Beiträge von Carl Friedrich

    Vor genau 10 Jahren habe ich das letzte Mal getrunken, bevor ich die leeren Flaschen in den Keller brachte.

    Wie ich mich heute fühle? Frei und unbeschwert. In den Anfangsjahren habe ich mir selbst mal die Frage gestellt, warum ich nicht schon viel früher ausgestiegen bin? Eine vernünftige Antwort habe ich nie gefunden, es war halt die Sucht mit all ihren Facetten, die mich in ihren Bann gezogen hatte. Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit meinem Werdegang gemacht.

    Für morgen steht nichts Großes an, außer dass es mal ins Fitnesstudio geht und für abends habe ich einen Tisch bei einem Japaner reserviert. 10 Jahre müssen halt gefeiert werden, wenn auch im kleinen ehelichen Kreis.

    Den Neuen hier wünsche ich ein offenes Auge, den nötigen Respekt vor der Krankheit und allzeit ein glückliches Händchen bei ihren Entscheidungen. Habt keine Angst, mit der nötigen Ruhe und vor allem Distanz zu trinkenden Zeitgenossen ist schon ein wichtiger Schritt gemacht.


    In diesem Sinne alles Gute.

    Heute habe ich mich meiner Arbeitskollegin anvertraut


    Außerdem kann ich jetzt mit ihr darüber sprechen und kann mich ihr mitteilen wenn es mir nicht gut geht.

    Deine Kollegin ist nicht für Dich und Deine Abstinenz verantwortlich, das ist allein Deine Aufgabe.

    Ob sie insoweit Stillschweigen bewahrt?

    Ich weiß nur, dass Dinge bei uns auf der Arbeit nie lange geheim bleiben. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis sie einmal komplett durch's Haus getragen werden. Und so eine Geschichte eignet sich doch prima zum Tratschen.

    Aus dem Grund habe ich keine so scheinbar netten Arbeitskollegen eingeweiht, das war mir viel zu riskant. Ich bin dort nie als Trinker in Erscheinung getreten, daher bestand dazu keinerlei Veranlassung.

    Ich weiß, es gibt hier Forianer, die es wie Du halten und so einige Zeitgenossen ihrer Umgebung einweihen, weil sie sich davon einen persönlichen Schutz versprechen. Ich habe nur Leute informiert, die es wirklich was angeht. Arbeitskollegen oder Vorgesetzte gehören nicht dazu.

    Ich hoffe, Deine Vorgehensweise geht für Dich auf.

    Volksdroge Nr. 1

    Da denke ich persönlich eher an Nikotin und die dämliche, stinkende Qualmerei, aber dann folgt auch schon der Alk.

    Ich glaube, wenn man abstinent lebt, fallen einem solche Dinge viel öfter auf.

    Stimme ich voll zu. Genau so bin ich zu früheren Zeiten andern Betrachtern aufgefallen.

    kleinen 0,3er-Flaschen

    Kenne ich. Die 0,5 wurden mir gerade in der schönen Jahreszeit zu schnell warm und schal, daher habe ich gerne die 0,3er genommen. Zum Ausgleich wurde halt die Schlagzahl erhöht.

    Fotos nur sehr selten ohne ein Glas Sekt, Wein oder Bier sieht. Oder [noch bezeichnender!] man sieht nur z.B. einen Tisch auf einer Terrasse, gerichtet auf die Berge oder das Meer und: ein Glas mit etwas Alkoholischen drin mit vielen Grüßen aus dem Urlaub oder von sonst wo.

    Kenne ich zur Genüge. Das Posten der Bilder ist doch letztlich nur eine Art von Selbstdarstellung und der Alk ist halt für viele mit dem Begriff der "schönen Momente des Lebens" verklammert. Leider ist halt unsere Gesellschaft ziemlich "versoffen". Sie wird jedoch allein dadurch, dass ich die Flasche weggeworfen habe, nicht einen Deut besser.


    Im Laufe der Jahre fällt mein Blick jedoch nicht mehr auf die Tische der anderen und ich nehme nur noch beiläufig, zumeist gar nicht mehr wahr, ob und was dort getrunken wird. Mein Blick ist nicht mehr so alkoholfixiert wie in meinen Anfangsjahren. Auch meine sinnliche Wahrnehmung musste sich umstellen und ich denke, es ist mir gelungen. Dafür bedarf es aber Zeit, viel Zeit und genau die habe ich. Wie habe ich es so schön gelesen und gehört: "Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit."

    In dem Buch "Röhr- Sucht, Hintergrund und Heilung" (Empfehlung von Userin Thalia) wird das Thema Wut beleuchtet. Daran muss ich bei den letzten Beiträgen denken.


    Der Aussteiger ist wütend, die Wut richtet sich gegen sich selbst und ggf. auch gegen andere. Mir scheint, hier sind einige sehr wütend, weil sie diese schlecht beleumundete Krankheit haben. Nur haben die anderen User damit nichts zu tun, gesoffen hat schließlich jeder für sich selbst und trägt daher für sein eigenes Malheur die alleinige Verantwortung.


