Keine Ahnung oder doch?

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Für beide Gruppenbereiche kannst du hier Vorstellen und hier bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo,

    ich habe hier schon viel gelesen und habe auch in der Vergangenheit einige Male geschrieben. Da allerdings unter einem anderen Namen.

    Ich bin (mittlerweile) 43 Jahre alt und bin seit 30 Jahren mit dem Thema Alkohol sehr vertraut. Mein Vater hat immer mal wieder Phasen in denen er viel trinkt und natürlich auch die Gabe besitzt alles klein zu reden. Wir hatten verschiedene Aktionen von "ich bringe mich um" bis hin zu betrunkenen Autofahrten und diversen Entzügen.

    1997 war der erste Entzug an den ich mich erinnern kann. In meiner Familie gab es stets einen großen Teppich unter den all die schönen Sachen gekehrt wurden. Niemand außerhalb eines inneren Kreises durfte was über die Eskapaden erfahren. Egal ob es um drohenden Jobverlust, Fremdgehen oder sonst etwas ging. Ich habe Erinnerungen daran das ich als 13 jährige mit meinem Vater am Abwaschbecken stand und Rotweinflaschen leer ausgegossen habe und er weinend neben mir stand. Meine Mutter und seine Eltern haben immer zu ihm gehalten. Kein böses Wort nach draußen, nur keine Schwäche zeigen. Er ist nie wirklich fallen gelassen worden. Es gab immer ein klares "DU DU DU" aber danach war er für ein paar Monate wieder der tollste Mensch den man sich denken kann. Hilfsbereit, nett, höflich, umgänglich, lustig... ich habe wirklich viele gute Erinnerungen und habe ihm auch sehr sehr viel zu verdanken.

    Im Laufe der Zeit musste er 2 weitere Male zum "Entzug" allerdings bezüglich Tabletten. Er hat dann immer 1 Woche Krankenhaus gemacht und alles war gut.

    Für mein Empfinden zu wenig.


    Vor ein paar Jahren starben meine Großeltern und dann meine Mutter. Somit war ich zuständig. Die erste Zeit war die Hölle. Mein Vater ist sehr sensibel und hat eher mir den schwarzen Peter zu geschoben, als zugegeben das er wieder trinkt. Es ist immer von heute auf morgen. Er hat das Talent, wie viele Alkoholkranke, das ich zu 100% weiß das er getrunken hat, aber er es einfach so dreht das ich mich entschuldige ihn verdächtigt zu haben.

    Er hat im folgenden eine Reha gemacht und hat dort seine jetzige Lebensgefährtin kennengelernt. Beide haben so ihre Problemchen, sind zuhause aber ein gutes Paar. Allerdings wurde nie auf mich gehört, wenn ich ihr erklärt habe das es nicht ratsam ist wenn ständig Alkohol im Haus ist. Speziell Wodka und Schnaps. Mir wurde nicht geglaubt und als sie in vor 1 1/2 Jahren per Notarzt ins Krankenhaus gebracht hat, hatte er keine Herzprobleme, sondern 1,9 Promille...


    Aktuell ist sie zu einer Kur und er kommt damit nicht klar.

    Er ist allein zuhause. Vor 4 Wochen habe ich ihn ins Krankenhaus einliefern lassen, weil er rezeptpflichtige Schmerzmittel in hohen Dosen (10-15 Stück pro Tag), Schlafmittel und Alkohol gemischt hat. Er ist nur wiederwillig ins Krankenhaus gegangen und hat dort dann 2 Wochen Theater gespielt. Alles gut, die Ärzte haben nicht wirklich ein Problem gesehen. Ich habe 2 mal mit Ärzten telefoniert und Sachen klar gestellt. Danach hat er gemeint das die Ärzte dort nicht mit Angehörigen reden wollen.

    Ich habe ihn abgeholt und alles war gut. Er hat seine Lebensgefährtin besucht und 1 Tag später sollte er eine ambulante Reha machen um wieder besser klar zu kommen. Kurz gesagt, die Reha hat es nie gegeben. Zur Zeit des eigentlichen Starts hat er mit mir telefoniert - vom Festnetz aus und mir erklärt das er auf dem Weg ist. Wenn ich unbedingt wollte, könnte ich ja gerne anrufen, aber bei psychatrischen Einrichtungen dürften ja keine Informationen raus gegeben werden... tja, dumm das ich trotzdem angerufen habe und erfahren musste, dass es solche Therapieformen da gar nicht gibt. Nur stationär. Er war völlig sauer auf mich, weil ich ihn bloßgestellt habe.

    Er versichert mir immer und immer wieder das er mich nicht belügt, aber er tut es doch - aufs heftigste.


    Schon immer sind mir die Sachen sehr schwer gefallen. Ich habe über alles versucht hinwegzusehen und zu glauben. Allerdings ist es jetzt so das ich ihm nichts mehr glaube. Diese Lügerei finde ich einfach nur belastend und ich bin mehr als enttäuscht. Es tut sooo weh. Ich mache wirklich alles für ihn. Mehr als andere machen würden. Papierkram, Haus, Erledigungen, 24 Stunden erreichbar. Aber ich kann das alles nicht mehr. Ich kann ihn nicht komplett fallen lassen... aber so geht es auch nicht weiter. Ich gehe zu Grunde und habe doch tatsächlich ein schlechtes Gewissen, weil ich nur kurz ab bin wenn er sich meldet. Er sieht die Lüge das er die Therapie nicht macht als eine Notlüge an... Die ist ja nicht so schlimm.


