Beiträge von Mada

    Hallo Alex,

    herzlich Willkommen hier. Du wirst feststellen, auch wenn wir alle die gleichen EKA-Merkmale haben und in gleichlautenden Mustern gefangen waren, ist doch jede/r für sich einzigartig :wink:

    Was mir - und bestimmt auch vielen anderen hier- geholfen hat, ist, die Muster zu erkennen, die uns in der Kindheit geprägt haben und die Programme zu erkennen, nach denen wir funktionieren. Und genau dann können wir etwas für uns ändern! Ich halte die Aufarbeitung der Kindheit in dem Maße, wie es jeder einzelne verträgt, für sehr wichtig. Denn nur so konnte ich loslassen, mich befreien und nicht mehr in die alten Schuldgefühle zurückfallen (zumindest nehme ich mir das immer vor :wink: ).

    Gruß
    Mada

    Hallo Hamburggirl,

    zu Deinem Verhältnis zu Deiner Mutter und DEINEM RECHT auf ein eigenes Leben haben die anderen schon viel gesagt.

    Ich möchte den Aspekt Deiner Geschwister und Tanten mal aufgreifen: warum bist Du die Böse? Weil Du das interne Gleichgewicht störst, in dem Du die Alkoholsucht ansprichst. Und das mögen Familienmitglieder in der Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit gar nicht! (Auch wenn es Deinen Geschwistern nicht bewußt ist)
    Denn dann müßten die Rollen ja neu verteilt und neu gemischt werden! Deine Mutter müßte sich ihre Fehler in der Kindererziehung bewußt machen. Deine Geschwister müßten ihre Rolle und ihre Verantwortung neu überdenken.
    Wie schmerzhaft das ist, machst Du ja gerade selbst mit......

    Zitat

    Und mal im ernst... Wenn sie NIE Töchter haben wollte, sondern nur Söhne... WARUM sagt sie uns Kindern das denn????
    Weiß sie nicht, dass das extrem verletzend ist???
    Weiß sie nicht, dass das Selbstvertrauen ihrer Töchter darunter sehr stark leidet????
    Warum hat sie das gemacht???


    Darauf wird Dir nur Deine Mutter eine Antwort geben können - wenn sie das überhaupt will. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir aber sagen, es ist den sucht- bzw. zwanggeprägten Eltern bewußt und/oder egal, wie die Kinder denken. Für sie stehen nur sie selbst im Mittelpunkt, der Rest hat zu funktionieren. Oder ist gegen sie...
    Sorry, wenn das jetzt hart klingt. Anders kann ich es nach meinen Erfahrungen (mußte mich gerade heute wieder von einer Nachbarin meiner Mutter anpampen lassen, daß meine Mutter mal wieder im Nachthemd und orientierungslos durch die Wohnanlage gegeistert ist - Korsakoff, Demenz, lehnt jede Hilfe ab....) nicht beschreiben.

    Wenn Du magst, kannst Du Dir ja mal meinen Thread "Bin wieder zurück / Verhaltensmuster ..." durchlesen, darin habe ich mein Elternhaus und meine momentane Abkoppelung beschrieben.

    Bitte bleibe auf Deinem Weg, koppele Dich ab!

    Gruß
    Mada

    Hallo,

    darf ich Dir einen Buchtip geben? "Vergiftete Kindheit" von Susan Forward. Ich habe darüber auch in meinem Thread geschrieben.

    Du bist auf dem richtigen Weg, wenn Du Deine Verhaltensmuster erkennst und sie nicht an Deine Kinder weitergeben willst. Meine höchste Anerkennung dazu!

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, diesen Weg weiterzugehen! Du bist auf dem richtigen Kurs :)

    LG
    Mada

    Hallo,

    und wieder ist viel Zeit vergangen mit seelischer Aufräumarbeit. Ich glaube, in diesem Forum habe ich den Hinweis auf das Buch "Vergiftete Kindheit" von Susan Forward gefunden. Dieses Buch ist eine Offenbarung! Ich kann es jedem nur empfehlen, zu lesen!
    Darin werden genau die Mechanismen beschrieben, unter denen wir alle hier zu leiden hatten. Sei es, daß die Alkoholsucht der Eltern vertuscht werden mußte, daß man als Kind geschlagen wurde, daß man dauern beschimpft oder im schlimmsten Fall mißbraucht wurde.