    Auch ich war anfangs mal wütend. Es hat eine Weile gedauert, bis sich das legte. Es war bei mir eine Phase, die zwar wieder mal aufflackerte, aber spätestens nach 2 Jahren war das Thema für mich durch.

    Ich hatte schon Nebenjobs, das ist kein Problem sofern es keine Nachtschicht ist, das kann ich problemlos machen, und ja ich bin in ÖD.

    Es geht nicht darum, ob Du es rein faktisch machen kannst, sondern ob Du es auch rechtlich darfst. Ggf. benötigst Du noch eine Nebentätigkeitsgenehmigung Deines Hauptarbeitgebers und die Entgeltfrage der Verrechnung mit Deinen Bezügen bedarf ebenfalls der Klärung, sonst kann es bei Deinem Hauptarbeitgeber Ärger geben.

    Falls Du im ÖffD beschäftigt bist, dann informier Dich mal, ob Du so einen Nebenjob überhaupt annehmen darfst und ob Dein Zusatzverdienst auf Deine Bezüge angerechnet werden. Der öff. Dienstherr mag es nicht so gerne, wenn seine Leute "fremdgehen".

    Heftig wird es bei Beamten, insbesondere wenn sie vorzeitig auf eigenen Antrag oder wegen Dienstunfähigkeit in Ruhestand gehen. Dann wird bis auf einen Kleckerbetrag fast alles auf die Pension/Bezüge angerechnet, zumindest bis zum regulären Renten-/Pensionsalter.


    Gute Infos hierzu gibt es auf den Seiten der Finanzverwaltung, in NRW beim LBV.

    Augen auf beim Einkauf: Im Discounter kam ich an einem Gewürzregal vorbei, in denen Chiliflocken angeboten wurden. Wir nehmen die ja gerne zum Schärfen. Was durfte ich lesen: Chiliflocken-Bourbon. Habe sie nicht gekauft. Ich glaube zwar nicht, dass die in Bourbon getaucht und dann getrocknet wurden, eher dürfte etwas Chemiepampe mit Bourbonaroma versprüht worden sein. Aber so gepanschte Chilis wollen wir definitiv nicht.

    Aber was es nicht alles gibt. Auch am Gewürzregal empfiehlt es sich, selbst bei scheinbar einfachen Produkten lieber etwas genauer hinzuschauen und auf Nummer sicher zu gehen.

    Ich sehe es positiv, dass mir so was auch nach all den Jahren noch auffällt. Schnell hat man sich vergriffen.

    Unabhängig davon, dass mir niemand eine Laudatio für meinen Weg in die Trockenheit gehalten hat und sich viele nur mit Höflichkeitsfloskeln bedienten und sie es toll fanden, kam da nichts. Es ist ja nichts Besonderes für Nicht-Alkoholiker.

    Genau so ist es.

    Ein Nichtalki kann nicht einschätzen, wie hart der Ausstieg aus der Droge ist. Nichts oder wenig zu trinken ist für ihn völlig normal.

    Irgendwie klingt es für mich schon nach Minderwertigkeitskomplexen, wenn Belobigungen oder Auszeichnungen erwartet werden, nur weil der Konsum von Alk unterlassen wird. Wir sind nicht der Nabel der Welt, sondern einfach Erdbewohner, die lange Zeit das Falsche getan und nach viel zu langer Zeit auf den Pfad der Vernunft zurückgekehrt sind.

    Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Gute (sie war übrigens absolut nüchtern) hätte es gerne gehabt, dass wir praktisch ein letztes Mal auf die Vergangenheit und die Zukunft angestoßen hätten. Sagte dies aber nicht direkt.

    Da sie von meiner Krankheit nichts wusste, zog ich mich wieder einmal mit fadenscheinigen Ausflüchten aus der Affaire.

    Getrunken habe ich nichts; die Flasche blieb zu. Die Flasche nicht annehmen, das konnte ich nicht (Ich meine hier: Das brachte ich nicht übers Herz).

    In so einem Fall hätte ich die Flasche wahrscheinlich auch entgegen genommen und zu erst bester Gelegenheit weiter verschenkt.

    Auch hätte ich ihr erklärt, dass ich nicht mehr trinke und daher mit ihr nicht anstoßen kann und werde.

    Ich weiß, andere hier hätten hier anders reagiert.

    Übrigens: Mein ehemaligen Trinkkontakte sind allesamt eingeschlafen. Ich habe keinerlei Kontakt mehr zu Personen, mit denen ich früher mal gemeinsam gezecht habe.


    Irgendwo im I-Net habe ich zu Beginn meiner Abstinenz mal von einer Langzeitabstinenten gelesen: "Und dann war nichts mehr so wie es mal war." Es war mir schon damals klar, dass sie insbesondere ihr privates Umfeld meinte.


