Beiträge von Rattenschwanz

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    Moin Erna,

    mir kommt's so vor, als hättest du den lieben langen Tag nichts anderes zu tun, als auf den Suchtdruck zu warten, an ihn zu denken, ihn regelrecht herbei zu rufen. Lass den doch einfach mal sein - ist schwer, weiß ich.

    Du hast - wie du schreibst - so viel um die Ohren und dazwischen suchst du noch den Suchtdruck, da muss die Zeit ja knapp werden und Stress entstehen.

    Versuch einfach mal an was anderes zu denken, könnte ja vielleicht klappen ...

    Wenn ich lese, dass ein Termin für eine Therapie grade nicht in den Terminplan passt oder, dass jemand an andere denken muss und deshalb keine LZT machen kann oder, dass es mit der Arbeit gerade nicht passt, irgendeine Therapie zu machen oder oder oder, da muss ich mit dem Kopf schütteln.


    Ich kann nur von mir schreiben, aber wenn ich immer nur daran gedacht hätte, was gerade nicht passt, dann würde ich wahrscheinlich heute noch saufen. Und wenn ich das gewollt hätte, dann hätte immer irgendwas gerade nicht gepasst.

    Es muss eh alles anders werden, wenn jemand aufhört zu saufen, der Tagesablauf, der Freundeskreis, der Umgang mit der Familie, mit der Freizeit, mit Gewohnheiten, mit den Kollegen, denen auffällt, dass "man" plötzlich ohne Fahne erscheint und und und

    Da wäre es schon hilfreich, wenn das Suchen nach Ausreden auch aufhört.

    Ich war zwei Mal zur LZT, das passte mir auch gerade nicht (wegen Umschulung zum Beispiel) aber es gab zu dem Zeitpunkt für mich keine andere Alternative dazu, außer weiter zu saufen und das wollte ich gerade nicht.


    Jetzt nach zehn trockenen Jahren kann ich schreiben, dass es sich gelohnt hat darauf zu schei..n, ob es gerade passt oder nicht. Natürlich sind Bekanntschaften (die Freunde sind geblieben) dabei krachen gegangen, manche Dinge musste ich noch mal anfangen, Menschen vor den Kopf stoßen usw. aber alles besser, als jetzt vlt. tot in der Kiste zu liegen oder besoffen auf der Straße.


    Ja, das lässt sich leicht schreiben, wenn es vorbei ist und ich weiß, wie schwer das ist Gewohntes los- und zu verlassen aber manchmal muss es sein.

    (Ich will niemanden persönlich angreifen, das ist nur meine Meinung.)

    Ich finde es bemerkenswert, dass du dir hier Hilfe für deine Frau suchst, ...

    Er sucht doch keine Hilfe für seine Frau, er sucht Hilfe für sich. Er brauch offensichtlich irgendjemanden, dem er was "erzählen" kann oder so ...

    Wer sich mit seiner alkoholkranken Frau hinsetzt und Weinschorle trinkt, der braucht doch für seine Frau keine Hilfe und auch die - meiner Meinung nach - flapsige Schreibweise zum Umgang seiner Frau mit Alkohol, zeigt mir, dass es nicht um seine Frau geht.

    Das ist jedenfalls meine Meinung dazu ...

    ...

    Was, wenn man sich mal streitet? Wütend oder fristriert mit seinem Partner ist.

    Das kann ich dir als Alkoholiker schreiben was da ist "Nachtschicht", da ist der Grund weg, aus welchem das Saufen erst mmal beendet wurde. Weil, wenn die Alte auch doof tut wenn ich nüchtern bin, dann kann ich auch saufen und muss mich hier nicht rumquälen, um ihr zu gefallen und meine Ruhe zu haben.


    Ja, es wird Fälle geben, in denen das funktioniert, wenn wegen des Partners mit dem Saufen aufgehört wird, aber in den Fällen, da ist der Partner meistens noch da.


