Beiträge von Cadda

    Das Forenteam
    2. November 2021 um 16:19

    Hallo Momo,

    herzlich Willkommen bei uns.

    Ich möchte Dir als Erstes etwas mit auf den Weg geben: Bitte rette Dich aus dieser Beziehung!

    Er hat Dich nicht geschlagen, weil er alkoholkrank ist, sondern weil er gewalttätig ist! Es gibt etliche, wirklich zahlreiche schwere Alkoholiker, die niemals gewalttätig werden würden. Das hat damit absolut nichts zu tun. Mag sein, dass Emotionen verstärkt werden durch Alkohol. Aber Gewalt ist ein absolutes No-Go, absolut nicht zu entschuldigen und hat nichts damit zu tun, dass er Alkholiker ist. NICHTS!

    Er hat Dir gegen die Schläfen geschlagen. Er hätte Dich umbringen können damit, ist Dir das bewusst? Du hast Glück gehabt, dass er Dich nicht getötet hat.

    Ich schreibe das ganz bewusst so deutlich, weil ich nicht möchte, dass Du es verharmlost zu lesen bekommst, denn so etwas kann man nicht verharmlosen.

    Er beendet jetzt wohl die Beziehung? Bitte Momo, denke nach. So schwer es Dir auch fällt. Bist Du nicht auch der Meinung, dass Du Diejenige sein sollte, die diese "Beziehung" beendet?

    Du hast so etwas nicht verdient. Bitte bleibe in Deiner eigenen Wohnung. Lese Dich hier über Co-Abhängigkeit ein. Lies Geschichten und stelle fest, dass man aus so einer Co-Abhängigkeit herauskommen kann. Wir sind eine Selbsthilfegruppe, Du bekommst hier Halt.

    Und es gibt auch Hilfe da draussen in der realen Welt. Ich sende Dir hierzu gleich einmal einen Artikel.

    Bitte pass auf Dich auf.

    LG Cadda

    Danke Euch! Ich glaube nicht, dass ich keine Selbstreflexion habe. Ich habe auch keine wirtschaftliche Not, da ich einen eigenen Job und wir getrennte Kassen haben. Insofern kann ich jederzeit gehen und muss auch nicht für die Schulden aufkommen.
    Ich denke auch durchaus darüber nach und habe bereits sehr viel Abstand genommen. Im Februar fahren meine Tochter und ich allein in Urlaub.
    Ich muss mich vielleicht an die Trennung herantasten.

    Darauf solltest Du Deinen Fokus setzen. Und zwar ausschließlich darauf.

    LG Cadda

    Ja Paul, das kenne ich absolut! Das sind Sachen gewesen, die mir im Nachhinein immer noch so unangenehme Gefühle bereiten können, dass ich es auch hier nicht schreiben würde. Ich hab manchmal schon versucht, mich selbst zu retten, indem ich z. B. einer Freundin mein Handy gegeben habe und all solche Sachen. Gebracht hat es am Ende nicht wirklich viel.

    Ich habe mir immer wieder vorgenommen: Wenn Du heute das Bedürfnis hast etwas zu schreiben, oder zu sagen bei persönlichen Begegnungen, dass ich dann immer bis zum nächsten Tag warte, ob ich das dann immer noch möchte. Es hat nie geklappt. Weil ich zu dem Zeitpunkt so überzeugt davon gewesen ist, dass ich es auch am nächsten Tag noch sagen wollen würde, dass ich es in dem Moment über Bord geworfen habe, mit dem abwarten.

    Wenn ich denke "Ich bin ein anderer Mensch gewesen" versuche ich mich zu stoppen und mir zu sagen, dass Alkohol keine Entschuldigung ist. Wie oft habe ich zu hören bekommen "Alkohol ist keine Entschuldigung für Dein Verhalten". Stimmt war es auch nicht, denn ich hätte ja nicht trinken müssen, dann wäre es nicht passiert. Was ich aber mit Gewissheit sagen kann ist, dass ich Dinge entschieden, gemacht und gesagt habe, die ich nüchtern NIEMALS und zwar nicht mal ansatzweise gemacht hätte. Insofern ist Alkohol für mich zwar keine Entschuldigung gewesen, weil ich es hätte vermeiden können in dem ich nicht trinke, aber definitiv eine Erklärung.

    Ich bin unendlich froh, seit dem ich nicht mehr trinke, der Mensch zu sein, mich wie der Mensch zu verhalten, der ich eigentlich bin. Meine Werte zu vertreten und nach ihnen zu leben. Ich habe das während meiner Sucht nicht getan, also nach meinen Werten gelebt. Grundsätzlich schon, weil ich ja auch immer nüchterne Tage dazuwischen hatte, aber in dem Moment, wo ich voll war, konnte ich das nicht mehr. Weil mein besoffenes Denken mir etwas anderes vorgekaukelt oder "befohlen" hat.