    Alles sind Mißhandlungen der Kinderseele! Und sie wirken bis ins Erwachsenenalter, werden oft sogar an die eigenen Kinder weitergegeben, wenn die Opfer nicht bewußt dagegen ankämpfen.
    Susan Forward erklärt, daß die Kinderseele gar keine Chance hat, sich gegen die Eltern zu wehren. Also werden diese Mechanismen einfach "einprogrammiert".

    Eine Spur härter ist "Masken der Niedertracht" von Marie-Francois Hirigoyen. Sie nennt die Täter Perverse und beschreibt auch deutlich den Unterschied zwischen der normalen "Bösartigkeit", die jeder Mensch besitzt, die aber immer gefolgt ist von Reue und dem Empfinden, etwas falsch gemacht zu haben und der Perversion. Denn genau dieses Reuegefühl und die Empathie ist bei den Perversen nicht gegeben. Im Gegenteil, sie erfreuen sich an der Lähmung des Opfers. Ein hammerhartes Buch, das mir aber zusammen mit dem zuvor genannten sehr geholfen hat, die Unterdrückungsmechanismen meiner Kindheit zu erkennen und zu akzeptieren.

    Die ganz große Botschaft in beiden Büchern: DAS OPFER IST NICHT SCHULD !!!
    Das Opfer wurde Opfer, weil der Täter es dazu gemacht hat. Nicht, weil es "darum gebeten" oder "es zugelassen" hat.

    Ich kann jedem EKA diese Bücher nur empfehlen. Sie sprechen das deutlich aus, was wir unbewußt fühlen. Unsere Wut ist berechtigt! Unsere Schuldgefühle sind unberechtigt! Wir haben das Recht auf ein eigenes Leben! Wir brauchen die Verantwortung für die Taten und Entscheidungen unserer Eltern nicht übernehmen!

    Es ist normal, daß wir uns nach dieser Erkenntnis voller Zweifel wiederfinden. Es ist normal, daß wir uns Sorgen machen, was das Umfeld von uns denkt.

    Aber, hey, uns wurden Schmerzen zugefügt (seelisch und/oder körperlich) und wir haben das Recht AUA zu sagen und uns von unseren Peinigern abzuwenden!

    Gruß
    Mada

    Hallo,

    auch bei meiner Mutter wurde Korsakov-Syndrom festgestellt. Sie ist seit knapp einem Jahr unter "Daueraufsicht" Ihres Freundes und hat bis auf einen Rückfall im März angeblich nichts mehr getrunken.

    Tatsache ist, daß ihr Kurzzeitgedächtnis komplett weg ist, wenn niemand es ihr sagt, vergißt sie zu essen und zu trinken.

    Laut Aussage des Arztes ist sie kaum noch zeitlich oder räumlich orientiert, d.h. sie hat sich auch schon im eigenen Treppenhaus (Mehrfamilienhaus) verlaufen.

    Einen Antrag auf Betreuung (früher Vormundschaft) kann jeder stellen, das muß nicht mehr die betroffene Person oder angehörige sein, dann entscheidet das Amtsgericht, wer in welchem Bereich die Betreuung übernimmt.
    Allerdings wird das schwierig, wenn die Patienten nicht merken (wollen), was mit ihnen los ist. Meine Mutter redet sich z.B. immer raus mit "ich bin doch nur ein bißchen vergeßlich" und ihr Freund hat das große Helferhäubchen auf und macht sich vor, daß "es besser wird". Wobei er wiederum nicht merkt, daß er sie nur isoliert und damit das Gehirn gar nicht mehr trainiert wird.

    Meine Mutter redet kaum noch mit mir am Telefon (ich rufe immer noch fast täglich an), sondern gibt mich gleich weiter an ihren Freund. Das Tagesgeschäft (Bank, Telefon, Post, Einkaufen, Wohnung aufräumen, sauber machen) hat sie auch schon längst auf- und abgegeben.

