Beiträge von Sydney08

    Normalerweise lade ich meine Mutter nicht ein. Sie ist ohnehin nicht gern bei uns, es ist ihr angeblich zu "eng" bei uns. Auch habe ich dann immer Angst sie könnte mich vor meinen Freunden blamieren.

    Und ja: bei unseren Festen gibt es auch Alkohol und ja, es schmeckt auch noch. Im Moment darf ich zwar nicht, da schwanger und während der Stillzeit geht es natürlich auch nicht, aber ansonsten trinke ich gerne mal ein Bier oder einen Cocktail. Es ist eben immer eine Frage der Dosis und warum man trinkt. Betrunken war ich auch schon mal, das ist aber solange her, dass ich mich gar nicht mehr richtig daran erinnern kann. Da hab ich aber auch getrunken um zu vergessen, also einer der Gründe aus denen man nicht zum Alkohol greifen sollte.

    Ich habe trotz allem ein recht unverkraftes Verhältnis zum Alkohol. Ich verteufel ihn nicht. Betrunkene Menschen sind mir aber ein Graus, da muss ich mich immer schwer beherrschen, selbst wenn sie in dem Zustand friedfertig sind, was meine Mutter z.B. nie war.

    Hallo Honest,

    mein Vater ist bereits vor einigen Jahren gestorben. Mit angesehen habe ich mir das nicht, ich habe ein paar Jahre vor seinem Tod den Kontakt abgebrochen. Hart war es, aber es ging nicht mehr anders. Sein Tod hat mich dennoch bewegt, auch da ich dann erfahren habe wie es ihm die letzten Jahre so ergangen ist. Der Tod war wirklich eine Erlösung.
    Im Moment ist es meine Mutter die mit schnellen Schritten aufs Grab zusteuert. Ich bin kurz davor auch hier den Kontakt abzubrechen, denn ich will mir nicht mit ansehen wie sie sich selbst zugrunde richtet. Sie ist selbst verantwortlich für ihren Zustand und mag daran nichts ändern, daher kann ich nichts für sie tun. Wen Sie sich entschließt ihre Sucht zu bekämpfen werde ich sie so gut es geht unterstützen, aber solange sie das nicht tut wahreich soviel Distanz wie möglich.

    Liebe kannst du von deinem Vater in seinem Zustand nicht mehr erwarten. Er ist dazu gar nicht mehr in der Lage, es würde mich wundern wenn er dich überhaupt noch als eigenständige Persönlichkeit wahrnimmt. Du kannst sein Schicksal nicht aufhalten, im Gegenteil. Durch deine Hilfe, die sicherlich gut gemeint ist, erleichterst du ihm die Sucht noch.

    Zitat von tinka25

    LAuch die Eltern bekommen nie eine Möglichkeit die guten Eltern sein zu können, die sie vielleicht sein könnten.


    Nicht nur das, sie können natürlich auch keine guten Großeltern sein. Etwas das ich im Moment sehr vermisse. Meine Mutter interessiert sich nur oberflächlich für ihr Enkelkind, wohl in erster Linie, damit sie anderen davon erzählen kann. Dem Enkel selbst gegenüber ist sie erschreckend kalt, sie nimmt nichts war, das erste Lachen nicht, die ersten Schritte nicht, die ersten Worte nicht. Nichts entlockt ihr eine irgendwie geartete Reaktion. Das finde ich sehr schade für unser Kind, da meine Mutter das einzige Großelternteil ist, was es noch hat.

