Beiträge von Ena

    Hallo Frank,

    leider ist Dein Freund keine Ausnahme; ich kann immer wieder nur staunend zur Kenntnis nehmen, wie wenig bis gar nichts Außenstehende bzw. Nichtbetroffene von unserer Krankheit wissen (oder wissen wollen??)

    Freunden oder Bekannten sehe ich das inzwischen ziemlich unberührt nach, aber die Tage hat mich denn doch fast der Schlag getroffen. Ich hatte meiner Mutter eine Woche zu Besuch (wir wohnen 300 km auseinander und sehen uns daher nicht so häufig, telefonieren aber 2x die Woche miteinander). Und was musste ich, als wir naturgemäß auf das Thema Sucht, Therapie etc. kamen, aus dem Mund meiner eigenen Mutter hören?? "DU bist keine Alkoholikerin, DU nicht!" :x

    Ich hatte sie - auf ihren eigenen Wunsch hin - mit in meine reale SHG genommen, wo sie stolz verkündete, dass zwar getrunken worden sei bei gegenseitigen Besuchen, ihre Tochter bei solchen Anlässen aber NIE betrunken gewesen sei... (Ich sollte an dieser Stelle erläuternd hinzufügen, dass ich die letzten beiden Jahre meiner nassen Zeit auf nichts und niemand mehr Rücksicht genommen habe, also auch meiner Mutter zuliebe alkmäßig nicht auf die Bremse getreten bin).

    Natürlich finde ich tausend Entschuldigungen für meine Mutter, aber irgendwie haut mich das trotzdem um. Kann man vor lauter Angst, "seinen Erziehungsauftrag nicht erfüllt zu haben" (nichts anderes geistert meiner Mutter im Kopf rum), SO blind sein? Ich bin reichlich entsetzt und muss das erst mal verdauen. :?

    Grüße, Ena

    Hallo Abafazi,
    freut mich sehr, dass alles gut für Euch beide ausgegangen ist :D
    Vielleicht solltest Du, falls sowas nochmal passiert, dran denken, dass jemand, der getankt hat, seine Emotionen weitaus dramatischer äußert. Kennen wir das nicht alle in der ganzen Bandbreite? Aus Ärger wird Wut und Aggression, aus Traurigkeit wird heulendes Elend und aus einer kleinen Niederlage wird ein Meer aus Selbstmitleid.
    Jedenfalls drücke ich dem armen Kerl ganz fest die Daumen, dass er die Kurve wieder kriegt und sich ratzfatz professionelle Hilfe sucht.

    Liebe Grüße, Ena

    Hallo Abafazi,
    mach Dir jetzt um Himmels willen keine Vorwürfe. DU kannst für diesen Rückfall nichts, wie hättest Du ihn denn auch verhindern sollen?
    1. Es war SEINE - und NUR seine - Entscheidung, wieder zu trinken.
    2. Selbst wenn Ihr Euch getroffen hättet - das Ergebnis, nämlich "der Korb" wäre dasselbe gewesen. Hätte er halt ein oder zwei Stunden später zur Flasche gegriffen.
    3. Du hättest ihn nicht vom Trinken abhalten können. Hat Dich in Deiner nassen Zeit jemand davon abhalten können - NEIN!

    Weißt Du, was ich zur Antwort gekriegt habe, als ich einen mir während des gemeinsamen Krankenhausaufenthaltes im Rahmen der Entgiftung sehr ans Herz gewachsenen Menschen ein paar Wochen später mit ein paar Bier intus und bei mir Rat und Hilfe suchend am Telefon hatte, auf meine ersten paar Sätze und meinen dringenden Rat hin, SOFORT einen professionellen Ansprechpartner zu kontaktieren, zu hören bekam? "Aber erst sauf ich jetzt die zwei Flaschen Bier noch leer" .........

    Wir Alkoholiker sind immer der Gefahr ausgesetzt, unser vermeintliches Heil in der Flucht, sprich im Alk zu suchen. Wenn wir's dann tatsächlich tun, entscheiden WIR uns dafür, besorgen WIR den Stoff, machen WIR die Flasche auf, trinken WIR den ersten Schluck. Keiner steht neben uns und befiehlt uns, das zu tun. Es liegt allein in UNSERER Verantwortung und UNSEREM Entscheidungsbereich, es nicht zu tun.

    Kopf hoch, Du hast Dir nichts vorzuwerfen!

