Hallo liebe Gruppe,
seit über einem Jahr habe ich nichts mehr geschrieben ... möchte aber gerne eine Zusammenfassung der letzten Monate und meiner Erkenntnisse geben. Vielleicht hilft es hier jemandem...
Erkenntnis 1:
Traue deinem Bauchgefühl!
Wenn du nicht sicher bist, ob dein Partner Alkoholiker ist ... aber irgendwie gibt es immer wieder irritierende Situationen - dann liegst du mit deinem Gefühl sehr sehr wahrscheinlich richtig.
Erkenntnis 2:
Trenne dich!
Das ist leicht gesagt. Und natürlich gibt es wenige Menschen, die trocken werden und bleiben. Aber willst du darauf warten? Dein Lebensglück davon abhängig machen und leiden?
Erkenntnis 3:
Befreie den anderen!
In meinem Fall war es so, dass ich mit meinem Partner in ein sehr ungesundes Hin-und-Her gekommen bin. Einerseits wollte ich mit ihm zusammen sein, dann gab es wieder Alkohol-Zwischenfälle, dann Trennungsabsichten, dann Hoffnung, dann wieder mehr Sicherheit und Zukunftspläne, dann Zwischenfälle ...und wieder stand Trennung im Raum.
Auch ein alkoholkranker Mensch hat Gefühle und braucht Stabilität - oder besser Klarheit. Und diese Klarheit kann darin bestehen, dass man sich trennt. Oder - und ich glaube das können die Wenigsten - man ist ein Fels in der Brandung, der dem anderen ohne Wenn und Aber zur Seite steht.
Ich jedenfalls habe meinen Partner durch mein On-Off Verhalten (auch wenn es manchmal "nur" Trennungsdrohungen waren, die von mir nicht umgesetzt wurden) ganz schön gequält. Natürlich hat er auch durch Hoffnung-Machen, Lügen ...etc zu dem Kuddelmuddel beigetragen. Aber ich hätte ihn und uns durch einen klaren Cut davon befreien müssen.
Mein Partner, mit dem ich seit 12 Jahren zusammen war - und immer war sein Alkoholkonsum ein Thema - ist 2022 für über 6 Monate nach Thailand gegangen. Dort hat er super viel Sport gemacht und gesund gelebt. Ich hatte ihn dort auch besucht und es kam bei mir wieder große Hoffnung auf. Zurück in Deutschland hielt seine gute Phase auch noch eine ganze Weile an. Ich habe es ihm richtig angesehen, alleine vom Körpergewicht her, seine Haut, das gesunde Strahlen in seinen Augen ... und ich hatte ein ganz anderes Gefühl der Ruhe und des Vertrauens in ihn und in uns.
Irgendwann fing es aber wieder an ... diese komischen Signale, bei denen ich mir nicht sicher war. Hatte er am Telefon eben leicht gelallt oder hatte ich mir das eingebildet? War da nicht ein kaum wahrnehmbarer Alkoholgeruch in seinem Atem ... oder waren das nur meine Ängste?
Aber dann häuften sich wieder die (auch sehr deutlichen) Einschläge.
Vor ein paar Monaten hatte er Geburtstag und da ich zu der Zeit im Ausland war, rief ich bei seinem Lieblingskiosk um die Ecke an, dass sie ihm ein Überraschungspaket mit Snacks zusammenstellen sollen. Dann habe ich noch zwei seiner Freunde dahin bestellt und es sollte eine Mini-Überraschungsparty werden. Naiv wie ich bin, hatte ich wirklich überhaupt nicht daran gedacht, dass er dort immer noch hingeht, um zu trinken. Jedenfalls kam im Gespräch mit dem Kioskbessitzer, der mich beraten sollte, was denn an Lieblingsprodukten in den Karton soll, raus, dass er regelmäßig dort 5 halbe Liter Starkbier holt. Bääämmm!
Und selbst da hab ich noch nicht die Reißleine gezogen. Ich dachte wieder "Ok, wenn es 5 Beir sind, trinkt er die vielleicht nicht alle an einem Abend sondern verteilt auf die ganze Woche. Das ist dann ja max. ein Feierabendbier"
Da ich momentan in einer anderen Stadt arbeite, haben wir uns wenig gesehen und viel telefoniert. Ab und zu wirkte er dabei wirklich betrunken. Obwohl ich es nie zu 100% sagen konnte (sehen WOLLTE). Dann vor ein paar Tagen wieder ein Telefonat, in dem ich ihm erzählte, dass ich einen Notfall mit meinen Zähnen habe und kurzfristig nach Hause komme. Auch in dem Gespräch wirkte er wieder alkoholisiert.
Nun bin ich hier und er fragte mich heute morgen, warum ich denn in der Stadt sei. Ich hatte ihm in unserem Telefonat aber sehr ausführlich von meiner Situation erzählt, dass ich unbedingt kurzfristig eine Emergency-Zahnarzttermin brauche etc. Er hatte wirklich einen totalen Filmriss und das bedeutet bei ihm, seiner Statur und den Mengen an Alkohol, die er verträgt, ohne viel zu merken, dass er absolut volltrunken gewesen sein muss.
Ein erneutes Gespräch (das 1000ste) über seinen Alkoholkonsum drehte er dann so rum: Warum soll er der einzige sein, der etwas für die Beziehung tut? Wenn er aufhört zu trinken - was habe ich dann anzubieten (es folgt eine Aufzählung meiner Defizite)? Und: selbst wenn er mit Alkohol aufhörte, würde die Beziehung nicht funktionieren da ich ...(Aufzählung meiner Defizite)! Ach ja, und er trinkt deshalb, weil er umhappy ist - wegen mir!!!
Ok - diese Beziehung ist zu Ende. Übrigens auch von seiner Seite.
Eigentlich wusste ich schon in den ersten Monaten unseres Kennenlernens, dass er trinkt. Er ist ein toller Mensch: Super intelligent, smart, witzig, attraktiv ... eine sehr beeindruckende Persönlichkeit. Da war immer dieses Potenzial, dass ich in ihm gesehen hab. Warum auch immer, habe ich es als meine Aufgabe gesehen, dieses Potenzial "freizulegen".
Aber wenn ich auf die letzten 12 Jahre zurück blicke, hat sich da gar nix freigelegt. Nix. Null.
Resümee: Mit diesem Viertel meiner Gesamtlebenszeit hätte ich etwas Anderes, Gesünderes, Konstruktiveres machen können!!!