Beiträge von AufderSuche

    Nur meine innere Stimme ist da die ständig fragt.... "Bin ich undankbar? Verlange ich zu viel? Sehe ich das alles zu eng, denn es geht ja auch schlimmer..?"

    Hallo Fabienne,

    ich hab deine Geschichte ebenfalls verfolgt und möchte dir nun ein paar Gedanken dalassen.

    Dein Gefühl hat dir schon längst gesagt, dass da etwas in deiner Beziehung nicht stimmt. Von außen betrachtet wage auch ich zu behaupten, dass an deiner Beziehung, so wie du sie schilderst, etwas nicht stimmt. Auf jeden Fall stimmt sie nicht für dich und darauf kommt es letztlich an, egal, ob dein Mann und deine Schwiegereltern die Situation für normal halten oder nicht.

    Dass du zwischendurch Schuldgefühle hast und dich fragst, ob du undankbar bist oder zu viel verlangst, ist nachvollziehbar, schließlich hat er dir geholfen, als du in Not warst. Doch, was auch immer er für dich getan hat, rechtfertigt nicht, sich dieser Situation, in der du dich ganz und gar nicht wohl fühlst, anpassen zu müssen.

    Am Wochenende hast du eigentlich nichts von ihm, da er bei seinen Eltern abhängt, und wenn er dann da ist, ist er reichlich alkoholisiert. Mit den Kindern irgendwohin fahren, kann er nicht, denn er ist ja alkoholisiert.

    Und dann kommt dazu noch die Situation mit den Schwiegereltern, die mit im Haus leben. Was du über deine Schwiegermutter erzählt hast, klingt überhaupt nicht wertschätzend, im Gegenteil wirst du offenbar auch noch abgewertet.

    Was du über den Alkoholgeruch, die Augen, die Körperhaltung schreibst, erinnert mich daran, wie ich das bei meinem Vater erlebt habe. Es war fürchterlich und ich habe sehr darunter gelitten. Deinen Kindern wird es möglicherweise ähnlich gehen, ohne dass sie darüber sprechen.

    Und dann kommt ja auch noch dazu, wie sich Alkoholmissbrauch und die Krankheit Alkoholismus entwickeln, wenn keine Einsicht eintritt und damit weiter gemacht wird. Das ist alles andere als gut, weder für deinen Mann, noch für dich, noch für die Kinder.

    Und so, wie das bei euch zu laufen scheint, besteht überhaupt keine Einsicht.

    Es ist eine mutige Entscheidung von dir, dich und deine Kinder dem nun endlich zu entziehen. Leicht ist das gewiss nicht und auch nicht bequem, aber stell dir vor deinem geistigen Auge nur mal vor, was es mit dir und den Kindern macht, wenn du das z.B. noch 10 Jahre lang mitmachst. Wie fühlt sich dieser Gedanke für dich an?

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Billy,

    auch von mir ein Willkommen.

    Ich wünsche dir, dass du hier gute und wichtige Erkenntnisse für dich findest.

    Ich bin ebenfalls inzwischen längst erwachsenes Kind eines Alkoholikers und kann aufgrund meiner eigenen Erlebnisse und Prägungen nachvollziehen, was dich bewegt.

    Meine Geschichte ist etwas anders als deine, da ich die Alkoholkrankheit meines Vaters von klein auf intensiv miterlebt und erlitten habe. Mein Vater starb auch bereits, als ich 15 Jahre alt war. Ich hatte somit nicht mit diesen Fragen zu tun, wie es mit ihm wäre, wenn ich eine Familie hätte. Dieses Hin- und Her, Papakind, Mamakind, Manipulation, mögliche Trennung, doch Zusammenbleiben, Hoffen, Verzweifeln, Verdrängen von negativen Gefühlen und so weiter ist mir allerdings noch gut in Erinnerung. Was damals passiert ist, hat mich mein ganzes bisheriges Leben verfolgt.