    Es ist widerlich gewesen. Umso größer ist jetzt mein Gefühl der Freiheit. Und das gebe ich auch nie wieder her. Und ich werde es auch nicht gefährden, nur weil ich an einem Abend vielleicht mal das Gefühl habe, nicht mehr so den Anschluss zu haben. Dieses Gefühl habe ich auch nicht mehr. Ich beziehe das eher auf das, was ich hier bei Dir im Thread öfter gelesen haben. Am Anfang mag das noch so sein, aber das wird sich sicherlich auch bei Dir verändern, wenn Du mal auf Deinem Zimmer sitzt, während andere sich treffen. Schau dann einfach, was Dir erspart bleibt, anstatt zu schauen, was Du vielleicht verpassen könntest.

    Klar würdest Du nüchtern diese Dinge nicht tun. Aber es ist halt manchmal ein Risiko, ob man eben seine Nüchternheit weiter gut und zufrieden leben kann, wenn man es af die Probe stellt. Deshalb schaue ich mir vor jeder Situation an, wie es mir geht, wie sicher ich mich fühle usw. und im Zweifel bleibe ich zu Hause und freue mich einfach, dass ich frei bin :)

    LG Cadda

    Guten Morgen Dagmar,

    Depressionen habe ich halbwegs wieder im Griff, meine Grundstimmung ist aber meist sehr traurig und melancholisch.

    Warum denkst Du, Deine Depressionen im Griff zu haben, wenn Deine Grundstimmung traurig und melancholisch ist? Ist nicht genau das ein Merkmal für Depressionen?

    Ich selbst habe keine Depressionen, vielleicht mal depressive Verstimmungen. Aber wenn ich diese Verstimmungen habe, dann komme ich genau aus dem Grund darauf, dass es so sein könnte, nämlich weil ich - scheinbar grundlos - antrieblos bin.

    Darf ich Dich fragen, ob etwas verschrieben bekommen hast, gegen Depressionen?

    Was dieses Aggressive angeht: Da verstehe ich Dich vollkommen. Das war immer mein Thema. Wirklich immer. Ich bin super schnell auf 180. Ich arbeite da sehr an mir und kann tatsächlich sagen, dass es besser geworden ist. Je zufriedener ich werde, umso besser habe ich es im Griff. Aber richtig weg ist es nie gewesen und wird es wohl auch nicht. Ich hab mich mal mit dem Gedanken versucht anzufreunden, dass ich einfach so bin.

    Im Grunde genommen war es in meiner Kindheit schon so. Ich habe ein Beispiel im Kopf, wo ich Keyboard gespielt habe, auch Unterricht hatte. Ich habe mir ein schwieriges Stück einstudiert (werd ich nie vergessen - Donauwellen hieß es :) ) und wollte es meinen Eltern final vorspielen. Natürlich am liebsten fehlerfrei. Meine Eltern saßen da wie Patt und Patterchen auf meinem Bett im Kinderzimmer und hörten zu. Als ich mich verspielte bestärkten sie mich "Dass das doch ok ist, es wäre ja auch ein schwieriges Stück, ich könne doch einfach weiter spielen, es würde sich super anhören". An mangelnder Bestärkung lag es also nicht.

    Als ich mich noch einmal verspielte bin ich völlig ausgeflippt. Hab angefangen zu heulen, vor Wut auf den Boden gehauen (dort stand das Keyboard), "diese Schei.... Donauwellen, ich spiele nie wieder Keyboard", bin aufgesprungen, aus meinem Zimmer gelaufen, Tür geknallt und hab meine Eltern da hocken lassen, die wie die Hühner auf der Stange immer noch ruhig auf meinem Kinderbett saßen.

    Das Alles verstärkte sich je älter ich wurde. In meiner Ehe war ich immer auf Konfrontation aus, weil ich das Gefühl hatte mich wehren zu müssen, denn mein Ex-Mann war ein noch temperamentvollerer Typ als ich. Temperamentvoll hört sich so positiv an. Ich verbinde die Art (auch meine) aber nicht mit etwas Positivem.