    Hallo Tinka,

    ja, dieses blockiert fühlen kenne ich auch. Vollkommen distanzieren und mich auf mich und meine Bedürfnisse zu konzentrieren wird mir wohl wirklich erst gelingen, wenn ich mit dem Part der Vergebung abgeschlossen habe.
    Was es mir so schwer macht ist wahrscheinlich, dass ich meine Mutter nie anders kannte. Wenn sich ihre Persönlichkeit erst im Laufe der Mutter-Kind-Beziehung geändert hätte, dann hätte ich ihr wahrscheinlich verzeihen können und mich an die guten Zeiten erinnern können. Aber die gab es nie. Sie hat schon vor meiner Geburt getrunken, sie war für mich immer unberechenbar, beherrschend und mich klein haltend.
    Meinem Vater habe ich vergeben, er war auch Alkoholiker, hat sich selbst zu Tode gesoffen. Auch ihn kannte ich nie anders, fühlte immer nur Verachtung für ihn. Bis er dann einen Entzug, eine Therapie und danach sogar eine Berufsausbildung machte, bei der ich ihn unterstützte. Ich war schon erwachsen, Anfang 20, und in dieser trockenen Zeit habe ich den Vater kennengelernt, den ich vermisst hatte, den ich als Kind hätte haben können wenn es den verdammten Alkohol nicht gäbe. Trotz seines Rückfalls bis zum bitteren Ende hat mich diese kurze Zeit mit ihm versöhnt, weil ich ihn zum allerersten mal richtig kennenlernen dufte. Ich hoffe, dass ich mit meiner Mutter vielleicht irgendwann auch mal so einen Moment erleben darf. Dann wäre es mir ein leichtes ihr zu vergeben.

    LG
    Sydney

    Zitat von zauberstein

    Für mich lag der schwierigste Schritt der vor der Vergebung . Denn Vergebung setzt voraus, das ich den Anderen mit all seinen Problemen anerkenne. Ich selber habe aber immer gekämpft, daher auch der Titel "bin immer hinterhergerannt" wollte mich nicht abfinden wollte Liebe, Anerkennung etwas ändern. Wenn ich anerkenne das der andere das nicht kann muss ich mich von meinen eigenen Illusionen verabschieden. Anschließend kann ich ihm vergeben und dann muss ich auch nicht mehr kämpfen.


    Den Part mit der Vergebung habe ich auch noch vor mir. Ob ich es schaffe? Keine Ahnung. Ich bin auch jahrelang hinterhergerannt wie du. Ich habe gar nicht erkannt, dass es nicht an mir lag. Erst mein Mann hat mir die Augen geöffnet. Meine Mutter hat gemerkt, dass mein Mann mich selbständiger und selbstbewusster machte und sie mich daher nicht mehr so im Griff hatte, deshalb hat sie ihn und unsere Beziehung auch von Beginn an auf sehr subtile Art bekämpft. Gerade das kann ich ihr nur schwer vergeben, dass sie mich um mein Glück bringen wollte.

    Zitat


    Dieses Kämpfen habe ich schon länger als eine Macke von mir erkannt. Wenn ich zum Beispiel meinen Mann von etwas überzeugen will, dann lege ich mich ins Zeug und wenn ich dann mein Ziel erreicht habe will ich nicht mehr, weil ich zu viel kämpfen musste. Mittlerweile lache ich dann und kann annehmen das ich ihn überzeugt habe. Ich denke das ist eine Macke die mir geblieben ist von dem ewigen hinterherrennen. Kennt ihr das auch?


    *lach* ja, das kenne ich in der Tat auch. Mein Mann hält mir manchmal den Spiegel vor und reagiert so wie ich es tun würde. Da merkt man erstmal wie bescheuert man manchmal ist lach

    Hallo Löwenherz,

    ich kenne deine Gefühle, mir ging es genau so. Mein Mann wollte Kinder, ich hatte immer Zweifel und "Ausreden" warum es gerade jetzt nicht geht. Mit 35 hab ich dann beschlossen, dass ich mich zu alt fühle und keine Kinder mehr will. Mein Mann hat es widerwillig akzeptiert. Tja und dann wurde ich mit 36 ungeplant schanger. Ein Schock, ich war hin und hergerissen. Hab geheult, dann wieder gelacht. Wusste anfangs nicht mal ob ich das Kind behalten wollte. Mein Mann hat wie immer die Entscheidung mir überlassen , weil er wusste mit Argumenten kann man mir nicht kommen, ich habe immer eins was dagegen hält. Bis kurz vor der Geburt meiner Tochter hatte ich Zweifel. Zweifel ob ich sie lieben würde, Zweifel ob ich in der Lage wäre ihr eine glückliche Kindheit zu bieten. Also alles das was mir fehlte, Liebe, Zuneigung, Unbeschwertheit. Alle Zweifel waren unbegründet und ich bin froh, dass nicht mein Kopf entschieden hat, sondern der Zufall. Mittlerweile ist das zweite Kind unterwegs, eine Herzensentscheidung, ohne Kopf. Wir EKAs neigen ohnehin dazu zuviel den Kopf zu benutzen und überall Hindernisse zu sehen wo in Wirklichkeit keine sind. Meine Tochter ist mir eine gute Lehrerin darin mit Bauch und Herz zu entscheiden und nicht mehr soviel mit dem Kopf.