    Female, Du kannst nichts tun außer für Dich die Grenze ziehen. Du kannst einen Korsakov-Kranken nicht zu geplanten, langfristigen Maßnahmen bringen. Das ist nach 5 Minuten schon alles vergessen!
    Die Frage ist, ob eine Krankenkasse überhaupt z.B. einem Entzug zustimmen wird, denn dazu bedarf es eines eigenen Willens und vor allem der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und diese auch über einen langen Zeitraum beizubehalten. Wie soll das gehen, wenn nach 5 min schon der große Radiergummi im Hirn ansetzt?

    Empfehlung an mich von der hiesigen Sozialberatung: mit der Krankenkasse eine Tagespflege bzw. eine ambulante Tagesklinik mit Beschäftigung aushandeln. Dann wäre meine Mutter z.B. unter Aufsicht, unter Menschen, beschäftigt, das Hirn wäre gefordert - aber davon wollte sie nichts wissen. Also lasse ich sie laufen, so hart das klingt.

    Solange keine Gefahr für Leib und Leben für den Betroffenen oder andere besteht, hat man als Außenstehender keine Handlungsoptionen.

    Gruß
    Mada

    Hallo Kaja,

    wie ich heute zu meinen Eltern stehe?
    Zu meinem Vater habe und will ich keinen Kontakt mehr. Seine ersten Worte nach dem Tod meines Bruders zu mir waren "ich bin Dir gerne behilflich beim Verkauf von seinem Auto".... ist eine komplizierte und lange Geschichte mit vielen Winkelzügen, das würde hier den Rahmen sprengen. Ihm ging es nur darum, Geld rauszuschlagen.

    Er ist gegangen - und ich habe die Tür hinter ihm abgesperrt (bildlich gesprochen). Ob ich ihn hasse? Ich denke eher, er ist mir gleichgültig. Ich trauere nur um die schlimme Zeit, die ich hatte und über die Schmerzen, die er mir zugefügt hat.

    Mit meiner Mutter habe ich seitdem ein gutes Verhältnis. Zwischendurch hat sie auch eingesehen, daß sie öfters mal den Mund hätte aufmachen müssen.

    Jetzt kommen wir aber zu dem Problem, das die meisten hier haben: der Mensch, der vor mir steht ist durch den Alk bzw. die Folgeerkrankungen so verändert, das ist nicht mehr meine Mutter, die ich kannte! Das ist eine fremde Person geworden!

    Mich macht es wütend, daß es mit ihr soweit gekommen ist. Ich hatte die Veränderung ihres Zustandes schon vor 5 Jahren festgestellt und auf sie wie auf einen kranken Gaul eingeredet, daß sie sich bitte ärztliche Hilfe holen soll. Damals glaubte ich noch Demenz....
    Sie hat alles abgelehnt, abgestritten, sich verweigert und mich angelogen. Über mindestens 2 Jahre. Sie sagte, sie sei beim Arzt gewesen, es sei alles in Ordnung.... Erst als ich wegen eines (angeblichen) Termins meiner Mutter in der Praxis anrief, sagte man mir, sie sei schon lange nicht mehr da gewesen. Diese Lügerei hat mein gesamtes Vertrauen in sie zerstört.
    Ich kann ihr einfach nichts mehr glauben.

    Sie hat kaum noch Kurzzeitgedächtnis. Das heißt, ich kann auch über nichts mehr mit ihr reden. Wenn ich ihr jetzt von unserem Hund erzähle, fragt sie in 3 Minuten "und wie geht es Eurem Hundchen?". Meine Anrufe gestalten sich zur Pflichtübung. Mit mir redet sie kaum noch, sie gibt mich gleich weiter an ihren Freund. Zum Glück sind wir uns in großen Dingen einig und ziehen an einem Strang.

    Natürlich ist es jetzt so, daß sie für ihr Empfinden nicht lügt. Sie lebt in ihrer Welt und ihrer Wahrheit, das ist auch ein Symptom des Korsakoff-Syndroms. Aber bis zu welchem Zeitpunkt hat sie mich bewußt angelogen und ab wann wußte sie es einfach nicht besser? Eine der Fragen, die mich quälen... Aber egal, wie die Antwort ausfällt, ich habe kein Vertrauen mehr, wenn sie mir etwas zusagt. Erstens ist es 3 min später vergessen und zweitens hat sie mich ja schon öfters belogen.

