Beiträge von Stern

    Das freut mich, dass der Groschen gefallen ist.
    Das, was verstanden wird, kann auch eingesehen werden.

    Alleine schon der Begriff ‚kontrolliertes Trinken‘ ist für mich ein Synonym für ‚Ich-kann-mit-Alkohol-nicht-umgehen‘ und sollte stutzig machen.

    Hat mich aber auch nicht stutzig gemacht, obwohl ich sehr wohl bemerkt habe, dass das nicht funktioniert. So oft hatte ich mir vorgenommen: Nur 2 Gläser….nur montags und mittwochs….funktionierte nicht, konnte nicht funktionieren, weil ich schön längst Alkoholiker war. Ich konnte immer erst aufhören als alles alle war, und manchmal bin ich auch noch mal losgegangen, um noch ne Flasche zu holen.

    Aber wenn wir uns vorstellen von heute auf morgen gäbe es gar keinen Alkohol mehr auf der Welt- dann wären trockene Alkoholiker kerngesund und hätten keinerlei Einschränkungen.

    In erster Linie wäre Deutschland pleite.
    Und ich wäre nicht kerngesund und ganz ohne Einschränkungen wäre ich auch nicht.

    Man darf halt keinen Alkohol trinken.

    Doch, man darf.
    Ich darf, du darfst, jeder darf Alkohol trinken. Wer will das denn verbieten?

    Aber sonst hat man keinerlei Einschränkungen und eine gute Lebensqualität.


    Ob die Nüchterheit zwingend eine gute Lebensqualität zur Folge hat, wage ich zu bezweifeln.
    Auch ‚keinerlei‘ Einschränkungen‘ mag ich gar nicht so uneingeschränkt zustimmen.

    Wenn man den Alkohol also weglässt ist Alkoholsucht keine schlimme Erkrankung. Wenn man ihn weglässt wohlgemerkt!!!!


    Ich finde, die Alkoholsucht ist eine schlimme Erkrankung. Sie geht nie wieder weg und sie wird immer in irgendeiner Form mein Leben beeinflussen.

    Ist es nicht eher mehr so, dass auch das Nüchtersein ein Lernprozess ist?
    Nüchterwerden können wir alle, jahrelang probiert, aber für das Nüchternbleiben ist doch mehr erforderlich als den Alkohol weglassen.

    Eingestanden habe ich mir ziemlich schnell, dass ich Alkoholiker geworden bin, nur akzeptieren konnte ich das nicht.
    Hier konnte ich mich dann soweit öffnen und so ehrlich in mich reinschauen, dass ich das auch akzeptieren konnte. Als ich mir die Fakten nicht mehr passend gemacht habe, kam auch die Akzeptanz.

    Es ist wie es ist, aber ich habe eine echte Chance, dieser Suchtspirale zu entkommen. Den Ausgang musste ich alleine finden, aber hier habe ich so viele Berichte gefunden, in denen beschrieben wird, wie Nüchternsein überhaupt geht….dass Nüchternsein überhaupt geht.

    Finde ich super….das selbst reflektieren.

    Ich habe für mich festgestellt, dass dieses ‚warum’ völlig unerheblich ist. Also dieses ,immer wenn ich…habe ich getrunken, oder eben ‚immer, wenn ich nicht…..habe ich getrunken‘. Letztendlich habe ich getrunken, weil ich alkoholabhängig geworden bin.

    Natürlich ist es auch sinnvoll, diese (vermeintlichen) Gründe mal zu durchleuchten, denn es ist ja hilfreich, solche Zeiten anders zu füllen und ich nicht als Leere zu empfinden.
    Aber grundsätzlich finde ich, dass die Alkoholsucht und jetzt das Nüchternsein nicht von äußeren ‚Umständen’ abhängig gemacht werden kann. Ich bin ja immer Alkoholiker und ich werde immer Alkoholiker bleiben….völlig unabhängig davon, ob ich das Gefühl habe, in ein Loch zu fallen oder mich belohnen zu wollen.

    Hallo undee,

    Auch von mir ein herzliches Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Und herzlichen Glückwunsch zu nun schon 11 nüchternen Tagen. 👍


    Ich betone wollen und nicht müssen, denn das scheint in meinem Fall den Unterschied zu machen zwischen vornehmen und umsetzen.

    Magst du verraten, welchen Unterschied das genau in deinem Fall macht?

    Ich meine, was ist bei dir anders als bei all den anderen Alkoholikern?

    Lieber Stern, da bin ich mir nicht so sicher. Meiner Ansicht nach können sich auch aus der Gewohnheit Sucht und Abhängigkeit entwickeln oder zumindest verstärkt werden.