    Ich habe hier für mich sehr wertvolle Anregungen finden können.

    Ich merke, ich verliere mich allmählich in meinem Text. Es gibt so viel, was ich noch schreiben könnte. Daher war es das fürs Erste. Freue mich auf den Austausch mit euch.

    Ich kann nachvollziehen, dass es nun aus dir heraus will, aber lass dir ruhig Zeit.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Andi,

    Willkommen in diesem Forum.

    Wie zuvor schon geschrieben, steckst du in einer schwierigen Lage, weil du selbst, auch wenn du inzwischen 18 Jahre alt bist, kaum etwas entscheiden kannst, sondern von deinem Vater und deiner Mutter abhängig bist.

    Den Rat, den du in einem Suchtratgeber gefunden hast, kannst du wohl schwerlich befolgen.

    Ich weiß, dass Sucht Ratgeber sagen, man soll sich trennen, damit der Kranke merkt was er tut...

    Übrigens ist dieser Rat so etwas irreführend, da er den Eindruck erweckt, durch Trennung könne man Einsicht beim Kranken erwirken. Tatsächlich ist es aber völlig offen, ob der Kranke einsichtig wird oder nicht. Zur Trennung wird geraten, um sich gegebenenfalls selbst dadurch zu helfen und sich aus einer Abhängigkeit zum Alkoholkranken zu lösen.

    Nun aber kannst du selbst diesen Rat schwerlich befolgen.

    Kurz zu mir: Ich bin selbst inzwischen längst erwachsenes Kind eines Alkoholikers. Ich hab die Alkoholkrankheit meines Vaters von klein auf miterlebt und kann von daher so ungefähr nachempfinden, wie es dir geht, auch wenn meine Geschichte noch etwas anders war als deine.

    Du schreibst von diesem inneren Abstand, in den du zu deinem Vater gegangen bist. Fühlst du dich schlecht deswegen oder ist es ok für dich?

    Von außen darf ich dir sagen, dass es völlig ok und verständlich ist, dass du so fühlst. Das ist reiner Selbstschutz.

    Dass du dir wünschst, dass er mit der Trinkerei aufhört, ist völlig verständlich. Die Einsicht, aufhören zu wollen, muss aber von ihm kommen. Er muss es wirklich wollen und, sobald er einen begleiteten Entzug gemacht hat, sein Leben ernsthaft verändern wollen und verändern. Nur so kann sein zukünftiges Leben ohne Alkohol erfolgreich sein.

    Ich erzähle dir das, um dir deutlich zu machen, dass Überreden da wenig hilft.

    Zitat
    Ich will an ihn glauben und ihm helfen, aber er hat schon so oft Dinge versprochen, dass ich mich irgendwie nicht so richtig über seinen "Sinneswandel" freuen kann...

    Das kenne ich selbst ziemlich gut. Die ständigen Enttäuschungen und Rückschläge haben dein Vertrauen in ihn zerstört, daher kannst du seinem „Sinneswandel“ jetzt auch nicht so recht trauen.

    Zitat
    Habt ihr einen Angehörigen schonmal bei dem Prozess des Trockenwerdens begleitet? Bestimmt gibt es Rückschläge, aber wir geht man damit um?

    Ja, ich habe damals meinen Vater bei seinen Versuchen begleitet, ich bin mir aber nicht sicher, ob dir heute meine Erfahrungen von damals eine Hilfe sein können.

    Für dich ist zentral wichtig, dass du für DICH sorgst. Das bedeutet auch, dass du den Blick weg von deinem Vater auf dich und deine Bedürfnisse und Empfindungen richtest.

    Natürlich kannst du ihm zuhören, was er jetzt vorhat, aber er hat ganz allein die Verantwortung für sich.

    Und er wird damit leben müssen, das verloren gegangene Vertrauen neu gewinnen zu müssen.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Sporty,

    ich möchte dir auch ein paar Gedanken zu deinem Thema da lassen.

