Man ist ja auch in den trockenen Pausen nur ein halber Mensch. Nun kenne ich Deinen Mann nicht genau, aber ich war in den Trinkpausen ständig unzufrieden, ängstlich, depressiv, gerädert, gestreßt, unausgeglichen, kaum konfliktfähig und belastbar, unzuverlässig -- ach, mir fallen bestimmt noch 100 Adjektive ein, wenn ich lange genug drüber nachdenke.
Beiträge von Hanseat
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Ich habe eine Frage.....
Vielleicht kann mir jemand diese beantworten, der selbst getrunken hat.
Wie kann jemand von jetzt auf nachher nichts trinken, ohne körperlichen Entzug. Ist man dann (nur) psychisch abhängig?
Ich weiß, es ist eine doofe Frage.
Das ist überhaupt keine doofe Frage. Ich bin ja zum Beispiel der Typ Quartals-, Exzeßtrinker. Pausen von zwei bis vier Wochen sind bei mir völlig normal. In dieser Zeit muß ich mich gar nicht zusammenreißen, da widert mich die Vorstellung zu saufen einfach nur an. Und irgendwann schleicht sich dann wieder der Satan an ...
Ich habe mich wegen der Trinkpausen auch oft gefragt, ob ich körperlich oder psychisch abhängig bin. Vermutlich ist es so, daß Pegeltrinker körperlich abhängig sind, Komatrinker psychisch abhängig. Und sicherlich gibt es da auch Überschneidungen und Grauzonen. Dieser Unterschied ist bestimmt nicht ganz unwichtig und vermutlich für einen Therapeuten interessant, im Endeffekt sind aber alle Alkis abhängig. Und für den Lebenspartner zählt doch sowieso nur das Ergebnis, daß ein Zusammenleben mit einem nassen Alki nicht möglich ist.
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Gerade in der Anfangszeit der Abstinenz ist der eigene Blick doch noch sehr alkoholfixiert.
Das ist bestimmt so, ja. Ich reagiere im Moment sehr sensibel auf Werbung für Alkohol, registriere, was in meiner Straße so weggesoffen wird (sehr, sehr viel, hier gibt es eine große Alki-Szene und viel Gastronomie), wie Alkohol in Filmen verniedlicht und verherrlicht wird -- ganz allgemein, wie überhaupt bei allen gesellschaftlichen Anlässen pokuliert wird. Blaue Republik Deutschland, denke ich mir da manchmal. Neulich hab ich "Casino Royale" gesehen und bin zu dem Schluß gekommen, daß Bond ein schwerer Alkoholiker ist und dringend einer Therapie bedarf.
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Ich will niemanden bekehren außer mir selbst. Wenn andere hin und wieder Alkohol trinken und das genießen und dabei entspannen, dann haben sie meinen Segen. Ich will mich ändern und nicht die Welt. Ich finde es nur immer wieder bedenklich, wenn Ärzte hochoffiziell äußern, zwei Bier am Tag -- Frauen willkürlich nach Geschlecht und nicht nach Körpergewicht auf die Hälfte runtergesetzt -- seien jetzt nicht so wild, denn genau mit zwei "Bierchen" am Tag hat für mich alles angefangen ...
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Nein, Du verlangst nicht zuviel. Daß er nur am Wochenende da ist, dafür kann er nichts, auf diese Situation hast Du Dich ja auch bewußt eingelassen. Aber Du und die Kinder haben ihn ja nicht einmal am Wochenende. Er ist ganz klar alkoholabhängig, die Schwiegereltern vermutlich genauso. Du kannst ihm ja sagen, er kann Dich und die Tochter in der neuen Wohnung besuchen, aber da ist bierfreie Zone, und mit Fahne braucht er sich nicht blicken zu lassen. Vielleicht wird es ihm sogar gut tun, wenn er die Schwiegereltern mal nicht um sich hat.
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Er war auch schon mal beim Arzt, und der meinte wohl seine Leberwerte wären tip top...geht das bei 12-14 Liter Bier wöchentlich??
Ja, sowas geht. Es ist nur bei täglichem Konsum extrem unwahrscheinlich. Vielleicht lügt er auch. Vielleicht denkt er sich, meine Leberwerte sind doch supi, also kann ich gar kein Alkoholproblem haben, und das ist natürlich Quatsch. Entscheidend ist doch, wie Du ihn regelmäßig erlebst. Denk nicht weiter drüber nach.
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"Tatsächlich weiß ich dann keine Antwort...denn für ihn ist alles in Ordnung, so lange er nicht stinkbesoffen ist oder motzt oder aggressiv wird."
Nun wird er aber hin und wieder aggressiv, wenn ich da an die Leselampe oder die Pizza denke, die unverschämterweise mit Pilzen war. Was ist das überhaupt für eine Art, seine Frau anzuschimpfen, wenn das Essen nicht wie gewünscht ist, leben wir noch in den 50ern? Kann er nicht am Wochenende selber mal was kochen?
