrlich und er verständnisvoll, Hürde Nr.2 war geschafft.
    An Heiligabend rief in der Klinik an, wann ich antanzen darf zur Entgiftung, und bekam gleich in den Tagen nach Weihnachten einen Termin. Das war Hürde Nr.3...nun tat sich mir auch die Frage auf, sag ich`s? Wem? Wann? (mein Mann wusste von Anfang an alles, sowas wollte ich nicht vor ihm verheimlichen!)
    Ich überlegte und kam zu dem Schluss, dass meine engsten Verwandten und Freunde es wissen sollten, allein schon, um mich in Zukunft nicht unabsichtlich in Gefahr zu bringen, indem sie mir Alkohol anbieten oder schenken.
    Die Feiertage waren eine gute Gelegenheit, mir die Familienmitglieder einzeln vorzuknöpfen und ihnen von meinem Vorhaben zu berichten. Die Reaktionen waren durchwegs positiv.
    Auch hatte ich mir damit ein bissel einen feigen Rückzieher verbaut!
    Meine Freunde reagierten ebenfalls sehr positiv, hätten sie das nicht getan, wären es keine echten Freunde!

    Deine Nüchternheit wird (hoffentlich) ein ganz wichtiger Bestandteil deines Lebens und deiner Persönlichkeit sein, und mit Verheimlichung setzt du dich unnötig unter Druck (du kennst diesen Druck wohl durch die Verheimlichung der Krankheit, warum also vom Regen in die Traufe?)
    Dadurch und durch das oben genannte gefährdest du deinen Weg in ein trockenes Leben.

    Kommst du doch mal in die blöde Situation, dass dir ein "Irgendjemand" Alkohol anbietet, kannst du dich ja mit Magenproblemen oder Auto dabei rausreden . Manche geht`s einfach nix an finde ich.

    Redest du mit deinem Mann? Wie steht er dazu?
    Was glaubst du wie die Familienmitglieder deines Mannes reagieren würden?
    Und wie sieht es mit Freunden/Freundinnen aus?

    Ganz liebe Grüße
    Antonia

    Hallo Elli,

    wir sind in einer ganz ähnlichen Situation: auch ich bin erst kurze Zeit nüchtern, plane SHG und ambulante Terapie, fühle mich am 12.Tag schon viel besser als vorher.

    Was ich aber nicht verstehe: warum kannst du erst Ende des Monats die SHG besuchen?
    Es gibt sicher noch andere Angebote, die du dir gleich in der kommenden Woche anschauen kannst: AA zum Beispiel, Guttempler, Blaues Kreuz...Telefonnummern findest du im Internet, im Telefonbuch oder bei Suchtberatungsstellen.
    Bleib dran, schau dir verschiedene an und entscheide erst dann, in welcher Gruppe du dich wohl fühlst.

    Liebe Grüße
    Antonia

    Guten Morgen ihr Nachteulen und Frühaufsteher,

    danke für die nette Begrüßung!
    Heute morgen bin ich zum ersten Mal seit 12 Tagen ausgeschlafen und alles sieht schon etwas weniger durcheinander aus.
    Frühstück und Tee statt Rotwein auf nüchternen Magen...arg ungewohnt!

    Hab mir für heute vorgenommen, eine Liste zu schreiben, was alles nicht in Vergessenheit geraten soll, nein DARF: all die üblen Auswirkungen des Alkohols, welche vom Hirn über kurz oder lang vielleicht vergessen oder verdrängt werden könnten.
    Die morgendlichen Angstzustände, das Zittern, die verschwitzten Bettlaken, all das.

    Yvonne, tja Geduld war noch nie meine Stärke, dazu muss ich mich regelrecht zwingen.
    Pia, hab`mir vorgestern schon eine offene Sprechstunde bei der Caritas und eine Frauen-SHG ausgeguckt, beides Montag. Und Mittwoch+Freitag AA anschauen.
    Es soll jetzt so bald wie möglich weiter gehen.
    Alpenrose, die Trockenbausteine habe ich als Theorie im Kopf, nun geht`s um die Umsetzung, und hier tauchen doch immer mal Fragen auf oder es klappt nicht so einfach. Ich frag euch dann einfach ganz ungeniert okay?

