Beiträge von Carl Friedrich

    Nein, der Alkoholiker hat egoistischer Weise das Privileg alleine für sich trocken zu bleiben, das unabhängig von Lob und Tadel.

    So sehe ich es auch.

    Dazu eine kleine Anleihe an der "Internationalen", obwohl ich sonst mit Kommunismus und Sozialismus überhaupt nichts am Hut habe, aber in dem Punkt stimme ich zu:

    "Es rettet uns kein höh’res Wesen,


    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun


    Uns aus dem Elend zu erlösen


    können wir nur selber tun!"

    Und wenn dieses schwierige Werk vollbracht ist, wäre ein Lob aus berufenem Munde durchaus angebracht.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo Veru!

    Mir ist der Ausstieg aus dem aktiven Teil der Sucht erst gelungen, als ich bereit war, meiner Abstinenz absolute Priorität im Leben einzuräumen, rückhaltlos zu ihr zu stehen und ihr alles andere unterzuordnen. Dazu gehört es, in den ersten Monaten, in denen ich noch wackelig unterwegs war, riskanten Situationen aus dem Weg zu gehen.

    Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Alkohol geradezu allgegenwärtig ist. Das heißt jedoch auch, ihm nicht noch entgegen zu gehen oder gar nachzulaufen.

    Ein wichtiges Unterscheidungskriterium war und ist für mich, ob die von mir besuchte Veranstaltung mit dem heftigen Konsum von Alkohol verbunden ist oder ob der Alkohol nur eine untergeordnete, unwichtige bzw. beiläufige Rolle spielt. Zu Saufveranstaltungen gehe ich nicht hin, das halte ich im Kopf nicht aus, da gehöre ich nicht hin.

    Vorsichtig bin ich nach knapp 7 Jahren immer noch, wenn bei einer Veranstaltung fast alle Alkohol konsumieren.

    In den letzten Jahren haben sich zum Glück und wie ich es hier im Forum oft las, die Kontakte verändert. Der Kontakt zu früheren Saufkumpels ist weggebrochen. Das Bindeglied Alkohol ist weggefallen. Ersetzt wurden sie durch Leute, die sehr wenig bis gar nicht trinken. In diesen Kreisen fühle ich mich wohl und da gefährdet und stört es mich auch nicht, wenn mal hier und da ein Glas Wein oder Bier getrunken wird.

    Es ist in den ersten beiden Jahren schon eine Gratwanderung, was der Proband machen und letztlich riskieren kann. Wir sind unterschiedlich gestrickt. Was mich kalt lässt, kann andere schon mächtig triggern und in schweres Fahrwasser geraten.

    Ich muss nichts durchhalten, oder den Druck durch Techniken austricksen.

    Die Formulierung wirkt auf mich irgendwie trotzig. Hattest Du schon mal richtig fetten Suchtdruck, der Dein Denken bestimmt, Dich mental kräftig durchschüttelt? Ich bin froh, dass ich weiß, was dann zu tun ist. Zum Glück werden die Abstände des Drucks immer größer. Das letzte Mal ereilte es mich vor ca. 2 1/2 Jahren.

    Wenn Du in so einer Situation auf die bewährten Methoden anderer Abstinenter zurückgreifen kannst, um Dich selbst aus einer misslichen Situation zu befreien, dann hast Du einen wichtigen Schritt in Richtung Abstinenz absolviert.

    Ich gehe grundsätzlich nur hin, wenn ich mich jederzeit diskret aus dem Staub machen kann. Ich gucke es mir nicht an, wie die Leute sich einen hinter die Binde kippen.

    Auch das ist m.E. ein wichtiger Aspekt bei der (Wieder-)teilnahme am sog. gesellschaftlichen Leben. Sich eine Rückzugsmöglichkeit offen zu halten. Als Abstinenter verhalte ich mich wie ein Pferd, das bekanntlich ein Fluchttier ist. Wird es brenzelig, bin ich weg.

    Übrigens... in 0,0 ist auch nur 0,0. Und es schmeckt halt auch nicht nach dem typischen Bier. Eher wie ein ISO Getränk.

    Es schmeckt überhaupt nicht, deshalb lasse ich es weg.

