Hallo Bonnie,
habe dich auch gelesen und auch den Ausführungen von Micalk aufmerksam gelauscht.
Kann mich ihm aber in einigen Punkten überhaupt nicht anschließen.
Vieles davon wird nicht mit einem nassen uneinsichtigen Alkoholiker funktionieren, spreche da auch aus eigener Erfahrung,
ich bin selbst trockene Alkoholikerin.
Außerdem finde ich, das Du lt. den Tipps oder Anregungen von Micalk viel zu sehr in die Sache mit einbezogen wirst.
Das ist nicht gut, denn so drehst Du jede weitere Runde Deines Vater auf dem Sauf-Karussell mit.
Ich möchte hier mal zu einigen Punkten Stellung nehmen:
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I) KLARHEIT
Konfrontiere ihn mit einer Untersuchung wichtiger Organe bei einem Arzt oder Klinik, wo z. B. durch Punktation (Proben) entnommen werden. Auch denkbar ist eine Ultraschall-Untersuchung. Begleite ihn! Somit hast Du und er Klarheit über den aktuellen Zustand
Es ist NICHT die Aufgabe von Angehörigen, derartiges zu veranlassen und ich finde es außerdem extrem übergriffig.
SO bekommt man keinen nassen Alkie zur Einsicht, der erscheint außerdem erst gar nicht zu solchen Terminen.
Es geht hier um eine Krankheit, bei der man mit Druck dieser Art rein gar nix ausrichten kann.
Warum außerdem solltest Du ihn wie ein Kind behandeln, indem Du alles überwachst und kontrollierst?
Selbst ein Kind sollte man nie so behandeln, und schon gar nicht einen erwachsenen Menschen.
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II) OFFENHEIT/EHRLICHKEIT/AUFRICHTIGKEIT
Überzeuge ihn zu einem Besuch bei einer psychiatrischen Klinik oder bei einem Psychotherapeuten, bzw. -institut. Der größte Vorteil ist, dass ein unabhängiger „Dritter“ anwesend ist. Bei Dir kann er flunkern, die Situation in einer neutralen Umgebung unter Anwesenheit eines Dritten ist eine ganz andere. Insbesondere wenn es sich und einen Psychologen oder Psycho-Therapeuten handelt. Dieser wird Ausreden, Lügen, etc. erkennen und die Wahrheit herausfinden.
Oh Nein, ein Psychologe ist kein Hellseher und ist auch manipulierbar.
Und das beherrschen nasse Alkies wie keine zweite Disziplin.
Und auch hier empfinde ich starke Übergriffigkeit, ein Gespräch beim Psychologen hat zuallererst vertraulich und unter 4 Augen stattzufinden.
Später, mit ausdrücklicher Einwilligung des Betroffenen, kann man evtl. Familienangehörige hinzuziehen.
Der "Dritte" sollte hier auch nicht der Psychologe sein, sondern wenn, dann eher ein Angehöriger, der mitbetroffen ist.
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III) ENTSCHEIDUNG
Es ist m. E. absolut richtig und notwendig, dass jeder Mensch die Entscheidung fällen kann, wie er SEIN Leben gestaltet! Unabdingbar ist es jedoch, dass es wie unter II. dargelegt, es immer auch aufrichtig geschehen muss. Andere sollen NICHT darunter leiden! Bei dieser Sitzung (s. II.) sollte auch sein künftiger Lebensweg erörtert und beschlossen werden. Evtl. möchte er auch „erst mal darüber schlafen“. Nun gut, das ist auch nachvollziehbar. In diesem Fall ist halt eine weitere Sitzung zu vereinbaren.
Hier wird es nun noch krass übergriffiger, sorry aber sowas geht überhaupt nicht!
Es ist meiner Meinung nach komplett daneben, sich über den nassen Alkoholiker zu unterhalten anstatt mit ihm zu reden.
Und es hat auch niemand den Lebensweg eines anderen zu erörtern und zu beschließen.
Und vor allen Dingen: NICHTS aber auch GAR NICHTS wird so besser oder hat auch nur ne geringe Aussicht auf Erfolg.
