Beiträge von Stern

    Bei dem Gedanken, dass man Alkohol nicht einfach deshalb weglässt, weil er einem nicht schmeckt, musste ich ein wenig schmunzeln. Das war bei mir nämlich genau umgekehrt: Alkohol hat mir nie geschmeckt, und trotzdem habe ich über lange Zeit Unmengen davon getrunken. Ich war von Anfang an nur an der Wirkung interessiert.

    Tatsächlich habe ich auch nur wegen der Wirkung Alkohol getrunken. Anfangs. Später dann, weil ich süchtig danach geworden bin.
    Dieses gemütliche Zusammensitzen bei einem ‚lecker Glas Wein‘ kenne ich gar nicht. Es war immer die Wirkung, die ich wollte.

    Ich habe viele Jahre aus tiefster Überzeugung und weil ich dem Alkohol so gar nix abgewinnen konnte absolut alkoholfrei gelebt. Mit Ende 30 waren meine Träume einer Familie ausgeträumt und um das und auch mich ertragen zu können, habe ich mich bewusst mit Alkohol weggeballert….immer wieder und mit immer mehr und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr aufhören kann damit, auch, wenn ich mich gar nicht mehr wegballern wollte. Ich war Alkoholiker geworden. Und das war mir auch genau so bewusst.

    Mein Kampf gegen die Sucht begann. Und natürlich konnte auch ich diesen Kampf nicht gewinnen. Nur wusste ich so viele Jahre nicht, dass niemand diesen Kampf gewinnen kann…. Und so wurde ich immer verzweifelter, habe mich selbst verloren und mich auch aufgegeben.
    Mir war irgendwie klar, dass ich da nie wieder rauskomme. Ich kannte nur diese ‚Horrorgeschichten‘ von Alkoholikern und ich habe letztendlich alle Kraft, die ich noch hatte ,dafür verwendet, möglichst nicht aufzufallen. Ein alkoholfreien Leben konnte ich mir für mich absolut nicht mehr vorstellen.

    Meine Angst, ein nüchternes Leben nicht zu schaffen, hat mich gelähmt.
    Hier las ich dann von so vielen, die genau das geschafft haben…..alkoholabhängig sein und nüchtern leben.
    Und hier las ich von so vielen Frauen, die auch alkoholabhängig geworden waren und schon so lange aus dieser Suchtspirale ausgestiegen sind. Da wusste ich: Ich kann das auch. Ich werde auch den Rest meines Lebens (wieder) ohne Alkohol leben.

    Nicht, weil ich damals bewusst gedacht hätte „ich hab’s geschafft“, sondern eher, weil es für mich irgendwann so selbstverständlich geworden ist, ohne Alkohol zu leben, dass ich mich mit dem Thema Sucht gar nicht mehr beschäftigt habe.

    Und genau aus diesem Grund finde ich, dass es für mich wichtig ist, mit meiner Alkoholsucht zu leben und mir immer wieder bewusst zu machen, warum ich abstinent lebe.
    Ich trinke ja nicht keinen Alkohol, weil er mir nicht schmeckt, sondern, weil ich Alkoholiker bin und der nächste Schluck Alkohol mein Todesurteil ist. Das habe ich ganz fest in mir drin verankert.

    Es geht bei der meiner Abstinenz nicht nur darum, dass ich die Alkoholsucht zum Stillstand bringen konnte, sondern heute vor allem darum, dass ich sie genau in diesem Stillstand bewahren kann.
    Zu heilen geht die Sucht nicht. Das Maximalste, was möglich ist, ist der Stillstand. Und das genau solange, wie es keinen einzigen Schluck Alkohol gibt.

    Ich glaube, das Gefährlichste für einen Alkoholiker ist, dass er ,vergisst‘, dass er Alkoholiker ist. Und ich glaube auch, dass ich, gerade auch, weil mir mein Weg, als ich ihn dann endlich gehen konnte, viel zu einfach erschien, da ziemlich riskant leben würde, wenn ich mich hier nicht mehr austauschen würde.
    Eben auch, weil ich im Alltag so gar nicht mehr daran denke, dass ich hier oder da doch besser aufpassen müsste, weil ich doch Alkoholiker bin …..