    Lieben Gruß, Ena

    Hallo Fabienne,
    ich wünsche Dir auf Deinem neu eingeschlagenen Weg - und es ist der EINZIG Richtige - alles, alles Gute. Bei mir hat die Erkenntnis auf ähnliche Weise eingeschlagen wie bei Dir - mein Partner signalisierte off limits. Der war zwar nicht weg; mir flogen Klamotten und Umzugskartons vor die Füße verbunden mit der Aufforderung, sofort aus seinem Leben zu verschwinden...
    Ich kann sehr gut nachfühlen, wie es Dir jetzt geht und was Du empfindest. Bei aller Verzweiflung und allen Selbstvorwürfen: Denk jetzt mal nur an Dich, nimm alle Hilfe an, die Du kriegen kannst, mach eine Therapie, tausche Dich so oft wie möglich mit anderen Betroffenen aus, die werden ein offenes Ohr für Dich haben und Dich auch in vermeintlich unmöglichen Situationen verstehen. Und denk immer dran: So mies es Dir auch gehen mag, der Alk hilft Dir da nicht raus, der macht alles nur noch schlimmer.
    Liebe Grüße, Ena

    Hallo Elisabeth!
    Auch von mir die herzlichsten Glückwünsche!!
    Es sind Menschen wie Du, die mir von Anfang an den Mut gegeben haben, auf meinem Weg zu bleiben und durchzuhalten. Mir stand in den ersten Wochen staunend der Mund offen, wenn ich Alkoholiker erzählen hörte, die über viele Jahre trocken sind und dabei glücklich und zufrieden leben. Das hat mir in der Zeit, als mir noch völlig schleierhaft war, wie ich es schaffen soll, ohne den Stoff zu leben, sehr viel Kraft gegeben. Und auch gegenwärtig, wenn die wohl unvermeidlichen Tiefs kommen, bin ich von Herzen dankbar, dass ich mich an "alte Hasen" wenden kann, die das alles kennen und verstehen und mir immer wieder vormachen. ES GEHT!!
    Liebe Grüße, Ena

    Guten Morgen!
    So sehe ich das auch :)
    Ich denke, man stellt irgendwann unbewusst das Zählen ein, je selbstverständlicher das Leben ohne Alk wird.
    Das mit den Herzchen finde ich putzig, ich hab was ähnliches gemacht. Nach meiner Rückkehr aus der Entgiftung hab ich angefangen, ein Glückswürmchen zu basteln. Buntes Tonpapier, aus dem ich Kreise geschnitten und nach und nach aneinander gefügt habe. Auf jedem dieser "Körpersegmente" habe ich meine persönlichen Glücksmomente festgehalten, z. B. dass ich mich über den Sonnenuntergang gefreut habe, dass ich abends um zehn Autofahren kann, was früher undenkbar gewesen wäre, um diese Uhrzeit war ich längst jenseits aller Fahrtüchtigkeit, dass es mir gesundheitlich gut geht, dass ich wieder ein Kilo zugenommen habe etc.
    Wenn's mir nicht so gut ging, hab ich das bunte Tierchen angeguckt wieder Mut geschöpft. Naja, und irgendwann war's dann vorbei mit Wurm basteln. Aber er hängt noch immer im Flur, ich gehe jeden Tag an ihm vorbei und freu mich, dass er da ist, auch wenn er nicht mehr weiter wächst. :D

    Ich lebe in Bayern, hab also die ganze Sache "hautnah" mitgekriegt. Um es gleich vorwegzunehmen: Ich rauche, ich war am Sonntag wählen und ich habe ds Volksbegehren NICHT unterstützt. Aber nicht, weil ich Raucherin bin. Mir persönlich ist es ziemlich schnuppe, ob ich in einer Gaststätte rauchen kann - ich bin so gut wie nie in einer, und wenn, dann bringt's mich nicht um, mal vor die Tür zu gehen. Die "Nichtraucherfraktion" in Bayern ging mir tierisch auf den Keks, drum die "Nein"-Stimme. Was aus diesem militanten Lager an irrwitzigen Argumenten hochgekocht ist, was da für eine Hetzjagd auf die Raucher veranstaltet wurde, ist unsäglich. Letztlich blieb das schale Gefühl, sich unzählige Male einer vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht zu haben, und so geht's ja nun auch wieder nicht. Ich kann nicht begreifen, warum man dieses Thema nicht mit mehr Toleranz hat abhandeln können. Warum nicht den Wirten die Wahl lassen, ob sie ein Raucher- oder Nichtraucherlokal betreiben wollen? Die kennen doch ihre Klientel am besten und können am ehesten einschätzen, was ihre Gäste wollen. Und jeder Einzelne hätte die Wahl gehabt, welches Lokal er betreten will und welches nicht. Wie soll das weitergehen, wenn wir untereinander nicht mehr in der Lage sind, uns für beide Seiten akzeptable Kompromisse zu erarbeiten und für jeden Schieß ein Gesezt brauchen? Muss der Übergewichtige dann beim Betreten der berühmten Fast Food-Kette seine aktuellen Cholesterinwerte herzeigen? Kommt die Prohibition? Gibt's Aspirin nur noch auf Rezept? Dürfen schreiende Kinder nur noch drinnen spielen? Werden Schutzanzüge an Sonnentagen und Atemschutzmasken an vielbefahrenen Sraßen Pflicht? :evil::evil:
    Und vor allem: Haben wir keine anderen Sorgen? Finanzkrise, Hartz IV, steigende Kassenbeiträge bei immer schlechter werdender Versorgung, Afghanistan, etc., etc??? Wie willkommen sind unseren Regierungsquerköpfen solche Aktionen, die die Gemüter hochkochen lassen und vom Wesentlichen ablenken?
    Meine Güte, armes Deutschland.... :x