    Dass dein Inneres mit Euphorie reagiert, als ihr die Zusage des Vermieters erhalten habt, sagt einiges darüber aus, wie sehr dich die derzeitige Situation belastet und die Aussicht auf Abstand durch eine eigene Wohnung entlastet.

    Dass du hoffst, dass es mit den Eltern doch klappen könnte, ist menschlich. Nun kenne ich deine Eltern nicht, sondern nur deine Perspektive. Wenn deine Mutter aber tatsächlich Alkoholikerin ist und uneinsichtig, bleibt völlig offen, ob sich etwas ändern wird. Sie müsste ja wirklich erst einsichtig werden, da sie aber noch verhandelt, ist sie das (noch) nicht.

    Bislang stehst du zwischen Hoffen und Bangen, dass es mit deinen Eltern doch gut werden möge, und bist dabei davon abhängig, was sie tun oder eben nicht tun.

    Dass das kleinste Entgegenkommen deiner Eltern dich hoffen lässt, ist verständlich und ebenso, dass du mit Unbehagen an das Gespräch mit den Eltern denkst.

    Vielleicht findet ein Umdenken statt, vielleicht aber auch nicht, doch ihr seid mit der neuen Wohnung eben nicht mehr so abhängig von dem, was deine Eltern tun oder eben nicht tun.

    Ich wünsche euch für das, was vor euch liegt, viel Kraft.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Da kommt mir noch so ein Gedanke, den ich mit dir teilen möchte....

    Du weißt vermutlich selbst, wie es ist, in einer belastenden Erinnerung, in einem „Trauma“ drin zu hängen und sich darin zu verlieren.

    Und du weißt vermutlich, wie wichtig es in so einem Moment ist, in die Gegenwart, in das Hier und Jetzt zurückzukehren.

    Denke daran, was dir jeweils hilft, ins Hier und Jetzt zurückzukehren, und sichere dich ab, dass auch dein Gegenüber Mittel und Wege kennt. Sei es ein bestimmter Geruch, sei es eine bestimmte sportliche Übung, sei es eine Rechenaufgabe oder eine bestimmte Übung, die den Kopf fordert, sei es ein Massageball und so weiter.

    Die Hauptfiguren zu finden ist nicht leicht. Ich brauche Mut, die Menschen anzusprechen, die mir spontan und bei weiterem Nachdenken eingefallen sind. 15-20 habe ich aufgeschrieben und denke bei jedem einzelnen nach, wie ich vorgehe. Drei Zusagen habe ich schon :)

    Hier denke ich:

    Lass dir Zeit und lass es langsam wachsen. Drei Zusagen sind doch prima und tatsächlich auch erstmal genug, um zu sehen, was es mit dir macht und was es mit ihnen macht.

    Ich habe aber zugleich sehr großen Respekt vor der Verantwortung, denn es ist durchaus möglich, daß meine Gesprächspartner (und auch ich) einige Dinge nur schwer verkraften. Schließlich bin ich kein Psychologe. Ich muss acht geben, wo ich eine Grenze entdecke oder jemand überfordert wird.

    Mein spontaner Gedanke war: Übernimm dich nicht!

    Du musst und solltest für deine Gesprächspartner keine Verantwortung übernehmen. Es sollte in ihrer Verantwortung bleiben, was es mit ihnen macht, denn du bist kein Psychologe, sondern auch „nur“ ein Betroffener. Sollte es sie überfordern, sind sie selbst gefordert, für sich zu sorgen, schließlich sind sie, wovon ich ausgehe, alle erwachsen und mündig. Ebenso bist du gefordert, auf dich zu achten, dass es dich nicht überfordert.

    Gegebenenfalls kannst du sie vorher darauf hinweisen, dass sie auf sich achten und sich nicht überfordern bzw. über ihre Grenzen gehen.

    Ggf. könnt ihr vorher ein Zeichen für Pause oder Abbruch ausmachen, wenn einer von euch merkt, dass es ihm oder ihr oder dir zu viel wird.