    Herzlichen Glückwunsch zu 4 nüchternen Monaten. 🏆

    Ein wahres „biermonster“ ca. groß wie zwei pkw Stellplätze und 2m hoch, dekoriert mit Osterhasen. Bier Sonderangebot. Kisten aufgestapelt und mitten im Weg, so dass man fast nicht an dem Berg vorbei kommt.

    Dass hat mich ziemlich sauer gemacht und wohl auch etwas ausgelöst in mir, da ich beim einkaufen plötzlich jede Flasche Alkohol wieder bewusst wahrgenommen habe was normalerweise nicht der fall ist.

    Ich weiß wo der Alk steht und meide diese Bereiche. Die Flaschen die so mal rumstehen sehe ich zwar, aber schenke ihnen keine Beachtung.

    Aber dieses „biermonster“ hat mich wohl so vor den kopf gestoßen dass alles präsent war.

    Diese Biermonster, auch gern als Sekt- oder Weinmonster getarnt sind gerade vor Feiertagen in den Supermärkten so platziert, dass es unmöglich ist, sie nicht zu bemerken.
    Ich musste mir da heute Morgen schon ordentlich Mühe geben, da ohne anzuecken mit diesem gefühlt immer größer werdenden Einkaufswagen vorbei zu kommen.
    Meine Gedanken dazu waren direkt: Die Welt wird nun mal nicht trockener, nur, weil ich nicht mehr saufe.


    Der Gedanke,der mich zögern ließ,war ganz klar die Frage,was ich von einer Beratung erwarte. Da ich zweimal lange/längere Zeit abstinent war und ambulant unterstützt wurde,tauchte diese Frage auf. Auch so ein kommisches Gefühl "das es mir nicht noch einmal zusteht".......da habe ich mich schwer mit getan.

    Aber....meine Lebenssituation ist mittlerweile eine ganz andere und ich benötige diese professionele Unterstützung,auch weil ich vor Ort keinen habe um meine jetzige Situation zu reflektieren.



    Es geht um dich und um dein Leben. Und das kann nur noch absolut abstinent funktionieren.
    Nimm dir alle Hilfe, die du kriegen kannst.

    Ich möchte nicht trinken und bin jetzt froh mir Hilfe (neben der SHG hier) ,doch zum Telefon gegriffen zu haben.......

    Super, dass du zum Telefon gegriffen hast.

    Vielleicht hilft es dir auch, wenn du verstehen kannst, dass es gar nicht mehr darum geht, ob du trinken oder eben nicht mehr trinken möchtest.
    Die Alkoholsucht lässt ja gar keine Spielraum zu. Das habe ich verstanden und verinnerlicht: Ich kann keinen Alkohol mehr trinken, wenn ich leben will. Es ist dabei völlig Wurscht, was ich will…. Keinen Alkohol trinken ist keine Wahl mehr, es ist die absolute Notwendigkeit für mein Leben.

    Natürlich möchte ich auch keinen Alkohol mehr trinken, nie wieder. Aber dieses ‚…und es geht auch gar nicht mehr‘ macht für mich noch mal mehr deutlich, dass Sucht nicht alleine mit dem Willen zu steuern geht.

    Herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Ich habe absolut vor, dauerhaft abstinent zu leben, so wie die 8 Jahre davor auch schon. Nur ist es für mich dieses mal sehr wichtig, einiges anders zu machen wie zuvor. Alkohol muss weiterhin ein Thema bleiben, auch wenn ich nicht mehr trinke.

    8 Jahre ohne Alkohol ist ja durchaus etwas, woraufhin gut aufbauen kannst.

    Alkohol hat in meinem Alltag gar keinen Platz mehr und doch achte ich darauf, dass meine Alkoholsucht in meinem Leben ein Thema bleibt. Deshalb bin ich hier.

    Danke, dass du mir vor Augen hältst, wie wichtig es ist, ‚am Thema dranzubleiben‘ und ich wünsche dir, dass du genau das für dich auch verinnerlichen kannst.

    Herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Da wir hier alle im selben Boot sitzen, hoffe ich auf Verständnis und freue mich auf den Austausch.

