Beiträge von Lea

    Hallo ihr Lieben, meine Gedanken richtigen sich wohl an mehrere, die hier aktuell mitlesen.

    Wie haltet ihr das alle aus? I

    Alleine… gar nicht!

    Das ist nichts was man „aushalten“ kann, daran geht man zugrunde. Da braucht es ganz viel Unterstützung, Selbstliebe oder Hilfe diese zu lernen, Ablenkung, Tränen, Lachen, gezieltes weg gucken und los lassen…

    Los lassen gefällt mir als Begriff um so vieles besser als aufgeben. Wirft man sich ja schnell mal selbst vor oder bekommt es sogar vor geworfen. Wie kannst du nur, deinen Mann, deinen Bruder oder sogar dein Kind aufgeben wollen. Was für ein schrecklicher Mensch tut denn sowas?

    Ich denke - Keiner!!!

    Niemand gibt den Menschen den er liebt auf, das ist völliger Quatsch den wir uns da selbst einreden. Der Süchtige selbst wirft uns das gerne vor oder Freunde und Verwandte, die selbst ratlos sind oder keine Verantwortung für sich und ihr Handeln übernehmen können. Der Mensch den wir lieben oder geliebt haben, der manchmal noch unter der Suchthülle schlummert, manchmal leider nicht mehr. Den Menschen würden wir niemals ausgeben!

    Aber loslassen können wir üben. Muss man ja eigentlich eh andauernd. Bei den eigenen Kindern muss man vom ersten Moment an loslassen üben. Mit einem Partner oder Freund, den man krampfhaft fest hält, wird selten jemand glücklich. Und selbst der schönste aller Tage ist irgendwann vorbei und wir müssen loslassen, um schlafen zu gehen. Sind wir also theoretisch alle Profis drin, leichter macht es das manchmal leider trotzdem nicht 😔

    Ich will euch mal von einem solchen Moment aus meinem Leben erzählen. Der ist mir jetzt schon mehrfach eingefallen, bestimmt auch, weil ich dem Mann von psychosozialen Dienst bis heute dankbar bin. Für klare Worte, professionellen Abstand und jede Minute die er sich Zeit genommen hat, auch wenn das nicht seine Pflicht gewesen wäre.

    Ich war Mitte zwanzig, hatte schon eine Weile kaum Kontakt mit meinem Vater, saß im Büro meinem Kollegen gegenüber und das Bürotelefon klingelte.

    „Hallo, ich bin vom Psychosozialen Dienst, ist xy ihr Vater?“

    Es folgte ein sehr zögerliches „ja“ meinerseits, verbunden mit einem schockartigen Gedankenkarussel, was mich vermutlich sehr ruhig und gefasst durch das folgende Gespräch gebracht hat.

    „Ihr Vater wurde bewusstlos aufgefunden, mit Alkohol und weiteren Substanzen im Blut, er wurde vermutlich zusammen geschlagen, er liegt nun im künstlichen Koma. Wir suchen den nächsten Angehörigen der die medizinische Verantwortung übernehmen kann. Mehr Informationen darf ich ihnen nicht geben“

    Puh…

    Ich hab dann viele Fragen gestellt, was so eine Betreuung für mich bedeuten würde, was überhaupt passiert ist und und und. Kern der Sache war aber, wenn ich wissen will was los ist muss ich die Betreuung übernehmen ansonsten hat er eigentlich schon zu viel Preis gegeben. Er hat mir recht gut meine Rechte und Pflichten erläutert und das ich praktisch keine Chance hätte irgendwo Informationen am Telefon zu bekommen, solange ich mich gegen die Betreuung entscheide. Das Gespräch kam mir ewig lang vor und hat mich total überfordert. Also haben wir beschlossen, dass ich da erstmal eine Nacht drüber schlafen sollte. Es war eine furchtbare Nacht und die Aussicht überhaupt nicht zu erfahren was da passiert ist, wie es ihm gesundheitlich geht, wie sein Leben weiter verläuft hat mich wahnsinnig rumrennen und unglaublich traurig werden lassen. In unserem nächsten Telefonat habe ich trotzdem mitgeteilt, dass ich weiterhin überfordert bin und eine solche Verantwortung nicht übernehmen will. Er hat sich nochmal viel Zeit genommen, bestimmt seine Schweigepflicht ein wenig gebeugt und meine Gedanken und Entscheidungen zu dem Thema sind sicherlich von ihm beeinflusst worden. Er fand es aus seiner Position sehr schade, weil ein Betreuer aus der Familie mit gesundem Abstand zur Suchtsituation optimal gewesen wäre. Beglückwünschte mich aber auch gleichzeitig zur Entscheidung. Ich solle auf mich achten, mein Leben leben und mich bloß nicht reinziehen lassen in alles was da noch kommt. Einer der besten Ratschläge, den ich im Zusammenhang mit meinen Eltern jemals bekommen habe. Er hat mir auch „verraten“ wie es nun weiter geht. Es gab nämlich die Abmachung zwischen meinem Vater und seiner Co-Abhängigen Exfrau, sie würde nun statt mir oder dem Amt übernehmen. Er sagte mir damals, in der Konstellation passieren die gruseligsten Dinge, er können nun aber leider nichts anderes mehr tun als dem Elend seinen Lauf zu lassen und von außen zu zu sehen. Immerhin wären beide erwachsen und geistig durchaus in der Lage selbst zu entscheiden. Ja, so ungefähr hat er mir das wirklich gesagt. Ich bilde mir ein, er hätte auch etwas von loslassen gesagt oder ich habe mir das mit der Lebensweisheit einer 20jährigen selbst überlegt 😂 Auf jeden Fall habe ich da noch ein Weilchen drauf rum überlegt. Ob ich ins Krankenhaus fahren und ihm oder mir Abschiedsworte ermöglichen sollte. Ob ich wissen muss was da nun wirklich passiert war. Wie es mit ihm weiter geht, wenn er nach der prophezeiten Kurzzeitpflege zurück in seine eigene Wohnung kommt. Und irgendwann habe ich mir erlaubt los zu lassen und nur noch ganz selten darüber nach zu denken. Ich weiß zu 100% das er noch eine Reihe ganz fürchterlicher Dinge erlebt haben wird und vermutlich noch immer erlebt. Das ist schlimm, manchmal schwer aus zu halten und wird in der Härte mit der ich es manchmal kommuniziere von den wenigstens Menschen verstanden. Aber was wäre die Alternative gewesen… ich hätte auch mein eigenes Leben der Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit opfern können. Ist durchaus eine Entscheidung die man treffen kann. Dieser Mann am Telefon, der viele Dinge gesagt hat die ich nicht hören wollte, dieser Mann hat mir damals sehr geholfen. Der wusste vielleicht wem man in diesem Konstrukt noch helfen konnte und wem leider nicht zu helfen war. Ich habe viele Jahre Abstand zu dieser Geschichte und seit dem noch einiges mehr loslassen müssen. Aber mein heutiges Leben würde ich niemals eintauschen wollen, für einen erwachsenen Menschen der nicht bereit ist seine Sucht zu bekämpfen. Ich hab ja nur dieses eine Leben…

