Entweder man WILL es schaffen, ein glückliches abstinentes Leben zu führen oder eben nicht. Und ich will und werde das schaffen.
Schaffen wollte ich es sehr viele Jahre …dieses glückliche abstinente Leben. Viele Jahre …jeden Tag. Und doch habe ich es nicht geschafft …viele Jahre.
Wollen alleine hat mich nicht einen Millimeter vorwärts gebracht.
Ich war so tief in der Sucht gefangen, so tief in meinem verlogenen Leben drin und so voller Verzweiflung, weil ich das Gefühl hatte, dass ich es nie schaffen kann, mit dem saufen wieder aufzuhören. Auch nicht ganz arg schlimme Bauchschmerzen über Tage und Nächte, keine Übelkeit den ganzen Tag lang und auch kein unbeschreibliches Ekelgefühl vor Alkohol haben gereicht, um mit dem Saufen aufzuhören.
Mit dieser Verzweiflung habe ich mich hier angemeldet.
Hier habe ich überhaupt erst erfahren, dass es möglich ist, sich aus dieser Suchtspirale wieder zu befreien. Hier wurde mir bewusst, dass ich krank bin. Nicht schwach, nicht verkommen, nicht charakterlos, nicht der versoffene Mensch, der keine Chance mehr hat.
Dass ich Alkoholiker bin, war mir schon ganz lange bewusst. Aber Alkoholiker sind doch diese Penner, stinkend, ohne Arbeit, verkommen ….und genau das bin ich auch …nur habe ich nicht gestunken (zumindest nicht, wenn ich das Haus verlassen habe) und ich ging auch arbeiten (meistens jedenfalls)….
Erst die Erkenntnis, dass ich krank bin …alkoholkrank, und vor allem, dies auch voll und ganz zu akzeptieren, haben mir die Gewissheit gegeben, dass ich es auch schaffen werde, ein nüchternes Leben zu leben.
Genauso groß wie meine Verzweiflung war auch meine Entschlossenheit, das jetzt auch zu schaffen.
Alkohol ist immer da ….überall wird Alkohol getrunken, selbst auf Kindergeburtstagen…..
Ich musste trotzdem einen Weg für mich finden. Ich habe akzeptiert, dass es immer und überall Alkohol geben wird…außer: bei mir zu Hause. Und da auch nicht für Gäste.
Niemand wird im Supermarkt das Weinregal abbauen, wenn ich einkaufen will und niemand wird im Restaurant am Nebentisch ein Wasser bestellen, nur, weil ich das mache…
Nur in mir drin kann ich was verändern und das habe ich gemacht….vor 27 Monaten und seitdem überprüfe ich meinen Weg, meine Gedanken, mein Umfeld. Nicht mehr jeden Tag, aber doch hin und wieder. Ich passe gut auf mich auf, verwöhne mich und ich belaste mich nicht mehr mit Dingen (und auch Menschen), die mir nicht gut tun.
Ich werde immer Alkoholiker bleiben, und ich werde immer mit den Beinen baumelnd am oberen Rand der Suchtspirale sitzen, ab und zu hinunter schauen und mich an schlimme Zeit da unten erinnern, aber wenn ich nie wieder auch nur einzigen Schluck Alkohol trinke, bleibe ich da oben auch sitzen ….ansonsten falle ich da runter …und schaffe es vermutlich nicht noch einmal, da wieder rauszukommen.
Diese Gedanken hatte ich gerade so für mich, als ich bei dir gelesen habe.
Ich wollte diese Gedanken erst in meinem Buch (im geschlossenen Bereich) lassen, aber vielleicht sind sie hier im offenen Bereich auch ganz gut aufgehoben.