Beiträge von Carl Friedrich

    Endlich Frühling, zumindest meteorologisch. Bin gleich besser drauf als im Winter, den ich überhaupt nicht mag, es sei denn, ich könnte ihn südlich des Äquators verbringen.


    Heute mal eine ordentliche Runde auf dem Rad gedreht, an einer Tanke etwas 0-Cola gegen den Durst geholt, keine Gedanken an den Konsum alkoholischer Getränke oder gar Suchtverlangen verspürt. Ich merke, ich bin schon lange in der Abstinenz beheimatet.


    Wenn ich hier bei manchern Neulingen so lese, wie schwer es doch falle, gar nicht mehr mit den alten Saufkumpels abhängen zu können, muss ich irgendwie schmunzeln. Saufkumpane? Zu denen habe ich schon seit Jahren keinerlei Kontakt mehr. Wenn ich mal einen treffe, gibt's ein "Hallo", ab- und an etwas "small talk", aber das war es schon. Uns verbindet überhaupt nichts mehr.


    Mein Leben verläuft in Etappen. Die Saufetappe, die viel zu lange gedauert hat, ist hoffentlich endgültig vorbei.


    *edit* Zitat gelöscht*

    ich keinen eindeutigen Unterschied von Menschen mit und ohne (bekannten oder mutmaßlichem) Alkoholproblem in der Reaktion auf mich als Abstinenzler entdecken kann.

    OK.


    Die Beobachtung habe ich in meinem Umfeld nicht machen können. Weinigtrinkern war und ist es völlig schnuppe, dass ich nichts trinke. Vieltrinkern habe ich durch meine Abstinenz wohl einen Spiegel vorgehalten. Der Anblick hat nicht immer Gefallen ausgelöst.

    Mit zunehmender Dauer meiner Abstinenz ist jedoch der Kontakt zu Vieltrinkern eingeschlafen. Sie passen nicht zu mir und ich nicht (mehr) zu ihnen.


    Bei neuen Kontakten halte ich mich automatisch von Leuten fern, die ein gestörtes Verhältnis zum Stoff zeigen, den anderen sage ich, wenn ich überhaupt noch mal gefragt werde, dass ich nichts trinke. Das wird bislang so akzeptiert. Nachfragen hat es schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gegeben.

    Möglicherweise war es aber die Zeit wo ich normalerweise mit dem Trinken begonnen habe

    Das kenne ich zur Genüge.

    In den ersten Monaten kam am Freitag nachmittag häufig dezenter Druck auf, weil ich mich früher zu der Zeit stets mit dem Stoff fürs Wochenende eingedeckt hatte. Das legte sich mit der Zeit.


    Das ist halt die Verknüfung im Suchtgedächtnis zwischen einer bestimmten Situation und dem Trinken. Diese muss sich erst lösen und das benötigt halt Zeit.

    Ich habe zu keiner Zeit auf Säfte verzichtet, jedoch presse ich selbst. Nur ab- und an mische ich mir mal eine Apfel- oder Johannesbeerschorle an. Pur ist mir das Zeuig viel zu süß.

    Und Kaffee trinke ich ebenso und zwar den richtigen "mit" Koffein. Getriggert wurde ich davon noch nie.

    Früher habe ich Bier und Schnaps missbräuchlich gesoffen und nicht zu viele Äpfel oder Bananen in mich rein gestopft.


    Sind diese "Empfehlungen" denn nicht schon überholt? Ich frage mich, ob sie auch noch heute im Jahr 2024 in stationären Therapien nahe gelegt werden? In meiner ambulanten Therapie 2015 war dies defintiv nicht der Fall.

    Der Wille ist ganz stark da.

    Der Wille allein hält einen leider nicht abstinent, da muss schon mehr hinzukommen, denn die Sucht ist stärker als der Wille. Ohne ihn läuft jedoch gar nichts.


    Du bist erst ein paar Tage dabei. Ich bin anfangs gut mit der 1-Tagesstrategie gefahren, indem ich mir jeden Morgen vorgenommen habe: "Heute trinkst Du nichts." So kam dann Tag zu Tag und Woche zu Woche, bis ich diese Form der Autosuggestion nicht mehr benötigte.


    Was ich ausdrücken möchte, gehe Deinen Weg weiter Schritt für Schritt. Alles Weitere tritt dann noch hinzu.


    Mir haben gerade zu Beginn Fachliteratur, meine ambulante Therapie und dieses Forum hier geholfen. Es war halt der 3-Klang der verschiedenen Hilfen, die mich unterstützt haben, mich aus meinem Schlamassel zu befreien.

    Ich habe aber Angst vor einer Situation, bei der ich es nicht schaffe.

    Wirklich Angst oder lediglich die Befürchtung, ggf. einer Situation nicht gewachsen zu sein. Sich den nötigen Respekt vor dem Alkohol zu bewahren ist m.E. eine der Grundvoraussetzungen für den gelungenen Ausstieg aus der Droge Alkohol.


    Ich bin jetzt schon ein paar Jahre dabei, aber Angst habe und hatte ich keine.