    Ich denke er wird das Thema nie abschließen können... es wird immer so sein das er Rückschläge hat. Die Frage ist, wie lange seine Partnerin das mitmachen wird... Ich fühle mich total leer und ausgenutzt und habe ständig mit Herzrasen und Schwindel zu kämpfen. Manchmal denke ich sogar das ich das Problem bin. Das ich zu hart mit ihm umgehe. Das ich ihn nicht so schütze wie er es gewohnt ist. .. aber der Rucksack den ich mit ihm trage ist wirklich viel zu schwer für mich... wenn ich nicht so einen tollen Mann und tolle Kinder hätte, wäre ich vermutlich schon zusammen gebrochen. Aber das schlimme ist auch das er es absolut nicht sieht. Wenn ich sage es geht mir nicht gut mit allem, hat er plötzlich 39 Fieber. Wenn ich sage, ich habe 2 kg abgenommen von dem Stress (was wirklich stimmt) dann hat er 4 kg abgenommen. Egal was ich sage, es ist nicht richtig... ich bin die Böse die sagt wenn er was eingenommen hat. Seit neustem wird ja gemischt mit Tabletten, was natürlich noch ne Stufe mehr ist...

  • Hallo Bonnie,


    es ist immer schwierig, wenn ein so naher Angehöriger wie Vater, Mutter, Geschwister oder Kinder von Sucht betroffen sind. Das ist meiner meinung nach noch mal schlimmer als wenn es um die Partnerin/den Partner geht.

    Das ist ganz klar.


    Trotzdem hilft auch hier nur, dass du dich abgrenzt. Auch wenn es mega schwer fällt, massenhaft Schuldgefühle macht.

    Ich fühle mich total leer und ausgenutzt und habe ständig mit Herzrasen und Schwindel zu kämpfen.

    Dein Körper zeigt dir doch ganz genau, was Sache ist! Du bist physisch und psychisch völlig am Ende.

    aber der Rucksack den ich mit ihm trage ist wirklich viel zu schwer für mich... wenn ich nicht so einen tollen Mann und tolle Kinder hätte, wäre ich vermutlich schon zusammen gebrochen.

    Dass du von deinem Vater beschuldigt wirst, dass er dich belügt, beschimpft und ausnutzt ist das "normale" Verhalten eines nassen Alkoholikers. Und außerdem ist er nichts anderes gewohnt, wurde er doch zeitlebens von allen gepampert, von seinen Eltern, seiner Ehefrau und jetzt von dir. Er macht ja im Prinzip nur das, was er immer gemacht hat mit den Menschen um ihn herum. Und alle haben immer bestens funktioniert. Warum also sollte er was ändern? Es geht ihm doch prima, er muss sich um nichts kümmern, bekommt alles gemacht und gebracht und kann sich in Ruhe seiner Sucht hingeben.


    Die Frage ist halt, wie lange kannst und willst du in diesem Strudel mitschwimmen? Bis du, ähnlich wie deine Mutter, noch vor ihm stirbst? Das ist übrigens häufig der Fall, dass die Angehörigen eher versterben als der Abhängige. Sie sind fertig mit allem, körperlich und seelisch. Mutlos, verbraucht und hoffnungslos. Ich habe das übrigens in meiner Familie in 2 Fällen auch so erlebt.


    Hast du schon mal überlegt, dir therapeutische Hilfe zu holen? In unserer online-Selbsthilfegruppe bist du ja nun, das ist auch gut! Wenn du raus willst aus allem ist es höchste Zeit, dass du was wirklich veränderst! Und nur du kannst das auch, andere Menschen, vor allem dein Vater, wird das nicht tun, sich ändern. Er hat ja keinen Grund...


    Wenn du magst kann ich dich in den Bereich für Coabhängige verschieben. Das heißt, wenn ich begriffen habe, wie das geht ;) , ist ja alles neu hier im Forum...


    Liebe Grüße

    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Trotzdem hilft auch hier nur, dass du dich abgrenzt. Auch wenn es mega schwer fällt, massenhaft Schuldgefühle macht.

    Oh ja, das weiß ich... das ist ja das Problem das ich aktuell habe. Ich habe immer alles abgefangen. Aber ich habe mittlerweile aufgehört für ihn zu lügen. War für mich schon ein großer Schritt. Wie gesagt, ich bin da komplett anders aufgewachsen und hatte immer andere die mir erklärt haben das ich das nicht machen kann/soll. Mittlerweile habe ich eine gute Freundin der ich wirklich alles erzähle und ich habe eine Verwandte mit ins Boot geholt. Sie war auch früher schon durch meine Großeltern in das Meiste eingeweiht und kann es beurteilen. Allerdings ist auch sie geschockt darüber wie weit es aktuell gekommen ist.


    Und alle haben immer bestens funktioniert. Warum also sollte er was ändern?

    Da hast du komplett recht. Ich weiß das das eines meiner Hauptprobleme ist. Er hat es nie anders gelernt. Er wurde immer aufgefangen. Ich mache das aber nicht mehr mit. Ich habe meinen 24 stündigen Service aktuell eingestellt und mache auch nicht wirklich viel. Es ist unheimlich schwer, aber mir geht es trotzdem täglich besser damit. Langsam komme ich aus der Blase heraus, aber es gibt immer wieder Rückschritte. Wie heute, wenn ich denke das er zuhause allein auf dem Sofa liegt und ich nicht weiß was er tut. Vermutlich wird auch da irgendeinen Trost haben, ob Tabletten oder eben Alkohol kann ich nicht sagen. Ich kommuniziere noch mit ihm, aber deutlich langsamer als sonst. Sprechen tue ich ihn gar nicht mehr. Ich höre immer direkt an der Stimme ob er irgendwas zu sich genommen hat, aber das will ich aktuell nicht. Das bringt mich wieder runter.


    Hast du schon mal überlegt, dir therapeutische Hilfe zu holen?

    Tatsächlich hatte ich diesbezüglich schon einmal Hilfe. Wie sollte es anders sein, war da der Ratschlag das ich ihn einfach ignorieren sollte und ihm seine Grenzen zeigen soll. Aber das ist einfach gesagt und auch richtig. Allerdings habe ich meiner Mutter das Versprechen kurz vor dem Tod gegeben das ich für ihn da sein werde. Das setzt mir im Nacken. Er ist auch tatsächlich der einzige Verwandte den ich noch habe.


