Beiträge von Carl Friedrich

    M.E. habt Ihr beide (Pellebär und Hartmut) wichtige Aspekte genannt:

    Für mich zählt die innere Einstellung, sie ist die tragende Säule meiner Nüchternheit. Wenn ich mir selbst gegenüber nicht uneingeschränkt akzeptiere, dass ich alkoholkrank bin, wird meine Nüchternheit immer auf wackeligen Beinen stehen. Erst als ich das erkannt habe, konnte ich dauerhaft trocken werden.

    Absolut zutreffend, die innere Einstellung ist der Schlüssel zum Erfolg. Wer nicht krankheitseinsichtig ist und absolut hinter seiner Entscheidung der Abstinenz steht und womöglich noch glaubt, irgendwann könne er/sie wieder wie ein Normaler was trinken, bei dem ist ein Rückfall zumeist vorprogrammiert.

    Bei mir hat es schon ein paar Monate nach Beginn meiner Abstinenz gedauert, bis ich den stillen Gedanken an eine Heilung im Sinne eines möglichen späteren Konsums über Bord werfen konnte.

    Zur Abhängigkeit ist es ein schleichender Prozess aber auch zum Rückfall. Gerade wenn ich die eigene Selbstsicherheit / Überzeugung das mir nichts passieren kann über die Sucht stelle.

    Ein erfahrener Suchtmediziner, der nicht nur mit Alkis zu tun hatte, gab mir am Ende meiner ambulanten Therapie mit auf den Weg: "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit dem Problem auseinandersetzt."

    Das ist genau der Beginn des besagten schleichenden Prozesses. Man verliert das Problem mangels Beschäftigung aus dem Auge und wird über die Zeit leichtsinnig. Das Suchtgedächtnis, das auch nach Jahren noch prima funktioniert, leistet dazu noch volle Schützenhilfe.


    Gruß

    Carl Friedrich

    Ist aber OK. Wenn du damit nichts anfangen kannst ist es deins. Alles (unangenehmes) löschen, was mit der Krankheit zu tun hat, ist auch ein Weg. ;)

    Tue ich das?

    Übrigens: Ich weiß, wo ich herkomme und wo ich nicht mehr hin will.

    Ich erlaube mir nur, gewisse Dinge und seien es schwammige und unpräzise Ausdrücke sowie Ratschläge z.B. für den Umgang mit dem eigenen Umfeld, kritisch zu hinterfragen und mir meine eigene Meinung zu bilden.


    Bislang übrigens unfallfrei.

    Gruß

    C. Friedrich

    Nichts für ungut. Ich kann schon mit dem Begriff "nasses Denken" nichts anfangen. Dafür gibt es keine allgemeingültige Definition.

    Der Begriff wird in diesem Forum gerne gebraucht, um anderen Leuten die nötige Ernsthaftigkeit abzusprechen, abstinent zu leben. Insbesondere wenn sie es wagen, nicht alle Ratschläge, die manchmal nur "Schläge" sind, zeitnah und unwidersprochen umzusetzen.

    Aus diesem Grund verwende ich für mich, so gut es eben geht, gewisse Begriffe, die ich unpassend finde, nicht mehr. Dazu gehören "nasses Denken", aber auch "trockener Alkoholiker" oder Kapitulation.

    Ich habe für mich in den letzten Jahren gelernt, dass es vielfältige Gründe gibt, alkoholkrank zu werden. Es gibt jedoch auch mehrere Wege aus der Krise hinaus. Diese unterschiedlichen Wege haben eine gemeinsame Konstante, das erste Glas stehen zu lassen und sich im Kopf frei von dem Gedanken zu machen, dass irgendwann doch noch mal was mit dem Stoff gehe.

    Wenn ich das beherzige, bin ich auf einem guten Weg.

    Übrigens: Ich weiß, wo ich herkomme und wo ich nicht mehr hin will.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Wir sind ein Forum, in dem sich alkoholkranke Menschen austauschen, um dauerhaft abstinent zu leben.

    Geht es dir hier dieses Thema oder eher um deinen Rechtsstreit mit der Deutschen Rentenversicherung?

    Ich werde da aus deinen Ausführungen nicht richtig schlau.

    Auch Hartmut hat dir ein paar Fragen gestellt.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo und willkommen Dieter!

    14 Jahre clean sind eine ganz schön hohe Hausnummer. Glückwunsch.

    Gleichzeitig danke ich für deine Ausführungen zu deinem Rückfall nach jahrelanger Abstinenz. Was kann ich nach erst 6 1/2 Jahren Abstinenz für einen Nutzen aus ihnen ziehen? Dass ich mir meiner Sache nicht zu sicher sein sollte. Bin ich mir zu sicher, hebe ich womöglich ab und das bekommt mir nicht.

