Hallo MarMer,
Ich möchte zu dem oben zitierten und Deine Antwort darauf was schreiben, auch aus eigener Erfahrung:
Als ich noch gesoffen habe, war ich sehr eifersüchtig.
Und ich habe meinem Mann dadurch echt mehrmals unrecht getan.
Ich bin eigentlich kein besonders eifersüchtiger Mensch, von Natur aus.
Aber ich habe jahrelang gesoffen. Und dabei mein gesamtes Selbstwertgefühl verloren.
Ich habe es nicht geschafft, das allein in den Griff zu bekommen, ich habe es immer wieder versucht.
Fühlte mich dadurch als Komplett-Versagerin. Und ich schämte mich für meine Sauferei.
Ich dachte, mein Mann kann doch überall ne bessere Partnerin finden, was soll er denn mit mir und meiner Sauferei?
Mir war damals nicht klar, das ich wirklich alkoholKRANK bin und ich es auch nicht mehr allein schaffen kann, da wieder raus zu kommen.
Irgendwann brach alles zusammen, ich entgiftete und konnte ein abstinentes Leben beginnen.
Ich konnte alles wieder selbst, mein Leben regeln, meinem Job gut nachgehen, und wieder eine gute Partnerin sein.
Das alles ließ nach und nach mein Selbstbewußtsein auch wieder wachsen. Und damit verschwand die Eifersucht auch wieder.
Heute trifft sich mein Mann öfters mal, auch allein, mit Frauen, ehemalige Kolleginnen und so.
Und ich gönne ihm das von Herzen, will auch gar nicht dabei sein, weil das allein sein Ding ist, ich bin da ja auch ein bisschen wie ein fünftes Rad am Wagen,
denn dann wird viel über Kollegen erzählt, die ich nicht kenne, über Abteilungsstukturen, wozu ich nix sagen kann usw.
Das soll er lieber allein machen. 
Will damit sagen, der Partner macht vielleicht gar nix falsch, geschweige denn, er geht fremd.
Es lag an mir und meinem verschwundenen Selbstbewußtsein durch den Alkoholmissbrauch.
Und ich glaube, darauf beruht auch alles, auf dem eigenen Selbstbewußtsein.
(ich lasse hier notorische Fremdgänger mal vollkommen außen vor, die gibt es natürlich auch!)
Von daher denke ich, man muss an seinem Selbstbewußtsein arbeiten, wenn man so eifersüchtig und kontrollierend ist,
und darf nicht den anderen damit drangsalieren.
Denn das tut man ja damit und tut ihm vielleicht auch ganz bitter unrecht.
Und vielleicht hält es der andere dann auch wirklich nicht mehr mit einem aus und will nur noch weg?
Also ich kann mir das durchaus vorstellen, wenn einem immer was unterstellt wird, man kontrolliert wird, ich würde dann auch nur noch weg wollen.
Nun ist es aber auch so, das manche Menschen gar keine Chance hatten, ein gesundes Selbstbewußtsein aufzubauen, denn das muss schon in der Kindheit passieren.
Und gerade diese Menschen, besonders Frauen haben da einen hohen Anteil, rutschen dann viel eher in eine CO-Abhängigkeit als Frauen mit einem gesunden Selbstbewußtsein..
CO-Abhängige fühlen sich vielleicht auch erstmal stark in dieser Rolle, weil sie helfen wollen, und vielleicht sogar denken, sie könnten es auch.
Leben ja auch oft ein Helfersyndrom auf diese Weise aus.
Und versuchen so vielleicht auch ein stärkeres Selbstbewußtsein aufzubauen?
Das Blöde an der Sache ist, es wird nicht funktionieren, weil ein Angehöriger einem Alkoholkranken im Grunde nicht helfen kann.
Und dieses scheinbare Selbstbewußtsein steht und fällt dann ja auch mit dem Trinker, weil es zu viel mit seinem Verhalten zu tun hat.
Ich denke, ein besserer Weg wäre, mit therapeutischer Hilfe ein gesünderes und stärkeres Selbstbewußtsein aufzubauen. Was nicht vom Verhalten eines anderen abhängig ist.
Und ich glaube, wir sind auch erst wirklich beziehungsfähig, wenn wir den anderen wirklich auch loslassen können, erst dann hat das alles überhaupt was mit Liebe zu tun. Vorher ist es doch nur Zwang und Kontrolle.
Vielleicht hat man aber auch sehr schlechte Erfahrungen mit einem Mann gemacht, weil der wirklich immer wieder fremd ging?
