Beiträge von Carl Friedrich

    Tiefpunkt ist vielleicht eine etwas ungenaue Bezeichnung. Sie ist jedoch ebenso prägnant wie der Begriff der Kapitulation vor dem Alkohol.

    Es geht um den Punkt, als es endlich klar wurde, dass es so nicht weiter gehen kann und etwas unternommen wird (Kontakt zur Suchtberatung, digitale und/oder analoge SHG, Fachbücher...)

    Der hartnäckige Trinker hat halt Job, Haus und Hof versoffen, andere empfangen das nötige Signal zum Einhalt wesentlich früher, häufig befeuert durch äußere Umstände (Führerschein, Arbeitgeber, Familie, Freunde, Ärzte).

    Ich werde mich hier rausnehmen wenn ich nicht gewollt bin.

    Hallo!

    Das hat hier keiner geschrieben. Wie Du selbst ausführst, bist Du stark gereizt durch deine Situation und scheinst zu Überreaktionen zu neigen.

    Wir haben hier alle mal "klein" angefangen, ich vor mehr als 6 Jahren. Du bist jetzt 5 Tage clean, da gilt es anzuknüpfen und jetzt Tag für Tag den nächsten Schritt zu gehen.

    Mir hat es anfangs geholfen, mir morgens nach dem Wachwerden fest vorzunehmen: "Heute trinkst Du nichts." Auch habe ich mich in Literatur gestürzt, aus Patienten- und Therpeutensicht.

    Vielleicht kannst Du damit ja was anfangen.

    Gruß Carl F.

    Scheinbar stimmt der Satz: Frau/Mann muss erst ganz unten angekommen sein

    Ich spreche lieber vom persönlichen Tiefpunkt. Der jeweilige Schwellenwert ist halt unterschiedlich hoch. Häufig ist zu beobachten, dass der Anstoß, etwas gegen die Trinksucht zu unternehmen, von außen gesetzt wird, z.B. der Familie, dem Arbeitgeber, der Führerscheinstelle nach einer Trunkenheitsfahrt.

    Nicht jeder hat bereits Haus und Hof versoffen, bis er zur Einsicht gelangt, gegenzusteuern.

    Interessant Carl F. Zwingend ist es nicht aber ist es sinnvoll? (rhetorische Frage)


    Loslösung vom Alkohol heißt für mich nicht nur das Glas wegstellen. Sondern auch jegliche Verbindungen zum Alkohol neutral zu betrachten. Das geht jedoch nicht von heute auf morgen. Ich brauchte Jahre dazu.

    Am Anfang des Weges haben suchtorientierte Gedanken jedoch noch die Überhand ohne das man sie selbst erkennt.

    Meine Gedanken schweifen nun mal hin- und her. Mal sind sie sinnvoll, mal nicht.

    Mit der erwähnten Neutralität zum Alkohol stimme ich dir zu. Mir ist es wurscht, ob andere trinken, sollen sie es tun. Für mich ist es nichts. Das ist alles was für mich zählt.

    Seeblick : Nach 1 1/2 Jahren war ich auch noch etwas unsicherer unterwegs als heute nach mehr als 6 Jahren, in denen sich die Abstinenz eingeschliffen hat. Ich betrachte es als meine persönliche Entwicklung. Nur ab- und an habe ich mir schon mal die Frage gestellt, warum ich nicht schon früher, sagen wir mal so 10 Jahre in etwa, auf den Trichter gekommen bin? Aber ich war einfach noch nicht so weit und habe Lehrgeld in Form von Lebensqualität und Lebensjahren bezahlt. Die versoffene Zeit kann ich nicht mehr aufholen, aber aus ihr für die Zukunft lernen.

    Gruß

    Carl F.

    Aber auch ein Zeichen das man damit, für sich, noch nicht ganz abgeschlossen hat. Man will ja irgendwie noch dazugehören aber kann es nicht mehr.