    Gestern Abend bekam ich einen Anruf von einem eghemaligen Kollegen und so nebenbei teilte er mir mit, dass er sich im letzten September von seine Frau getrennt hat oder sie sich von ihm. Er war noch nicht sooo lange trocken - ein Jahr vielleicht - und ich fragte natürlich danach, wie es derzeit mit dem Alk aussehen würde. Von September bis Februar hätte er wieder durchgesoffen, weil er nicht gewusst hätte, wie er mit dem Problem umgehen soll, wäre dann nach einem Zusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert worden und nun wieder nüchtern und in Therapie. Na dann, viel Glück.

    Nur mal kurz was zum "Konzertgehen":

    2019 - also nach 7 Jahren Abstinenz- war ich das erste Mal wieder bei einem Konzert und zwar bei "Rammstein" in einem Fußballstadion. Ganz ehrlich, Ich hab bissl Angst um mich gehabt und war am Ende froh, dass ich unbeschadet aus der Sache rausgekommen bin. Alle ringsherum hatten Bierbecher in der Hand und haben gesoffen, ein Tresen stand am anderen ... und ich allein mittendrin (Bekannte oder so waren nicht dabei), eins weiß ich: Nie wieder. Ich hätte nie gedacht, dass mich das dermaßen triggert, passiert mir sonst - auf Feiern zum Beispiel - nicht.

    Also wie geschrieben, für mich war das auch nach sieben Jahren noch brandgefährlich und passiert mir wahrscheinlich erst mal nicht wieder.

    Da würde mich bei euch übrigens interessieren, ob ihr zu eurer aktiven Zeit Menschen ward, die sich auch mal an der Tanke was geholt haben und wie ihr am Anfang eurer Nüchternheit mit dieser anonymen Möglichkeit an Alk zu kommen umgegangen seid.

    Jeden Sonntag Abend war ich an der "Tanke" kurz bevor die 21.00 Uhr zu machte, da war wenig los und ich konnte relativ unbeobachtet meine Flasche Weinbrand holen.

    Ich hab mich - warum, "das weiß der Fuchs" - regelmäßig verschätzt, was meinen Schnapskonsum am WE betraf und so saß ich Sonntagabend nur noch mit einer halben Flasche Schnaps da und wusste, dass das nicht reichen würde um die Nacht zu überstehen und noch genug Vorrat zu haben, um mich am Montag Morgen wieder so weit zurecht zu saufen, dass ich wenigstens für die nötigsten Wege (Geld besorgen und Schnaps kaufen) funktionierte, also ging's zur "Tanke" um Nachschub zu holen.

    Einmal, an einem Tiefpunkt meiner Säuferlaufbahn, stand ich in der Tanke und wusste, dass mir 9 Cent für die billigste Flasche Schnaps fehlten.

    Ich hab Karli den Tankwart angebettelt, er kenne mich doch und könnte mir doch die Flasche Weinbrand geben, ich würde ihm auch die 9 Cent am nächsten Tag vorbei bringen.

    Ich hab geheult, aber Karli blieb hart und so kaufte ich für mein letztes Geld paar Büchsen Bier.


    Ich bin nie wieder in diese Tanke zum Alk kaufen gegangen, weil mir das im Nachhinein soooo peinlich war und wenn ich Karli auf der Straße gesehen habe, bin ich mit gesenktem Kopf auf die andere Straßenseite.

    Ja, soweit ging der Verstand irgendwie noch.

    Wenn ich jetzt so daran denke, war die Tanke ab diesem Zeitpunkt überhaupt keine Option mehr für mich um Alk zu beschaffen, die peinliche Situation war wahrscheinlich irgendwo in mir eingraviert.

    Und ich denke ihr versteht das. Wie hättet ihr früher reagiert? Eines nach dem Anderen.

    Ich versteh's nicht und als erstes muss der Alk aus dem Haus. Ich war auch der Meinung, dass es mich nicht stört, meine Frau hat kein Alkoholproblem und hat von sich aus nichts mehr getrunken. Inzwischen trinkt sie manchmal zum Fernsehen eine Weinschorle, stört mich nach all den Jahren nicht mehr. Na ja, eins nach dem anderen, was immer das auch bedeuten soll ...


    Das war übrigens für mich typisch während meiner versoffenen Zeit: Nur ja kein Aufsehen und Problemen aus dem Weg gehen wo es geht, immer schön versuchen die Schwierigkeiten wegzusaufen.