    Sitzen wir tatsächlich alle im selben Boot?
    Gemeinsam ist, dass wir Alkoholiker geworden sind, dass wir das jetzt für immer bleiben würden und dass der einzige Weg für ein nüchternes Leben die dauerhafte absolute Abstinenz ist.

    Einen guten Austausch kannst du hier haben.
    Mir ist der Austausch hier eine Notwendigkeit und eine große Bereicherung geworden.

    Kontrolliertes trinken funktioniert nicht, also am besten gar nichta mehr.

    Mit ‚am besten‘ ist das so eine Sache.

    ‚Gar nichts mehr‘ ist die Voraussetzung für mein Leben. Weil es mit Alkohol kein Leben mehr war.
    Es gibt da auch keinen Spielraum. Entweder ich kann leben ….und das geht nur absolut alkoholfrei oder ich trinke Alkohol und das Leben, was ich mir für mich wünsche, funktioniert nicht mehr.


    Ich wünsche dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Macht es einen unterschied ob ich sage, ich trinke keinen Alkohol oder sage ich bin trockener Alkoholiker?

    Für mich persönlich macht das keinen Unterschied.
    Nach außen erklärst du mit ‚Ich bin trockener Alkoholiker‘ natürlich deutlich, warum du ‚keinen Alkohol trinkst‘.
    Ich habe für mich entschieden, nichts zu erklären. Mir ist es wichtig, mich nur bei mir zu erklären.

    Es ist eigentlich nicht mein Ziel, Arbeitsstelle, Freund und Familie auszutauschen. Muss so etwas sein? Bei jeder Familienfeier wird getrunken. Soll ich hier fern bleiben?

    Niemand muss Arbeitsstelle, Freunde und Familie austauschen. Vieles reguliert sich doch sowieso von ganz alleine.

    Fernbleiben ist kein Austauschen. Und ‚fernbleiben’ wird hier schon so empfohlen.
    Einfach, weil es wichtig ist, erstmal die eigene Abstinenz abzusichern. Die Alkoholsucht ist eine Sucht. Alleine mit dem Willen geht bei einer Sucht nichts zu steuern. Für Niemanden.
    Die Abstinenz muss tief ins Innere gelangen, und das geht nun mal einfacher, je weniger Kontakt zu alkohollastigen Situationen ist.

    Ich habe eingesehen und akzeptiert, dass meine Alkoholsucht nur gestoppt werden kann, nicht geheilt. Und das auch nur solange, wie ich keinen Alkohol trinke.
    Mein alkoholfreies Zuhause ist meine ‚sichere Burg‘ geworden.

    Und ganz ehrlich, was genau reizt dich daran, dich nüchtern mit saufenden Leuten an einen Tisch zu setzen?

    Eigentlich würde ich gerne kontrolliert trinken, weil ich Bier gern mag, aber im Moment merke ich, dass das nicht funktioniert. Deshalb überlege ich, ganz auf Alkohol zu verzichten, um mir selbst und meiner Familie nicht zu schaden.

    Eigentlich würdest du gern kontrolliert trinken? Weil du Bier magst?
    Du hast doch selbst gemerkt, dass es einem Alkoholiker unmöglich ist, kontrolliert zu trinken. Kontrollverlust ist schlechthin das Merkmal für die Alkoholsucht.
    Es gibt keinen Alkohol mehr. Weil es eben nicht mehr möglich ist, da irgendwas kontrollieren zu können.
    Auch alkoholfreies Bier enthält Alkohol ….und der Schritt zum ‚richtigen Bier‘ ist nur winzig klein.

    Jetzt stehe ich allerdings vor einer neuen Herausforderung: Wie kann ich in solchen Situationen stark bleiben?

    Würde ich stark bleiben müssen, wäre mein nüchterner Weg sehr sehr schwer und auch holprig.
    Stark sein im Zusammenhang mit der Sucht ist ein kämpfen gegen die Sucht. Stark sein würde bedeuten, dass ich schwach bin, wenn ich trinke.
    Sucht hat aber nichts mit Schwäche zu tun und nüchtern bleiben nichts mit Stärke.

    Jahrelange habe ich gegen die Sucht gekämpft, mich so schwach gefühlt, weil ich es nicht geschafft habe, nichts mehr zu trinken. Ich wollte stark sein und die Sucht besiegen. Viele Jahre habe ich damit verbracht. Dabei habe ich mich immer weiter verloren….weil ich mich so schwach fühlte….nicht stark genug war.