    Auf der einen Seite weiß ich, daß ich ihr nichts vorwerfen darf, was in Zusammenhang mit ihrer Erkrankung steht, auf der anderen Seite komme ich aber von meinen Emotionen nicht los.

    Puh, jetzt ist es doch wieder lang und ausführlich geworden.

    Gruß
    Mada

    Hallo,

    bei mir ist die Situation etwas anders, da meine Mutter erst vor einigen Jahren das Trinken anfing.
    In meinem Thread "Bin wieder da" habe ich ja meine Kindheitssituation beschrieben, von daher glaube ich, daß man die Unterdrückungsmechanismen mitbekommt. Alk ist ja oft eine Übersprungsreaktion, weil man mit einer anderen Situation nicht klar kommt und dann eben auf diesem Weg sich "gut" fühlen will, vergessen will, verdrängen will.
    Man lernt als Kind, daß Verdrängungsmechanismen funktionieren - und wenn es das Vorbild der Mutter ist, die immer "um des lieben Friedens willen" die Klappe gehalten hat. Und dann ist man auch schnell in so einem Verhaltensmuster drin. Sei es daß man wegschaut oder daß man eben selbst trinkt, weil man damit vielleicht die Rolle des früher Starken einnimmt. Z.B. früher war der Vater der Chef im Ring, auch und gerade wenn er getrunken hat, und jetzt übernimmt man selbst (unbewußt) das Schema.

    Aktuell war ich wahrscheinlich auch auf dem Weg zum übermäßigen Alkoholkonsum. Da ich nie viel getrunken habe (es gab in meiner Jugend Sport und Leistungssport, da gehörten wilde Parties nicht hin :wink: ), habe ich nie viel vertragen. Also blieb es sehr lange bei einem Glas Wein zu einem guten Essen am Wochenende. Bier schmeckte mir erst mit Ende 20/Anfang 30, und jetzt ist es auch sehr wenig.
    Als aber meine Schlafstörungen immer schlimmer wurden, habe ich auch unter der Woche ein Glas Rotwein zum besseren Einschlafen getrunken.
    Nach einem halben Jahr etwa merkte ich, daß ich nunmehr 1/2 Flasche zum Einschlafen brauchte. Das war für mich dann Alarmstufe rot. Von einem auf den anderen Tag habe ich die Finger davon gelassen. Am Burn-out hat der Rotwein als Schlafmittel ohnehin nichts geändert....

    Dann kam die Reha, Alkohol war in der Klinik unerwünscht (auch wenn dort keine Suchtkranken behandelt wurden). Vermißt habe ich weder Rotwein noch Whisky ;)

    Aktuelle Gewohnheiten:
    - wenn es paßt (ca 2x im Monat) einen guten Single Malt Highland, abends und daheim oder bei Freunden, wenn geklärt ist, wer heimfährt
    - Rotwein ca. 2x/Woche abends 1 Glas
    - Bier, mal 2x/Woche abends eine Flasche statt des Rotweins, dann aber wieder monatelang gar nicht
    - Cocktails, höchstens mal 1x/Jahr, dann im Urlaub, sonst ist mir das schlicht zu teuer
    - Mixgetränke, Alkopops sind für mich bäääääh und gehen gar nicht
    Außerdem haben wir immer eine gute Auswahl an Tees und Limonaden im Haus :wink: Bei den Kaffeesorten könnten wir mal wieder aufstocken....

    Bei meinem Mann ist es ähnlich.

    Wir beide sind uns einig, daß wer noch fahren muß, gar keinen Alk trinkt. Ich halte es so, seit ich Führerschein habe (seit 27 Jahren), ich habe einfach zu viele Klassenkameraden im Krankenhaus besucht, die von besoffenen Autofahrern umgebügelt wurden.

    Ich denke, wir sind beide weder gefährdet noch "machen wir uns was vor".

    Aus meiner Sicht ist der Alkoholismus nicht vererbbar. Erlernbar sind die Mechanismen, die dazu führen. Dessen muß man sich bewußt sein, dann rutscht man auch nicht in die Abhängigkeit bzw. erkennt früh genug, wenn man auf dem Weg dahin ist.

    Kaja, die Aussage Deiner Mutter zeigt, daß sie sich um Dich Sorgen macht und ihren Alkoholismus als negativ erkennt. Deine Hoffnung ist berechtigt :wink: (Du hast ja in einem anderen Thread gezweifelt).