    Und ich glaube nun zu wissen, was mich in den 10 Tagen in der Klinik so erschüttert hat: habe über 30 Menschen mehr oder weniger gut kennengelernt inklusive ihrer Geschichte. Keiner von ihnen war wie ich zum ersten Mal da, einer zum 80sten Mal (!!!), und nur bei 2-3 Leuten hatte ich das Gefühl, dass sie es schaffen wollen/können.
    Viele waren durch die Rückfälle schon völlig resigniert und hatten ihre Kraft und ihren Mut verloren. Andere hatten Angst wie ein Kaninchen in der Falle.
    Das ging mir z.T. sehr nah, und obwohl ich mich bemühte, meine eigene "Genesung" sowohl gedanklich als auch emotional in den Vordergrund zu stellen, so gelang es mir nicht in Gegenwart von soviel Leid. Habe mich oft dabei ertappt, dass ich mehr Anteil am Schiksal der anderen nahm als über mein eigenes nachzudenken.
    Das macht mir etwas Sorgen: einerseits weiß ich, dass dieses Mitgefühl (Mit-Leid) meine Nüchternheit gefährden kann, andererseits kann ich dies nicht gewaltsam abstellen, dann wäre ich nicht mehr ich selbst.
    Wie komme ich zum "gesunden Egoismus", ohne mich zu verbiegen oder wie ein kaltherziges Monster zu fühlen? Wo sind meine persönlichen Grenzen, wie erkenne ich sie und wie schaffe ich es sie zu ziehen?

    Liebe Grüße
    Antonia

    Guten Abend,

    wo ich anfangen soll, weiß ich gar nicht genau. In meinem Kopf drehen sich so viele Gedanken, Eindrücke, Informationen...ganz zu schweigen vom emotionalen Chaos.
    Ich war bis heute morgen 10 Tage lang in der Entgiftung und nun wieder zu Hause, und es kommt mir vor, als sei ich ewig lange auf einem anderen Planeten gewesen. Ein solches Nebeneinander von Glück und Leid, von Mut und Angst, von Kraft und Erschöpfung habe ich seit vielen Jahren nicht mehr erlebt.
    Ja, ich bin froh, wieder intensive Gefühle (vor allem die positiven) zu haben, ganz ohne Alkohol. Nun steht mir ziemliche Aufräumerei bevor, und vielleicht brauche ich hier gelegentlich eure Hilfe, gerne auch mal einen Tritt in den A****.
    Dies war mein erster und hoffentlich letzter Entzug nach etwa 20 Jahren Alkoholmissbrauch (in den letzten 10-15 Jahren täglich) und somit befinde ich mich in einer völlig neuen und unbekannten Situation, allein dass mein Hirn wieder halbwegs normal arbeitet, ist ein längst vergessenes Gefühl...

    Habe einiges über die Krankeit gelesen und gehört, doch fällt es mir wahrscheinlich in der nächsten Zeit erst mal schwer, den Bogen von der Theorie zur Praxis zu schlagen, da ich eben keinerlei Übung damit habe.
    So insgesamt freue ich mich wie ein Schneekönig über meine Entscheidung, ENDLICH den ersten Schritt getan zu haben und auf die Zeit, die vor mir liegt!
    Um SHG und ambulante Thrapie kümmere ich mich nächste Woche.

    Was ist am wichtigsten in den ersten Tagen und Wochen, worauf soll ich besonders achten?

    Ich bin sehr froh, dieses Forum gefunden zu haben, und hoffe dass ich die Hilfe, die ich hier erhalte und schon erhalten habe, irgendwann weitergeben kann.

    Liebe Grüße
    Antonia