    Und noch etwas zu dem besagten Gesöff: Es sieht exakt so aus wie Bier und es wird entweder aus der Bierflasche (dieselbe Form) oder Biergläsern ausgeschenkt. Das sind 2 zusätzliche optische Reize, die auf Dein immer noch einwandfrei funktionierendes Suchtgedächtnis einwirken. Du siehst die Originalbierflasche mit dem Namen der Biermarke und dazu die passenden Biergläser.

    Ich habe anfangs noch ein paar besonders schöne Weißbiergläser behalten. Eines Tages kam ich an einem warem Sommerabend auf die Idee, aus so einem Trinkgefäß einfach mal Apfelschorle zu trinken. Sogleich sprang mein Suchtgedächtnis an und piesackte mich mit Suchtdruck. :wink:

    Meine Bier- und Schnapsgläser habe ich mittlerweile alle entfernt, verschenkt und weggeworfen.

    Mit diesem Kurs, der auch nicht immer so geradlinig verlaufen ist wie er sich jetzt hier liest, bin ich zufrieden und unfallfrei unterwegs.

    Vielleicht kannst Du mit meinen Ausführungen und Erfahrungen etwas anfangen und aus ihnen einen Nutzen ziehen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo Veru!

    Ich schildere Dir mal meine Erfahrungen mit sog. alkoholfreiem Bier, das oftmals nur alkoholarm ist.

    Früher habe ich das Zeug mal in meinen Saufpausen getrunken. Von da an war es nicht mehr weit bis zum ersten richtigen Bier. Die alkfreie Variante ist m.E. nur ein Ersatzstoff wie das Methadon für den Heroin-Junkie, da der gewünschte Kick nicht eintritt. Geschmeckt hat mir diese Brühe nun wirklich nicht, denn Alkohol ist ebenso wie Fett nun mal ein Geschmacksträger.

    Nach ein paar Versuchen mit dem Zeug sagte ich mir stets: "Jetzt trinkst Du hier eine Brühe, die Du eigentlich gar nicht magst, da kannst Du Dir doch lieber ein richtiges Bier gönnen, bloß eins." Bei dem einen "Richtigen" ist es natürlich nicht geblieben und kurz darauf habe ich wieder gesoffen wie vor der Saufpause.

    So viel zu meinen Selbstversuchen in Sachen alkoholfreies Bier. Seit Beginn meiner Abstinenz habe ich keins mehr angerührt.

    Vielmehr verfahre ich nach der bewährten Devise: "Alles, was aussieht wie Alkohol, riecht wie Alkohol und schmeckt wie Alkohol, ist tabu." Und damit bin ich knapp 7 Jahre gut unterwegs.

    Zum auswärtigen Essen bestelle ich mir gerne Saftschorlen und dazu noch Mineralwasser zum Verdünnen, da mir die normalen Schorlen zu süß sind.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Die Frage zu den Rufnummern ist spitzfindig und kommt in dieser Form allenfalls in sog. Intelligenztests vor, um dem Probanden zügig den Stempel "Blöd" zu verpassen.

    Autogas und CNG sind Auslaufmodelle, da kräht in ein paar Jahren eh kein Hahn mehr nach. Wie viele brauchen das Zeug für ihre Karre? Eine verschwindend kleine und völlig unbeachtliche Minderheit.

    Das zeigt aber wieder, das ein nicht unerheblicher Teil der Fragen schlichtweg überhaupt nichts mit den wirklichen Anforderungen an einen sicheren Fahrstil zu tun haben.

    Zum Glück werden diese "Schwachsinnsfragen" nur mit wenigen Fehlerpunkten geahndet.

    Ich würde ohne gründliche Vorbereitung heute in Bausch und Bogen durchfallen :wink:

    Gruß

    Carl Friedrich

    Ich muss vier mal jährlich zur Onkologie und sollten die Maschinen wieder etwas finden, kann ich mit Sicherheit nicht garantieren, das Trinken und alles was dazu gehört nicht wieder zu starten

    Hallo!

    Ich kann auch nicht garantieren, nie mehr zu trinken, aber ich bemühe mich darum.

    ich schreibe absichtlich nicht einen Rückfall zu haben, weil ich, wenn ich es tue, mich bewusst dafür entscheide.