Für ihn ist alles in Ordnung, solange er nicht stinkbesoffen ist. Nun gut, das ist die Grenze, die er sich zieht, ohne Dich dabei zu fragen. Deine Grenze liegt berechtigterweise schon sehr viel niedriger. Du willst keinen Mann mit glasigen, rollenden Augen und undeutlicher Aussprache und Bierfahne. Sieben Halbe, das ist ein ordentliches Seemannspensum, will man so einen neben sich liegen haben? Ich würde bei dem Geschnarche wohl aufs Sofa flüchten.
Du mußt ihm halt klarmachen, daß für Dich absolut nichts in Ordnung ist. Das schaffst Du auch. Aber jetzt mußt Du erstmal gucken, daß Du den Umzug über die Bühne bringst, ohne daß es häßlich wird. Hast Du Unterstützung für den Tag des Umzugs, oder bist Du dann ganz allein?
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Aus dem Interview: "
Wenn Frauen täglich nicht mehr als 10 bis 12 Gramm Alkohol trinken, ist das nicht schädlich. Das entspricht etwa einem Achtelliter Wein oder einem Glas Bier à 0,3 Liter. Für Männer liegt die Grenze bei 20 bis 24 Gramm, das sind zwei Gläser Bier à 0,3 Liter."
Ich finde zwei Flaschen Bier, jeden Tag, schon sehr bedenklich. Das sind 60 Bier im Monat!
Der Interviewte ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Man mag ja von der WHO halten, was man will, aber der neueste Stand der Wissenschaft liest sich dort so:
"Manche Leute werden es nicht gern hören, aber ein unbedenkliches Maß für den Alkoholkonsum gibt es nicht. Natürlich gibt es ein Niveau, das mit einem geringeren Risiko verbunden ist, aber die WHO setzt hier bewusst keine Obergrenzen, da es wissenschaftlich belegt ist, dass ein vollständiger Verzicht auf Alkohol aus gesundheitlicher Sicht bei weitem am besten ist."
Alkohol ist ein Lösungsmittel und Zelllgift, entflammbar, man kann damit Autos und Raketen antreiben. Mal aus der Sicht betrachtet, scheint es höchst unwahrscheinlich, daß es da eine "gesunde Dosis" gibt.
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Naja, ich finde auch einiges merkwürdig. Im Kino und im Restaurant zum Beispiel soll man Maske tragen, wenn man sich in der Vertikalen befindet, aber sobald man sich hinsetzt, darf man "selbstverständlich", wie es heißt, die Maske abnehmen. Da denke ich mir, das ist ja ein ziemlich wählerisches Virus, das befällt offenbar nur die Stehenden. Diese ganzen Kunststoffscheiben, die man überall sieht, bringen erwiesenermaßen überhaupt nichts, trotzdem steht die Apothekerin hinter dieser Scheibe ohne Maske, als wäre das ein Schutzschild wie bei der Enterprise. Das ist alles ... sagen wir, nicht zu verstehen.
Vieles ist kopflos und widersprüchlich. Aber gute Argumente gegen die Impfung sehe ich trotzdem nicht. Aber ich muß gut aufpassen: Ich bin hier wegen meiner Alkoholsucht, nicht um über Gesellschaft und Politik zu debattieren.
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Ich helfe mal aus. Das Thema von Fee findest Du hier:
ThemaHallo, hier ist Fee
Hallo,
Ich bin 44 Jahre alt und mit einem Alkoholiker verheiratet.
Ich denke, dass ich kurz vor der Trennung stehe und hoffe dass ich hier Leute finde die mir ihre Erfahrungen bezüglich Trennung erzählen.Fee19. Oktober 2021 um 10:08 -
Heute morgen war ich beim Bäcker, da hab ich gesagt, ich hab keinen Bock mehr auf Masken und Corona. Beim Bäcker alle: Wir auch nicht mehr. Da frage ich: Seid Ihr denn geimpft? Betretenes Schweigen in der Runde. Die Leute lesen nur Facebook und so einen Mist und hören nur auf Gerüchte, was der Hund des Schwagers von dem und dem so erzählt hat, das ist alles hoffnungslos. Ich bin übrigens tatsächlich schon geboostert. Initiativ beim Hausarzt angerufen, das war alles kein Problem.
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Ich hatte mir in ihrer nassen Zeit angewöhnt, ausschließlich vormittags mit ihr zu telefonieren. Dasselbe mache ich mit meiner Tante = ihre Schwester. Kontakt ausschließlich vormittags, da ist die Chance am größten, daß es ein Gespräch wird.