    Vergiss nicht: Du bist ein selbst Betroffener, der, um das Geschehen besser verarbeiten zu können, Geschichten sammeln und ggf. ein Buch davon machen möchte.

    Du bist kein Psychologe und kannst daher auch keine „therapeutische“ (= begleitende) Aufarbeitung leisten.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Peter,

    ich habe ganz ähnlich gedacht wie Florian, als ich deinen Beitrag las.

    So, wie du das schilderst, hast du einen uneinsichtigen Alkoholiker vor dir. Auf das Problem angesprochen wurde er offenbar nicht nur von dir, sondern auch von deiner Firma und den Vorgesetzten. Nichts davon scheint Einsicht bewirkt zu haben.

    Die Firma und die Vorgesetzten werden ihre Konsequenzen ziehen müssen. Ob ihn das doch noch zur Einsicht bringt, ist völlig offen.

    Ich an deiner Stelle würde ihm ganz sicher nicht von mir erzählen, da ich ihm nicht trauen würde. Wie du sagst, lässt sich überhaupt nicht einschätzen, was er mit dem Wissen über dich anstellen würde.

    Glaubst du, ihn mit deinem Beispiel erreichen zu können, wo doch bislang nichts anderes ihn erreicht zu haben scheint?

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Peter,

    Ich erwarte auf meine "Berichte aus dem Grauen" eigentlich keine Antworten, weil ich das kaum jemandem zumuten mag. Aber natürlich freue mich mich trotzdem sehr über Antworten. TEILEN ist ja nicht nur MITTEILEN. Es ist ein Geben und Nehmen.

    ...so, wie ich das hier wahrnehme, antwortet dir, wer antworten möchte...

    Ich antworte dir übrigens auch nur, wenn’s mich anwandelt. 😉

    Wenn’s dir dann tatsächlich eine Hilfe ist, freut mich das natürlich.

    Herzliche Grüße

    AufderSuche

    Guten Morgen, Peter,

    ich bin immer wieder tief beeindruckt und berührt von dem, was hier teilst.

    Das Furchtbare macht mich natürlich ebenfalls nachdenklich, ich selbst muss dabei oft an andere, meine Großeltern zum Beispiel, denken, die Unaussprechliches erlebt haben.

    Was mich persönlich aber ganz besonders anspricht, ist, wie du selbst damit umgehst und darüber reflektierst, wie du das bewältigen kannst und bewältigst.

    Der Gedanke, sich zum Beispiel mit Alkohol zu betäuben, scheint naheliegend, aber ich sehe das ganz wie du: Betäubung würde nichts besser machen, sondern das Ganze noch sehr viel schlimmer machen.

    Nur nüchtern bist du in der Lage, das zu tun und die Entscheidungen zu treffen, die gut für dich sind und dir wieder Zuversicht geben.

    Ich weiß von mir selbst, wie wichtig es für mich ist, Hoffnung zu haben, und sei sie auch nur winzig klein. Ohne Hoffnung hätte ich schon längst aufgegeben. Und Hoffnung stellt sich bei mir immer dann ein, wenn ich wieder eine Perspektive, eine Lösung gefunden habe, an der ich auf meinem Weg weitermachen kann.

    Ich kann gut nachvollziehen, wenn du für dich nun so weit bist, den Schmerz und jene Geschehnisse nicht zu deinem Lebensmittelpunkt werden zu lassen. Weinen, wann immer es einen überkommt, halte ich persönlich für reinigend. Ich glaube sogar, dass es gut ist, wenn man weinen kann. Es gab bei mir eine Zeit, in der ich nicht einmal mehr weinen konnte, ein sehr guter Freund von mir kann es auch nach Jahren noch nicht.

    Gewiss ist es aber auch nicht gut, mit seinen Gedanken dauerhaft in der Trauer und im Schmerz zu verweilen, sich davon beherrschen zu lassen, weil dort keine Genesung zu erwarten ist. Ich vermute, dass es das ist, was du meinst, wenn du denkst, „Nein!“.

