Beiträge von Hanseat

    Gestern Einladung zur Geburtstagsfeier, Lagerfeuer auf dem Dörpen, abgelehnt. Man lädt mich wieder zu Geburtstagsfeiern ein, es geht voran. ;) Aber: Keine Fluchtmöglichkeit, kein Erscheinen. Ich will immer die Möglichkeit haben, die Cinderella-Taktik anzuwenden: ohne grüßen einfach abhauen.

    Das war erstens. Zweitens: Ich war gestern bei der Fahrschule. Jetzt muß ich 1200 Fragen pauken. Würg. Aber trotzdem ein riesiger Erfolg für mich. Theorieprüfung habe ich jetzt grob für Januar geplant.

    "Ich wünsche mir, dass sich sein Verhältnis zum anderen Teil der Familie entspannt."

    Klar wäre das toll. Aber dafür müßte er sich mal wieder etwas sozialkompatibler verhalten, und dazu scheint er ja nicht bereit oder fähig zu sein.

    Was nun Weihnachten angeht, da würde ich mal ganz egoistisch und pragmatisch denken: Alle Parteien, inklusive Deinem Sohn, scheinen sich ja einig zu sein, daß ein gemeinsames Fest nicht wünschenswert wäre. Dann mache es Dir mit Deiner Familie so schön es geht. Vielleicht kannst Du ja doch noch ein Familienmitglied überreden, mit Dir zusammen mal auf einen kurzen Besuch vorbeizukommen. Letztendlich bist Du da nicht einmal sicher, wenn Du allein zu ihm hingehst.

    Wer macht sich denn nun eigentlich die vielen Gedanken wegen Weihnachten? Du, er, die anderen? Wenn es Deinem Sohn nichts bedeutet, und Dir eigentlich auch nicht, was macht die Situation jetzt so besonders, daß Du Dir den Kopf darüber zermartern mußt? Siehst Du Deine Selbsthilfegruppe noch vor Weihnachten, werden die Dir vielleicht mit Rat zur Seite stehen?

    Wie ich schonmal irgendwo geschrieben habe, habe ich einen drogenabhängigen Bruder, der ebenfalls ein aufbrausender Tyrann ist. Ich lasse ihn schon seit Jahren links liegen. Ich weiß, daß das für Dich keine Option ist, aber ich kann Dir als Laie auch nur den Rat geben, mal hin und wieder nach Dir selbst zu gucken, daß es Dir gut geht. Es reicht, wenn er ein Leben zerstört, da sollten es nicht zwei werden.

    Grüße,

    H.

    Akut gibt es eine ambulante Entgiftung mit täglich zwei Besuchen in der Praxis und einer bereitliegenden Einweisung wenn es Probleme gibt. Parallel wird die Reha beantragt.

    Das klingt doch alles bestens. Stellt sich die Frage, was aus der Firma in der Zeit der Reha wird. Ich kenne diese Probleme auch als Selbständiger, da kann man sich nicht mal so leicht für vier Monate ausklinken. Aber wo ein Wille, da ein Weg ... Ohne einen nüchternen Kopf geht die Firma sowieso den Bach runter. Wenn Du selber schon sagst, er sei ein Epsilon-Trinker, dann kann es kein anderes Ziel als die dauerhafte Abstinenz geben. Guck auch mal in unseren Literatur-Thread, vielleicht kannst Du ihm mal ein oder zwei Bücher schenken. Viel Erfolg!

    H.

    Vielleicht haben wir uns falsch verstanden. Ist er denn in der Fachklinik schon abgewiesen worden, obwohl er eine Zusage hatte, oder war er da einfach ohne Anmeldung gekommen? Die genaue Rechtslage kenne ich nicht, sorry, aber eigentlich wird man im Krankenhaus ja nicht abgewiesen. Ich wurde zum Beispiel mal für drei Tage in der Psychiatrie untergebracht, weil auf der Entgiftung nichts frei war. Wenn Du Dich von den Kliniken im Stich gelassen fühlst, dann versuche es doch mal bei einer Sucht- oder Drogenberatung, die wissen sicherlich, wie Ihr Euch Hilfe besorgen könnt.

    "Gehen Sie nach Hause und trinken Sie moderat weiter. Rufen Sie jeden Tag an und wenn wir einen Platz haben können Sie kommen."

    Das klingt doch nach einem Plan, oder nicht? Immer wieder anrufen, damit sie sehen, daß Ihr es ernst meint, dann kommt Ihr schon dran.