    Mein Mann ist mir wirklich eine große Stütze und lässt mich machen. Er hält sich zurück, sieht aber wie es mir teilweise geht.

    Mein Vater hat keinerlei Selbstreflexion mehr. Er versucht mich in eine Schiene zu drücken die nicht stimmt. Er wirft mir Sachen vor die so nicht stimmen. Ich hätte viel gelogen und alles auf Lügen aufgebaut. Er hätte 1x ein bißchen gelogen und ich würde es ihm übel nehmen. Wenn es ja nur das eine mal gewesen wäre...


    Wenn du magst kann ich dich in den Bereich für Coabhängige verschieben

    Gerne. Das ich Coabhängig bin weiß ich ja.

  • Hallo BonnieS,


    ich merke und lese, dass Du nicht nur ein Päckchen zu tragen hast, sondern Mühlensteine und die werden immer mehr. Ich will Dir keine Vorschriften machen, noch eine Expertise und auch keine Diagnose über Dich/Euch erstellen. Ich möchte Dir vielmehr helfen und ein paar Tipps und Ansichten äußern, die Du z. B. mit Deiner Freundin besprechen könntest.


    Ich bin selbst Alkoholiker seit vielen Jahren, auch jahrelang suchtfrei, auch so manches Mal in einer Art Suchtgefängnis gefangen, wo ich Hilfe brauchte und dies aus meiner Familie bekommen habe. Immer habe ich aus Überzeugung ehrlich und offen die Alkoholkrankheit im Familienkreis benannt. Persönlich bin ich der Auffassung, dass sie einen Rückfall ohnehin merken würden und Ehrlichkeit, wie auch Offenheit, im engsten Familienkreis gehört für mich dazu.


    Auch bin ich im fortgeschrittenen Altem und da hat man manch Lebenserfahrung, wie z. B. als Teamleiter seit mehreren Dekaden. Nun aber zu Dir und Deiner Problematik, wo ich besorgt über die Risiken von Tabletten mit Alkohol lesen musste.


    Meine Empfehlung, Damit Du vor allem besser mit der Problematik umgehen kannst (unten röm. nummeriert)

    • KLARHEIT
    • OFFENHEIT/EHRLICHKEIT/AUFRICHTIGKEIT
    • ENTSCHEIDUNG
    • ZUKUNFT

    I) KLARHEIT

    Konfrontiere ihn mit einer Untersuchung wichtiger Organe bei einem Arzt oder Klinik, wo z. B. durch Punktation (Proben) entnommen werden. Auch denkbar ist eine Ultraschall-Untersuchung. Begleite ihn! Somit hast Du und er Klarheit über den aktuellen Zustand


    II) OFFENHEIT/EHRLICHKEIT/AUFRICHTIGKEIT

    Überzeuge ihn zu einem Besuch bei einer psychiatrischen Klinik oder bei einem Psychotherapeuten, bzw. -institut. Der größte Vorteil ist, dass ein unabhängiger „Dritter“ anwesend ist. Bei Dir kann er flunkern, die Situation in einer neutralen Umgebung unter Anwesenheit eines Dritten ist eine ganz andere. Insbesondere wenn es sich und einen Psychologen oder Psycho-Therapeuten handelt. Dieser wird Ausreden, Lügen, etc. erkennen und die Wahrheit herausfinden. Solche Sitzungen dauern ca. 50 Minuten, die Krankenkasse trägt die Kosten, aber organisieren musst Du es, er würde es sicher nicht durchziehen…


    III) ENTSCHEIDUNG

    Es ist m. E. absolut richtig und notwendig, dass jeder Mensch die Entscheidung fällen kann, wie er SEIN Leben gestaltet! Unabdingbar ist es jedoch, dass es wie unter II. dargelegt, es immer auch aufrichtig geschehen muss. Andere sollen NICHT darunter leiden! Bei dieser Sitzung (s. II.) sollte auch sein künftiger Lebensweg erörtert und beschlossen werden. Evtl. möchte er auch „erst mal darüber schlafen“. Nun gut, das ist auch nachvollziehbar. In diesem Fall ist halt eine weitere Sitzung zu vereinbaren.


    IV) ZUKUNFT

    Diese Aussprache wird sicher helfen. Dir, um Dir Deine große Last zu nehmen. Ihm, um sich festzulegen, mit allen Konsequenzen für ihn und den Mit-Betroffenen.


    Bedeutend auch für diese unbekannte Situation bei der Sitzung (vgl. III). Stelle Dich im Vorhinein auf die möglichen Entscheidungsmöglichkeiten ein. Denk‘ zu Ende, was kommen könnte, das nimmt Dir den Frust und macht die Situation beherrschbar. Denkbar sind zwei Szenarien:

    • a) Entscheidung pro Sucht

    Das ist zwar unerfreulich, doch kann man ihm schlecht helfen. Und das meine ich auch so. Handle in diesem Fall eine Art von Vereinbarung aus, was wie weit Du ihn in Zukunft unterstützen wirst. Vergiss nicht es schriftlich zu fixieren und in Kopie schriftlich zu überreichen. Für Dich ist es eine deutliche Verbesserung. Du kannst Dich auf künftige Situation einstellen. Es nimmt Dir die Sorgen und schmält Deine Belastungen. Du weist stets wo Du stehst und was zu tun ist! Und dann ist kein harter „Cut“ erforderlich, sondern ein objektives, konstruktives Lösen kommender Probleme – ohne Zwist und Zorn – sondern in Kooperation, was Du Dir wie weit künftig zumuten kannst. Denn ich bin kein Anhänger von harten Brüchen, bei so engen Familienverhältnissen leiden dann beide Seiten auf entsetzliche Art!

    • b) Entscheidung kontra Sucht

    Das wäre für alle eine große Erleichterung, wenn er künftig auf die Sucht-Substanzen verzichten würde. Besonders, wenn er eine Therapie beginnt. Insbesondere der unabhängige Psychologe wird den Vorschlag machen. Das hat für Dich den Vorteil, dass er Dir keinerlei Vorhaltung machen kann und sich auch mit diesem Gedanken auseinander setzen muss.