    Ich glaube auch daran: „Es wird schon.“

    Blicke ich auf meine eigene Vergangenheit und meine Gegenwart, blicke ich auf die Vergangenheit meiner Eltern, Großeltern und deren Leben, blicke ich auf die Vergangenheit und Gegenwart der Orte, in denen ich gelebt habe, und des Ortes, an dem ich jetzt lebe, so sehe ich es: Ja, es wird.

    Es wird nicht so, wie es war, aber es wird.

    Die Frage ist für mich und es ist auch die Frage für dich: „Wie kann, will, möchte ich weiterleben?“ Immer nur für heute ist nach meiner eigenen Erfahrung ein hilfreicher Weg.

    Herzliche Grüße

    AufderSuche

    P.S: Professionelle Hilfe darfst meines Erachtens auch du dir zugestehen. Der Gedanke, dass andere vor mir Vorzug haben sollten, weil es ihnen noch schlechter geht als mir, ist mir vertraut, aber auch ich hatte es damals (und auch heute) nötig und ich wäre vielleicht nicht mehr da, wenn man mich nicht davon überzeugt hätte, dass auch ich Hilfe in Anspruch nehmen darf.

    Hallo Fee,

    Ich möchte ihn wohl unterstützen und ihm eine Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft geben.

    Aber, er muss es tatsächlich jetzt erstmal beweisen, dass er trocken wird und vorallem auch bleibt.

    Ich denke, dass das auch wichtig ist für ihn, eine Perspektive zu haben.

    Aber eben auf Abstand.

    Im Grunde helfe ich ihm so.

    auch ich möchte dir dazu ein paar Gedanken da lassen:

    Du denkst für ihn mit, was IHM helfen könnte.

    Das ist grundsätzlich erstmal ein feiner Zug von dir, auch an ihn zu denken und was ihm helfen könnte, doch jetzt kommt ein großes ABER:

    In erster Linie bist du für deine Kinder und für dich verantwortlich und diese Verantwortung lässt herzlich wenig Raum für etwas anderes.

    Du selbst hast Schaden aus dieser Beziehung davon getragen und es wird Zeit brauchen, bis du das für dich aufgearbeitet hast und bewältigt hast.

    Dein Siebenjähriger hat ganz gewiss auch Schaden davongetragen, Verletzungen, die er oder du jetzt vielleicht noch nicht einmal bemerkt. - Ich schreibe dir das, weil das Ausmaß meiner Verletzungen erst im Erwachsenenalter als Erwachsenes Kind aus Alkoholikerfamilie (EKA) so richtig deutlich geworden ist. -

    Ich will dir keine Angst machen, aber ich empfehle dir, wenn du mal wieder etwas Luft hast und den Kopf freier, dich mal mit dem EKA-Thema zu beschäftigen.

    Ob dein Mann es schafft, dauerhaft etwas gegen seine Alkoholkrankheit zu tun und den Rest seines Lebens trocken zu bleiben, weiß niemand. Es wäre wunderbar, wenn er nun doch noch die Kurve kriegt. Leicht ist der Weg nicht unbedingt, das kannst du in vielen Erfahrungsberichten hier nachlesen, aber erfolgreich kann er sein, wenn er sich darauf einlässt und an sich arbeitet. Die Verantwortung dafür liegt jedenfalls ganz allein bei ihm.

    Es ist ein freundlicher Zug von dir, für deinen Mann mitzudenken, was ihm helfen könnte, ABER

    zuerst bist du für deine Kinder verantwortlich und dann kommst auch noch du.

    Da dürfte erstmal kein Raum mehr für ihn sein, weil du mit dem anderen vollauf beschäftigt bist.

    Was auch immer später kommt, wird sich erweisen.