    Übrigens kenne ich das von mir selbst, daß ich nach verhältnismäßig guten Phasen umso heftiger zugeschlagen habe. Da gab es wohl einiges aufzuholen ...

    Grüße,

    H.

    Du hast schon viel erreicht.

    Das muß ich auch sagen, das geht ja alles mit Lichtgeschwindigkeit hier! Nach ein paar Tagen schon das Denken verändert, jetzt schon das Mobiliar teilweise ausgetauscht, also, das macht mich fast schon sprachlos.

    Nika, wenn der Entschluß steht, daß Dir Dein Partner nicht mehr betrunken ins Haus kommt, dann bleib unbedingt dabei. Ich stelle mir das unendlich schwer bis unmöglich vor, mit dem Trinken aufzuhören, wenn überall gebechert wird und Flaschen rumstehen.

    LG,

    H.

    P. S.: Bei dem Satz "ich erkannte sofort, dass er Probleme beim Reduzieren gestern hatte" mußte ich über die gelungene Formulierung schmunzeln ... Das wird auch nix mit dem Reduzieren, das ist ein Märchen.

    Hallo Tina,

    hier ist viel los im Forum, und so ist Dein Beitrag wohl etwas im Rauschen untergegangen. Zunächst einmal ist es ja gut, daß Du nicht ganz alleine mit dem Problem dastehst, sondern auch noch Familie hast. Nach dem katastrophalen Auftritt von letztem Weihnachten, der ja schlimmer kaum sein konnte, kann ich Mann und Tochter gut verstehen, wenn Sie Deinen Sohn nicht um sich haben wollen. Könnt Ihr ihn nicht an einem anderen Tag zu dritt besuchen und mal für eine halbe Stunde oder so vorbeigucken, damit er nicht über die Tage völlig allein ist? Dann könnt Ihr Euch für eine Weile beleidigen lassen und dann wieder gehen.

    Mehrfach abhängig, psychisch krank, uneinsichtig -- da kommt ja einiges für Deinen Sohn zusammen. Für mich hört sich das aus der Ferne so an, als müßte er erstmal auf eine geschlossene psychiatrische Station und da auf Medikamente eingestellt werden. Das ist natürlich furchtbar, aber immer noch um Längen besser als das, was er jetzt auf eigene Faust durchzustehen versucht.

    Liebe Grüße,

    H.

    Ich werde es sehen.

    Liebe Fee,

    ich muß das nochmal betonen, was Lea geschrieben hat, und bitte Dich: Du siehst jetzt erstmal nach Dir und Deinen Kindern. Was er macht, das liegt ganz in seiner Verantwortung. Wenn er eine Therapie macht und dann trocken bleibt, was ich nicht glaube: schön. Wenn er sich aus dem Auto schält, in sein Häuschen zurückkehrt und sich da totsäuft: seine Sache.

    Wenn er wirklich trocken werden sollte, dann ist vielleicht mal wieder normaler Umgang möglich, was bei einem gemeinsamen Kind ja sowieso wünschenswert ist, aber daß Du insgeheim noch immer von einem Happy-end träumst, das ist mir ehrlich gesagt unbegreiflich.

    Ich weiß nicht, ob es unpassend ist, aber mir fällt gerade der Film "Crazy Heart" ein. Tut mir leid, daß ich jetzt einiges zu diesem Film verraten muß: Da geht es um einen Country-Musiker und Alkoholiker, der irgendwann offenbar trocken wird, so ganz genau weiß man das nicht. Aber seine Frau bekommt er trotzdem nicht zurück. Ich fand, das war ein sehr gutes Ende.

    Grüße,

    H.

    Was hast du denn dort für dich erwartet?

    Vermutlich, daß man mich dort trockenlegt, ohne daß ich selbst Großartiges dafür tun müßte.

    Zitat

    Wie weit warst du selbst bereit dazu?

    Das wußte ich damals natürlich nicht, und aus der Rückschau betrachtet wird es wohl so gewesen sein, daß ich da reichlich naiv an das Thema rangegangen bin. Ich konnte mir ein abstinentes Leben schon irgendwo vorstellen, aber mein Trinkerteufelchen nicht. Ach was, "Teufelchen", sagen wir doch gleich lieber Satan.

