Du bist erst ein paar Wochen dabei. Der Körper ist zwar schnell entgiftet, aber mit der Denke dauert das wesentlich länger. Wer wie ich, jahrelang gesoffen hatte, bei dem dauert es schon einige Zeit, bis sich auch das Hirn neu orientierte.
Bin ich in den ersten Monaten mal in ein Straßencafe gegeenagen, sondierte mein Blick als erstes, wer Alk auf dem Tisch hatte. So war es nämlich früher bei mir. Sah ich Trinker, hatte ich auch keine Hemmungen, mir gleich mal ein Weißbier zu bestellen. Das war sozusagen der Startschuss.
Mir erklärte mal jemand in meiner Therapie: "Immer, wenn ich in den Getränkemarkt komme, um Wasser und Cola zu kaufen, fällt mein Blick als erstes auf den Kühlschrank, ob und wieviel da gekühlt vorrätig liegt"
Das Denken des frisch Abstinenten ist halt noch sehr alkoholfixiert. Diese verknüpfung zwischen Cafebetreib/Getränkemarkt und dem Alk löste sich bei mit der Zeit.
Wie heißt es so schön: "Rom wurde nicht an einem Tag gebaut." Ein zufriedenes abstinentes Leben auch nicht.
Solche Gedankenblitze vom Suchtgedächtnis kamen gerade in der Anfangszeit sehr oft vor, das bessert sich mit der Zeit. Die Abstände werden immer größer. Selbst jetzt nach über 10 Jahren kommen ganz selten mal solche kurzen Ruckler bei mir vor. Ich komme damit klar, denn sie erinnern mich daran, das dort etwas ist, was zu mir gehört und wohl auch nie mehr weg sein wird.