    Herzliche Grüße

    AufderSuche

    Das Anzünden ist tatsächlich eine bewusste Handlung, jeden Morgen. Auch wenn der Anlaß traurig macht, ist es wichtig, finde ich. Meine Gedanken sind dann ganz kurz bei den armen Menschen, die in diesen Fluten gestorben sind. Mehr Gedanken kann ich nicht zulassen, weil ich das Unaussprechbare nicht zu sehr an mich ranlassen will.

    Ich denke auch nicht, dass es notwendig ist oder richtig wäre, noch mehr Gedanken zuzulassen. Das mache ich in der Regel auch nicht, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich in meinem Befinden in der Regel dort bin, wo ich mit meinen Gedanken bin, d.h. bin ich mit meinen Gedanken bei etwas Traurigem, Belastendem, Überforderndem usw., dann ist mein Befinden auch selbst traurig, belastet, überfordert usw.

    Ich kenne das zu gut, mich in gewisse Gedanken regelrecht reinfallen zu lassen und mich zu verlieren. DAS hilft nicht wirklich. Wenn ich spüre, dass es mich hinzuzuziehen droht, sage ich laut „Stopp!“ und bemühe ggf. die gedankliche Vorstellung einer schönen alten Kommode, in die ich die Gedanken packe mit dem Versprechen/ Vorsatz, mich dann darum zu kümmern, wenn die Zeit dafür gekommen ist oder ich entsprechende Hilfe/Unterstützung habe.

    So, wie ich das aber von mir selbst kenne, vermute ich, dass du durch diese bewusste Handlung und das kurze Gedenken an die, die in den Fluten gestorben bist, einem bestimmten Bedürfnis, das du in dir trägst, gerecht und somit dir selbst gerecht wirst.

    Es gehört zu deinem Trauerprozess dazu und nach meiner eigenen Erfahrung mit Trauer und dem, was ich über den Trauerprozess weiß, ist es wichtig und richtig für dich, dass du deinen Trauerprozess aktiv und mit Rücksicht auf dein körperliches und seelisches Empfinden gestaltest. Und genau das tust du!

    Was die Flasche betrifft: Ich denke, dass es umsichtig von dir war, sie aus deinem Blickfeld zu entfernen. Nun bist du aber sozusagen durch ihre Gegenwart mit Alkohol in deiner Nähe konfrontiert worden. Ich frage mich, was das mit dir macht. Triggert es dich? Beschäftigt es dich ernsthaft oder lässt es dich mehr oder minder entspannt?

    Herzliche Grüße

    AufderSuche

    Was mich hält, ist das Aufschreiben. Auch wenn ich das Geschriebene manchmal nicht mehr lese. Aber dann ist es erstmal aus dem Kopf.

    Hallo Peter,

    das hab ich letztens auch von jemand anderem gehört, dass Aufschreiben helfen soll, dass durch das Aufschreiben Dinge erstmal aus dem Kopf seien. Gut, dass du für dich diese Möglichkeit entdeckt hast!

    Als hilfreich empfinde ich für mich selbst immer wieder, mich auf meine eigenen Ressourcen zu besinnen. Das setzt natürlich voraus, dass ich mir überhaupt erstmal bewusst mache, was überhaupt meine Ressourcen sind.

    Zündest du noch immer am Morgen bewusst eine Kerze an?

    Besonders in der Jahreszeit, die jetzt kommt, wird mir immer wieder bewusst, was das Licht und die Wärme einer Kerze mir bedeuten. Sie tun mir irgendwie gut und bewirken, dass die Gedanken und Bilder, die bei mir in dieser Jahreszeit mehr aufsteigen als sonst, mich ein kleines bisschen weniger belasten und traurig machen.

    Herzliche Grüße

    Hallo Peter,

    es berührt mich immer wieder sehr, was du von dir und deiner Umgebung erzählst.

    Du hattest dich ja entschieden, zurückzukehren bzw. dort zu bleiben und zwar in der Hoffnung bzw. in dem Gefühl, dass dir das bei der Bewältigung deines Traumas helfen könnte. ...