    Wer gerade zu Beginn, insbesondere im ersten Jahr, den Weg der Risikominimierung geht, reduziert die Gefahr, plötzlich vom Suchtverlangen verführt zu werden. Dazu gehört es, erst mal einen großen Bogen um saufende Zeitgenossen und Ereignisse zu machen, bei denen der heftige Konsum von Alk im Vordergrund steht und der eigenen Abstinenz, der Gesundheit und somit dem eigenen Leben die absolute Priorität im Leben einzuräumen, dem alles andere konsequent unterzuordnen ist.


    Diese Angst hat wohl jeder hier und sie ist auch begründet.

    Widerspruch: Ich nicht.

    Und soweit ist es beurteilen kann, etliche andere, die langjährig dabei sind, auch nicht.

    Aktuell meinen viele ich würde nur fasten.

    Und wenn die Fastenzeit vorbei ist und Du trinkst immer noch nichts, kommt vielleicht die Frage nach dem "warum" auf.

    Dann liegt es an Dir, was Du dem Fragenden erzählst. Hier im Forum wird die Frage, wer alles eingeweiht wird, sehr unterschiedlich gehandhabt. Einige gehen sehr offen mit dem Thema um, andere, zu denen ich gehöre, haben nur diejenigen eingeweiht, die es wirklich was angeht und den Kreis sehr eng gezogen. Die ach so netten Arbeitskollegen gehören da sicherlich nicht zu.

    Insofern gibt es m.E. keine allgemein empfehlenswerte Richtschnur. Das entscheidet letztlich jeder für sich selbst.

    Was ich schlimm an unserer Gesellschaft finde, wenn man Alkohol ablehnt, wird man nahezu ausgegrenzt.

    Das dachte ich anfangs auch mal. Diesen Gedanken gaukelt Dir Dein Suchtgedächtnis vor. Dein Blick und Deine Denke sind einfach noch zu alkoholfixiert.

    Das legte sich bei mir mit der Zeit.


    Der Körper ist schnell entgifet, aber bei der Psyche und dem Denken dauert es wesentlich länger, als mal eben ein paar Tage keinen Alk rein zu kippen.


    Ich kann Dir versichern, ich bin weder ausgeschlossen, noch ausgestoßen, nur die Kontakte zu früheren Saufkumpanen sind eingeschlafen. Statt dessen habe ich mir neue Kontakte aufgebaut und zwar zu Leuten, die allenfalls moderat etwas trinken, also nicht so wie ich es früher getan habe.

    Denen ist es egal, ob ich etwas mittrinke oder nicht, weil für sie der Alkohol eine völlig andere Funktion hat als früher bei mir. Da sie selbst kein Problem mit dem Stoff haben, ist es ihnen auch wurscht, weshalb ich nicht trinke. Ihre Denke dreht sich halt nicht um das Suchtmittel, sondern um ganz andere Dinge.


    Neugierig waren nur Leute, die selbst ein problemtaisches Trinkverhalten haben. Durch meine Abstinenz habe ich ihnen wohl einen Spiegel vorgehalten und das abgebildete Antlitz schien ihnen nicht so recht zu behagen.


    Mach Dir weniger Gedanken um irgendwelche Leute und zieh Dein Ding konsequent durch.

    Du bist auf dem richtigen Weg und es geht spürbar voran. Das große Ärzteprogramm gehört einfach ins Abstinenzprogramm, damit Du weist, woran Du bist.

    Obwohl mein Körper vom Alkoholkonsum gezeichnet ist, ist es nicht zu spät, es gibt Hoffnung. Es ist wunderbar zu sehen, wie mein Leben sich in nur wenigen Wochen so positiv verändert hat. Das macht mir Mut.

    Das liest sich überzeugend.


    Weiterhin viel Geduld, Freude und Zuversicht

    Mein Suchtgedächtnis meldete sich gerne, wenn ich in Situationen kam, in denen ich früher gertunken habe. Genau das lese ich bei Dir auch.


    Die Gewohnheiten (bestimmte Situation = Konsum) müssen halt umprogrammiert werden. Geholfen hat mir, die Verknüfung zwischen Situation und Trinken zu erkennen und mich im Vorfeld einer solchen Situation auf mögliches Trinkverlangen vorzubereiten. Hatte ich esschon vorher auf dem Schirm, dass ggf. das Suchtgedächtnis herumzicken kann, lief es für mich zumeist wie am Schnürchen.


    Dies nur als kleiner Tipp, der mir sehr geholfen hat. Vorbereitung war für mich die "halbe Miete."


    Heutzutage benötige ich diese Strategie nicht mehr, da ich schon mehrfach allen Situationen begegnet bin, in denen ich früher getrunken hatte.

    Mich schüttelt es, wenn ich mich für den Rest meines Lebens als Alkoholiker bezeichnen MUSS. Nach einer gewissen Zeit würde ich gerne sagen: Ich war abhängig und war Alkoholiker, ohne dabei zu vergessen, dass ich eine Alkoholallergie habe.

    Wie Du Dich bezeichnest, ist Deine Sache. Du "musst" schon mal gar nichts.