    Das ist ganz klar.

    Aber es ging darum:
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Alkoholiker gibt, die aus Gewohnheit saufen.

    Und damit steht erst die Gewohnheit ….aus der dann natürlich auch Sucht werden kann.

    Ist der ‚Gewohnheitstrinker‘ aber dann Alkoholiker geworden, dann trinkt er doch nicht mehr ‚aus Gewohnheit‘, sondern, weil er aufgrund seiner Suchterkrankung trinken muss.

    Auf mich bezogen würde ich daher eine andere Trinker-Kategorie wählen, nämlich vielleicht den sogenannten "Gewohnheitstrinker" (oder eventuell auch "Bequemlichkeitstrinker").

    Ich war schlich und einfach ‚Suchtsäufer‘.
    Ich habe anfänglich missbräuchlich Alkohol getrunken und nur aus diesem Grund bin ich süchtig geworden….Alkoholiker. Dann habe ich gesoffen, weil ich saufen musste. Der einzige Grund war: Ich war Alkoholiker geworden.
    Es ist mir auch völlig wurscht, und ehrlich gesagt verstehe ich auch überhaupt nicht, welchen Nutzen diese Klassifizierung der Säufer für mich haben könnte.

    Insgesamt ändert das natürlich nichts an der vorhandenen Sucht, vor allem, wenn die Menge an Alkohol viel zu groß ist, die man - vielleicht auch nur aus Gewohnheit - zu sich nimmt.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Alkoholiker gibt, die aus Gewohnheit saufen.

    Hattet ihr auch mit solch tief verankerten Trinkgewohnheiten zu kämpfen, von denen es sich zu verabschieden galt? Hat bei Euch das Loslassen bzw. Verabschieden leicht geklappt?

    Natürlich. Aber, das war keine Gewohnheit, das habe ich so, weil ich das anders gar nicht ausgehalten habe.
    Wohnungstür auf, Flasche auf und wenn ich mir große Mühe gegeben habe, habe erst in der Küche die ersten gierigen Schlucke aus einem großen Glas getrunken. Wenn ich ‚spät dran war‘, habe ich direkt im Flur, noch Jacke und Schuhe an, die Flasche am Hals gehabt.

    Losgelassen habe ich den Alkohol im Kopf am 1. Tag des Nüchernwerdens ….unabhängig von der Umgebung.
    Was bedeutet leicht oder schwer? Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Es war jetzt so: keinen Alkohol mehr.
    Und für mich war auch direkt dieses ‚nie wieder‘ völlig klar.

    Herzlichen Glückwunsch zu 30 nüchternen Tagen. 👍🏻

    Und da mein Weg ja ein Marathon ist und kein Sprint, habe ich mir selbst bis auf weiteres innere und äußere Ruhe verordnet. Heißt ich gehe kleinere Schritte damit die Seele hinterkommt.

    Ruhe und auch ein wenig Gelassenenheit sind meine Begleiter im Alltag geworden.
    Das ist wichtig, dass die Seele hinterkommt. Nur, wenn es dir gut geht, kannst du auch zufrieden nüchtern bleiben.

    meinem Wortverständnis impliziert das Wort bekämpfen das Wort besiegen. Und ich habe mich gefragt ob stoppen ein besseres Wort wäre?

    Ja, für mich ist ,stoppen‘ im Zusammenhang mit der Alkoholsucht das bessere Wort.
    Weil ich so lange die Sucht bekämpft habe und erst hier begriffen habe, dass es ein sinnloser, ein kräftezehrender Kampf war, den ich nur verlieren konnte.
    Die Alkoholsucht ist nicht heilbar. Niemals und bei niemandem. Aber sie geht zum Stillstand zu bringen….zu stoppen. Mit Anstinzenz. Mehr geht nicht.

    Ich habe für mich familienintern nochmal ausgesprochen, dass ich Alkoholiker bin und es immer bleiben werde. Nur ich kann meine Sucht durch Abstinenz stoppen. Tag für Tag. Der Rückfall hat mir Angst gemacht.

    Das finde ich ganz wichtig.
    Du wirst genauso bis an dein Lebensende Alkoholiker bleiben wie ich auch und wie auch jeder andere Alkoholiker. Ausnahmen gibt es da nicht.

    Die Alkoholsucht ist eine Krankheit, die zwar durch absolute Abstinenz zum Stillstand gebracht werden kann, aber eben auch ‚nur‘ das. Die Alkoholsucht ist nicht heilbar.

    Angst muss dir dein Rückfall nicht machen. Angst ist nie ein guter Ratgeber.
    Aber er sollte dir gezeigt haben, wie schnell auf dünnem Eis eingebrochen werden kann, wenn Leichtsinn oder Leichtfertigkeit dazu verleiten, nicht vorher zu prüfen, ob das Eis einen auch trägt.