    Meine Therapeutin sagte auch mal: "Sie sind halt temperamentvoll". Mmmmh. Ich fand das wenig hilfreich. Meine Söhne vermutlich auch nicht, denn die bekamen ja auch im Laufe ihres Lebens schnell mal meine Wut ab, wenn sie mich aus der Fassung brachten und leider kam ich leicht aus der Fassung, wie man an meinem Kindheitserlebnis, welches sich bei mir eingeprägt hat, weil ich heute noch wütend werde, wenn ich an die Donauwellen denke, erkennen kann :)

    Und weißt Du Dagmar, wenn man dann eh schon zu solch einem Verhalten neigt, dann fördert eine Alkoholsucht doch die Unzufriedenheit und das wiederum lässt die letzte Gelassenheit in den Hintergrund rücken.

    Wie war es bei Dir? Hast Du das Gefühl, es hat sich erst später entwickelt, dass Du schnell aggressiv oder wütend bist? Oder war es auch schon immer so, wenn Du zurückdenkst?

    Vor ein paar Jahren habe ich mal eine Schublade öffnen wollen, was nicht ging, weil ein Bratenwender sich verkeilt hatte. Ich hab versucht, gelassen zu bleiben. Mir Mühe gegeben, ruhig zu bleiben, weil ich wusste "das ist jetzt nicht schlimm. Für dieses Problem gibt es sicher eine Lösung". Es dauerte vielleicht 20 Sekunden, dann war meine Lösung, diese Schublade mit Gewalt so aufzureißen, dass sie am Ende kaputt war. Erstaunlicherweise hatte ich danach das Gefühl "Geht doch!", anstatt "Was hab ich denn jetzt schon wieder gemacht".

    Das sind natürlich nun im Nachhinein betrachtet witzige Beispiele, jedenfalls muss ich selbst schmunzeln. Aber ich kann mich wirklich noch genau erinnern, wie ich mich in den jeweiligen Situationen gefühlt habe. Soooo unfassbar genervt!!!

    Weniger witzig sind natürlich die Situationen, wenn nicht ein Bratenwender sondern ein Familienmitglied "nervt". Ehrlich gesagt kam es oft zum Streit, indem ich auch laut wurde. Sehr laut. Also wundern muss ich mich nicht, wenn auch meine Söhne manchmal schnell auf 180 sind. Sie haben es leider so vorgelebt bekommen und sind exakt genau so. Das tut mir leid. Wirklich leid. Weil ich weiß, dass es an mir liegt, wie ich mit Situationen umgegangen bin. Jetzt habe ich es inzwischen besser im Griff. Nun sind meine Söhne aber schon fast erwachsen und werden sicherlich auch weiterhin schnell reizbar durchs Leben gehen.

    Anders herum haben meine Eltern mir das nicht vorgelebt. Und ich bin trotzdem so geworden. Ist vielleicht auch typbedingt und wird dann entweder mehr oder weniger ausgeprägt durch die Erlebnisse die wir haben im Leben. Durch die Lebensphasen, durch die Menschen mit denen wir uns umgeben.

    Das war jetzt lang.

    Ich hätte auch einfach schreiben können: Du bist nicht allein. Ich kenne das :)

    Danke, Cadda! Ich habe nicht so viel know how mit Alkoholikern- hatte noch nie damit zu tun. Was würdest Du mir raten?

    Raten würde ich Dir nichts, denn wir sind ja eine Selbsthilfegruppe mit vielen verschiedenen Menschen, die unterschiedliche Bedürfnisse und Grenzen haben.

    Ich weiß nur was ich an Deiner Stelle tun würde und das wäre, für mich und meine Tochter zu sorgen, indem ich diese Lebenssituation beende.

    Ich würde ihn nicht unterstützen oder ihm Hilfe anbieten, das ist in der Vergangenheit doch oft genug passiert. Ich würde alles von Weitem ansehen und schauen, ob er wirklich von selbst das Trocken-Werden durchzieht.

    Auch nach einer Trennung kann man weiter von außen beobachten und sich wenn dann noch Bedarf ist wieder annähern, wenn feststeht, dass er es wirklich durchzieht.

    Ich würde nicht an seiner Seite weiter hoffen und bangen, ob es klappt und mich der Situation aussetzen, schon allein wegen Deiner Tochter.

    Wenn sich das Blatt noch wendet und er wirklich umdenkt, wirst Du es auch von außen merken.

    Wie gesagt wäre das nur mein persönliches Empfinden.

    Ich war damals mit meinen Kindern ausgezogen, mein Ex wollte auch aufhören zu saufen. Ich hatte dann eine eigene Wohnung ohne mich zu trennen zunächst. Mir fiel das leichter, als anders herum.

    So konnte ich aus meiner eigenen Wohnung heraus beobachten... und feststellen, dass sich nichts ändert. Mit einem eigenen Zuhause ließ sich dann der endgültige Schritt zur Trennung besser machen.