    Erst, als ich erkannt habe, dass weder die Sucht noch das Nüchternbleiben was mit stark oder schwach sein zu tun haben, und erst, als ich akzeptiert habe, dass die absolute Abstinenz eine Notwendigkeit für mein nüchternes Leben ist, und erst als ich mich und meine Abstinenz an erste Stelle setzte, konnte ich zufrieden nüchtern werden.
    Ich muss nicht stark sein. Weil ich auch nicht schwach war, als ich Alkohol getrunken habe und nicht damit aufhören konnte.

    Ich bin ein Alkoholiker, der nun sein Leben alkoholfrei verbringen möchte, weil es mit Alkohol kein Leben mehr war und weil es mit Alkohol auch nie wieder ein Leben werden kann.
    Und weil die Alkoholsucht eine lebenslange Erkrankung ist, die lediglich zum Stillstand gebracht werden kann, werde ich alles dafür tun, was mir möglich ist, damit ich diesen Stillstand nicht gefährde.

    Mich würde interessieren: Wie habt ihr für euch herausgefunden, warum ihr getrunken habt? Gab es bei euch einen Moment oder eine Erkenntnis, die euch geholfen hat, das zu verstehen?

    Angefangen zu trinken habe ich, weil ich es wollte …. weil ich Wirkung für mich gut fand.
    Gesoffen habe ich dann, weil ich es musste. Ich war süchtig geworden, Alkoholiker.

    Die Alkoholsucht ist letztlich der einzige Grund, warum ich trotz aller Vernunft, trotz besserem Wissen, trotz Willen weitergeholfen habe.
    Als ich das erkannt habe, war auch klar, dass es künftig nur noch absolut abstinent weitergehen kann. Die Sucht ist ja nur gestoppt. Nicht geheilt. Und sie ist genau so lange gestoppt, wie ich keinen einzigen Schluck Alkohol zu mir nehme.

    Hallo Jochen,

    deine Überschrift stach mir ins Auge.
    Solange du dir die Frage stellst, ob du Alkoholiker bist, wirst du nicht dauerhaft in dem Trinken aufhören können.

    Das habe ich drei Wochen durchgehalten

    Beantwortet das nicht deine fragende Überschrift?

    Meine Frage: Soll ich offen mit meinem Hausarzt über das Problem sprechen, oder ist ein Psychiater die bessere Anlaufstelle? Kann ein Forum wie dieses mir überhaupt helfen, oder brauche ich professionelle Unterstützung?

    Ja, offen mit dem Hausarzt reden ist absolut wichtig. So kann er dich auch beim Entzug unterstützen.
    Wenn du schon beim Psychiater bist und dort natürlich auch offen und ehrlich bist, hast du doch schon mal gute Voraussetzungen für deinen Weg geschaffen.
    Bitte besprich deinen Entzug mit deinem Arzt.

    Eigentlich würde ich gerne kontrolliert trinken, weil ich Bier gern mag, aber im Moment merke ich, dass das nicht funktioniert. Deshalb überlege ich, ganz auf Alkohol zu verzichten, um mir selbst und meiner Familie nicht zu schaden.

    Kontrolliertes trinken funktioniert für einen Alkoholiker nicht mehr. Das wird hier auch nicht thematisiert. Eben, weil es nicht funktioniert.
    Hier tauschen sich ja nur bekennende Alkoholiker aus, die eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Was kann sich noch zum Positiven ändern (ohne Alk),wenn diese Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit bleibt?

    Das klingt für mich so, als ob du davon ausgehst, dass alles immer so bleibt wie es gerade ist.
    Kennst du den Grund oder die Gründe für diese Traurigkeit? Und woher rührt diese Hoffnungslosigkeit?

    Bin nur so müde an all meinen eignen "Fronten" tagtäglich kämpfen zu müssen.