    Gruß
    Mada

    Hallo Kaja,

    Zitat

    Ich bin "nur" die tochter und weiß nicht so recht wie ich helfen kann.


    Am besten hilfst Du, indem Du Deine Mutter unterstützt in ihren Schritten. Gut, daß sie selbst zu Ihrer Alkoholsucht steht. Dann kannst Du mit ihr den nächsten Schritt machen.
    Aber sie muß den ersten Schritt tun, dann kannst Du als Tochter unterstützend mitmachen! Wenn der erste Schritt von Dir kommt, kann sie aber muß sie nicht folgen....

    Alles Gute!
    Mada

    Hallo,

    mach Dir keine Selbstvorwürfe! Solange noch getan, organisiert, geschafft werden muß, funktioniert man!
    Ich habe vor Jahren die Beisetzung meines Bruders organisiert, sogar selbst noch eine Abschiedsrede für ihn gehalten. Und jeder gratulierte mir zu meiner Stärke und wie toll ich das alles gemacht hätte und wie stark ich bin!
    Ich lebte wie unter einer Käseglocke, nur Funktion, keine Emotion! Das kam dann alles später! Und in teilweise völlig unerwarteten Situationen.

    Und wie schon gesagt: jeder Mensch trauert anders.

    Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst.

    Gruß
    Mada

    Hallo Kaja,

    das ist wirlich keine schöne Situation, in der Du bist. Ich hab das mit meiner Mutter vor einem knappen Jahr durchgemacht.

    Verlaß Dich nicht auf ihre Versprechen. Rechne damit, daß sie Euch alles versprechen wird, nur um ihre Ruhe zu haben. Wenn sie selbst ihre Situation nicht ändern WILL, passiert gar nichts. Außer Beteuerungen, Versprechen, Entschuldigungen und ganz viel Verletzungen bei Dir.

    Du brauchst Deine Kraft für Dich! Wenn Du nicht weiter kommst, suche Dir professionelle Hilfe, wie Du mit dieser Situation für Dich klar kommen kannst.

    Die anderen werden sicher ähnliches schreiben.

    Gruß
    Mada

    Hallo,

    meinst Du das Korsakoff-Syndrom? Bleibende Hirnschäden, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, Demenz.

    Gibt es bei Euch Diakonie-Stationen? Die sind meist recht gut vernetzt und bieten auch betreutes Wohnen an. Oder die Sozialstation vor Ort, die könnten auch weiterhelfen. Anonyme Alkoholiker? Vielleicht haben die Adressen.

    Alles Gute und viel Kraft!

    Gruß
    Mada

    Hallo Linde,

    danke für Deine Rückmeldung. Ja, die 6 Wochen waren mitunter hart, vor allem wenn es so ans Eingemachte ging, haben mir aber insgesamt sehr geholfen.
    Natürlich warten die Probleme zuhause noch - aber ich habe nach mehr als 2 Jahren endlich wieder das Gefühl, daß die Batterien wieder geladen sind und ich nicht einen Riesenberg Probleme sehe, sondern viele Steine, die ich Stück für Stück abtragen kann. Und nicht alles auf einmal, sondern eins nach dem anderen.

    Was dazu kam, war das Gefühl, endlich mal wieder schmerzfrei zu sein. Im Mai habe ich mich teilweise bewegt wie eine alte Oma! Jetzt sind nur die Kniegelenksarthrose und die Osteochondrose in der Wirbelsäule übrig. Damit kann ich umgehen. Wir haben in der Reha gewitzelt, daß wir nicht nur als arbeitsfähig entlassen werden, sondern gleich die Quali für die Paralympics in der Tasche haben :wink:
    Endlich kann ich wieder mit meinem Pferd ordentliche Dressurlektionen arbeiten ohne daß er mir signalisiert "Du bist so steif, Du störst meine Bewegung/Du drückst mich im Rücken".

    Und der Rest? Auf Arbeit habe ich mich sehr zurückgenommen - emotional zumindest. Ich bleibe unverbindlich und werde in Ruhe gelassen! Ich mache meine Sachen, helfe den Kollegen, die sich an mich wenden (bin Betriebsrätin) und lasse die Politik Politik sein. Einigen fällt auf daß ich so "aufgeräumt" geworden bin, aber ich fühle mich besser dabei.
    Needless to say, die Mitverursacher meiner Erkrankung merken natürlich nichts....