Auch das ist ja unglaublich verletzend für die meissten und kann mächtig am eigenen Selbstwertgefühl rütteln.
Dann kann man nur hoffen, das der nächste Parter nicht so ein Typ ist, der sowas nötig hat, um sein eigenes Selbstwertgefühl daraus zu ziehen.
Denn oft geht es doch auch darum bei notorischen Fremdgängern, da ist ja auch oft was komplett im Argen.
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LeaLux schrieb:
Zitat
Bei meinem Ex muss ich dazu sagen, dass er quasi alles verwirklicht hat, was ich nicht auf die Kette gekriegt habe ... also Familie, Kinder. Das schmerzt sehr muss ich sagen. Obwohl es 10 Jahre her ist, beschäftigt mich das noch ... was vielleicht doch mein Anteil an seinem Verhalten war.
Naja...das ist ja auch wirklich kränkend und es verletzt einen auch in seiner persönlichen Eitelkeit, oder?
(Aber war er auch ein alkoholabhängier Mensch??
Ich kenne nämlich keinen nassen Alkoholiker, der irgendwas auf Kette bekommen hat bezüglich "was wirklich auf die Beine zu stellen und nicht nur davon labern...")
Du überlegst wenigstens schon mal, ob Du auch eigene Anteile am Scheitern der Beziehung haben könntest!
Das ist doch schon mal ein Ansatzpunkt, wo man genau hinschauen kann, und dran arbeiten kann, evtl. auch mit fachlicher Unterstützung.
Auch im Hinblick auf eine spätere Beziehung, wo man dann hoffentlich ein gewissen Verhalten nicht mehr an den Tag legen muss.
Zitat
Jetzt mit meinem Partner, der trinkt, sind meine Gedanken ganz ähnlich. Ich traue mich nicht zu gehen, da er vielleicht genau in dem Moment den Schritt nach vorne macht, auf den ich immer gewartet habe.
Hmmm...also das er den "Schritt nach vorn" macht, damit ist eher weniger bei uneinsichtigen Alkoholikern zu rechnen.
Aber man kann damit rechnen, das man als CO schneller ausgewechselt wird, als man sich das vorstellen kann.
Tja, aber was bekommt denn die Nachfolgerin?
Das gleiche Elend, das gleiche Leid und das gleiche Drama, was man selbst erlebt hat.
Die Chance, das das eintrifft ist erheblich höher, als das er ein trockenes Leben beginnt.
Also mir würde da eine Nachfolgerin ganz ehrlich sehr leid tun, mehr nicht.
Ich würde lieber das ganze Trennungsding, auch mit allen Ängsten und Zweifeln und Schmerzen auf mich nehmen, um nochmal neu anfangen zu können.
Erstmal allein, würde ich versuchen, mir mein Leben wieder so schön wie möglich zu machen.
Und wenn ein neuer potentieller Parter daher kommen würde, würde ich da auch sehr genau hinschauen, vielleicht auch erstmal misstrauisch sein, denn so schmerzhafte Erfahrungen in der vorherigen Beziehung verwachsen ja auch nicht von jetzt auf gleich.
Zitat
Ich habe den Eindruck, dass dies auch bei mir ein sehr großes Thema ist und ich schäme mich dafür.
Sich für was schämen finde ich immer blöd 
Man ist ja erstmal so wie man ist...und für vieles kann man auch nichts.
Wenn einem die Eltern beispielsweise nicht schon früh helfen, ein gesundes Selsbtbewußtsein aufzubauen, dann hat man daran doch keine Schuld, man ist ja noch ein Kind!
Schlechte Erfahrungen im späteren Leben hinterlassen auch ihre Spuren... ich denke, man ist ja irgendwie auch das Produkt des eigenen Erlebten.
Ich kann jeder CO-Abhängigen Frau nur raten, aus einer Beziehung mit einem nassen, uneinsichtigen Alkie auszusteigen, denn das kann nix gutes geben.
Und das eigene Selbstbewußtsein kann so auch nicht aufgebaut werden, es schwindet eher immer mehr.
Ich glaube, da muss man wirklich was für sich selbst tun.
Denn was wäre, wenn man sich trennt, in einer neuen Beziehung aber das alte eifersüchtige, kontrollierende Verhalten an den Tag legt?
Und dem neuen Partner damit wirklich großes Unrecht zumutet?
Dann steht ja die neue Beziehung auch wieder unter einem denkbar schlechten Stern, oder? 
Das sind mal so meine Gedanken dazu....
LG Sunshine