    Jeder Rückfall geschieht bewusst und willentlich, nämlich durch einen zielgerichteten Griff zur Flasche. In dem Moment des Zugriffs und des Trinkens handelt der Proband mit entsprechendem Vorsatz.

    Anders sieht es mit dem versehentlichen Konsum von Alk aus z.B. in Speisen oder Soßen. Ich achte zwar auf alk-freie Zubereitung, schließe jedoch nicht aus, mal hier oder da in einem Restaurant etwas Alk-haltiges gegessen, nicht getrunken, zu haben.

    Und betone auch nicht, dass es mir nichts ausmacht, wenn neben mir was Alkoholisches getrunken wird. Ich stelle das fest. Nun bewege ich mich auch nicht dort, wo gesoffen wird. Da steht mal irgendwo ein Wein oder Bier zum Essen (auswärts) auf den Nachbartischen und natürlich fällt mir das auf und ich registriere das genauso, als wenn mein Tischnachbar ein größeres Entenbein bekommt als ich oder wenn einer ein fettes Eisbein serviert bekommt. Das fällt mir auf.

    Das geht mir genau so. Die Gläser geraten nun mal in mein Blickfeld, das kann ich gar nicht ausblenden. Entscheident ist, was der Blick mit mir macht. Löst er Konsumgedanken aus und können diese ggf. rasch verworfen werden?

    Gruß

    Carl Friedrich

    Ich habe von Anfang meines jetzigen Weges bedingungslos kapituliert. Heißt, niemand anderes ist verantwortlich für mich. Keine SHG, kein Glauben , Familie, Freunde und so weiter. Ich mache meine Abhängigkeit nur von mir selbst abhängig.

    Aus einem anderen thread mal hier her gezogen, da es hier m.E. gut passt.

    Jeder sollte selbst und für sich rückhaltlos zur Abstinenz stehen und diese Verantwortung nicht auf dritte Personen verlagern, da nur wir selbst für uns verantwortlich sind.

    Es ist sicherlich ermutigend für den Probanden, wenn diese Entscheidung zusätzlich von außen unterstützt wird. Jedoch sollte das mittelfristige Ziel sein, auch ohne den flankierenden Schutz auf sicheren Beinen stehen zu können.

    Andernfalls ist eine Gefahr für die Abstinenz nicht auszuschließen, wenn diese zu sehr von Dritten abhängig gemacht wird oder deren Einfluss zu groß wird.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Ich hoffe diese Worte können ein wenig inspirieren

    Nein, mich nicht.

    Ich sage euch liebe Leute, hätte ich den Glauben nicht gefunden, ich würde heute wieder trinken

    Wenn es Dich clean hält, machst Du für Dich alles richtig.


    spätestens jetzt, mit dem Kriegsbeginn in der Ukraine hätte ich das als Vorwand benutzt um wieder zur Flasche zu greifen

    Daran habe ich nicht einmal ansatzweise gedacht.

    Kurze Frage: Bist Du in die Fänge einer Sekte wie den Zeugen Jehovas geraten?

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    ein Zusammensein mit einem Weitertrinker für mich nicht möglich sein. Ich hab so viel geändert, mir gehts meistens gut und jetzt das

    Du hast Dir selbst die Antwort gegeben. Schütze Dich selbst und Deine Gesundheit. Setz Deine Abstinenz an oberste Stelle, der alles andere, wirklich alles nachgeordnet ist. Nur so haben sich viele Abstinente aus dem Griff der Flasche befreien können.

    Den Ärger rauszulassen tut mir jedenfalls gerade echt gut.

    Das ist schon mal gut und richtig. Nur wäre es ratsam, dem verbalen Rauslassen auch entsprechende Taten folgen zu lassen, auch wenn es erst mal weh tut, sonst wird das für Dich womöglich zu einem perpetuum mobile. Und genau das gefährdet dann Deine Abstinenz.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Viel Süßkram, teilweise anfallsartig, und so gesehen ähnlich oder analog zu meinem Trinkverhalten.

    Dein Körper giert nach Zucker. Jahrelang hat er den Alkohol in Zucker verstoffwechselt und den möchte er jetzt einfach. Das geht leider vielen Neueinsteigern so. Mit der Zeit wird es besser.