    Ja, doch du hörtest doch dann auf mit Trinken. Wer beeinflusste denn das?

    Das initiierte meine Frau, indem sie nach meiner Bettelei den Rettungswagen rief und mich einliefern ließ, weil ich Halluzinationen hatte und dummes Zeug erzählte und machte und es mir richtig dreckig ging.

    Nach der Entgiftung dann nüchtern betrachtet, da fasste ich den Entschluss nie mehr - wenn's geht - zu saufen.

    Ob ich ohne die Entscheidung meiner Frau, mir in dem Moment zu helfen, noch am Leben wäre, das wage ich zu bezweifeln.

    Um das auch noch klar zu stellen, ich bettelte nicht darum einen Rettungswagen zu rufen, um mit dem Saufen aufhören zu können, das geschah um diesen hilflosen Zustand zu beenden. Dazu gehört vielleicht noch, dass ich, wenn meine Frau nicht jeglichen Alk im Haus vor meinem Zugriff gesichert hätte, Alkohol als beste und einfachste Lösung zur Verbesserung meines Zustandes gesehen habe.

    Ja, auch wenn sich das vielleicht blöd liest, ich kann mich trotz meines Zustandes an jeden Augenblick dieses Morgens erinnern und wenn ich hier schreibe, laufen diese Momente wie ein Film vor mir ab.

    In dem Zimmer, in dem ich die Halluzinationen hatte und überall schwarze Vögel sah, die aus jeder Zimmerecke, aus Blumentöpfen, aus Lampen, aus Handarbeitskörben ... auf mich zustürzten und mich verfolgten, habe ich nie wieder geschlafen oder irgendwie anders ein Auge zugemacht.

    Würde ich nicht übermäßig getrunken haben. ...

    Und genau das, das konnte ich irgendwann nicht mehr beeinflussen, ob ich übermäßig saufen will/soll/kann ... oder nicht und ab wann das so war, das entzieht sich eh meiner Kenntnis.

    Hm, war ich also verantwortungslos wenn was passiert, das ich nicht mehr beeinflussen kann?

    Ich hatte es paar Mal versucht, immer großartig angekündigt, irgendwelche Ersatzmittelchen besorgt und immer wieder angefangen. Vor neun Jahren hab ich von jetzt auf gleich aufgehört (Oder vor zehn Jahren, hm?) - mir war so - Kippe aus und fertig. Ich hab gemerkt, dass das bei mir ohne großes Kino besser funktioniert - einfach machen. Hält bis heute und sicher auch noch Morgen ...

    Ich musste alles mit mir allein ausmachen und schäme mich es ihr zu erzählen.

    Moin Veru,

    du musstest überhaupt nichts mit dir allein ausmachen, das hast du für dich so entschieden.


    Aus meiner Erfahrung heraus, schreibe ich dir, dass der Weg allein schwierig wird, aber du hast bestimmt schon immer alles allein geschafft und hast die Hilfe anderer wahrscheinlich äußerst selten angenommen und wenn, dann mit Zähneknirschen. Ein Mann kommt da alleine durch, der bittet nicht um Hilfe, wie sieht denn das aus.

    Ob das der richtige Weg ist, ich weiß es nicht, drücke dir aber die Daumen.


    Wir haben hier alle die selbe Krankheit, der Weg damit umzugehen, ist aber oft nicht der selbe, ähnlich ja, aber sonst ... und das ist auch ganz gut so, jeder muss seinen Weg finden. Eins ist Fakt, los werden wir die Krankheit nicht, deshalb wird der Weg auch nicht abgeschlossen sein, auch für dich nicht.


    Mir persönlich hat es unheimlich geholfen, dass ich Personen, die mir nahe stehen eingeweiht habe und ich war unheimlich froh darüber, dass mir jeder mit dem ich darüber geredet habe, Hilfe angeboten hat. Das ging schon damit los, dass ich aufhören konnte anderen - und mir selber - in die Taschen zu lügen, denn nichts anderes ist die Suche nach irgendwelchen Ausreden oder Gründen, die ich anderen aufgetischt habe, um irgendwie zu erklären, warum ich keinen Alk mehr trinke - meine Meinung. Lügen, angeben, Hilfe abwimmeln ... gehörte bei mir zum Saufen wie die Flasche, also war Ehrlichkeit anderen und mir gegenüber, ein erster wichtiger Schritt in die Jahre, die ich nun schon trocken bin.