    Kämpfen ist immer sehr ermüdend, finde ich. Und viele Kämpfe sind so sinnlos, weil man gar nicht gewinnen kann. Oder machmal auch, weil es gar nicht wichtig ist, ob man gewinnt.
    Ich kämpfe nicht mehr. Mit der Akzeptanz, dass das jetzt so ist wie es ist, komme ich inzwischen ziemlich gut zurecht.
    Ich hatte auch viele Baustellen. Die meisten davon habe ich selbst geschaffen oder zumindest maßgeblich dazu beitragen, dass das so war, zum Teil ja sogar noch ist. Aber fast alles konnte ich so nach nach als ‚überhaupt nicht wichtig‘ an die Seite legen. Vieles ist ja noch genau so da, aber es nicht mehr wichtig für mich.

    Es ist, wie es ist. Damit werde ich jetzt so gut wie es eben geht, leben. Und auch, wenn ich dann damit so gut, wie es eben geht, leben kann….dann ist es, wie es ist. Ich muss nicht alles ändern.
    Mich frei zu machen von der (nicht zu erreichenden) Perfektion, von der ich dachte, ich müsste das sein, hat mir mein eigenes kleines ‚perfekt‘ geschenkt.

    Atmen und nüchtern bleiben muss ich, wenn ich leben will, ansonsten muss ich gar nüscht.

    Ich bin auch echt nicht dieser Mensch, der sich in der Runde so wohl fühlt

    Das geht mir auch so. Ich habe auch ‚nur‘ hier meine SHG gefunden.

    Ich sehe natürlich positive Veränderungen, aber ich bin immer noch oft enttäuscht dass es soweit kam und vorallem wie schnell es ging . Ich bin allgemein von meiner psyche her ein eher skeptisch und ängstlicher Mensch, evtl. liegt es dran . Wenn ich dass alles einme Kollegen erzählen würde ,würde er es mir nicht glauben dass ich von mir rede .

    Mir hat es anfangs sehr geholfen, das ganze Positive hier aufzuschreiben. Eben auch, weil ‚da draußen‘ gar keiner diese schönen Veränderungen mit meiner Person ‚zusammenkriegen‘ könnte.
    Über meine Sucht und all das, was damit zusammenhängt, erzähle ich bei Arbeit sowieso nichts. Mein Ort für meine Sucht ist hier.

    Hallo Tiffy,

    du schreibst hier wenig. Bist du noch in einer realen SHG?

    Ich frage, weil ich anfangs hier von all dem schönen und neuen erzählen wollte, was mich beschäftigt, was ich nüchtern erlebe, wie ich nüchtern empfinde, was sich da alles in mir und um mich herum verändert. Da war ja erstmal irgendwie alles neu, alles zum ersten Mal (wieder) nüchtern…. so viel, was nüchtern wieder möglich ist, so viel, was ich erst wieder neu lernen musste und so viel, was sich so schön anfühlte.

    All das schöne ist doch auch, was hier für mich festhalten möchte.

    Hallo ihr lieben, hattet ihr auch solange dass Gefühl ihr versprecht euch öfter oder ihr denkt nicht an alles ?Wird das irgendwann wieder normal? Ich frage mich ob bei mir was nich stimmt.... ich fühle mich oft so unkonzentriert.... auch esse ich ziemlich viel gerade und bin manchmal so müde 🙀

    Da (und auch sonst) lese ich so gar nichts, was dir an schönen Veränderungen auffällt, was für schöne Momente du in deinem nüchternen Leben so ganz bewusst neu erlebst, dich daran freust…..

    Natürlich ist jeder anders in seinem Mitteilungsbedürfnis und vielleicht hast du ja in deinem direkten Umfeld nahestehende Menschen, denen du all das mitteilen kannst oder eine reale SHG. Oder vielleicht ist all das gar nicht wichtig für dich.


    Warum denkst du, dass bei dir irgendwas nicht stimmt. Unkonzentriert sein, mich versprechen, nicht immer an alles denken ….das kann einfach nur der Müdigkeit geschuldet sein und die ist bei mir immer dann besonders ausgeprägt, wenn ich mal wieder zu viel Süßkram gefuttert habe oder aber, wenn das länger anhalten würde, wäre da mein Arzt mein Ansprechpartner.