    Die zum Scheitern verurteilten Versuche, kontrolliert zu trinken, habe ich ja noch bis in dieses Jahr fortgesetzt. Immer wieder dachte ich mir, Mensch, zwei Bier kannste doch, und immer wieder ist das dann zum Exzeß ausgeartet, oft verbunden mit der Angst, meine Arbeit und meine Wohnung zu verlieren. Danach dann immer zwischen zwei und vier Wochen Trinkpause ohne jegliche Probleme. Daß ich keine Schwierigkeiten damit hatte, wochenlang nichts zu trinken, hat mich wieder zu dem Trugschluß geführt, daß ich ja vielleicht doch kontrolliert trinken kann. Dazu sage ich nur noch ein Wort: Pustekuchen.

    Wenn ich im Vorfeld schon Forderungen stelle, wie etwas auszusehen hat, dann bin ich noch nicht so weit.

    Wie ich schon öfter geschrieben habe, war meine Reha ja auch nicht erfolgreich. Ich habe das teilweise auf die Einrichtung geschoben, weil ich tatsächlich nicht immer ganz zufrieden war, aber der große Knackpunkt war vor allem ich, das habe ich auch nie anders gesehen oder dargestellt. Immerhin war ich damals 13 Wochen trocken, und wer weiß, vielleicht war das ja doch für etwas gut, vielleicht ernte ich jetzt erst mit Verspätung die Früchte. Vermutlich hast Du recht, Hartmut, wer sich als Neuankömmling an dem Krankenhauscharakter oder an dem Essen stört, der ist noch nicht so weit, Hilfe anzunehmen.

    Ich kann diese Hollywood- oder Musikertypen, die da in diesen Wellness-Oasen ein und aus gehen, auch irgendwie nicht ganz ernst nehmen. Erstmal ist das alles überhaupt nicht meine Welt, und ich glaube auch nicht daran, daß man auf Ledersofas mit Luftfächer und Weintrauben trocken gepampert werden kann. Auch wenn ich von militärischer Disziplin sonst nicht viel halte, glaube ich, daß einige Leute -- ich zum Beispiel -- mal eher ein Bootcamp gebraucht hätten.

    Aber die 16 Wochen, die eine Reha dauert, werde ich demnächst auch mit Eurer Hilfe trocken sein -- ganz ohne Reha. Da kann man vielleicht mal ermessen, wieviel mir dieses Forum bedeutet. Sehr viel, im Moment eigentlich alles, denn ich arbeite hier zusammen mit Euch gerade an den Grundlagen für ein trockenes, zufriedenes Leben. Bisher mache ich das doch alles ganz gut, um mich mal selbst zu loben. Das muß ein Single mal hin und wieder tun, sonst tut es nämlich niemand.

    Aber, um mal einen Schwenk zu machen, eigentlich wollte ich gar nicht über die Zwei- oder Drei-Klassen-Gesellschaft diskutieren, sondern darüber, daß es auch berühmte Vorbilder geben kann. Mir gibt das um Beispiel einen kleinen Kick, wenn ich weiß, daß Stephen King seit über 30 Jahren trocken ist und immer noch regelmäßig zu seinen AA-Meetings geht. Wenn ich weiß, daß Angus Young, der Gitarrist der Sauf- und Gröhlband AC/DC, nie Alkohol getrunken hat. Vielleicht geht das ja anderen auch so, wenn sie sich irgendeine Figur nehmen, die sie persönlich mögen.

    Grüße,

    H.

    Natürlich wird es für ihn hart sein nicht zu trinken, wenn er alleine hier ist.

    Deine Nähe hat ihn ja nun auch nicht vom Trinken abgehalten. Du bist immer noch viel zu gutmütig.

    Wie auch immer, Fee, ich freue mich riesig für Dich, und ich bin erleichtert, daß Du offenbar nicht mehr akut bedroht bist. Dein Schicksal ist mir sehr nahe gegangen. Umso mehr freue ich mich über gute Nachrichten am Wochenende. Brauchst Du eventuell noch was für den Haushalt, eine Knoblauchpresse oder sowas? ;)

    "Ich trete jetzt die letzten 12 Jahre in den Dreck. Er hätte mich jetzt in der Zeit echt gebraucht und ich hätte nie!!!!!! gefragt, wie es ihm gehen würde... Das wäre mir immer!!!!!! egal gewesen...Und ich wäre jetzt so gefühlskalt..."

    Ich befürchte, da siehst Du, was Dich erwartet, wenn Du bei ihm bleibst: endlose Vorwürfe und ständige Versuche, Dich auf sein Lebensniveau herabziehen.

    Bevor ich mich dauernd beschimpfen lasse, würde ich mir auch eher mal ein paar Möbel angucken.