    Bitte betrachte dies nicht als „Vorschrift“, sondern als Anregung. Du musst dem auch nicht folgen, evtl. hast Du eine bessere Idee. Wichtig ist, dass Du Dich im Vorhinein klar auf die Möglichkeiten einlässt und somit die ganze Situation bei der Sitzung zu Ende denkst. Nützlich ist auch eine Art von „Spickzettel“, wo Du Deine wichtige Fragen und Aspekte zumindest in Stichworten aufschreibst. So wird beim Psychologen nichts vergessen. Hilfreich für Dich ist sicherlich auch eine Erörterung mit Deiner Freundin, zeige ihr meine Ideen.


    Viel Glück und Erfolg


    Micalk

  • Hallo Micalk,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich gehe in allen Punkten mit dir, nur leider ist die Situation wohl verfahrener als es zu sein scheint. Das soll jetzt nicht heißen das ich mich der Entscheidung entziehen möchte oder es auch tue, ich bin für alle Vorschläge mehr als dankbar und versuche sie umzusetzen.

    Hier meine Erklärung - bitte nicht als Rechtfertigung sehen, wobei es vielleicht auch eine ist.


    Als ich meinen Vater ins Krankenhaus habe einliefern lassen, war er (natürlich) nicht davon begeistert. Beim Notruf hat er sogar im Hintergrund sehr unschöne Sachen gerufen, so dass zusätzlich die Polizei gekommen ist. Mir wurde dann erklärt das er nur freiwillig mitgehen kann, für eine gezwungene Einlieferung hat es leider nicht gereicht. Er hat den Sanitätern und Polizisten erklärt das er auch schon am Vorabend überlegt hat sich umzubringen... daraufhin haben sie ständig auf ihn eingeredet.

    Mein Vater war seit seiner ersten Entziehung aktiv bei einem Freundeskreis tätig und hat sich dort um Leute gekümmert die den Führerschein verloren haben und dann zur MPU mussten. Natürlich kommt ihm dieses Engagement zu Gute. Was allerdings manchmal im Hintergrund bei uns gelaufen ist, ist ein völlig anderes. Immer mal wieder gab es stressige Situationen im Leben und die wurden dann halt mal 2 - 3 Tage mit Trinken vertrieben. Aber natürlich auch nur, wenn ihm einer auf die Schliche gekommen ist.


    Besonders hart waren die Zeiten nach den Toden. An jedem Sterbebett wurde versprochen das es nie wieder vorkommt. Was natürlich nicht zu halten war.


    Ich glaube er ist ein sehr sensibler Mensch, der sich mehr zu Herzen nimmt als man eigentlich müsste. Ein Satz von einem Bekannten oder eines Familienmitgliedes kann bis zu 50 Jahre nachgetragen werden. Er hat immer Aufmerksamkeit von allen bekommen, wenn mal wieder was vorgefallen ist. Alles wurde ausgebügelt, es wurden sich Ausreden einfallen gelassen... naja das übliche eben.


    Als meine Mutter gestorben ist, war er wie gesagt zu einer Kur. Nachdem er nach Hause gekommen ist, war er erst einmal in einem tiefen Loch und hat mich für viele Sachen verantwortlich gemacht. Sei es der nicht gefüllte Kühlschrank oder das bei den anderen Kurteilnehmern viel mehr Aktionen nach der Kur gelaufen sind. Er hat dort seine komplette Ernährung umgestellt und ich wusste nicht so recht welche Lebensmittel nun die richtigen sind und bereits 1 Woche vorher mit ihm darüber gesprochen. Er hat mir regelmäßig Bilder aus der Kur geschickt und da waren jeden Abend Bilder mit Weizenbiergläsern zu sehen, die natürlich explizit als Alkoholfrei deklariert wurden.


    In den folgenden Tagen hat er dann immer wieder getrunken und war ab mittags nicht mehr erreichbar. Ich hatte damals starke Magen Darm Beschwerden und wartete auf ein Ergebnis ob ich einen Darmverschluss hatte, als der Anruf von ihm kam ob ich ihn in die Klinik bringen könnte. Er wusste das ich auch krank bin, aber das hat er ignoriert. Ich bin die 17km zu ihm gefahren und habe ihn eingeliefert. Er hat gemeint er käme nicht mehr klar und bräuchte einen Entzug. Ich habe mich darum gekümmert und er ist direkt weiter überwiesen worden. Nach 2 Wochen war er wieder zuhause. Die Ärzte hatten ihn als Ausnahme gesehen und haben gesagt er hätte ja gar kein Problem. Schauspielern klappt.

    Dann hat er sich einen Psychologen gesucht und ich war sogar mit dabei als er die erste Stunde dort hatte. Seine Lebensgefährtin wohnt allerdings 600km von uns entfernt und sie sind die meiste Zeit dort. Also wurden die Termine beim Psychologen immer seltener und schließlich komplett abgesagt.


    Die letzten 2 Jahren gab es auf und abs. Ich habe am Telefon öfter gehört das er irgendwas genommen hat. Habe aber aus Selbstschutz nichts gesagt. Bei seiner Freundin ist er 2x die Kellertreppe runter gefallen... ich kann nicht sogen ob mit Alkohol oder nicht, aber Fakt ist das der Keller schön gefüllt ist mit Hochprozentigem.


    Dies nochmal ergänzend zur Vorgeschichte. Wobei es natürlich noch das ein oder andere Highlight vorhanden ist.


    Jetzt zurück zum aktuellen.