    Klar ist es auch erstmal hilfreich, wenn andere in ähnlicher oder gleicher Situation ähnliche oder gleiche Erfahrungen machen, aber letztlich hilft mir doch nur: Was mache ich jetzt damit? Meine Symptome bleiben ja trotzdem.
    Wenn ich damit gut leben kann, dann ist es gut und wenn nicht, lasse ich das vom Arzt abklären.

    Du bist schon fast 3. Monate nüchtern, aber eben auch erst fast 3 Monate.
    Für mich war anfangs alles besser als Alkohol. Alles war erlaubt.

    Aber mein Zuckerbedarf hört irgendwie nicht auf 🙈🤷 ich bin sonst keine Naschkatze.

    Ich wurde mit dem Nüchternwerden nicht nur zur Naschkatze, sondern zum ausgewachsenen verfressenen Löwen, der ständig auf der Suche nach Süßkram war und sich manche Tage fast ausschließlich davon ernährt hat.
    Und tatsächlich wurde das bei mir zum Problem. Ich rede jetzt auch nicht von einer Packung Toffifees oder 7 Bountys……


    Sollte ich da genauer hinschauen und mir Gedanken machen oder pendelt sich das noch ein? Vermutlich ist es bei jedem anders.

    Ich persönlich habe mich irgendwann nicht mehr darauf verlassen, dass sich da irgendwas einpendelt. Eben, weil ich bei mir da echt suchtartige Fressanfälle beobachtet habe.
    Zucker hat ein sehr hohes Suchtpotenzial.
    Inzwischen habe ich das, zumindest meistens, ganz gut im Griff.

    Schön,dass du es auch geschafft hast,mit dem Rauchen aufzuhören und einen du einen Blick auf den Zuckerkonsum hast.

    Sicher sehr schwierig,da er gefühlt überall mit als Geschmacksträger zugesetzt ist. Ich lebe allergiebedingt vegan und habe es mir angewöhnt,auf jedes Etiket zu schauen. Und ich habe schon häufig gestaunt,wo sich tierisches verbirgt.....

    Mit dem Rauchen habe ich schon lange aufgehört. Und genauso wie es selbstverständlich geworden ist, nicht zu rauchen, wurde es selbstverständlich, nicht zu trinken.
    Ohne Zucker ist schwierig …weil es ja so ziemlich überall reingemischt wird. Aber ohne Süßkram, das kriege ich meistens ganz gut hin. Mein Ziel ist damit erreicht.

    Ich bin heute 65 Tage ohne Alkohol und ich fange langsam an, kleine positive Veränderungen festzustellen. Jeden Abend bin ich gedanklich dabei 5 positive Dinge/Erlebnisse des Tages für mich nochmal aufzurufen.

    Herzlichen Glückwunsch zu 65 nüchternen Tagen. 🌺

    Abends den Tag noch mal Revue passieren lassen ….da ist so viel schönes dabei. Aber das ist dann ja immer ‚nur’ die Rückschau.
    Ich habe diese abendlichen Gedanken vorgezogen …ins ‚das ist jetzt ganz besonders‘ …..‘jenes ist jetzt aber schön‘ …. Es geht mir jetzt richtig gut (auch, wenn nicht immer alles gut ist).

    Ich wünsche dir einen schönen Tag, genieße den Moment.

    Gefühlt überall Alkohol. Hat mich aber nicht gestört. Ich habe es nur wahrgenommen.

    Alles, was ‚nur’ wahrgenommen wird, kann auch noch viel später vom Suchtgedächtnis ‚aufgegriffen‘ werden. 👆

    Deshalb wird hier empfohlen, gerade am Anfang erstmal nirgends hinzugehen, wo es gefühlt überall Alkohol gibt. Das hilft, die Abstinenz zu schützen und zu festigen.
    Das Suchtgedächtnis arbeitet nicht nach Wunschvorstellungen, es ruft eben genau diese Erlebnisse in Momenten ab, in denen du schon längst vergessen hast, dass du beim Frühlingsfest warst.

    Im Moment: gedanklichen Stinkefinger zeigen,Abstand halten wenn möglich .