    Hallo zusammen,
    ich würde mich freuen zu lesen, was Ihr für Erfahrungen im Urlaub gemacht habt. Wie ich in einem anderen Beitrag schon erwähnt habe, bin ich nach zehn Monaten Trockenheit zwar glücklich wie schon lange nicht mehr, fühle mich aber noch keinesfalls sicher in meiner Abstinenz.
    An Pfingsten war ich mit meinem Partner in Südtirol und hab einen ziemlichen Kampf kämpfen müssen. Offenbar war es keine sehr gute Idee, ausgerechnet in eine Weingegend zu fahren (ich war Weintrinkerin). Die beiden Abende in den Restaurants haben mir fürchterlich zugesetzt, weil mich die Lust auf ein Glas Wein schier umgebracht hat. Entspannung war das nicht, das war anstrengendes Kämpfen gegen die Sucht. Ich hab den Kampf gewonnen, aber von Erholung oder Entspannung konnte keine Rede sein, mir hat dieser plötzliche Saufdruck den ganzen Urlaub vermiest, weil ich auch so fürchterlich frustriert war, dass mir das passieren musste, da konnte ich mir hundertmal sagen, dass das normal ist und dazugehört.
    Was habt Ihr für Erfahrungen und wie geht Ihr mit solchen Situationen um?

    Hallo live2008!
    Genau DA will ich auch hin - dahin, wo zählen keine Rolle mehr spielt. Für mich ist das im Moment noch wichtig, weil es mich unheimlich motiviert. Erst waren es Tage, dann Wochen, und jetzt zähle ich in Monaten. Das gibt mir so ein Glücksgefühl, das ist unbeschreiblich. Anfangs hab ich mich von morgens bis abends mit der 24-Stunden-These der AA durch den Tag retten müssen. Und jetzt will ich mein erstes Jahr vollmachen, und da zähle ich mit Begeisterung drauf hin :D
    Danach flaut das vielleicht ab, mit Mathe hab ich's eh nicht so :lol:
    Liebe Grüße, Ena

    Ich hatte gleich während meiner Entgiftgung ein solches AHA-Erlebnis, dass mir klar wurde, gar nicht vorsichtig genug sein zu können. Wir hatten Ausgang, gingen Eis essen, ich ließ mir eins mit Obstsalat schmecken und bin fast umgefallen, als bei der Kontrolle der Alcomat 0,05 anzeigte. Gärstoffe im Obst, wer denkt denn an sowas??? Das saß, ich habe mich erst nach Rücksprache mit verschiedenen Ärzten und anderen Alkoholikern überhaupt wieder getraut, Obst zu essen, obwohl das Personal auf der Entgiftungsstation sich alle Mühe gegeben hat, mir zu vermitteln, ich solle mir keine Sorgen machen.
    Soweit es geht, koche ich zuhause selbst, weiß also, was auf dem Teller landet. Beim Bäcker oder im Restaurant war es anfangs befremdlich, sich im Zweifel rückzuversichern, aber mittlerweile ist das für mich so selbstverständlich wie Zähneputzen. Wenn einer blöd guckt, soll er halt.
    Und zum Anfangsbeitrag kann ich eigentlich nur sagen: Das klingt verdammt nach Selbstbetrug. Selbst wenn es einmal, zweimal, zigmal gutgeht, irgendwann kann es schiefgehen. Und wer an seiner Abstinenz festhalten will, geht dieses Risiko meiner Meinung nach nicht ein.

    Ich habe mich grade neu angemeldet und möchte die Gelegenheit nutzen, hallo zu sagen. Ich freue mich, dabei zu sein und mich mit Euch austauschen zu können. Was ich nicht fassen kann? Ich bin heute auf den Tag genau 10 Monate trocken, und das ist für mich wie Ostern und Weihnachten zusammen. Als ich meinen Weg in die Abstinenz begonnen habe, war ich so angstbeladen, dass ich mir nicht mal zehn Tage Trockenheit zugetraut habe.
    Ich brauche selbst noch Hilfe, meine Abstinenz ist bei Weitem noch nicht so stabil, wie ich mir das wünsche (wär wohl auch ein bissel viel verlangt) , bin derzeit auch noch in ambulanter Therapie und besuche eine SHG, möchte aber trotzdem allen, die ganz am Anfang stehen, Mut machen. Das Unvorstellbare ist zu schaffen, man kann wieder stehen, wenn man am Boden zerstört war, auch wenn man das zunächst gar nicht glauben kann.