    LG Cadda

    Dachte nur, wenn er aus eigenen Stücken eine Therapie macht, würde ich ihm helfen.

    Aber das tut er doch gar nicht. Er möchte seinen Führeschein wieder haben und Dich eventuell auch zufriedenstellen.

    So wie er redet hört sich das nicht danach an, als ob er von sich aus aus tiefstem Herzen trocken sein möchte und für den Rest seines Lebens auf Alkohol verzichten möchte.

    Es gibt übrigens etliche Alkoholiker die eine lange Trinkpause ohne Probleme hinbekommen. Ein Bekannter von mir hatte gerade etwas über ein Jahr nichts getrunken, weil er sich beweisen wollte, dass er kein Alkoholiker ist. Hat gut geklappt. Eine Woche nach seinem ersten Bier ist er wieder voll drauf gewesen.

    Ich habe in den Schwangerschaften keinen Tropfen angerührt. Ich war nüchtern. Aber trocken? Nein. Ich wusste ja, dass ich bald wieder mit feiern kann.

    Wegen eines verlorenen Führerscheins haben doch auch schon etliche aufgehört. Eine Therapie gemacht, um besser da zu stehen.

    Hast Du bei seinen Verhalten wirklich das Gefühl, dass er aus tiefstem Herzen den Wunsch hat, frei zu sein, vom Alkohol loszukommen?

    Es liest sich jedenfalls nicht so.

    LG Cadda

    Hallo Paul,

    bei Dir im Thread ist es witzig, ich glaube hier bleibe ich :mrgreen:

    aber mal ganz ehrlich, morgens aufzuwachen und KEINEN kater zu haben und kein unglaublich peinliches gefühl , was man wieder für schrott erzählt/gemacht hat, das ist doch schon ganz schön viel wert

    Das war auch ein ganz wichtiger Punkt für mich und ist es auch jetzt noch. Nicht mehr für etwas schämen müssen. Ich habe oft Dinge gesagt oder gemacht, was nüchtern niemals der Fall gewesen wäre.

    Über das eigene Handeln wieder die Kontrolle zu haben, einen klaren Kopf zu behalten, ist mir unendlich viel wert.

    LG Cadda

    Wenn ich hier, nachdem ich ganz verzweifelt bin, Nägel mit Köpfen mache, mich trenne und scheiden lasse und es hier mitteile, bekomme ich bestimmt hunderte von Likes etc. Traurig, aber wahr.

    Das wäre nicht traurig, sondern zu Recht.

    Weil es bedeuten würde, dass Du Dich von einem Leben frei machst, indem Du ganz offensichtlich unglücklich bist (verständlich an der Seite einer saufenden Person) und Dein Glück vom Verhalten Deiner Frau abhängig bist.

    Hoffen?? Na dann hoffe mal weiter. Die Zeit und Chancen ein glücklicheres Leben zu führen läuft dann in der Zwischenzeit an Dir vorbei.

    Hallo Berni.

    Wenn es mir besser geht, geht es meiner Partnerin besser, geht es ihr besser, geht es auch mir besser. Und die letzten Tage waren wirklich wie im Paradies. Schneespaziergänge, ein Thermenbesuch, ein Konzertbesuch am Abend, mal essen gegangen.

    Alles Dinge, die von ihrer Nüchternheit abhängig sind.
    Das ist der falsche Weg.

    Es geht darum, dass Du auch ohne ihr Zutun Dir Gutes tun kannst.

    LG Cadda

    Hallo Kintsugi,

    ich finde es klasse, dass Du das hier lässt. Du bist ein gutes Beispiel, dass es sich lohnt, den Weg loszugehen! Mutig zu sein, für sich und seine Kinder in eine bessere Zukunft zu gehen, ohne genau zu wissen, wie und wohin genau es geht.

    Aber mit dem Wissen: Es geht weiter!

    LG Cadda

    Dieser Tag hat so intensive schöne Gefühle bei mir hinterlassen, dass ich wohl noch ein paar Tage davon zehren kann. Ich bin sehr dankbar, dass ich mir keine meiner Gefühle mehr mit Alkohol versauen muss! Dass Gefühl frei zu sein ist unbeschreiblich schön.

    Das ist ein richtig toller Absatz. Du hast etwas gemacht, was Du so richtig genießen konntest, weil der Kopf klar war.

    Das Gefühl frei zu sein, ist einfach unglaublich toll. Sich das immer wieder mal vor Augen zu führen auch so wichtig.

    Mich freut es, dass es Dir gut geht und ich wünsche Dir auch einen guten Start in die Woche.

    LG Cadda