    Insgesamt kann ich jedem, der ähnlich betroffen ist, nur empfehlen, professionelle Hilfe zu suchen und gemeinsam mit Profis die alten Verhaltensmuster aufzubrechen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, aber sobald man die wirkenden Muster erkennt, fällt man nicht mehr so leicht drauf rein.
    Ja, die kranken Familien sind da. Ich will mich aber nicht mehr "anstecken" lassen.
    Egal, ob es um Alk oder ähnliche Zwänge geht....

    Gruß
    Mada

    Hallo allerseits,

    ich war längere Zeit nicht da, es ist viel mit mir passiert. Das wichtigste und beste für mich: ich war 6 Wochen in Reha wegen Burn-out und orthopädischer Probleme.

    In diesen 6 Wochen gab es natürlich auch Anrufe von einer Freundin meiner Mutter, die mir sagen wollte, wie komisch meine Mutter geworden ist und daß sie mittlerweile wegen ihrer Verwirrungszustände (Korsakoff-Syndrom, auch wenn sie nichts mehr trinkt) Hausverbot in einigen Geschäften im Heimatort hat und Anrufe des Freundes meiner Mutter in dem Ton "Du mußt für Deine Mutter...".
    Nein, ich muß gar nichts. Und schön, daß es anderen auffällt, nur meiner Mutter nicht!

    In der Zwischenzeit haben wir (ihr Freund und ich) sie soweit gebracht, daß der Pflegedienst einmal täglich kommt und die täglichen Medikamente gibt. Aber einer weiteren Betreuung, z.B. Tagesbetreuung ambulant, lehnt sie ab. Ihr geht es ja gut, sie ist nur ein bißchen vergeßlich.....

    In der Reha wurde ich bestätigt, sie "laufen zu lassen bis die Wand kommt". Mir wurde von meinem behandelnden Psychologen nahegelegt, während der Reha keinen Kontakt mehr mit ihr aufzunehmen. Schließlich ist sie ja auch ein Baustein zu meinem Burn-out gewesen.

    Gut, daß zu diesem Zeitpunkt die "Abstürze" in der Reha kamen, wo ich sofort professionelle Hilfe hatte und mein Programm auch gleich darauf eingestellt werden konnte.

    Worüber ich mir natürlich auch Gedanken gemacht habe, sind die Verhaltensmuster, die hier als EKA-typisch beschrieben werden. Vieles davon kenne ich von mir und hat mich ja letztendlich in die Erkrankung und den Burn-out getrieben. Allerdings war ich als Kind nicht wirklich ein Kind von Alkoholikern. Sondern ein Kind in einem sehr zwanghaft geprägten Elternhaus.
    Mein Vater war GOTT, was er sagte, war Gesetz. Wir hatten nur zu funktionieren und SEINER Vorstellung zu entsprechen. Mein Bruder und ich wurden mit 10 bzw. 12 Jahren arbeiten geschickt (täglich, selbstverständlich hatte ER auf dem Papier die Stelle als Hausmeister in einem Kindergarten...), von dem Geld bekamen wir Taschengeld ab, der Rest ging für SEINEN Lebensstandard drauf, der selbstverständlich sein monatliches Einkommen und die Haushaltsausgaben überstieg.
    Meine Jugend war geprägt von
    - Schnauze halten, funktionieren
    - Du mußt die Beste sein
    - Du bist zu fett
    - Du bist trampelig/ungeschickt/häßlich
    - mach keinen Lärm/Dreck
    - wenn ER von der Arbeit kommt, hast Du zuhause zu sein, Dein Zimmer hat aufgeräumt zu sein, Du hast still zu sein
    - Du hast nie die richtigen Freunde (mit dem Ergebnis, daß ich mir lieber keine Freunde suchte, sondern eigenbrötlerisch wurde)
    - Du mußt immer alles PERFEKT machen!
    Meine Mutter kuschte bzw. bezog um des lieben Friedens willen nie Position gegen IHN.

