Hallo MaBee,
bisher habe ich bei dir nur still mitgelesen, aber durch deinen Abschiedsbrief sind bei mir ein paar weniger schöne Erinnerungen hoch gekommen, was mich veranlasst, hier zu schreiben.
In meiner aller Abgrundtiefsten Verzweiflung hatte ich meinem damaligen XY auch mal so einen „Abschiedsbrief“ geschrieben. Leider habe ich ihn schon lange gelöscht, genau wie seine Reaktion darauf. Schade, den Brief würde ich heute liebend gerne nochmal lesen, wahrscheinlich würde ich mir an den Kopf fassen, wie konnte ich nur. Aber ok, wenn man verzweifelt ist, klammert man sich eben an jeden noch so kleinen Hoffungsschimmer. So auch mein damaliges Co-Ich.
In diesem Brief hatte ich meine ganze Liebe, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zum Ausdruck gebracht, mein Herz geöffnet und mir alles von der Seele geschrieben. Ich habe alles mögliche erklärt, warum ich nicht mehr kann und wie toll alles war, wenn er mal nüchtern war (heute gehe ich davon aus, dass ich ihn nüchtern überhaupt nicht kannte, weil er als Spiegeltrinker immer gesoffen hatte um überhaupt einigermaßen funktionieren zu können) und wie unfassbar traurig ich bin, weil er das alles wegen dem Alkohol wegwirft.
Am Ende wünschte ich ihm natürlich brav alles Gute und nur das Beste auf der Welt und überhaupt.
Genützt hat dieser Brief bezüglich unserer Beziehung oder meinem Seelenfrieden überhaupt nichts, aber am Ende habe ich damit für mich tatsächlich das Ende vom Ende eingeleitet.
Das war das Gute an diesem Brief.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, ich hätte mir nicht doch im Stillen eine positive Reaktion erwartet. Oder irgend etwas generell „Systemveränderndes“, eine Einsicht, ein Kometeneinschlag, was weiß ich, irgendetwas Bedeutendes halt.
Was soll ich sagen, als Antwort kam ein lapidarer Zweizeiler via SMS (WhatsAPP war da noch nicht so verbreitet), so a la „Och Schatzi, ich hab doch immer nur dich geliebt, laber, laber, Prost!“
Das war wirklich schlimm und enttäuschend, weil es mir nochmal direkt vor Augen geführt hat, dass ich und unsere Beziehung dem Sch…egal waren, es ging rein nur um den Konsum und die nächste Flasche. Solange ich da klaglos mitgemacht habe, war alles Paletti, sobald ich angefangen habe zu meckern ist die Stimmung komplett gekippt und in Null Komma Nix hat er Ausschau nach der nächsten fügsamen Co gehalten. Heute weiß ich, dass er damals mehrere Eisen im Feuer hatte, so war er immer auf der sicheren Seite und konnte sich aus seinem reichen Fundus bedienen. Es ist eine Tatsache, willige und naive CO’s gibt’s wie Sand am Meer.
Alles, was dir die Anderen hier geschrieben haben, ist richtig und stimmt. Und man weiß das. Man weiß es und verdrängt, weil der Liebeskummer und der Trennungsschmerz oder die Aussicht auf Trennung so dermaßen unerträglich sind, dass man es schier nicht ausshält. Ich war da schon alleine bei dem Gedanken daran im Panikattackenmodus. Darum war ich bereit alles hinzunehmen, damit ich das nur nicht spüren musste.
Ich sag’s mal so, ich habe damals gelitten wie ein Hund, ich habe diese Zeit als eine der schrecklichsten überhaupt in meinem Leben in Erinnerung, und ich darf sagen, dass ich schon einiges erlebt habe. Immerhin kenne ich den Schlager von Connie Francis auch noch.
Aber ich konnte mit der Zeit, natürlich nicht gleich am Anfang, der Realität doch in die Augen sehen. Geholfen hat mir dabei sogar mein damaliger XY selbst, der aufgrund fortschreitender Sucht und damit einhergehender stetig steigender Trinkmenge immer Unverschämter und Beleidigender wurde. Aber in erster Linie habe ich mir selbst geholfen, weil ich es irgendwann geschafft habe, meinen Fokus auf mich selbst zu richten und dabei bleiben konnte.
Ich wollte einfach nicht mehr abhängig sein von seinem Pegelstand. Ich wollte selbst darüber entscheiden, wie es mir geht. Ich für mich.
Egal, was noch für nasses Gesülze und Gelaber kam, es konnte mich nicht mehr erreichen.
Ich habe ihn tatsächlich blockiert auf allen Kanälen, was Anfangs undenkbar war, wurde dadurch, dass ich es für mich entschieden habe, erträglich. Er hatte mir noch ein paarmal geschrieben oder Anrufversuche gestartet, die habe ich alle ignoriert, der letzte Anruf kam ca. zwei Jahre nach dem Ende.
Wir hatten nie wieder Kontakt.
Ich bin so froh, dass ich damals standhaft geblieben bin, heute denke ich darüber, dass ich das schon gleich zu Anfang, als „das kleine Alkoholproblem“ verharmlosend angesprochen wurde, hätte tun sollen. Meine Güte, was hätte ich mir nicht jede Menge Kummer und Leid erspart.
Ich kann dir einfach nur raten, lies die Beiträge hier wirklich so durch, so dass sie tatsächlich zu dir vordringen, überfliege sie nicht einfach, wenn sie nicht die Botschaften erhalten, die du dir erhoffst. Geh gedanklich weg von ihm, wende dich hin zu dir und bleib bei dir.
Seh alles was du in dieser Beziehung fühlst, siehst und erlebst realistisch, stell dich den Tatsachen und entscheide dann.
Du entscheidest wie du Leben willst, du entscheidest wie man dich behandelt, du entscheidest mit welchen Menschen du dich umgibst.
Im Nachhinein lohnt sich Liebeskummer tatsächlich nicht. Schon garnicht wenn es sich um eine Abhängigkeitsbeziehung handelt.
Alles Gute und liebe Grüße
Solea