    Aber wie geschrieben, muss jeder selbst wissen.


    Schöne Weihnachtstage, dir und allen, die hier lesen und schreiben.

    Moin Stehaufweibchen,

    ich drück dir die Daumen, es wird nicht einfach aber es funktioniert.

    Ich hatte auch zwei LT, nach denen es zwar noch paar Jahre dauerte bis ich trocken war, aber aus jeder konnte ich etwas für mich mitnehmen, es war also keine vergebliche Mühe.


    Und bitte, zieh das für dich durch und nicht für deinen Mann oder sonstwen.

    In mancher Leberwurst und in anderen Wurstsorten ist Alk enthalten - steht meistens nicht drauf - , in "After Eight" zum Beispiel auch, in Rosinenstollen ...


    Wegen "After Eight" ,zum Beispiel, ist in Leipzig einer aus der Therapie geflogen, er hatte das von seine Eltern geschickt bekommen und nicht gemeldet und nicht abgegeben, bei einer Kontrolle wurde es gefunden - noch verschlossen - der bekam die Rote Karte und musste abreisen.

    Während der LT in Leipzig wurde gesagt:

    Nicht der Alkohol in der Rotweinsoße ist für euch gefährlich, sondern der Gedanke daran, dass ihr Rotweinsoße gegessen habt und es ist euch nichts passiert.

    Der nächste Gedanke, der nicht weit weg ist:

    Was passiert, wenn ich nur ein Glas Rotwein trinken würde?

    Topema

    So weit ich weiß, wird bei der MPU, das Wissen um die Alkoholeinheiten, nur bei der Entscheidung für das kontrollierte Trinken gefragt. Von mir wollte das bei meiner MPU kein Mensch wissen. Wichtig war für die gute Frau, dass ich mich mit meinem Trinkverhalten auseinander gesetzt und die richtigen Konsequenzen gezogen hatte, wozu auch eine Therapie sowie die Teilnahme an einer Selbsthilegruppe gehörte. Für mich auch logisch, dass ich nicht nach der Widmark-Formel gefragt wurde, denn was will ich damit, wenn ich mich für Abstinenz entschieden habe. (Die MPU habe ich übrigens beim ersten Mal bestanden, also wenn du noch was wissen willst ...)


    achelias

    Wenn jemand vor der 3. MPU steht, dann verwundert mich die Frage danach, was es nach einem Jahr Abstinenz noch zu therapieren gäbe. Wer nach zwei Warnchüssen immer noch besoffen am Straßenverkehr teilnimmt, hat eine Therapie oder Ähnliches doch sehr nötig - meine Meinung. Nach deinem Geschreibsel hier nehme ich an, dass du einer von den Zeitgenossen bist, die die MPU als Strafe ansehen. Kann auch sein, dass ich mich irre ...

    Mein "Senf" zur stationären LZT:

    Ich war 2 Mal für je 16 Wochen in Leipzig in der "Soteria Klinik" (heute glaube ich "Helios").

    Nach beide Therapien hab ich wieder gesoffen, was aber nicht an der Therapie sondern an meiner Einstellung lag.

    Die "Soteria" wurde damals in einem Artikel im "Spiegel" als "Alcatraz von Leipzig" beschrieben, was irgendwie zutraf.

    Super strenge Regeln die konsequent durchgezogen- aber nicht von jedem Patienten verstanden wurden, leider.

    Die Betreuung war aus meiner Sicht allererste Sahne, genügend Personal, super Therapieangebote und Freizeitgestaltung, es war wie im Hotel und alles Kasse. Es geht also.

    Hilft aber alles nichts, wenn der Patient denkt, dass er selbst nichts dazu tun muss, so wie ich damals.

    Trotzdem möchte ich die Zeit nicht missen, die zwei Therapien haben mir sehr geholfen und ich glaube, dass ich ohne sie nicht seit Jahren trocken wäre.