    Die Schlussfolgerung halte ich nicht für zwingend. Wenn ich heute mal in der Stadt oder anderswo mittags oder nachmittags Leute beim Bier sehe, denke ich mir manchmal, wie gut, das ich das nicht mehr brauche und über das Stadium hinweg bin. Ich neide den Leuten weder das Bier, noch die Gesellschaft.

    Es mag sein, dass die These auf andere Herrschaften, die noch frisch im Geschäft sind, durchaus zutreffen kann.

    Man kann nicht immer dem Alkohol aus dem Weg gehen. Auf der Abiturfeier unseres "Kleinen"

    fand ich es persönlich nicht tragisch, dass Alkohol getrunken wurde. Denn nicht alle haben

    ein Problem mit dem Alkohol. Die meisten Menschen haben eher einen normalen Umgang mit Alkohol.

    Nur ich kann das halt nicht. Sollen deswegen alle auf mich Rücksicht nehmen?

    Hallo!

    Genau so handhabe und sehe ich es auch. Allerdings halte ich mir immer eine Fluchtmöglichkeit offen. Falls mich der Konsum anderer zu stören beginnt, dann bin ich weg. Allerdings gehe ich nicht zu Ereignissen, bei denen in Wirklichkeit der Suff im Vordergrund steht und das wahre Bindeglied der Veranstaltung ist. Der Sektumtrunk bei einer Feier lässt mich kalt. Ich nehme ein Glas Wasser und das war es dann auch schon.

    Gruß

    Carl F.

    Ich stehe wegen der letzetn Nachricht ein wenig auf dem Schlauch. Ich habe mich hier vor 6 Jahren registriert und eine gültige email Adresse, die jedoch nicht meinem tatsächlichen Namen entspricht, hinterlegt. Die hinterlegte email Adresse existiert noch, ich nutze sie auch anderweitig und Nachrichten erreichen mich da auch.

    MfG

    Carl F.

    Sorry Mexico!

    Aber das kann ich für mich nicht nachvollziehen. Eine Woche neben einem Dauertrinker. So was halte ich im Kopf keine Stunde aus, also sehe ich keine Veranlassung, mich mit so was zu belästigen. Das tue ich mir nicht an.

    Ich habe mich von allen früheren Saufkumpanen gelöst. Es war genau die richtige Entscheidung.

    Gruß

    Carl F.

    Hallo Mexiko!

    Ich mag das Wort auch nicht und nenne mich nicht so. Alkoholiker bin ich erst, wenn ich wieder Alk konsumiere. Ich kann nicht mit ihm umgehen und werde es auch niemals können. Damit habe ich meinen Frieden gemacht.

    Wie nennt man ehemalige Raucher? Nichtraucher.

    Wie nennt man einen cleanen Junkie? Sicherlich nicht Junkie.

    Wie nennt man einen cleanen Kiffer? Sicherlich nicht Kiffer.

    Warum soll das beim Alkohol plötzlich anders sein? Das erschließt sich mir nicht.

    Ich bezeichne mich als abstinent. Ich trinke keinen Alkohol, weil er mir nicht bekommt und es mir ohne ihn bedeutend besser geht. Das reicht als Antwort, falls überhaupt mal jemand fragen sollte.

    Gruß

    Carl F.

    Hallo Iwona!

    Herzlichen Glückwunsch zum Dutzend. Bei mir ist es gerade mal die Hälfte.

    Dennoch habe ich mir auch schon mehrfach die Frage gestellt, wieso ich nicht schon früher den Ausstieg geschafft habe. Antwort: ich war einfach noch nicht so weit, ich war einfach noch nicht so weit. Ich musste mich durch Saufpausen hangeln, um mich selbst zu täuschen, bis ich endlich an dem Punkt angelangte, dass ich nicht einmal mehr eine kurze Pause hinbekam.

    Ich bin mir sicher, dass es das Wesen der Sucht ausmacht, erst den eigenen Tiefpunkt zu erreichen, bis jemand in der Lage ist, sich aus dem aktiven Teil der Sucht zu lösen.