    Über den Süßkram habe ich Gott sei Dank so einigermaßen die Kontrolle, sozusagen kontrolliertes Futtern. :lol:

    Meine heiß geliebte Schokolade habe ich auf Zartbitter umgestellt. Da reicht mir ein Riegel und nicht gleich die ganze Tafel wie bei der Vollmilchvariante.

    Setz Dich bloß nicht zu sehr unter Druck. Der Süßkram ist Deine wesentlich kleinere Baustelle und vielleicht lassen sich da ja mittelfristig Kontrollschranken einziehen. Bei mir hat es geklappt.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Glückwunsch zu Deinem ersten Jahr in Freiheit.

    Das erste Jahr ist das schwerste, ab jetzt wird es immer leichter, auch wenn es ab- und an noch mal etwas ruckeln kann, wenn das Suchtgedächtnis noch mal um die Ecke kommt.

    Du liest Dich gut, der nötige Respekt vor den Tücken der Krankheit ist vorhanden. Weiter so.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Zu Deinem Nachbarn: Es ehrt Dich, ihm unter die Arme zu greifen, aber so ganz fest sitzt Du noch nicht im Sattel.

    Riskant wird es für Dich, wenn er rückfällig wird. Da besteht die Gefahr, das er Dich als seine Vertrauensperson womöglich mit rein reißt.

    Ich muss gestehen dass ich ihm vor gut 1 Monat Nachschub besorgt habe, weil er mich darum bat.

    Das war eine äußerst riskante Nummer für Dich. Da hätte es bltzschnell zu einem Rückfall kommen können. Für jeden Helfer gilt erst mal die Eigensicherung. Und die hast Du in dem Moment vernachlässigt.

    Nächste Woche Gesprächstermin zur Selbsthilfegruppe. Wobei ich sagen muss, dass ich wahrscheinlich doch eher Abstand nehmen werden von dem Gedanken einer realen Gruppe; aus beruflichen Gründen. Ich finde das macht aber nichts

    In meiner ehemaligen SHG gab es auch "Teilzeitteilnehmer", die aus beruflichen Gründen (Schichtarbeit) halt nur 1-2x monatlich teilnehmen konnten. Vielleicht lässt sich in der avisierten Gruppe so etwas arrangieren?

    Du bist noch ganz am Anfang Deines Weges. Da Du keine Therapie machst, wäre es überlegenswert, auch noch einen unmittelbaren Austausch von Angesicht zu Angesicht zu probieren. Es ist in den ersten Monaten doch etwas anderes, sich live zwischen Gleichgesinnten und unmittelbar mit erfahrenen Abstinenten auszutauschen als nur mit jemand, der noch tief im Schlamassel steckt.

    Am wichtigsten waren mir in meiner Therapie und später in der analogen SHG die Ausführungen der Rückfälligen, da konnte ich viel mitnehmen.

    Wohl gemerkt: Ein "Muss" ist es genau so wenig wie eine Therapie zu machen. Es gibt hier einige Mitglieder, die nur mit diesem Forum und ggf. noch Fachliteratur clean geworden und geblieben sind. Ich habe über die beiden Punkte hinaus auch noch eine ambulante Therapie gemacht.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo und willkommen!

    Glückwunsch zu Deinen ersten Schritten in die richtige Richtung.

    Eine analoge SHG neben diesem digitalen Forum ist eine gute Sache.

    Der Versuch, sich selbst ein Trinklimit zu setzen und dies nicht zu überschreiten, hat bei mir auch nicht funktioniert. Das nennt sich Kontrollverlust und ist ein wichtiges Indiz für den Alkoholismus.

    Schau Dich hier erst mal in Ruhe um.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Ist es nicht besser, erstmal eine Zeit lang Risikominimierung zu betreiben? Sich zu stabilisieren, ohne auf Konfrontation zu gehen?

    Das sage ich schon seit Jahren. Erst die wackelige, anfangs ungewohnte Abstinenz festigen und dann behutsame Schritte ins gesellschaftliche Leben zurück. Dazu gehört, sich mal eine Weile zurückzunehmen und auf gewisse Festivitäten, bei denen der Konsum von Alk eine wichtige Rolle spielt, zu verzichten.

