Das Selbstmitleid... also ich kann nur sagen wie das bei mir so ablief. Meine Geschichte ist jedoch mit Deiner nicht wirklich vergleichbar. Aber vielleicht kannst Du ja was daraus ziehen.
Ich war mein Leben lang ein Opfer. Die Opferrolle trieb ich so weit dass ich gar das Opfer meiner selbst war.
Die Opferrolle - so sehr sie am Selbstwertgefühl und an der Lebensqualität nagt - die hat auch Vorteile. Die Opferrolle ist eine Überlebensstrategie, die man sich schon recht früh im Leben aneignet und unter Umständen nicht wieder los wird. Die Opferrolle bringt Aufmerksamkeit, und weckt bei anderen die Helfernatur / Beschützerinstinkt. D.h das bringt tatsächlich was. Aber der Preis, den man bezahlt ist VIEL zu hoch.
Dann kam der Schlaganfall. An und für sich wäre das ja der Moment, in welchem ich so richtig loslegen könnte, mit der Opferrolle. Da gibt es wirklich was, wofür mich beinahe JEDER bemitleiden tät - also eine Art Steilpass.
Doch was hab ich getan? Irgendwie war das mein persönlicher Tiefpunkt, und mir wurde im Krankenhaus nahegelegt, eine positive Geisteshaltung einzunehmen, zwecks rascher Genesung. Und das hab ich richtig gut getan. So gut, dass ich meine Opferrolle richtiggehend vergessen habe. Für den Moment. Und recht später ist mir das aufgefallen. Mittlerweile verachte ich diese Rolle - sie ist schädigend für die Psyche, energieraubend, und wenig Zielführend. Sie treibt einen in Depressionen, macht einen klein.
Fliegen ist angesagt. Abheben. Wie ein Adler, der seine Schwingen ausbreitet.
Die positive Geisteshaltung heilt. Sie gibt viel Energie. Sie ist für mich unentbehrlich für ein suchtfreies Leben.
Es gibt ja da den Spruch: Das Glas ist entweder halb voll oder halb leer. Das ist ein Vorstoss in die richtige Richtung, mir persönlich aber viel zu wenig.
Denn schon der Begriff "Halbvoll" ist negativ behaftet. Denn da ist noch dieses "Da würde noch mehr reinpassen, aber ich begnüge mich mit der Demut und Bescheidenheit eines verdammten Ghandi's". Nee.. für mich haben diese Gläser "etwas drin", und das ist schön so.