    Schwerwiegende Erkrankungen wurden nicht erkannt bzw. nicht ernst genommen:
    - Schilddrüse hörte irgendwann (zwischen 12 und 18) auf zu arbeiten, mein Körper arbeitete fast photosynthetisch, trotz Leistungssport "lief" lief ich mit 500-800 kcal/Tag und nahm nicht ab, für meine Eltern "fraß ich heimlich Schokolade"
    - Meniskusentzündungen und Knochenhautentzündungen wurden mit "Stell Dich nicht so an" kommentiert

    Ich hatte angefangen zu studieren, das paßte aber nicht in SEIN Bild einer braven Tochter, also wurde ich solange mürbe gemacht, bis ich mein Studium aufgab und eine ungeliebte Ausbildung machte, die SEINEM Ego nutzte ("Und wenn ich Dich bis Köln prügeln muß, Du gehst zur Firma XYZ!"). Naja, da hänge ich immer noch, die Ausbildung war so spezifisch, daß ich bei keinem andern Unternehmen unterkam. Und schließlich hatte ich mich mittlerweile mit Dingen wie Unkündbarkeit, Betriebsrente etc. arrangiert....

    Trauriger Höhepunkt bisher war ein Scheidungskrieg meiner Eltern, der den Rosenkrieg blaß aussehen läßt und der daraus resultierende Freitod meines Bruders vor 17 Jahren.
    Meine Mutter trinkt aber erst (soweit ich das einschätzen kann) seit ca. 5 Jahren, in einer unheiligen Allianz mit Untergewicht und chronischer Erkrankung.

    Also, sind die EKA-Merkmale nicht auch anwendbar auf Erwachsene Kinder von Zwanghaften Eltern?
    Ist die Alkoholsucht der Eltern nicht auch "nur" ein Zwang?

    Mich würde interessieren, ob es hier ähnliche Geschichten gibt, in denen die Eltern erst relativ spät zum Suff gekommen sind. Und ob Ihr dann auch die EKA-Merkmale bei Euch feststellt, auch wenn Ihr wie ich EKEA (erwachsene Kinder erwachsener Alkoholiker) seid.

    Gruß
    Mada

    Hallo Mia-lena,

    jaa klar, wir alle sind große Indianer, die keinen Schmerz spüren und wegen so Lappallien wie Husten nicht zum Doc gehen :wink:

    Zitat

    fragt ob ich irgendwo Zug bekommen hat, also mir vorwirft das ich zu blöd bin mich angemessen zu kleiden oder das ich zu wenig gesunde Sachen esse.... Ich glaub das hör ich da nur raus, aber irgendwie kann ich das nicht mehr hören.


    Ich glaube, da hörst Du wirklich nur was raus, was da so nicht steht.... Schließlich ist "einen Zug bekommen haben" eher eine neutrale Feststellung. So muß ich z.B. mein Gegenüber nicht fragen "Bist Du ansteckend?" oder "hast Du eine Allergie?". Das kann schon als sehr persönlich gewertet werden. "Zug" ist da wesentlich neutraleres Terrain, zumindest in meinem Sprachgebrauch :wink:

    Ich habe mich letztens für so unentbehrlich gehalten, daß ich mit Hexenschuß und total verspanntem Rücken zur Arbeit gegangen bin. Schließlich muß mein Schreibtisch ja vor meiner Reha aufgeräumt sein.... :roll:

    Gute Besserung für Deine Sch...erkältung. Und - ja, bitte geh zum Arzt, sonst wird da was chronisch oder besonders hartnäckig. Das nützt keinem was.

    Gruß
    Mada

    Hallo Katharina,

    klasse, daß er das macht! Das zeigt doch auch, wieviel Du ihm wert bist :) Und bitte sage ihm auch,daß Du das richtig gut findest und für ihn da bist, wenn er Dich braucht :wink:

    Ohje, Geburtstag.... der steht mir nächste Woche bevor. Und mir graust genauso. Aber eher andersrum, ich würde mich freuen, wenn meine Mutter meinen Geburtstag nicht wieder vergißt. Aber was kann man bei ihrem nicht mehr vorhandenen Kurzzeitgedächtnis schon verlangen?
    Letztes Jahr war grausam, da hat sie meinen Geburtstag das erste Mal vergessen. Ich war damals noch im Glauben "Demenz", jetzt weiß ich "Korsakov". Es ist ja nicht so, daß ich mir den Kindergeburtstag mit Torte und Kerzen und Päckchen wünsche - aber wenigstens ein bißchen Aufmerksamkeit!
    Das einzige Päckchen, das ich bekam, war eine Schachtel Pralinen von meinen Kollegen (MHD erreicht, aus dem Sonderangebot....).
    Auch von meinem Mann kam damals nichts (war abgesprochen).
    Das hat mir richtig weh getan.