    Das Leben wird nach vorne gelebt und nach hinten verstanden. Zumindest wäre das mit dem Verständnis wünschenswert.

    Gruß

    Carl F.

    Joschi : Wenn Du mit deiner Taktik 7 Jahren gut gefahren bist, machst Du für dich alles richtig. Das ist dann dein Weg, den Du gefunden hast und der sich bewährt hat.

    Sue : So geht es mir auch. Der Alkohol spielt in meinem Leben keine Rolle mehr. Meine Gedankenwelt dreht sich zumeist um andere, für mich wichtigere Dinge. Auch das ist ein riesiger Vorteil der längeren Abstinenz.

    Gruß

    Carl F.

    Trotzdem betrachte ich mich nicht als "geheilt".

    Denn "geheilt" gibt es bei der Alkoholkrankheit nicht!

    Mir gehts gut, ich habe keinerlei Probleme mit Alkohol, ich muss nicht trinken - trotzdem leide ich weiter an dieser Krankheit und muss aufmerksam sein.

    Das heisst aber nicht, daß ich Angst haben muss.

    Respekt sollte man aber haben; vor den fiesen Maschen des kleinen "Alkoholteufelchens" in unserem Geist. Der versucht es nämlich immer wieder.

    Hallo!

    Du hast recht, Heilung gibt es nicht. Krank fühle ich aber auch nicht. Krank werde ich erst, wenn ich wieder trinke.

    Ja, der Respekt, so sehe ich es auch. Manche nennen es auch Demut, ein Begriff, der mir zu unterwürfig klingt.

    Ich stolpere über dein Wort "leiden". Woran leidest Du denn genau? Ich leide nämlich nicht, dass ich abstinent bin. Das ist für mich völlig normal geworden.

    Anfangs habe ich es auch mit dem Wort "Teufel Alkohol" versucht. Das stellte sich für mich als Irrtum heraus. Es gibt keinen Teufel und der Alkohol ist auch keiner. Er ist völlig passiv und tut mir nichts. Gefährlich wird es erst, wenn ich mich auf ihn einlasse, aktiv auf ihn zugehe und ihn trinke.

    Aber ich weiß, was Du meinst, nämlich das Suchtgedächtnis. Das ist schon eine ziemlich unangenehme Sache, das es sich nicht komplett löschen, sondern nur überschreiben lässt. Es ist weiterhin unsichtbar vorhanden und schlägt gelegentlich Kapriolen, die einen gewaltig nerven können. Jedoch werden die Abstände immer größer. Ich bin schon seit längerer Zeit verschont geblieben. Dennoch kann es sich jederzeit zurück melden. Dann weiß ich, was ich zu tun habe .

    Gruß

    Carl F.

    Hatte auch nichts anderes erwartet. Und das ist gut so.

    Dann hoffe ich mal das die Impfung uns das gibt was sie verspricht. Ein Stück Normalität.

    Danke Hartmut!

    Das hoffe ich auch. Absoluten Schutz gibt's leider nicht. Aber auch das Zeug von der Insel verhindert im Fall der Fälle wenigstens 'ne heftige Erkrankung und das ist auch schon mal was wert.

    Ansonsten können wir nur vorsichtig sein, das ist die halbe Miete. Der Rest ist einfach Glück oder Pech. So wie wir z.B. im Straßenverkehr jederzeit verunfallen können, auch wenn wir noch so gut aufpassen.

    Alles Gute

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo Hartmut!

    Lange nichts mehr von dir gelesen.

    Auf dem Foto lese ich was vom Impfen? Schon dran gewesen? Ich habe mir Ende März 'ne Dosis Astra geholt. War der einzige Stoff, den ich zu dem Zeitpunkt haben konnte. Ich habe ihn gut vertragen.

    Ansonsten bin ich "unfallfrei" unterwegs.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Da bin ich sehr überrascht über die Renovierung dieses Forums.