    Schon in meiner ambulanten Therapie habe ich am meisten von den Rückfälligen gelernt. Da kann ich bei dir nahtlos anknüpfen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Die dramatischen familiären Probleme haben eindeutig Priorität. Den Saufkumpel sortierst Du besser aus deinem Leben aus. ich unterhalte keine Kontakte mehr zu Leuten, mit denen ich früher gesoffen habe. Ich habe mich verändert, mein Leben ist ein ganz anderes. Darin ist kein Platz für zechfreudige Leute. Mit moderaten Gelegenheitstrinkern habe ich überhaupt kein Problem, es stört und triggert mich nicht.

    Wie gut, dass du nüchtern bist und damit auch eine Unterstützung für sie (wenn sie mag) und deine Kleine.

    Genau so ist es. Nur abstinent ist es dir möglich, die Probleme zu bewältigen und deinem Kind ein Ratgeber und Vorbild zu sein.

    Alles Gute und Glückwunsch zur 50.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo Tobi!

    Bei einer analogen SHG müssen schon die Zusammensetzung und die berühmte Chemie stimmen. Die letzte Gruppe habe ich vor mehr als 4 Jahren besucht.

    Dieses Forum ist ja letztlich auch eine Gruppe und das gleich 24/365.

    Ich werde sehen wem ich mich in naher Zukunft anvertraue und wem nicht. Letztendlich muss ich mich vor niemandem rechtfertigen, wenn ich nichts trinke.

    Das praktiziere ich genau so. Nur ersetzte ich den Begriff der Rechtfertigung durch Erklärung. Ich habe nur diejenigen informiert, die es wirklich was angeht. Der Kreis ist sehr klein und überschaubar.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Bei diesen Freunden habe ich jetzt schon seit vielen Jahren die Feiertage und den Jahreswechsel verbracht -- immer nüchtern. So kommt es, daß ich schon seit Jahren über die Feiertage nichts gesoffen habe. (Dafür aber davor und danach immer reichlich. Das wird dieses Mal anders sein.) Das war wichtig, das zu organisieren. Da kann ich jetzt einen Haken dran setzen.

    Hast du denn auch einen Plan für "davor und danach"? Wenn du zu den Zeitpunkten immer getrunken hast, kannst du dir schon eine Alternative überlegen.

    Hallo!

    Hab bitte auf dem Schirm, dass sich gerade in den Tagen vor und nach dem Fest, als Du immer kräftig gebechert hast, Suchtdruck einstellen kann. Wenn Du dich vorher auf diese Möglichkeit mental einstellst, wird es halb so wild. So war es bei mir und möglichen triggernden Ereignissen wie Urlaub und der Weihnachtszeit. Nicht, dass Du auf dem falschen Fuß erwischt wirst. Gute Vorbereitung im Vorfeld ist m.E. enorm wichtig.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Es gibt unterschiedliche Wege, um sich dem Klammergriff des Alkohols zu entziehen. Ich bin jetzt seit knapp 6 1/2 Jahren (musste gerade nachrechnen) clean.

    Bei mir war es die Kombi: Ambulante Therapie, Fachliteratur, Internetrecherche und dieses Forum, die meinen Ausstieg mit vielen guten Ratschlägen, jedoch auch Kritik zu rechten Zeit, begleiteten. Da gibt es keine feste Daumenregel. Es gibt unterschiedliche Gründe für ein Abgleiten in den Alkohol und mehrere Wege wieder heraus. Jeder muss halt den für sich richtigen finden.

    Es gibt hier einige User, die allein mit diesem Forum clean geworden und abstinent geblieben sind.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo und willkommen!

    Dein Körper hat sich nach 2 Monaten ohne Gift umgestellt. Das gilt es jetzt mal gründlich durch einen Arzt überprüfen zu lassen incl. eines großen Blutbildes. Schlappheit kann auf einen Vitaminmangel zurückzuführen sein. Ich nehme im Winterhalbjahr regelmäßig Vitamin D zusätzlich ein. Das erörterst Du am besten mit dem Doc.

    Einen Diskurs, wie es den Mitgliedern nach exakt 3, 4 oder 6 Monaten ging, wirst Du in der Form hier nicht finden. Lies dich erst mal in die Tagebücher ein, wenn Du freigeschaltet bist. Dies erfolgt, wenn Du dich als Alkoholiker siehst und eine lebenslange Abstinenz anstrebst.

    Möchtest Du dagegen das sog. Kontrollierte Trinken durchführen, dann bist Du hier verkehrt. Der Alkoholismus ist gerade durch den Kontrollverlust gekennzeichent d.h. ein Alkoholiker kann den Konsum im Regelfall gerade nicht kontrollieren und ein Nichtalkoholiker braucht es nicht.