    Nach der Einlieferung hat er mit dem Arzt gesprochen und mich parallel angerufen. Der Arzt sagte mir am Telefon, das er eine Nacht bleiben würde und dann wieder nach Hause könnte, weil er ja seit Jahren "trocken" wäre. Ich habe dann klargestellt das dies mitnichten der Fall sei. Das er sogar 2x im selben Haus zur Entgiftung von Schmerztabletten war und eine weiter "Entziehung" (war ja nicht wirklich eine) vor 2 Jahren hatte. Der Arzt war ziemlich überrascht und hat dann gesagt, dann würde er länger vermerken. Mein Vater war sichtlich geknickt und hat es hingenommen. Das gleiche Spiel hatte ich einen Tag später mit der Stationsärztin. Danach wurde mir gesagt das die Ärzte nicht mit mir sprechen wollten.


    Seine Blutwerte waren völlig ok. Auch die Nierentätigkeit alles im grünen Bereich. Als ich ihn habe einliefern lassen, hatte er mir glaubhaft versichert die Nieren seien kaputt und er würde nicht mehr lange leben... Außerdem hatte er am Morgen des besagten Tages Fieber und war bei seiner Hausärztin. Auch das war gelogen, obwohl er mich und auch seine Lebensgefährtin angerufen hatte um zu erzählen, was er machen sollte und wie die Diagnose war.

    Die Ärzte im Krankenhaus hatten aufgrund der unsachgemäßen Einnahme festgestellt das er an dem Abend Herz- Rhythmusstörungen hatte.. das war aber alles. Die haben sie wieder in den Griff bekommen. Organisch geht es ihm top!


    Mit der folgenden Therapie wurde ich auch aufs Übelste belogen. Du sagst das ein Psychologe seine Lügen und Ausflüchte erkennen würde, aber glaub mir ich habe daran Zweifel. Er ist ein so guter Rhetoriker das er sich so verstellen kann, dass keiner etwas merkt.


    Ich hatte ihn in den vergangenen Tagen links liegen gelassen und auch sein Fieber hat mich nicht interessiert. Ich hatte ihm geschrieben das mir gesundheitlich nicht gut geht, aber auch das ist egal.

    Er wirft mir vor, ich hätte in der Vergangenheit auch öfter gelogen, weil ich z.B. für die Zahlung von Hausrechnungen Kredite aufgenommen habe, die ich aber meinen Eltern nicht mitgeteilt habe. Das wäre genauso verlogen... Ich weiß bald nicht mehr was ich glauben soll.


    Als er mir von seiner angeblichen ambulanten Therapie erzählt hat, hat er mir die Diagnose die der Arzt gestellt hat erzählt. Er hat mir erklärt das er jetzt mit Tiefenpsychologie weiter machen wollte und ob ich ihm erklären könnte was er da machen würde. Er hat mir erzählt das er beim Besuch in der Klinik auch noch gleich Besorgungen für die anderen Zimmernachbarn gemacht hat und ihnen die Sachen mitgebracht hat. Er hat mir sogar angeboten das er den Arzt bei der nächsten Sitzung von der Schweigepflicht entbindet damit ich mit ihm reden kann... Was ist denn jetzt eine Lüge die weh tut und eine die halt auch ne Lüge ist, aber die man ja nicht rum posaunt.


    Ich denke ich muss mich mit ihm für die Sucht entscheiden. Er wird da nie von los kommen. Angeblich hat er nächste Woche einen weitern Psychologentermin in einer Praxis. Aber ganz ehrlich, ich habe keine Lust das zu kontrollieren. Ich gehe daran kaputt. Ich muss ihn einfach machen lassen, was er denkt. Er kann diesbezüglich nicht wirklich klar denken, schätze ich ... Es ist egal was ich ihm sage oder nicht. Er dreht mir alles wieder direkt im Mund herum und ich bin die Dumme. Auch wenn es schwer sein wird, werde ich wohl den Kontakt weiter halten, aber eben nicht mehr direkt springen wenn er anruft. Ihn einfach machen lassen und darauf setzen das es irgendwann einen Fehler gibt und er an die richtigen Leute gerät und wirklich harte Konsequenzen sehen wird. Er will mir gefallen und schickt mir immer alles was er gemacht hat. Er will die Bestätigung das er was gut gemacht hat. Das ist auch der Grund warum er jetzt eine Therapie macht / angibt eine zu machen. Er will mich nicht verlieren. Er macht es aber für mich, nicht für sich und deshalb wird das alles nichts bringen...


    So, lange geschrieben, sorry. Es ist total verworren, aber vielleicht doch auch sehr sehr einfach...

  • Ich denke ich muss mich mit ihm für die Sucht entscheiden.

    Warum eigentlich?


    Ich lese aus deinen Beiträgen, dass du ihm so ziemlich alles abnimmst, was abzunehmen geht.


    Du hast höchstwahrscheinlich recht, wenn du schreibst, er kommt nie von seinen Süchten los.

    Er kommt ganz bestimmt nie davon los, wenn du ihn weiter bepamperst.

    Du bist ein ganz wichtiges Glied zum ausleben seiner Sucht.

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • Yep, das weiß ich alles.


    Die Sache ist, das ich nicht alles abzunehmen geht, sondern das ich alles mache. In jeglicher Hinsicht.

    Der Zug irgendwas zu ändern ist vermutlich abgefahren. Ich weiß das ich da zuviel tue. Ich kann die Maßnahmen nur einschränken. Ganz abstellen ist, für mich, unvorstellbar. Die Co-Abhängigkeit ist wirklich so, dass ich auch dann zugrunde gehen würde.

    Er ist mein letztes noch lebendes Familienmitglied. Eigentlich will ich das er ein schönes Leben hat. Er hat immer versucht mir zu helfen, wenn er konnte. War eigentlich der Beste Vater den man sich wünschen kann... ich habe einfach das Gefühl das ich ihm das schuldig bin...

    Ich weiß selbst das das so eigentlich nicht stimmt und ich ihn fallen lassen müsste... kann es aber nicht!


    Ich habe manchmal das Gefühl das er einfach nicht mehr richtig da ist. Quasi wie wenn jemand eine geistige Behinderung hat. Es ist eine Krankheit mit der nicht alles zu verzeihen ist, aber doch auch gewissermaßen zum Teil erklärt werden kann.