    Wo führt MICH das hin, diese "neue Realität"? Geduld aufzubringen fällt mir augenblicklich so schwer wie noch nie. Darum weiss ich auch, daß ich aufpassen und auf mich achtgeben muss.

    Ich kann nachvollziehen, dass dich das sehr beschäftigt. Die Antwort wird wohl nur die Zeit geben können und es wird sich für dich zeigen, ob du weiterhin dort bleibst oder doch weggehst wie so viele andere oder zwar in der Gegend bleibst, nur etwas weiter weg von dem, was dich nahezu unerträglich belastet.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, ich wünsche dir Hoffnung, Erkenntnis und Geduld.

    Ich danke dir, dass du mit uns teilst, was dich beschäftigt.

    Herzliche Grüße

    🙋‍♀️

    Hallo Fee,

    auch ich habe nun deine Geschichte gelesen und auch mir sträuben sich die Nackenhaare und auch mir bereitet Sorge, dass er dich grundsätzlich jeder Zeit in diesem Haus antreffen kann, solange du noch dort weilst.

    Ich bezweifle, dass ihn allein das Verbot abhält, einfach vorbeizukommen, wann immer es ihm beliebt.

    Ich kenne deinen Mann nicht, aber unter Alkoholeinfluss und Wut kann jede Menge passieren. Er hat dir gedroht. Er ist bislang schon ziemlich hässlich mit dem Siebenjährigen umgegangen. Nicht auszudenken, wozu der in der Lage ist, wenn er entsprechend drauf ist.....

    Bei so einer Situation würde ich selbst nicht einen Moment länger in diesem Haus bleiben wollen und zwar zu meiner eigenen Sicherheit und der meiner Kinder.

    Was hält dich davon ab, deine Koffer sofort zu packen und bei jemand anderem unterzukommen, selbst wenn es nur ein Tag oder wenige Tage sind?

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo,

    ich möchte kurz etwas dazu

    Da bin ich auch schnell zum Arzt und dieser hatte mir für einen ambulanten Entzug, Distra..... zur Selbsteinnahme verschrieben.


    Durch die berechtigte Kritik im Austausch hier, bin ich den nächsten Tag nochmals zum Arzt und hatte nachgefragt, ob er es vertreten kann. Hat sich kurz um mit einem Suchtspezialisten unterhalten und ich wurde überwacht.

    schreiben:

    Ich kenne den Austausch von damals nicht, aber ich möchte unbedingt betonen, dass es ganz gewiss gut war, dass Hartmut sich damals nochmals beim Arzt versichert hat, ob er es vertreten kann und dann sogar überwacht worden ist.

    Distra..... ist mir von meinem alkoholabhängigen Vater leider nur allzu gut bekannt. Er hat sich das immer verschafft, wenn er wieder die Kurve kriegen wollte, und sich selbst medikamentiert. Ist IMMER schief gegangen und endete im Krankenhaus. Ich habe grauenvolle Erinnerungen daran.

    Daher unbedingt beim Arzt rückversichern, ob er es vertreten kann! Dass Hartmut beim Entzug schließlich überwacht worden ist, halte ich aufgrund der damaligen Erfahrungen mit meinem Vater für genau richtig.

    Grüße

    AufderSuche

    Hallo Lea,

    auch ich danke dir fürs Teilen deiner Geschichte.

    Der Weg, der hinter dir liegt, ist gewiss nicht leicht gewesen.

    Ich möchte gerne noch ein paar Gedanken dazu da lassen, die deinen Weg bestätigen.

    Solche Glaubenssätze wie „eine Mutter bleibt immer die Mutter“ „man kümmert sich um seine Mutter“ und so weiter sind mir auch vertraut und tief in meinem Bewusstsein verankert und, wie ich aus meiner Familie und meiner Schwiegerfamilie weiß, nicht nur in meinem Bewusstsein.