Und mal so aus meiner persönlichen Erfahrung:
Ich hätte derartige Zusammenkünfte auf der Stelle verlassen, als ich noch gesoffen habe.
Und ich würde es heute noch ebenso tun!
Über mein Leben entscheide ich selbst, da wird weder was über mich "erörtert", noch beschlossen.
Denn ich bin schon groß und kann selbst entscheiden!
Ein Alkoholiker kann meiner Meinung und auch Erfahrung nach so nicht zu einer Art Einsicht gezwungen werden, und das wäre auch kompletter Unsinn, denn die Einsicht KANN nur von Alkoholiker selbst kommen.
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- a) Entscheidung pro Sucht
Das ist zwar unerfreulich, doch kann man ihm schlecht helfen. Und das meine ich auch so. Handle in diesem Fall eine Art von Vereinbarung aus, was wie weit Du ihn in Zukunft unterstützen wirst. Vergiss nicht es schriftlich zu fixieren und in Kopie schriftlich zu überreichen.
Hier wird es für mich geradezu belustigend, sorry.
Mit einem Alkoholiker Vereinbarungen zu treffen bezüglich seiner Sauferei und die dann auch noch schriftlich fixieren?
Seit wann halten sich nasse uneinsichtige Alkoholiker an irgendeine schriftliche Vereinbarung? Das wäre mir komplett neu.
Sowas funzt nie, wie man hier auch in x Beiträgen von Betroffenen nachlesen kann.
Auch hier mal aus eigener Erfahrung:
Ich hätte darüber nur gelacht, gefragt, ob das ernst gemeint ist und hätte mich dann umgedreht und mich wieder meiner geliebten Pulle zugewandt.
Im besten Fall hätte ich mündlich irgendwas zugesagt, um meine Ruhe zu haben.
Aber ich hätte kaum vorgehabt, mich dran zu halten. Und wenn doch, hätte ich es nicht geschafft, die Sucht war bei mir viel zu stark.
Und auch im Fall von Deinem Vater, liebe Bonnie, wird so rein gar nix zu erreichen sein.
Ich will es hierbei belassen, und Micalk Text nicht völlig auseinander nehmen. Obwohl ich da noch mehr lese, was ich persönlich für ziemlich sinnbefreit halte in Bezug auf dem Umgang mit einem nassen Alkoholiker.
Er hat sich sicher viel Mühe damit gegeben, aber ich halte einiges davon für realitätsfern und unangemessen übergriffig.
Auch ein nasser Alkoholiker hat das Recht, eigene Entscheidungen über sein Leben zu treffen!
Und wenn er sich für das Saufen entscheidet, ist das eben so und zu akzeptieren.
Man kann als Anhöriger erst dann unterstützen, wenn der Alkoholiker seine Sucht stoppen will und auch bereit ist, das zur Prio 1 in seinem Leben zu machen.
Und DANN macht Unterstützung auch wirklich Sinn und ist auch hilfreich.
In Deiner Situation kann ich Dir leider nur raten, auf Distanz zu gehen, liebe Bonnie, sonst gehst Du auch noch mit kaputt an der Sucht Deines Vaters.
Lerne, Dich selbst zu schützen. Dich mehr abzugrenzen.
Wie schwer das ist bei so nahen Angehörigen, weiß ich aus persönlicher Erfahrung.
Aber manchmal muss das einfach so sein, wenn man in seinem eigenen Leben einigermaßen glücklich werden will.
Niemand muss sich für die Sucht eines anderen aufopfern oder die Verantwortung für sein Tun übernahmen.
Und sowas sollte auch niemanden zugeschustert werden.
Was könntest Du noch tun, um Dich besser abzugrenzen und Dich selbst zu schützen?
Hast Du Ideen?
Ich schreibe hier absichtlich nicht von einem völligen Kontaktabbruch, wie ich es in anderen Fällen mitunter tue,
weil das wahrscheinlich zu schwierig ist, wenn es sich um einen Elternteil handelt.
Dann muss man andere Wege finden, um nicht selbst auch noch krank zu werden.
Denn so ein Dauerstress macht ja auch nix gutes mit einem.
LG an Dich
Sunshine