    Klingt vielleicht gemein, aber wenn seine Lebensgefährtin da ist, dann bin ich so gut wie nicht da für seine Probleme und ich habe dabei kein schlechtes Gewissen. Wenn ich am Telefon höre das er hat getrunken hat und er ist bei ihr - ihr Problem. Ich weise keinen mehr darauf hin. Er ist weit weg und muss selbst klar kommen. Sie hört nicht auf mich und will es nicht sehen... wenn er dann Mist baut oder mal wieder die Treppe runter fällt, Pech! Aktuell habe ich eben das Problem das er allein zuhause sitzt und sie nicht greifbar ist. Das ist das was mich da so fertig macht. Mir hat mal eine Psychologin gesagt, ich muss die Verantwortung abgeben... das mache ich tatsächlich wenn ich ihn nicht allein habe. Aktuell ist es eben besonders schlimm.


    Als meine Mutter noch gelebt hat, waren wir verbündet und haben alles immer geteilt. Ich habe sie gefühlsmäßig immer beschützen müssen... also er hat sie nicht geschlagen, oder sonst irgendwie misshandelt. Aggressiv ist und war er nie dabei... er legt sich halt hin und schläft. Aber die neue Partnerin muss ich nicht beschützen. Ich mag sie, aber sie muss damit klar kommen und ich muss ihr da nicht helfen. Zumal sie mir ja eh nicht glaubt, das Alkohol für ihn gar nicht geht... sie kennt sowas nicht und wie bereits erwähnt mein Vater ist ein super Redner.

  • Die abrenzung fält oft schwer, aber da gebe ich dir recht, es ist mit das einzige was wirklich hilft.

  • JA da kann ich dir nur beipflichten. Leider ist man oft "mittäter" auch wenn man es vielleicht gut meint. Man muss versuchen eine klare Linie zu fahren.

  • Hallo Bonnie,

    habe dich auch gelesen und auch den Ausführungen von Micalk aufmerksam gelauscht.

    Kann mich ihm aber in einigen Punkten überhaupt nicht anschließen.

    Vieles davon wird nicht mit einem nassen uneinsichtigen Alkoholiker funktionieren, spreche da auch aus eigener Erfahrung,

    ich bin selbst trockene Alkoholikerin.

    Außerdem finde ich, das Du lt. den Tipps oder Anregungen von Micalk viel zu sehr in die Sache mit einbezogen wirst.

    Das ist nicht gut, denn so drehst Du jede weitere Runde Deines Vater auf dem Sauf-Karussell mit.


    Ich möchte hier mal zu einigen Punkten Stellung nehmen:

    Zitat

    I) KLARHEIT

    Konfrontiere ihn mit einer Untersuchung wichtiger Organe bei einem Arzt oder Klinik, wo z. B. durch Punktation (Proben) entnommen werden. Auch denkbar ist eine Ultraschall-Untersuchung. Begleite ihn! Somit hast Du und er Klarheit über den aktuellen Zustand

    Es ist NICHT die Aufgabe von Angehörigen, derartiges zu veranlassen und ich finde es außerdem extrem übergriffig.

    SO bekommt man keinen nassen Alkie zur Einsicht, der erscheint außerdem erst gar nicht zu solchen Terminen.

    Es geht hier um eine Krankheit, bei der man mit Druck dieser Art rein gar nix ausrichten kann.

    Warum außerdem solltest Du ihn wie ein Kind behandeln, indem Du alles überwachst und kontrollierst?

    Selbst ein Kind sollte man nie so behandeln, und schon gar nicht einen erwachsenen Menschen.

    Zitat

    II) OFFENHEIT/EHRLICHKEIT/AUFRICHTIGKEIT

    Überzeuge ihn zu einem Besuch bei einer psychiatrischen Klinik oder bei einem Psychotherapeuten, bzw. -institut. Der größte Vorteil ist, dass ein unabhängiger „Dritter“ anwesend ist. Bei Dir kann er flunkern, die Situation in einer neutralen Umgebung unter Anwesenheit eines Dritten ist eine ganz andere. Insbesondere wenn es sich und einen Psychologen oder Psycho-Therapeuten handelt. Dieser wird Ausreden, Lügen, etc. erkennen und die Wahrheit herausfinden.

    Oh Nein, ein Psychologe ist kein Hellseher und ist auch manipulierbar.

    Und das beherrschen nasse Alkies wie keine zweite Disziplin.

    Und auch hier empfinde ich starke Übergriffigkeit, ein Gespräch beim Psychologen hat zuallererst vertraulich und unter 4 Augen stattzufinden.

    Später, mit ausdrücklicher Einwilligung des Betroffenen, kann man evtl. Familienangehörige hinzuziehen.

    Der "Dritte" sollte hier auch nicht der Psychologe sein, sondern wenn, dann eher ein Angehöriger, der mitbetroffen ist.


    Zitat

    III) ENTSCHEIDUNG

    Es ist m. E. absolut richtig und notwendig, dass jeder Mensch die Entscheidung fällen kann, wie er SEIN Leben gestaltet! Unabdingbar ist es jedoch, dass es wie unter II. dargelegt, es immer auch aufrichtig geschehen muss. Andere sollen NICHT darunter leiden! Bei dieser Sitzung (s. II.) sollte auch sein künftiger Lebensweg erörtert und beschlossen werden. Evtl. möchte er auch „erst mal darüber schlafen“. Nun gut, das ist auch nachvollziehbar. In diesem Fall ist halt eine weitere Sitzung zu vereinbaren.

    Hier wird es nun noch krass übergriffiger, sorry aber sowas geht überhaupt nicht!

    Es ist meiner Meinung nach komplett daneben, sich über den nassen Alkoholiker zu unterhalten anstatt mit ihm zu reden.

    Und es hat auch niemand den Lebensweg eines anderen zu erörtern und zu beschließen.

    Und vor allen Dingen: NICHTS aber auch GAR NICHTS wird so besser oder hat auch nur ne geringe Aussicht auf Erfolg.