Es ist doch immer wieder erschreckend, welche Ausmaße diese Seuche angenommmen hat. Ich benutze mal ganz absichtlich dieses drastische Wort. Wenn man mal die Lauscher aufstellt, dann gibt es in fast jeder Familie einen oder mehrere Fälle. Gestern hatte ich ein Gespräch mit einem guten Freund, da ist der Bruder schon tot, und die Schwester gerade dabei, ihm zu folgen. Selbst bei meinem Zahnarzt hat sich die Mutter totgesoffen.
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Hallo Hoffnung,
Deine Beiträge werden gelesen, aber schreiben mußt Du sie schon selbst.
Ich finde es großartig, wie Du Dich neu orientierst und Dein Leben sinnvoll füllst. Meine Eltern waren auch beide Alkoholiker, und ich hätte jeden Grund gehabt, die Finger von dem Zeug zu lassen, aber aus irgendeinem Grund bin ich dann auch den Weg der Verdammten gegangen ... Wie geht es Dir denn damit, wenn Du Deine Mutter betrunken am Telefon hast? Triggert Dich das, oder denkst Du Dir dann, wie gut, daß ich jetzt endlich nichts mehr trinke? Du handelst jedenfalls richtig, wenn Du der Mutter höflich sagst, sie soll doch bitte wieder anrufen, wenn es ihr besser geht. Das sind doch eh verlorene Gespräche, wenn sie sich hinterher gar nicht mehr richtig erinnern kann.Grüße,
H.
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Der Mann scheint ein funktionaler Pegeltrinker zu sein. Wäre das jetzt ein Kollege, den ich ein bißchen kenne und den ich mag, würde ich ihm in der Mittagspause oder bei einer sonstigen Gelegenheit sagen, daß er mich ansprechen kann, wenn er mal ein Gespräch oder Hilfe braucht. Ansonsten würde ich mich damit wohl nicht belasten. Wenn Du ihm nicht unbedingt vertraust, solltest Du auf gar keinen Fall gleich Deine ganze Geschichte erzählen. Gut möglich, daß er auf der Arbeit rumlügt und Dich sogar anschwärzt.
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"Wieso, weshalb, warum?" kennen wohl die meisten noch von der Maus
Sorry, nein, da muß ich widersprechen. "Wieso, weshalb, warum?" kommt selbstverständlich von der "Sesamstraße".

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Liebe Hoffnung,
mir bist Du sehr wichtig, und wir sind ja ungefähr zur gleichen Zeit ins Forum gekommen. Freut mich, daß Du immer noch so gut am Ball bist, Du machst das klasse.
Das viele Lob hier ist mir bald schon unheimlich ... Wenn Du Lob und Kommentare haben willst, mußt Du einfach mal in Deinem Strang von Dir berichten. Ich würde gerne etwas mehr von Dir lesen.
Grüße,
H.
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Hummel, Hummel!
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Das ist lieb, Morgenrot, danke. Wenn ich mich ganz doll anstrenge, kann ich vielleicht noch wie Bilbo Beutlin meinen einhundertelfzigsten Geburtstag erleben.
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Heute um 13 Uhr werde ich meinen Mietvertrag unterschreiben…. Blödes Gefühl weil so kurz vor Weihnachten.. da kommen wieder Schuldgefühle hoch weil er und unsere Tochter mir wieder leid tut.. bescheuert oder?
Ja, bescheuert, aber nachvollziehbar. Vielleicht wird Dein Mann Deinen Schritt gar nicht verstehen, denn es ist doch alles in Ordnung. Die Schwiegereltern, zu jeder Selbstkritik unfähig, werden ihn in diesem Irrglauben natürlich noch bestätigen. Aber wenn Du mal ehrlich zu Dir selbst bist: Du hast gar keinen Partner. Unter der Woche ist er auf Achse, ansonsten hockt er bei Bierchen mit der Familie in der Garage, und Du erlebst ihn praktisch nie ohne Bierfahne. Eltern, Garage, Bier, das alles ist eben wichtiger als Du und die kleine Tochter, für die er nicht mehr als zwei Fernsehstunden in der Woche opfert, bevor er dann wieder in den Keller geht.
Er hat sich von Dir abgewendet, nicht Du von ihm. Vergiß das nicht. Du kannst jetzt für Dich und für Deine Kinder für bessere Verhältnisse sorgen. Eventuell kann er auch Teil einer besseren Zukunft sein, nur sieht es im Moment ja nicht danach aus, als könnte oder wollte er etwas ändern.
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Und nach Weihnachten ist wieder vor Ostern, nach Ostern ist vor den Sommerferien, und wieder ist ein Jahr vorbei ... Ich spreche da aus Erfahrung, im Verstreichenlassen von Jahren bin ich Vollprofi. So manches Mal hab ich mir gedacht, upps, der Ahorn vor dem Fenster wirft ja schon wieder sein Laub ab ...