    Das ist halt der Preis meiner Freiheit. Ich habe ihn gerne bezahlt. Denn meine Freiheit vom Alkohol ist mein Leben und genau das ist nicht verhandelbar.

    Es hat bei mir schon ein Weilchen gedauert, eher Jahre als Monate, bis sich das bei mir so gesetzt hatte.

    Denkt bitte nicht ich teste mich, es war einfach nur spontan so ergeben.

    Alles richtig gemacht. So bin ich in den ersten Monaten auch vorgegangen. Ich habe selbstverständlich Cafes aufgesucht. Anfangs hätte ich genau sagen können, wenn jemand Alk vor sich stehen hatte. Heute fällt mir so was gar nicht mehr auf. Warum? Jahrelang war mein Blick alkoholbezogen. Diese Verknüpfung galt es zu lösen. das dauerte halt ein Weilchen.


    Ein Test wäre es gewesen, wenn Du in den Biergarten oder eine Kneipe marschiert wärst und um Dich herum nur Biertrinker gesessen hätten.

    Für mich klingt das zu sehr nach einer „Hintertür offen lassen“, zu sehr nach noch „verhandeln“ oder mich auf ein „vielleicht “ einzulassen.

    Ich lasse für mich nichts offen und ich relativiere auch nichts. So ist halt meine Sicht der Dinge, wenn Du meinst, mit dem Vorschlag von Viola für Dich besser klar zu kommen, dann mach es genau so.

    Wir sind alle unterschiedlich, daher gibt es auch differenzierte Einschätzungen. Letztlich entscheident ist das Ergebnis, das am Ende herauskommt und das sollte stabile Abstinenz lauten.


    Und genau dafür wünsche ich alles Gute.

    Wenn du aus vollem Herzen sagen kannst: „ich werde nicht mehr trinken“

    Das habe ich noch nie zu mir gesagt, weil ich es weder wissen, noch garantieren kann. Ich kann nur versprechen, mich intensiv darum zu bemühen, wobei Viola dann wieder beim Versuch landet. Und wer es erst gar nicht versucht, der wird weiter trinken. Daher hinkt der Versuchsvergleich, zumindest für mich.


    Mir persönlich hat die 1-Tagesregel in der Anfangszeit sehr geholfen: "Heute trinke ich nicht!". Das habe ich mir morgens nach dem Wachwerden innerlich geschworen.


    Worin liegt der Unterschied? Im Zeitfenster. Der eine Tag ist gut überschaubar, das "nie mehr" erscheint endlos lang und wenig greifbar. So erging es mir damals.

    Kleiner Tipp: Vernachlässige Dein Abstienztraining nicht. Schau hier am besten jeden Tag mal rein. Allein das Aufrufen des Forums und das Lesen einiger Beiträge hält Dir das Problem wieder undd wieder vor Augen. Mir hilft es, hier regelmäßig, nicht unbedingt täglich, rein zu gucken.

    In der Anfangszeit, so die ersten 3 Jahre hat mir geholfen, mich bei Auftauchen von Trinkgedanken sofort selbst zur Ordnung zu rufen: "Halt! Stopp! Ich will trinken, da stimmt etwas nicht." Dazu die Mitteilung an Vertrauenspersonen, den Partner, einen Freund, dieses Forum. Allein das Aussprechen oder Schreiben von Trinkgedanken können eine heilsame Wirkung entfalten und den Griff zur Flasche unterbinden.


    Und jetzt steck den Kopf nicht in den Sand. Es war hoffentlich ein heilsamer Schock, das schlimme Ende eines Besäufnisses nebst Fortsetzung am heutigen und den nächsten Tagen ist aus geblieben. Verglichen mit dem Straßenverkehr hast Du einen kleinen Parkplatzrempler hingelegt, der zwar ärgerlich, aber auch nicht gravierend ist. Daraus gilt es für die Zukunft zu lernen.


    In diesem Sinne alles Gute

    Auf der anderen Seite ist die Stimme in mir, die mir zuflüstert, dass ich doch irgendwann wieder trinken kann.

    Der Einflüsterer ist ein Gruß vom Suchtgedächtnis. Das bleibt, nur die Abstände wurden bei mir immer größer. Jetzt blitzt es bei mir nur noch ab-und an mal auf. Ich habe mich daran gewöhnt und sehe es im Gegensatz zu früher nicht mehr negativ, sondern gewinne dem Gruß sogar positive Dinge ab. Ich werde daran erinnert, das da was ist und wahrscheinlich nie mehr verschwindet. Ich habe in all den Jahren gelernt, damit umzugehen.


    Damit ich nicht leichtsinnig werde und dem Einflüsterer womöglich Gelegenheit gebe, sein schädliches Potential zu entfalten, bin ich hier. Nicht täglich, aber sehr regelmäßig. Es ist wie Training für mich, ein Abstinenztrainung. So lange ich trainiere, wird alles gut. So einfach sehe ich es mittlerweile.