    Ich habe mich gegenüber Dritten, nur ganz wenige Personen im engsten Umfeld sind eingeweiht, noch nie als (trockener) Alkoholiker bezeichnet. Warum auch? Ich wurde selten gefragt, ob ich keinen Alk (mehr) trinke. Ein einfaches "nein" genügte. Nur selten fügte ich noch hinzu, dass er mir nicht mehr bekommt und es mir "ohne" bedeutend besser geht. Was für einen Reim sich mein Gegenüber darauf gemacht hat, ist mir wurscht. Ich lebe jetzt knapp 9 Jahre abstinent und bin mit diesem Kurs gut und unfallfrei gefahren. Heutzutage bin ich als Abstinenzler sicherlich kein Exot in der Gesellschaft und fühle mich auch nicht so.


    Es hat mich in meiner ehemaligen "analogen" SHG stets gestört, wenn sich die Teilnehmer dort vorstellten: "Ich bin die/der ... und Alkoholiker.." Dieses Bekenntnis wurde mantraartig aufgesagt und letztlich wie ein heilige Monstranz vor sich her getragen. Einmal äußerte ich dort bei Erscheinen eines Neulings, an dem Tag war ich auch zu Scherzen aufgelegt :"Und ich bin hier, weil ich viel zuviel Schokolade gefuttert habe."

    Andere hier im Forum pflegen einen wesentlich offeneren Umgang mit ihrer Krankheit. Wenn ihnen dieser offene Umgang hilft und ihre Abstinenz absichert, machen sie für sich alles richtig.

    Entscheidend ist wie immer im Leben das Ergebnis. Wenn das zufriedene Abstinenz lautet, hat der Betroffene verdammt viel richtig gemacht. Und letzteres nehme ich für mich in Anspruch.

    Glückwunsch zu Deinem ersten Jahr in Freiheit, auch wenn es Dir als Jahreszahl weniger bedeutsam erscheint. Vielleicht hast Du es auch nur etwas unglücklich formuliert. Denn Du hast uns mit der Nase drauf gestoßen und das war sicherlich beabsichtigt.

    Also hat das Jahr sehr wohl eine Bededutung für Dich, Du wolltest Dich nur wohl nicht wichtig tun.;)

    Lass noch viele weitere Jahre dazu kommen. Viel Glück.

    ist mir nun klar geworden, das die Frage "Was ist Alkoholmissbrauch?" keine medizinische, biologische oder technische ist, sondern eine ethisch/moralische.

    Dem habe ich widersprochen.

    Wenn eine Botschaft nicht so rüber kommt wie es der Verfasser gerne hätte, liegt es nicht immer am Empfänger, der angeblich "nicht richtig liest", sondern häufig am Sender, der ungenau und missverständlich formuliert.:wink:

    Es ist die Krux der schriftlichen Kommunikation, dass sie ohne soziale Interaktion geschieht, bei der kleine Missverständnisse direkt klar gestellt werden können.

    Dank eurer Antworten ist mir nun klar geworden, das die Frage "Was ist Alkoholmissbrauch?" keine medizinische, biologische oder technische ist, sondern eine ethisch/moralische.

    Diese Schlussfolgerung ziehe ich nicht. Alkoholmissbrauch ist selbstverständlich gesundheitsschädlich und daher medizinisch (biologisch) relevant.

    Weshalb missbräuchliches Trinken nicht schädlich sein soll, kannst Du gerne mal erläutern. Da bin ich mal gespannt.


    Das abhängige Trinken knüpft letztlich ans missbräuchliche Trinken an, wenn der Betreffende nicht mehr "ohne" kann, also für sich gesehen trinken muss.


    Ich frage mich jedoch, was Dir die Unterscheidung bringt, wo doch -so meine bescheidene Meinung- die Übergänge letztlich fließend sind. Ich kann heute nicht mehr sagen, wann mein missbräuchliches -nach Deiner Lesart wohl unschädliches- Trinkverhalten in ein süchtiges umschlug. Den Kippunkt kann ich für mich nicht benennen.


    Oder suchst Du nur einen Aufhänger für Dich, dass Du lediglich missbräuchlich getrunken hast, jedoch nicht süchtig?;)


    Wenn Du Dich als Alkoholiker siehst, ist der frühere Missbrauch vor dem süchtigen Saufen für Dich letztlich irrelevant, weil Du nie wieder in ein Stadium vor dem Missbrauch zurückgelangen wirst.


    Sucht ist eine Einbahnstraße, der Weg führt immer nur nach vorne, niemals mehr zurück in frühere Zeiten vor dem Missbrauch/Suff.


    Oder geistert bei Dir im Hirn noch irgendwo der Gedanke umher, irgendwann in der Zukunft, da ginge doch noch mal was mit dem moderaten und gesellschaftlich akzeptierten Trinken?


    ich vergleiche meine Sucht gerne mit einer Allergie. es gibt etliche Leute, die an Intolleranzen leiden und bestimmte Lebensmittel nicht konsumieren dürfen, ohne zu erkranken. Bei mir ist es halt der Alkohol, den ich nicht vertrage und auch nie mehr vertragen werde.