    Ich finde es für mich ganz wichtig, mir jeden Tag meiner Alkoholsucht bewusst zu sein.
    Ich wache nicht jeden Morgen auf und denke: Ich bin Alkoholiker und muss heute wieder achtsam sein, aber ich bin jeden Tag hier angemeldet. Auch, wenn ich nicht jeden Tag was zu schreiben habe, so ist es ja doch auch eine Art ‚Erinnerung‘, hier zu sein.

    In Gedanken gehe ich jeden Abend meinen Tag noch mal durch. Ich ‚erlebe’ so ganz bewusst das Schöne noch mal ein bisschen und ich freue mich, dass ich das erleben darf, weil ich den Ausgang aus der Suchtspirale gefunden habe.
    Nicht jeder Tag ist immer nur schön. Aber nüchtern habe ich zumindest eine Chance, damit umzugehen und Lösungen zu finden. Selbst, wenn ich ‚einfach‘ nur denke: Dann ist das jetzt eben so, ist das ja auch, zumindest für den Moment, auch eine Lösung.

    Ich wünsche dir auch einen guten und glücklichen Tag.
    Und selbst wenn dir das Leben (oder wer auch immer) einen großen Stein in den Weg legt, bücke dich und rolle ihn weg. Und wenn du das nicht alleine schaffst, hast du hier eine Gruppe, die dir hilft. Du musst dafür nur rechtzeitig rufen.

    die Lügen, ich muss nicht mehr lügen.

    Ich kann deine Erleichterung so sehr nachempfinden.
    Nicht mehr lügen müssen hat mir eine riesengroße Last von den Schultern genommen, hat mich wieder in die Augen meiner Mitmenschen blicken lassen können, hat mich wieder offen und neugierig auf das Leben werden lassen…

    Ich bin überwältigt.

    Ich bin auch gerade überwältigt.
    Du hast allen Grund, stolz zu sein. Denn du hast etwas ganz Großes beschlossen und wirst das auch umsetzen.

    Keine Ausreden, kein wehmütiges Zurückblicken, Hilfe annehmen und nach vorne schauen…. so war auch der Beginn meines nüchternen Lebens vor 3 Jahren und 7 Monaten.

    Da will ich mir auch mal meine Tränchen wegwischen, die Nase putzen und dir zu deinen Gedanken gratulieren.
    Ganz großen Respekt. 👍🏻

    Mein Pessimismus kam vielleicht von einiges Vorstellungsthreads die ich gelesen habe, dass es einige Kandidaten gibt, die schon etliche Rückfälle hatten. Ich will um Gottes Willen niemanden verurteilen, aber das regt zum grübeln an.

    Nun ja, der traurige Statistik nach werden ja auch so um die 95 Prozent rückfällig und davon schaffen es dann auch die wenigsten, sich noch mal aus der Suchtspirale zu befreien….weil die sich dann noch schneller nach unten dreht und der Ausgang so noch schwerer zu finden ist.
    Das ist erstmal ganz schön erschreckend und hat mich auch so lange glauben lassen, dass ich für immer saufen muss.

    Ich habe mich dann ganz mutig zu den knapp 5 Prozent gestellt und gesagt: Hier bleibe ich. Ich bin Alkoholiker und das werde ich auch immer bleiben. Nur, wenn ich ab jetzt keinen einzigen Schluck Alkohol mehr trinke, werde ich mein Leben zurückbekommen.

    Es ging nicht mehr nur darum, was ich will. Gewollt habe ich doch so lange, dass ich nicht mehr saufen muss. Sucht ist aber nicht mit dem Willen beherrschbar.
    Ich habe zwar immer gewusst, dass ich Alkoholiker geworden bin, konnte das aber nicht akzeptieren….weil..,ich wollte das nicht sein. Als ich hier ankam und so viele Erfahrungsberichte lesen durfte, wurde mir klar, dass ich für immer Alkoholiker bleiben werde, ich bis an mein Lebensende Alkoholiker bleiben werde. Und ich habe begriffen, dass ich krank bin, nicht schwach oder willenlos oder mit einem miesem Charakter bestraft….ich bin krank.

    Es wird niemals möglich sein, diese Krankheit zu heilen, aber es ist möglich, sie zum Stillstand zu bringen….mit absoluter Abstinenz.
    Und diese absolute Abstinenz liegt ganz alleine in meiner Verantwortung. Ich darf sie nicht von anderen Menschen oder von irgendwelchen Situationen abhängig machen. Das habe ich mir ganz fest in meinem Kopf verankert. Denn mein Kopf ist es doch, der immer bei mir ist…..Menschen und Situationen variieren doch ständig.