    Zitat von ella8383


    Wir haben Mutti gegen ihren Willen zum Entzug gebracht.


    Da war eigentlich schon klar, dass es nicht klappen kann. Ohne echte Einsicht und Willen ist jede Therapie sinnlos, denn das ist ein harter Weg hinter dem man hundertprozentig stehen muss um ihn zu bestehen.

    Mein Vater hat damals auf Drängen des Arbeitsamtes eine Therapie gemacht. Gescheitert. Mittlerweile tot.

    Meine Mutter ist gerade in Therapie. Nach jahrelangem Leugnen und Versteckspiel konnte sie ihre Sucht nicht mehr verheimlichen. Sie ging den Weg der Therapie scheinbar freiwillig. Aber eigentlich wollte sie nur allen beweisen, dass sie an sich arbeitet. Bei der Therapie selbst macht sie nicht richtig mit, beschönigt und lügt über ihre Vergangenheit. Echte Einsicht und Willen kann ich bei ihr nicht erkennen. Die Therapie hat für sie nur eine Alibifunktion.

    Man kann nur helfen, wenn derjenige wirklich Hilfe will. Ich bin auch erst vor kurzem zu dieser Erkenntnis gekommen. Auch dann ist es manchmal schwer die Sorgen auszublenden die man sich macht, aber die eigene Lebensqualität steigt enorm, wenn man es endlich schafft sich zu lösen und sich anderer Leute Probleme nicht zu eigen macht.

    Zitat von summerdream

    Vielleicht magste dich ja auch mal erkundigen, ob innerhalb der 12 Wochen noch ein Angehörigenseminar stattfindet an dem du teilnehmen könntest?


    Hallo summerdream,
    danke für deine Antwort, die fand ich sehr hilfreich. Dieses Seminar soll laut meiner Mutter alle 4 Wochen stattfinden, es gäbe also noch zweimal diese Möglichkeit.

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    Was sagt dir denn dein Bauch zu dem Thema? Nicht für deine Mutter sondern für DICH:!:
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    Mein Bauch, sagt mir eigentlich in doppelter Hinsicht (ich bin zur Zeit schwanger), dass ich eigentlich nur meine Ruhe haben will und mein Leben leben will, mit meinem Mann und meinen bald zwei Kindern. Sicher ist nicht nur, aber auch meine Schwangerschaft ein Grund dafür, dass ich eine harte Konfrontation im Moment vermeiden möchte.

    Tut mir leid, ich hab mich oben glaub ich etwas verwirrend ausgedrückt. Ich habe definitiv nicht vor ihre Lügen zu decken. Für mich gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten.

    1. Hingehen und die Wahrheit sagen. Was zur extremen Konfrontation mit meiner Mutter führen könnte, die sich von mir verraten fühlen würde.

    2. Ich gehe nicht hin. Hätte aber irgendwie ein schlechtes Gewissen, weil nicht nur sie, sondern auch ich die Therapie boykottiere. In dem Einladungsschreiben aus der Suchtklinik heisst es wortwörtlich: "Das gemeinsame Gespräch mit den Angehörigen ist aus unserer langjährigen therapeutischen Erfahrung für den Behandlungsverlauf ausgesprochen hilfreich.". Da wird man als Angehöriger also wieder an die Verantwortung genommen.

    Auch ich habe als Kind alles mitbekommen und da war ich noch viel kleiner als deine Kids. Ich musste meinen Eltern sogar immer den Alkohol besorgen. Heutzutage undenkbar, dass ein Kindergartenkind hochprozentigen Alkohol kauft, aber bei uns im kleinen Ort ging das, da die Verkäuferin meine Eltern kannte. Ich fand es furchtbar, weil ich genau wusste, dass sie danach wieder "komisch" wurden. Einmal hab ich auf dem Nachhauseweg sogar die Flasche mit Absicht fallen lassen, mit der Hoffnung ich hätte dann den Abend normale Eltern. Aber ausser einer Tracht Prügel hat es nichts gebracht.