    Was hast Du noch gegen die Krankheit unternommen? Warst Du mal bei der Suchtberatung?

    Gruß

    Carl Friedrich

    Und doch gibt es noch irgendwo einen Winkel in meinem Gehirn, der über das kontrollierte Trinken nachdenkt. Obwohl ich weiß, daß das eine verdammte Illusion ist, nicht mehr -- der Zug ist schon vor vielen, vielen Jahren abgefahren. Wie kommt das?

    Hallo!

    Den Gedanken hatte ich in der ersten Zeit auch. Es dauert halt 'ne ganze Weile bis das Suchtgedächtnis überschrieben ist. Mir haben die Ausführungen von Rückfälligen in meiner ambulanten Therapie geholfen, wie schnell sie wieder bei alten Schlagzahlen und noch darüber angelangt waren. Deren Ausführungen harmonierten halten mit der Suchtfibel und anderen Werken der Literatur zu unserer Krankheit.

    Setz dich wegen des Gedankens nicht unter Druck. Mach dir nur immer wieder klar, dass es für uns kein Kontrolliertes Trinken geben kann, weil wir nicht kontrollieren können (Kontrollverlust als Indikator für unsere Krankheit).

    Irgendwann verflüchtigt sich der Gedanke hoffentlich.

    Erwarte nach etwas mehr als 2 Monaten nicht, dass Du schon so weit bist wie andere nach ein paar Jahren. Du hast Jahre gebraucht, um dich in den Schlamassel zu saufen, da brauchst Du auch schon ein Weilchen, um dich wieder frei zu schwimmen.

    Ganz allgemein lässt sich festhalten, dass nach ca. 1 Jahr eine gewisse Grundfestigkeit eingetreten ist. Von da an geht vieles leichter, weil es sich entsprechend eingeschliffen hat.

    Aber so weit solltest Du auch noch nicht schauen. Mach jetzt erst mal die 3 Monate voll, dann den nächsten Monat usw.

    Die nächste Herausforderung steht ja schon vor der Tür: Die Weihnachtszeit.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Die Antwort auf dieses zutreffende und emphatische Gedicht ist m.E. leider ganz banal: Zur falschen Zeit am falschen Ort. Da hat sich -so hart es klingen mag- schlichtweg das allgemeine Lebensrisiko verwirklicht.

    Ein paar Sekunden später an der späteren Unfallstelle angekommen und schon wäre dieser konkrete Unfall nicht passiert.

    Dabei spielt es für das Opfer letztlich keine Rolle, ob der Unfallverursacher betrunken, unter Drogen stand, einfach nur (nüchtern) viel zu schnell fuhr und die Beherrschung über den Wagen verlor oder aus sonstigen Gründen diesen konkreten Unfall schuldhaft verursachte.

    Das Leben kann so schnell vorbei sein, ohne dass dem Opfer irgend ein Vorwurf zu machen ist.

    Das ist ein evergreen: Wem erzähle ich von meiner Krankheit. Das sollte einjeder mit sich selbst ausmachen. Es gibt keine für alle geltenden Maßstäbe.

    Ich suche mir die betreffenden Leute schon ganz genau aus, der Kreis ist sehr überschaubar.

    Mit diesem Kurs, der mit meinem ehemaligen Therapueten abgestimmt ist, fahre ich seit Jahren ausgesprochen gut. Warum sollte ich diesen für mich geradezu perfekten Kurs ändern?

    Nur weil irgendein Hansel chronisch neugierig ist?

    Andere dürfen das gerne anders handhaben und mich insoweit kritisieren, dass ich herumeiere und hampele 8o . Diese für mich völlig unmaßgebliche Einschätzung teile ich nicht.

    Wichtig ist allein, ob mein Weg mich zufrieden abstinent hält. Und da bin ich positiv gestimmt.

    Gruß

    Carl Friedrich

    genau, jeder findet einen Weg wenn er /sie bereit ist etwas zu ändern. Nicht wenige werden ja auch mit Therapie rückfällig... +/- 65% hab ich mal gehört

    Beste Grüsse

    Hallo!

    Belastbare und fundierte Zahlen gibt's nirgends. Das sind alles nur Mutmaßungen. Man müsste schon eine ganze Anzahl Ex-Trinker interviewen, ich sag mal mindestens 10.000, die müssten dann auch wahre Antworten geben, um ein realistisches Bild zu bekommen.

    Im Übrigen gibt's etliche Herrschaften, die nach mehreren Rückfällen abstinent geworden und geblieben sind. Wie werden die denn gezählt? Neuzählung nach dem letzten Rückfall?

    Nichts desto trotz, ist die Anzahl der Rückfälle ziemlich hoch.

    Viel interessanter finde ich die Frage des "Warum". Aber das ist ein anderes Thema.

    Gruß

    C. Friedrich