    Guten Morgen, Dietrich,

    ich wünsche dir heute ein gutes Gespräch mit dem Arzt. Vertraue ihm und vergiss dabei nicht, dass du und deine Nüchternheit das Wichtigste auf der ganzen Welt sind.

    Alles, wovon du meinst, jetzt noch so unbedingt erledigen oder bezahlen zu müssen, kann auch erledigt werden, wenn du deine Entgiftung erfolgreich hinter dich gebracht hast. Nichts ist wichtiger als du. Und ohne Nüchternheit kann es dich nicht geben.

    Ich habe schon immer mit viel Humor geschafft alles zu verheimlichen.

    Das hatte ich über die vielen Jahre ganz erschreckend perfektioniert, gar nicht so bewusst, vieles kam auch da schleichend, wie von ganz alleine.
    Ich lebte in 2 Welten….in der einen war ich ein kaputtes versoffenes Wrack, einsam und ohne Zukunftsperspektive, in der anderen habe ich funktioniert und bin meinen Weg gegangen.

    Irgendwann kam auch da der Rundumschlag bei dem ich dachte, was zum Teufel machst du hier eigentlich. Du versuchst dein Glück in materiellen Sachen zu finden.

    Als ich hier ankam, habe ich diesen ganzen angehäuften selten bis nie beachteten ,Kram’ in meinem Schränken verschenkt oder entsorgt.
    Du kannst dir nicht vorstellen, oder vielleicht ja doch, wie befreiend ich mich dabei gefühlt habe. Dinge anschauen, aufräumen, sortieren, aussortieren….Ordnung schaffen….Platz schaffen.
    Ordnung im Außen schafft Ordnung im Inneres. Ich durfte das erleben und das war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, die bis heute nachhallt.

    Das Verschenken auch von Dingen, die ich zwar super finde, aber absolut nicht brauche, ist ja nicht nur, sich von Dingen zu trennen. Generell finde ich, dass Geschenke machen, so viel mehr ist als Jemandem eine Freude zu bereiten. Ich habe diese Freude ja genauso. Schenken macht mindestens genauso glücklich wie Geschenke zu bekommen, mich jedenfalls ganz ganz oft.
    Allerdings ist hier der Grad bis zum ausgenutzt werden auch sehr schmal.

    Ich weiß dass die Tiefpunkte kommen werden. Ich weiß dass vielleicht Rückfälle kommen, dass mein Leben sich nicht verändert.

    Woher weißt du das?
    Niemand kann in die Zukunft schauen.

    Ich habe bestimmt 2 Jahre innerlich auf den ,großen Knall gewartet’, auf den Saufdruck, auf den Zwiespalt, auf irgendwas ganz Hässliches, was bestimmt auch vor mir nicht Halt macht.
    Es kam aber nichts von alledem.
    Vielleicht auch, weil ich innerlich so von meinem nüchternen Leben überzeugt war, dass ich von Anfang an überhaupt keine Zweifel daran hatte, dass ich nie wieder Alkohol trinken werde.
    Leichtsinnig oder übermütig war ich dabei aber nie. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass mein nüchternes Leben nur solange nüchtern bleiben wird, wie ich keinen Alkohol trinke. Weil ich immer Alkoholiker bleiben werde und weil ich mir sicher bin, dass der nächste Schluck Alkohol mein Todesurteil ist. Das will ich auch gar nicht anders formulieren.

    Glaube mir, dein Leben wird sich verändern.

    Pass bitte gut auf dich und auf deine Gedanken auf.

    Hallo Dietrich,

    du liest dich so voller Energie und so voller Freude auf dein nüchternes Leben. Zu Recht, denn es wird sich so viel verändern.
    Einiges wird sich von ganz alleine ändern, aber einiges wird sich auch nur ändern, wenn du es änderst.

    Kennst du schon unsere Grundbausteine?
    Sie wurden aus den Erfahrungen von Langzeittrockenen aus diesem Forum zusammengetragen und können auch dir ein guter Grundstein für dein nüchternes Leben sein.


    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Den Alkohol habe ich mit Glücksgefühle verbunden.

    Echt?
    Ich habe alles mögliche mit Alkohol verbunden, aber ganz sicher keine Glücksgefühle.
    So verschieden kann das sein.

    Die letzten Jahre habe ich nur noch gesoffen, weil ich musste….weil ich alkoholabhängig geworden bin und ohne das Zeug nicht mehr konnte. Das war ein Teufelskreis. Ich wollte nicht, aber ich musste. Ich musste und ich wollte das nicht.