    Ich habe es leider öfter erlebt, dass Neueinsteiger dem Alk förmlich hinterher liefen und sich wunderten, weshalb sie rückfällig wurden. Besonders gerne wogen sie sich in falscher Sicherheit, nachdem ihre Risikonummer ein paar Male gut gegangen war. Dann wurden sie noch leichtsinniger, hielten sich irgendwie für unangreifbar und es kam zum heftigen Rückfall.

    Aber so ist unser "Geschäft" nun mal. Manche müssen erst ein paar Male heftig auf die Schnau... fallen, bis sie so weit sind, ihr Verhalten kritisch zu reflektieren und Ratschläge erfahrener Abstinenter, nicht mehr als bloße Schläge zu empfinden.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Ich habe Schwierigkeiten mit der Fragestellung.

    Gemeint ist wohl: Was ist mir einen Rückfall wert? Welches Ereignis ist so gewichtig, dass ich mir bewusst einen Rückfall genehmige oder zumindest das konkrete Risiko eines Rückfalls eingehe und ihn somit billigend in Kauf nehme?

    Oder lautet die Frage: "Welchen Wert hat ein Rückfall"? Dann ginge es wohl um den immateriellen oder materiellen Wert, der dem Rückfall beigemessen werden soll?


    Egal, wie ich die Frage drehe und wende, mir fällt keine gescheite Antwort ein und bleibe lieber clean. :wink:

    Gruß

    Carl Friedrich

    Ich werde künftig ohne Geld und Karten aus dem Haus gehen. Bei der Arbeit brauche ich kein Geld. Und ab nächster Woche habe ich ein E-Auto, das ich zuhause laden kann, d.h. ich muss auch nicht mehr an die Tankstelle. Da würde mich bei euch übrigens interessieren, ob ihr zu eurer aktiven Zeit Menschen ward, die sich auch mal an der Tanke was geholt haben und wie ihr am Anfang eurer Nüchternheit mit dieser anonymen Möglichkeit an Alk zu kommen umgegangen seid. Würde mich sehr interessieren, auch damit ich mich besser einschätzen kann.

    Hallo!

    Was ist, wenn Du dochmal plötzlich Geld benötigst? Du hast einen Unfall und kannst nicht weiter fahren? Oder brauchst ein Medikament aus der Apotheke? Oder die E Karre springt nicht an und Du musst mit dem ÖPNV nach Hause?

    Bargeld- und kartenlos? Auf die Idee wäre ich nie gekommen. Da käme ich mir entmündigt vor.

    An der Tanke hatte ich mich gerne am Wochenende , wenn die Vorräte ausgetrunken waren, noch mal Nachschub geholt, da sie genau meine Marken anbieten.

    Aber die Tanke soll doch bei Dir wegfallen. Also ist das Thema erledigt. Ansonsten Tunnelblick aufsetzen, die Augen allein auf die Kasse fixieren, dort zahlen und genau so wieder raus. Nach ein paar Malen tanken ist die Verknüpfung Tanke = Stoff überschrieben.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Das ist die eine Möglichkeit:

    sollte es mal vorkommen, dann bedanke ich mich, dass er sich die Mühe gemacht und an mich gedacht hat, und sage ihm aber dann, dass es mir jedoch jetzt irgendwie leid tut, weil ich keinen Alkohol mehr trinke.

    Die andere:

    Der Frau/Partnerin mitnehmen oder an Nachbarn/Kollegen/Freunde/Bekannte... verschenken.

    Vorteil von Nr.1: Demnächst kommt der Schenker mit etwas Gescheitem ohne Alk oder, was mir am liebsten ist, mit "leeren Händen", dann stehe ich wenigstens nicht im obiligo :)

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Schön, dass Du Dich meldest. Das Eingestehen eines Rückfalls ist immens schwer.

    Die äußeren Umstände, die den Rückfall begünstigt haben, hast Du ja aufgezählt. Du warst mit der Situation schlichtweg überfordert.