    Hoffentlich wird es dieses Jahr besser - aber ich rechne ehrlich gesagt nicht damit.

    Ich wollte Dich in Deinem Kapitel jetzt nicht volltexten, sorry. Die wichtigste Botschaft ist: Dein Freund ist in der SHG! Er sieht die Gefahr und tut was!

    Alles Gute weiterhin,
    Gruß
    Mada

    Hallo Dani,

    wenn Du gedanklich schon alles durch hast, was bleibt dann übrig? Weitermachen wie bisher?
    Die allumfassende Lösung jetzt und sofort wird es sicher nicht geben.
    Es geht nur in kleinen Schritten.

    Klapper die Ämter ab und bitte um Hilfe.

    Hör auf, die "Hausmädchenrolle" zu spielen! Du "mußt" das nicht tun, das ist nur Dein Beitrag zum funktionierenden Haushalt. Sieh Dich nicht als Dienstbote! Mach Dich im Kopf nicht dazu!
    Dreh den Spieß doch mal um und sag Deinem Vater, wenn er schon Kaffee macht, könnte er doch einen für Dich mitmachen.

    Und wenn er nervt, dann stelle ihm einfach die Frage "was willst Du mit Deinen dauernden Vorwürfen und Beleidigungen erreichen? Geht's Dir danach besser?"

    Sagt sich so leicht, denkst Du jetzt. Okay, ich bin gut 20 Jahre älter als Du und habe auch eine Menge Mist hinter mir. Aber ich habe gelernt, mein Gegenüber ruhig und sachlich mit sowas zu konfrontieren.
    Noch ein Beispiel: ich stand stundenlang im Stau, alle Umfahrungmöglichkeiten waren verstopft. Es war lange vor der Handy-Zeit. Ich saß also richtig fest und verpaßte einen wichtigen Geschäftstermin. Mein damaliger Chef begrüßte mich mit den Worten "während Sie verschlafen haben, habe ich Ihren Termin wahrgenommen". Ich entgegnete "Sie hätten gerne an meiner Stelle im Stau stehen können". Ach, er habe das doch nicht so gemeint... "Doch, das haben Sie, sonst hätten Sie es nicht gesagt" war meine Antwort. Funkstille am anderen Ende, so blöde Sprüche kamen nie wieder....

    Was ich damit sagen will: Setze Grenzen! Signalisiere Deiner Familie "Bis hierher und nicht weiter".

    Mag jetzt besserwisserisch klingen, aber Du mußt im Kopf mit kleinen Schritten anfangen. Dann gehen die Verletzungen nicht so tief und dann schaffst Du auch den Absprung!

    Gruß
    Mada

    Hallo Dani,

    und was passiert, wenn Du einfach "nein, ich fahre nicht mit, ich habe was anderes vor!" sagst?
    Wird Dein Vater dann gewalttätig? Oder ist er einfach ein NEIN nicht gewöhnt?
    Mein Vater war völlig perplex, als ich ihm das erste Mal (als schon Erwachsene) ein "Nein, ich kann Dir jetzt kein Reiseticket mehr kaufen, das ist zu knapp" sagte. (War es nicht, aber ich hatte einfach keine Lust mehr zu springen, wenn dem Herrn danach war) Es kam nichts nach! Ich rechnete mit den üblichen Moralpredigten, was er alles NUR WEGEN UNS machen würde - aber nichts kam!

    Übrigens, auch Freigängerkatzen können umziehen! Sie müssen nur die ersten Tage drin bleiben und anschließend kontrolliert raus gelassen werden! Sonst könnte doch keine einzige Tierheimkatze vermittelt werden....
    Die Ausrede zählt also nicht :wink:

    Gruß
    Mada