    Manchmal ist mir meine Sturheit auch schon im Weg gewesen, früher (als ich jung war), sogar ziemlich oft. Aber ganz ehrlich, beim Lernen, mit meinen Süchten (rauchen, saufen, Süßkram futtern) zu leben, habe ich auch gelernt, eben genau diese Sturheit gezielt einzusetzen und mein ‚Kopf und Mittelfinger hoch‘ ließ mich mich oft zufrieden lächeln.
    Beim Zucker gelingt mir das noch nicht immer so gut. Vielleicht auch, weil da ‚ganz weglassen‘ nahezu unmöglich ist. Zigaretten und Alkohol weglassen fiel mir da wesentlich leichter. Und ehrlich gesagt, fand ich das Rauchen aufhören für mich sogar schwieriger als den Absprung vom Alkohol zu schaffen. Der Weg von ‚ich will nicht mehr‘ zu ‚Ich muss nicht mehr‘ war beim Alkohol wesentlich länger.
    Als ich da verstanden habe, dass ein Leben für mich nur noch nüchtern funktionieren kann, war mir klar: Es geht jetzt nüchtern weiter. Ohne wenn und aber ….. Kopf und Mittelfinder hoch…. Heute erhebe ich Kopf noch immer, nicht mehr stur, sondern voller Stolz.
    Die Sucht bleibt. Gut mit ihr zu leben, das ist das, was mich glücklich und zufrieden macht. Die Sucht bestimmt mich nicht mehr.

    Du kämpfst also nicht nur für ein besseres Leben, du kämpfst auch gegen ein Bild, was dir immer eingetrichtert wurde und nie in Frage gestellt wurde.

    Kämpfen im Zusammenhang mit Sucht ist immer ein Verlieren. Niemand kann gegen die Sucht gewinnen.

    Für mich funktioniert der nüchterne Weg nur über die Einsicht, Alkoholiker zu sein, über die Akzeptanz, dass das jetzt so ist und auch für immer so bleiben wird und über meinen Wunsch, (möglichst gesund) leben zu können.

    Und doch ist meine Gesundheit der einzige Grund (zumindest bis jetzt) warum ich nicht mehr trinke. Irgendwann,wenn ich mehr zeitlichen Abstand dazu habe,werde ich genauer hingucken. Das habe ich mit dem nicht- mehr- rauchen auch so gemacht. Hat aber Jahre an Abstand gebraucht.

    Ist das nicht ein ziemlich großer Wunsch?
    Fakt ist doch, dass die Alkoholsucht eine ziemlich gefährliche Krankheit ist und dass Alkohol ziemlich viele zusätzliche Krankheiten verursacht, die das Leben verkürzen, zum Teil sogar sehr und oft auch sehr sehr häßlich.
    Die Chance, möglichst lange und möglichst gesund selbstständig leben zu können, ist ohne Alkohol doch um ein Vielfaches höher.

    aus meiner erfahrung mit anderen trockenen alkis, die nach so langer "trockenzeit" rückfällig geworden sind stand nicht druck, stress oder sonstwas im fokus. sondern die annahme das nach 10-15 oder 20 jahren keine gefahr mehr besteht, wenn man sich mal ein kleines schlückchen gönnt :idea: ja mein gott, was soll schon passieren?

    Danke für diesen Satz.

    Der Unterschied zwischen "nicht dürfen" und "nicht brauchen" ist gefühlt groß.


    Gedanken von nicht wollen - nicht dürfen - nicht brauchen hatte ich anfangs auch. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich hilfreich waren


    Mit dem ,nicht können‘ hatte ich mehr Klarheit im Kopf, das war greifbar für mich. Und jedem ‚abwägen und vergleichen’ wurde die Grundlage genommen.

    Aber diese Filmszene hat genau DAS eingefangen und ich spürte Bedauern,dass das für mich nicht möglich ist. EIN Glas zu trinken,ganz entspannt, dabei intressante Gespräche zu führen oder ein bisschen kreativ rumwuseln.

    Da bin ich bildlich mit meiner eignen Gedanken-Wunsch-Welt konfrontiert worden. Jetzt ist es mir klarer,welcher Knopf da bei mir gedrückt wurde und welche nicht realistische Sehnsucht ich da gefüttert habe.



    Was machst du jetzt dieser Erkenntnis?

    Es wird ja auch künftig genau diese Filmszenen geben. Alkohol kann immer irgendwo rumstehen, er kann auch immer irgendwo getrunken werden….