    Hättest Du hier geschrieben, dass Du die Pullen mit nach Hause genommen hast, hätte es hier sicherlich eindeutige Hinweise gegeben. Das Forum kann Dir nur helfen, wenn Du Hilfe zulässt und Dich meldest, wenn etwas nicht in Ordnung oder gar Gefahr im Verzug ist.

    Sieh es mal so: Der Alkohol ist nicht Dein Freund, er wird auch nie einer werden, denn Du kannst mit ihm nicht umgehen. Also halte ihn Dir auf Abstand.

    Fehleranalyse gelungen? Ich denke schon. Das Buch von Borowiak war super. Ich finde den Typen klasse. Der war im stationären Entzug und kann sich selbst auf die Schippe nehmen statt im Selbstmitleid zu versinken. Das wird jetzt Teil meiner Strategie. Sich selbst noch zu mögen. Wieder aufzustehen. Weiter zu machen.

    Zu Frau/Herrn Borowiak: Google mal Borowiak und schau mal in den Artikel in der FAZ.

    Willst Du ihm jetzt nacheifern? Das wäre m.E. keine besonders gute Idee. B. ist einmalig und hatte etliche Rückfälle und Entgiftungen. Da willst Du hoffentlich nicht anknüpfen? :wink:

    Schau nach vorne, habe Respekt vor dem Alkohol und komm ihm erst mal nicht zu nahe. Ich habe anfangs Risikominimierung betrieben, in dem ich allen Risiken, so gut es eben ging, ausgewichen bin.

    Viel Glück.

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Glückwusch zu Deinen ersten Monaten in Freiheit. Und dan gleich beide Probleme in Angriff genommen, das Nikotin und den Suff. Mein Respekt.

    Viele hier schaffen zwar den Ausstieg aus dem Alkohol, qualmen jedoch munter weiter :wink:

    Die ersten Wochen waren der reinste Selbstäufer. Aber seit 2 Wochen habe ich anfallsartig und wiederholt starken Saufdruck gehabt. Das macht mir Angst und ich weiß dass ich nun proaktiv dagegen ankämpfen muss.

    Das kenne ich in etwas von mir. Nach ca. 3 Monaten setzte heftiger Suchtdruck ein wie ich es nie erlebt hatte und es sich auch nur einmal wiederholte. ich bin bald 7 Jahre clean.

    Das ist halt wie eine Art Bergprüfung bei einer Radrundfahrt. Da müssen wir durch.

    Der Suchtdruck dauert nicht ewig, sondern verzieht sich auch wieder.

    Und zuletzt vergangener Freitag, wo sich diese innere Stimme wieder meldete und ich im Supermarkt einen wahren Kampf mit mirselber ausfocht, mehrmals zum Bierregal hingegangen bin und wieder weg. Ich bin an dem selben Abend um Mitternacht nochmal raus und fand mich vor meiner Stammkneipe stehend wieder. Ich schaute durch das Fenster und sah viele alte Bekanntschaften.

    In meinen ersten Monaten setzte jeweils am Freitag Nachmittag so ein diffuses Gefühl und ein latenter Schmacht auf Bier ein, weil ich früher am WE heftig gesoffen hatte. Diese Verknüpfung zwischen WE und Alkohol musste erst mal durchbrochen werden. Das wurde mit der Zeit besser, bis es eines Tages ganz verschwunden war.

    Das Geheimnis liegt im Suchtgedächtnis begründet, das nur beschränkt vom Willen beherrschbar ist. Das Suchtgedächtnis funktioniert wie eine schlechte Software, die sich nicht aus dem Hirn deinstallieren,, sondern nur überschreiben lässt und dennoch gelegentlich zu zicken anfängt.

    Da musste halt bei mir so einiges überschrieben werden. Auch das geht nicht innerhalb weniger Tage, das benötigt Zeit, nämliche viele Wochenenden, an denen nicht getrunken wird.

    Die Stammkneipennummer war m.E. hoch gefährlich. Wenn einer der Saufkumpels Dich gesehen und in die Kneipe gewunken oder eingeladen hätte, dann wäre die Abstinenz konkret gefährdet gewesen. Daher rate ich Dir, Deine ehemaligen Sauftreffs erst mal weiträumig zu umfahren, bis Du gefestigter bist.

    Weiterhin gutes Gelingen wünscht

    Carl Friedrich