    Und mal so aus meiner persönlichen Erfahrung:

    Ich hätte derartige Zusammenkünfte auf der Stelle verlassen, als ich noch gesoffen habe.

    Und ich würde es heute noch ebenso tun!

    Über mein Leben entscheide ich selbst, da wird weder was über mich "erörtert", noch beschlossen.

    Denn ich bin schon groß und kann selbst entscheiden!

    Ein Alkoholiker kann meiner Meinung und auch Erfahrung nach so nicht zu einer Art Einsicht gezwungen werden, und das wäre auch kompletter Unsinn, denn die Einsicht KANN nur von Alkoholiker selbst kommen.


    Zitat
    • a) Entscheidung pro Sucht

    Das ist zwar unerfreulich, doch kann man ihm schlecht helfen. Und das meine ich auch so. Handle in diesem Fall eine Art von Vereinbarung aus, was wie weit Du ihn in Zukunft unterstützen wirst. Vergiss nicht es schriftlich zu fixieren und in Kopie schriftlich zu überreichen.


    Hier wird es für mich geradezu belustigend, sorry.

    Mit einem Alkoholiker Vereinbarungen zu treffen bezüglich seiner Sauferei und die dann auch noch schriftlich fixieren?

    Seit wann halten sich nasse uneinsichtige Alkoholiker an irgendeine schriftliche Vereinbarung? Das wäre mir komplett neu.

    Sowas funzt nie, wie man hier auch in x Beiträgen von Betroffenen nachlesen kann.

    Auch hier mal aus eigener Erfahrung:

    Ich hätte darüber nur gelacht, gefragt, ob das ernst gemeint ist und hätte mich dann umgedreht und mich wieder meiner geliebten Pulle zugewandt.

    Im besten Fall hätte ich mündlich irgendwas zugesagt, um meine Ruhe zu haben.

    Aber ich hätte kaum vorgehabt, mich dran zu halten. Und wenn doch, hätte ich es nicht geschafft, die Sucht war bei mir viel zu stark.

    Und auch im Fall von Deinem Vater, liebe Bonnie, wird so rein gar nix zu erreichen sein.


    Ich will es hierbei belassen, und Micalk Text nicht völlig auseinander nehmen. Obwohl ich da noch mehr lese, was ich persönlich für ziemlich sinnbefreit halte in Bezug auf dem Umgang mit einem nassen Alkoholiker.

    Er hat sich sicher viel Mühe damit gegeben, aber ich halte einiges davon für realitätsfern und unangemessen übergriffig.

    Auch ein nasser Alkoholiker hat das Recht, eigene Entscheidungen über sein Leben zu treffen!

    Und wenn er sich für das Saufen entscheidet, ist das eben so und zu akzeptieren.

    Man kann als Anhöriger erst dann unterstützen, wenn der Alkoholiker seine Sucht stoppen will und auch bereit ist, das zur Prio 1 in seinem Leben zu machen.

    Und DANN macht Unterstützung auch wirklich Sinn und ist auch hilfreich.


    In Deiner Situation kann ich Dir leider nur raten, auf Distanz zu gehen, liebe Bonnie, sonst gehst Du auch noch mit kaputt an der Sucht Deines Vaters.

    Lerne, Dich selbst zu schützen. Dich mehr abzugrenzen.

    Wie schwer das ist bei so nahen Angehörigen, weiß ich aus persönlicher Erfahrung.

    Aber manchmal muss das einfach so sein, wenn man in seinem eigenen Leben einigermaßen glücklich werden will.

    Niemand muss sich für die Sucht eines anderen aufopfern oder die Verantwortung für sein Tun übernahmen.

    Und sowas sollte auch niemanden zugeschustert werden.

    Was könntest Du noch tun, um Dich besser abzugrenzen und Dich selbst zu schützen?

    Hast Du Ideen?

    Ich schreibe hier absichtlich nicht von einem völligen Kontaktabbruch, wie ich es in anderen Fällen mitunter tue,

    weil das wahrscheinlich zu schwierig ist, wenn es sich um einen Elternteil handelt.

    Dann muss man andere Wege finden, um nicht selbst auch noch krank zu werden.

    Denn so ein Dauerstress macht ja auch nix gutes mit einem.


    LG an Dich

    Sunshine

  • Zitat

    Ich denke ich muss mich mit ihm für die Sucht entscheiden. Er wird da nie von los kommen. Angeblich hat er nächste Woche einen weitern Psychologentermin in einer Praxis. Aber ganz ehrlich, ich habe keine Lust das zu kontrollieren. Ich gehe daran kaputt. Ich muss ihn einfach machen lassen, was er denkt. Er kann diesbezüglich nicht wirklich klar denken, schätze ich ... Es ist egal was ich ihm sage oder nicht. Er dreht mir alles wieder direkt im Mund herum und ich bin die Dumme. Auch wenn es schwer sein wird, werde ich wohl den Kontakt weiter halten, aber eben nicht mehr direkt springen wenn er anruft. Ihn einfach machen lassen und darauf setzen das es irgendwann einen Fehler gibt und er an die richtigen Leute gerät und wirklich harte Konsequenzen sehen wird. Er will mir gefallen und schickt mir immer alles was er gemacht hat. Er will die Bestätigung das er was gut gemacht hat. Das ist auch der Grund warum er jetzt eine Therapie macht / angibt eine zu machen. Er will mich nicht verlieren. Er macht es aber für mich, nicht für sich und deshalb wird das alles nichts bringen...

    Diesen letzten Beitrag von Dir hatte ich erstmal nur überflogen und nicht vollständig gelesen, Bonnie

    Hier steht eigentlich schon alles drin.

    Du hast keine Lust mehr, alles zu kontrollieren...und um Himmels Willen, das ist auch NICHT Deine Aufgabe.

    Das kann und wird auch niemand von Dir verlangen, der sich einigermaßen mit der Materie auskennt.

    Du schreibst, Du gehst daran kaputt.