    Moin,

    Ich bin mir sicher, dass die besagten Promis ihren stationären Entzug nicht mit dem gemeinen Volk, sondern in teuren Privatkliniken wie die Betty-Ford-Klinik gemacht haben, wo 3 Wochen alleine schon 20 Mille kosten.

    Da ist so ein Entzug mit einem guten Personalschlüssel sicher anders als bei den gesetzlichen Einrichtungen , wo es vorne und hinten wegen knappen fähigen ! Personal erschwert wird.

    LG

    Loewenmama

    Ja, natürlich, das sind wohl alles Leute mit Geld. Ich weiß noch, bei meiner Reha, da habe ich mir vorher Fotos im Internet angeguckt, da sah noch alles recht idyllisch aus und es stellte sich fast etwas Vorfreude ein, aber in der Realität sah das doch alles sehr viel anders aus. Auf den Fotos zu sehen war nur der wirklich hübsche Altbau, in dem aber nur die Büros untergebracht waren. Wo wir so gewohnt haben, das seh eher aus wie im Krankenhaus. Also, von einer gesetzlichen Krankenversicherung darf man kein Wellness-Retreat erwarten. ;)

    Nichtsdestotrotz leben wir in einem Land, in dem jeder, der eine Krankenversicherung hat, aus einer Fülle von Hilfsangeboten auswählen kann. Und ob ich jetzt mit George Clooney unter Palmen wandle oder mich abends von Stullen ernähre, das ist doch für den Heilungsprozeß mehr oder weniger egal.

    Bernd Thränhardt war übrigens erst in einer Luxusklinik und später dann in einem städtischen Krankenhaus, wo er dann seine Wandlung durchgemacht hat. Die innere Einstellung ist da wohl entscheidend.

    P. S.: Personalmangel war bei meiner Reha auch ein chronisches Problem. Wir wurden da viel uns selbst überlassen. Und es wurden uns ständig Dinge versprochen, die hinterher nicht gehalten wurden. Aber jetzt suche ich schon wieder das Haar in der Suppe. Mein Aufenthalt da wird schon einige zehntausend Euronen gekostet haben, die ich nicht bezahlen mußte.

    Weil mich sowas immer motiviert, habe ich mich heute morgen mal wieder auf die Suche nach abstinenten Prominenten gemacht. Hier eine Auswahl von schweren Alkis, die den Absprung geschafft haben:

    - Peter Maffay

    - Martin Semmelrogge

    - Elton John

    - Brad Pitt

    - Tom Hardy

    - Bradley Cooper

    - Daniel Radcliffe

    - Eminem

    - Colin Farrell

    - Robert Dawney jr.

    - Stephen King

    Bei die Frauens habe ich etwas weniger gefunden, vielleicht können die Damen mit weiteren Beispielen aushelfen:

    - Drew Barrymore

    - Eva Mendes

    - (bei Jenny Elvers war ich mir nicht sicher)

    Ich schätze meine Aussage mittlerweile in den Bereich ein: wäre ja eine gute Begründung um weiter zu trinken....

    Dahingehend programmiere ich mich gerade um.

    Ich habe teilweise getrunken, um mein Trinkerdasein ertragen zu können. Blöder geht es eigentlich nicht.

    Vielleicht hat nicht jeder so viel Glück wie ich, aber seit ich nüchtern bin, sind meine Depressionen, Panikattacken und Albträume völlig verschwunden. Da muß man kein Mediziner sein, um die Ursache zu erkennen ...

    Aufhören kann er nicht, aber süchtig wäre er nicht. 🙄

    Daß die Leute sich mit ihrem Alkohol gerne einen in die Tasche lügen, auch die sogenannten "Gelegenheitstrinker", war mir schon klar, aber das ganze Ausmaß der Realitätsverleugnung habe ich erst hier im Forum erkannt. Hier melden sich immer mal wieder Leute mit größten Problemen an, die sich am Ende aber hinstellen und sagen, als süchtig sähen sie sich nicht. Sucht, das gibt's doch nur im Fernsehen und bei Christiane F., aber doch nicht bei mir, neenee ...

    Das liest sich phantastisch, Nika, bleib am Ball!

    P. S.: Du hast mal irgendwo geschrieben, Du hast Angst vor einem nüchternen Leben. Das kann ich verstehen, denn das ging mir auch viele Jahre so. Ich habe es mir nicht eingestanden, aber ein Teil von mir wollte weitertrinken und hat es auch getan. Wäre es nicht viel eher angebracht, Angst vor dem zu haben, was passiert, wenn man weitersäuft?