    Kinder haben ein sehr feines Gespür, wenn sich ihre Eltern anders verhalten als normal. Ich würde gar behaupten, dass sie die Veränderungen sogar noch eher wahrnehmen, als der Partner oder der Freundeskreis.

    Zitat von kaltblut

    Als Angehörige die etwas für sich tun will und deshalb bist Du ja hier, frage ich Dich einfach mal: wenn Du weißt, dass da was nicht stimmt, wenn Du fühlst, dass Dir das nicht gut tut, wenn es Dir danach ist nicht hinzugehen, warum machst Du das dann nicht auch so?


    Vielen Dank für deine Antwort, kaltblut.
    Ja warum? Ich weiss, dass ich für sie nichts tun kann. Allein schon deshalb weil ich das ganze mit meinem Vater auch schon mal durch hatte. Er ist nach der Therapie rückfällig geworden. Ich habe es dann irgendwann geschafft den Kontakt komplett abzubrechen. 10 Jahre später ist er dann an den Folgen des Alkoholkonsums gestorben.
    Ich weiss zwar, dass ich nichts tun kann und sie sich nur selbst helfen kann. Aber ich denke ja schon, dass diese Angehörigenseminare schon irgendeinen therapeutischen Sinn haben, wenn diese innerhalb der Entwöhnungstherapie durchgeführt werden. Ich möchte die Therapie nicht gefährden. Zwar sehe ich, dass meine Mutter selbst die Therapie gefährdet, aber das ist dann ihre eigene Entscheidung. Ich selbst möchte den Therapieverlauf aber nicht ungünstig beeinflussen.

    Hallo zusammen,

    ich habe ein Problem und hoffe hier kann mir jemand einen Rat geben.

    Ich bin Tochter einer alkoholkranken Mutter. Im Februar hatte sie zum Glück selbst etwas Einsicht und einen Entzug gemacht. Leider lagen zwischen Entzug und Therapieplatz 3 Wochen Pause, in denen sie prompt rückfällig wurde.

    Jetzt ist sie in zwölfwöchiger Therapie und nun, nach 4 Wochen, steht das erste Angehörigenseminar an. Das soll eine Gesprächsrunde mit allen Patienten der Gruppe, sowie deren Angehörigen sein. Ich habe auch sofort zugesagt, schließlich möchte ich meine Mutter so gut es geht unterstützen. Sie war vorher am Telefon schon so komisch und sagte Sachen wie "Du lässt mich doch nicht hängen, oder?" oder "Du wirst mich doch nicht angreifen, oder?"

    Ich habe erst nicht verstanden warum sie das sagte. Aber nun hat sie mir schriftlich mitgeteilt, was sie dort in ihren Lebenslauf geschrieben hat. Das was sie geschrieben hat entspricht nicht der Wahrheit. Unter anderem steht darin, dass sie erst nach dem Tod ihres Mannes vor einem dreiviertel Jahr angefangen hätte zu trinken. Dabei trinkt sie schon über 30 Jahre! Sie verlangt von mir, dass ich ihre Version bei dem Angehörigenseminar bestätige, da die Therapeuten ihr ohnehin das Leben schon zur Hölle machen würden.

    Natürlich weiss ich, dass es falsch wäre ihr Lüge zu decken und dass die Therapie wenig Sinn macht, solange sie nicht ehrlich ist. Ich weiss aber nicht was ich jetzt machen soll. Soll ich hingehen und ihr dort in den Rücken fallen? Oder soll ich dem Seminar lieber fernbleiben. Letzteres wäre mir eigentlich im Moment lieber, da ich sehr niedergeschlagen bin, nachdem ich weiss, dass sie bei der Therapie gar nicht richtig mitmacht.

    Vielleicht kann mir jemand raten was jetzt wichtig wäre, insbesondere im Hinblick auf einen möglichen Therapieerfolg.