    Das ist auch so. Viele CO-Abhängige bekommen erst psychosomatische Störungen, die dann zu handfesten physischen Erkrankungen führen können.

    Sowas ist nicht notwendig, ich sehe das dann echt hart und kann dann nur noch sagen, das es reicht, wenn einer an der Sucht zugrunde geht, er muss nicht noch andere dabei mitreissen.

    Das Verhalten Deines Vaters ist im übrigen ganz, ganz typisch für einen großen Teil alkoholkranker Menschen, wenn nicht sogar für fast alle.


    Was mit auch noch auffällt, Bonnie...

    Du schreibst fast nur über Deinen Vater, was er hier getan und gesagt hat, wie er sich in jener und solcher Situation verhalten hat usw. usf.

    Von Dir selbst lese ich kaum was. Ich weiß nun sehr viel über Deinen alkoholkranken Vater, aber kaum was über Dich.

    Nur, wie sehr Du leidest unter der Situation, was ja auch verständlich ist.

    Deinem alkoholkranken Vater können wir hier aber nicht weiter helfen.

    Nur Dir, wenn überhaupt.

    Verstehst Du, wie ich es meine?

    DU bist ja hier her gekommen, um nach Hilfe zu suchen...allerdings wohl eher für Deinen kranken Vater?

    Hilfe kannst Du hier aber nur für DICH finden.

    Erzähl doch mal mehr über DICH, wende Deinen Blick wieder auf Dich...und starre bitte nicht weiterhin wie das Kaninchen auf die Schlage auf Deinen Vater.


    LG Sunshine

  • Liebe Bonnie,


    ich schließe mich den Worten und Ratschlägen von Sunshine zu 100 Prozent an!! Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen und ich hoffe, dass Du es schaffst, Dich abzugrenzen. Ich finde es sehr schwer, wenn es um die Eltern/Kinder geht. Aber es ist so wichtig, dass man nicht selber vor die Hunde geht!


    LG Cadda

  • Liebe Sunshine_33,


    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich verstehe deine Punkte. Den kompletten Kontaktabbruch kann ich wirklich nicht durchziehen.


    Du meinst, ich soll mehr von mir erzählen? Gerne.

    Ich bin 43 Jahre alt und Einzelkind. Ich bin in einer wirklich behüteten Familie in einem (wie sagt man heute so schön) Mehrgenerationenhaus aufgewachsen. Ich hatte stets alles was ich brauchte. Mit 19 bin ich ausgezogen und habe eine Ausbildung begonnen. Mit 21 habe ich die Stadt gewechselt und bin mit meinem damaligen Freund zusammen gezogen, der mittlerweile mein Ehemann ist. Wir sind seit 22 Jahren ein Paar und haben 2 gesunde Kinder. Prinzipiell bin ich ein sehr positiver Mensch der das Leben genießt und der immer für andere da ist. Vom Prinzip kannst du hier Tag und Nacht anrufen und ich komme und helfe. Vielleicht eine Art Helfersyndrom. Mein Mann und ich hatten und haben immer eine ähnliche Auffassung vom Leben und wie man mit schweren Situationen umgeht. Früher hatten wir eine "heile" Welt. Wir hatten 2 Familien die sich, auch untereinander gut verstanden haben und die besten Großeltern die sich Kinder nur wünschen konnten. Vor 8 Jahren ist meine Schwiegermutter und vor 3 Jahren meine Mutter verstorben. Man kann sagen das wir nach wie vor eine super tolle Familie haben, aber es ist eben doch anders, wenn die Mütter fehlen. Sie sind irgendwie der Kleber bei allem. Als meine Schwiegermutter starb waren da 3 Kinder die sich um alles kümmern. Bei mir war ich allein und musste eben noch alles bei meinem Vater abfangen.

    Da mein Vater nichts mit Papierkram oder Konten im Sinn hatte und meine Mutter alles gemacht hat, ging diese Aufgabe, ebenso wie die Verwaltung des Hauses komplett an mich über. Er hat keinen Überblick wann was vom Konto abgeht oder welche Versicherungen er hat. Ich mache alles mit. Ich mache es aber auch wirklich gerne. Ich bin gerne die organisierende im Hintergrund.

    Auch zuhause läuft alles über mich. Ob ich eine Person mehr oder weniger verwalte spielt keine Rolle. Da ich in der Branche von Hausverwaltungen bin, ist dies quasi auch ok.


    Ich mache gerne mein eigenes Ding und werde darin auch von meinem Mann unterstützt. Wenn es nach ihm gehen würde, hätte er meinem Vater längst eine Ansage gemacht, aber das möchte ich nicht. Wir haben es in unserer gemeinsamen Zeit immer so gehalten das jeder die unangenehmen Sachen in seiner eigenen Familie anspricht.. in der anderen nur, wenn es unbedingt notwendig ist.

    Er hat es schon mal gemacht, aber aktuell pfeife ich ihn da schon zurück.

    Ich muss sagen in der letzten Woche war ich ziemlich geschockt, gedemütigt und enttäuscht...

    Ich bin aber kein Mensch der sich einfach unterkriegen lässt. Mein Chef hat mal zu mir gesagt "Wenn du einen Weg einschlägst dann gehst du ihn, egal welches Opfer du bringen musst, oder wer sich dir in den Weg stellt" das stimmt auch so. Ich habe mich ein paar Tage runter ziehen lassen und versuche jetzt wieder den Kopf nach oben zu bekommen.


    Was mich halt kaputt macht, ist eben dieses ständige schlechte Gefühl das mein Vater mir nicht vertraut. Mir für irgendwas die Schuld gibt, auch wenn ich nichts dafür kann... es kommt ein Anruf, ich höre an seiner Stimme das was nicht stimmt und prompt kriege ich Herzrasen.

    Bis vor kurzem habe ich wirklich die Kontrolle über ihn gelegt, aber es bringt ja wirklich nichts. Deshalb muss ich mich da distanzieren.

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