    Mein Dank gilt Karsten und seinen Mitstreitern, die sich unermüdlich für dieses Forum eingesetzt und zu dem gemacht haben, was es ist: das beste deutschsprachige Forum zu dieser Krankheit.

    Eine prima Idee ist es, an alte Traditionen anzuknüpfen, und den internen Bereich wieder von der Zahlungspflicht zu entkoppeln und damit mehr Betroffenen die Möglichkeit des direkteren Austauschs zu eröffnen.

    Ansonsten geht es mir den äußeren Umständen der grassierenden Seuche entsprechend. Ich kann das Thema schon nicht mehr hören.

    In einem Hamburger Magazin las ich: "Ich bin in eine neue Pandemiephase eingetreten: den verschont-mich-mit-den-Einzelheiten-Lockdown". Das gefällt mir.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Das schriebst Du an anderer Stelle:

    Sorgen machen mir meine Freizeitgruppen in der Nach-Coronazeit (Skattruppe, Fußball-Oldies). Traditionell immer sehr Alk-Lastig.

    Das ist in der Tat ein Problem.

    Ich rate, in den ersten Monaten Kontakte zu Personen zu meiden, die gerne einen heben.

    Willst Du weiter Fußball spielen, dann wäre eine vernünftige Erklärung angezeigt, warum Du an der anschließenden Bier- und ggf. Schnapsrunde nicht teilnimmst.

    Skatrunde: Ich gehe davon aus, dass während des Spiels gezecht wird. Ob Du an einer saufenden Kartenrunde als Nüchterner überhaupt Spaß hast, wage ich zu bezweifeln. Mir gehen Zecher ab einem gewissen Pegel (mehr als 1 Pulle Bier) auf die Nerven. Da gehöre ich nicht mehr hin.
    Bei mir steht der Selbstschutz klar im Vordergrund. Das führte letztlich dazu, dass meine Kontakte zu früheren Zechkumpanen ganz eingeschlafen sind. Das stört mich nicht.

    Anfangs ist es schon ein sonderbares Gefühl, dass Leute, mit denen einen etwas verbindet, plötzlich eine Gefahr für die eigene Gesundheit darstellen können. Aber wie gesagt, meine eigene Gesundheit hat Vorrang. Ihr ordne ich alles unter, da schließe ich keine wachsweichen Kompromisse.

    Vielleich versuchst Du es mal mit einer analogen SHG und triffst dort auf Mitstreiter, die Spaß am Skat haben. Und dann bewegen sich alle 3-4 auf demselben nüchternen Level.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Iwona!

    Klasse, dass Du weiterhin deinen abstinenten Weg gehst.

    Den richtigen Zeitpunkt für den Übergang in das Rentnerdasein zu finden, ist nicht einfach. Das ist neben der finanziellen, auch eine Frage der persönlichen Identifikation und Zufriedenheit mit der eigenen beruflichen Tätigkeit, als auch der vernünftigen Ausfüllung des Mehr an Freizeit.

    Die Struktur des Tages erfährt einen völligen Bruch. Ich weiß noch nicht, ob ich mich darauf freuen soll, aber ich habe ja noch ein paar Jährchen. Die verbleibenden Jahre sind schon einstellig.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. So erging es mir in der Anfangszeit. Und genau da knüpfst Du an. Du bist Dir bewusst, dass sich vor und an den Feiertagen Suchtdruck einstellen kann. Jetzt noch eine Strategie, um ggf. aufkommenden Druck aus dem Weg zu gehen, dann wirst Du schon über die Runden kommen. Nach in etwa einem Jahr Abstinez wird es erfahrungsgemäß leichter, weil Du dann alle Herausforderungen im Laufe eines Jahres bereits einmal gemeistert hast. Da stellt sich dann eine gewisse Routine ein, auf die Du bauen kannst.

    Alles Gute wünscht
    Carl Friedrich