    Vom Grundsatz her haben diese Glaubenssätze ja auch eine gewisse Berechtigung, sie dienen dem Schutz der Eltern, wenn sie alt sind und nicht mehr so für sich sorgen können.

    Wie ist das Ganze aber zu sehen, wenn mündige Eltern ihrer Verantwortung für sich selbst nicht nachkommen und etwas tun, was ihnen selbst und vielleicht auch anderen schadet? Geht die Verantwortung für meine Eltern etwa so weit, dass es völlig auf meine Kosten und möglicherweise sogar auf Kosten meiner Kinder geh darf? Gibt’s da etwa so eine Pflicht, mich und meine Kinder opfern zu müssen?


    Nein, gibt es nicht!

    Auch ich habe eine sehr, sehr lange Zeit dafür gebraucht, zu erkennen, dass ich genau so wie alle anderen das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit habe, und dass meine Eltern bzw. meine Mutter für sich selbst verantwortlich sind.

    Ich habe lang mit Scham zu kämpfen gehabt, wenn ich mich nicht genug um meine Mutter gekümmert habe, und in den letzten Jahren mit Wut und Ohnmacht, weil mein Körper und meine Psyche mich schließlich immer wieder im Stich gelassen haben, wenn ich mich kümmern wollte.

    Das war nicht leicht, denn da es nicht möglich ist, die Handlungsimpulse beider Gefühle zugleich auszuleben, geriet ich innerlich regelmäßig unter enorme innere Anspannung.

    Ich war auch wütend auf die ganze traurige Situation und kämpfte mit Trauer, Enttäuschung, Wut, weil meine Mutter sich mit ihrer Wahl schließlich selbst in diese Situation gebracht hatte.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Ich verstehe mich selbst nicht. Nach allem, was ich mit Alkohol erlebt habe, habe ich jeden Grund, dieses Teufelszeug zu hassen. Und doch gibt es noch irgendwo einen Winkel in meinem Gehirn, der über das kontrollierte Trinken nachdenkt. Obwohl ich weiß, daß das eine verdammte Illusion ist, nicht mehr -- der Zug ist schon vor vielen, vielen Jahren abgefahren. Wie kommt das? Ich meine, wer sich zweimal ein Bein gebrochen hat, träumt doch auch nicht davon, das noch ein drittes Mal zu erleben.

    Hallo Hanseat,

    ich möchte auch immer wieder ganz gerne verstehen, was da in meinem Hirn und überhaupt meinem Inneren System abgeht.

    Hilfreich finde ich in dem Zusammenhang zum Beispiel das Modell des „Inneren Teams“, hast du davon schon mal gehört?

    Dieses Modell hat einiges für sich. Ich hab mir schon mehrfach die Mühe gemacht, gewisse Gedanken mal dem einen oder anderen Teammitglied meines sogenannten Inneren Teams zuzuordnen. Besonders hilfreich habe ich das bei anstehenden schwierigen Entscheidungen erlebt. Interessant fand ich, dass bei aller Vernunft immer wieder Gedanken auftauchen, die resistent gegenüber vernünftigen Gedanken und Argumenten zu sein scheinen.

    Bei uns Alkoholikern ist demnach denkbar, dass da ein Teammitglied darunter ist, dass einzig die schönen, angenehmen Seiten des Alkohols auf dem Schirm hat.

    Bei bestimmten Gelegenheiten meldet sich dieses Teammitglied und fängt an zu diskutieren.

    Ich denke, dass es leiser wird, je mehr positive Erfahrung wir mit einem Leben gänzlich ohne Alkohol machen und je gefestigter wir sind.

    Laut wird es wieder, wenn wir instabil werden sollten, und uns dann wieder seine „schöne“ Lösung anbieten.

    Was von der „schönen“ Lösung tatsächlich zu halten ist, zeigen die Erfahrungen derer, die diesen Weg doch wieder gegangen sind....

    Vielleicht kannst du etwas damit anfangen.

    Viele Grüße

    AufderSuche