    Hier kommt die Sonne raus und lässt die Regentropfen in der Hecke glitzern, wie wunderschön 😊 Ich schicke euch ein bisschen Glitzern am Abend, Lea

    Nehme ich ihnen den Vater weg?

    Nein, nein und nochmal nein! ER nimmt ihnen den Vater weg, weil er trinken will. Du hast gar keine Wahl, weil du ihnen sonst auch die tolle Mutter nimmst, die du aktuell nur ohne den nassen Alkoholiker sein kannst. Er kann ja trocken werden und den Kindern von Außerhalb ein Vater sein oder würdest du ihm das verwehren?

    Hallo Fee,

    DU suchst dir Hilfe, also bist DU heute Abend ganz eindeutige die Klügere. Ist das nicht ein gutes Gefühl?

    Natürlich ist es nicht gut immer nur wütend zu sein. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, das Wut etwas so kraftvolles, ja sogar machtvolles sein kann. Sie kann dich ins Handeln bringen. Du könntest sie als deinen Kraftspeicher benutzen. Der könnte mit all deiner Wut prall gefüllt werden und dich durch die nächste Zeit tragen 😊

    Liebe Grüße, Lea

    Guten Morgen Peppita und herzlich willkommen!

    Mach dir mal keinen Stress, ich zB. finde es total spannend dass vermeintlich viele Worte aus dir raus sprudeln. Es ist aber ja auch viel passiert, was sich nun seinen Weg bahnt, nicht wahr. Hier hast du soviel Zeit wie es eben braucht, es ist kein kurzer Termin in dem die Zeit weg läuft, der Raum gehört ganz dir und du kannst ihn völlig frei nutzten.

    Liebe Grüße, Lea

    Liebe Lavinia,

    schön das du hier her gefunden hast!

    Ich komme aus einer Familie mit mehreren Alkoholikern und einigen anderen Süchten und kann ein Lied davon singen, was das in einem selbst anrichten kann.

    Nein, mit deinem Kummer bist du auf keinen Fall alleine und diesen Gedanken finde ich von Zeit zu Zeit recht tröstlich. Es ist schrecklich erschöpfend, wenn man sich um die eigenen Eltern ständig Sorgen machen muss. Zu allem Überfluss, scheinst du in euer Familie ja auch noch die Rolle des Buhmann bekommen zu haben. Das macht es sicher noch schwerer für dich.

    Für mich selbst war Therapie immer hilfreich und ich wünsche dir, dass du in deiner Therapeutin eine Stütze und Wegweiserin gefunden hast.

    Für den Moment wünsche ich dir vor allem, dass du die Schuldzuweisung nicht an dich ran lässt. Völlig egal ob du das pflegeleichteste oder das anstrengendste Kind der Welt gewesen bist, die Sucht deiner Mutter hat absolut nichts mit dir zu tun! Es ist eine Krankheit und leider eine in der die Betroffenen dazu neigen die Schuld auf ihre Umgebung ab zu wälzen. Was,wie ich finde an sich schon irgendwie krank ist. Lass das nicht an dich ran und achte gut auf dich.

    Willkommen und auf einen guten Austausch, Lea

    Liebe Gisa,

    herzlich willkommen und mein uneingeschränktes Mitgefühl!

    Bestimmt hast du große Hoffnung geschöpft, als dein Mann den Entzug gemacht hat und eine Weile trocken war. Wie war es denn in dieser Zeit zwischen euch? Hätte das auf Ewig so weiter gehen können, warst du glücklich mit ihm? Oder warst du nur froh, weil es nicht mehr so schlimm war wie vorher?

    Letztes Jahr war unter Corona Bedingungen die Wohnungssuche viel schwerer als sonst. Inzwischen könnte das auch ganz anderes aussehen.

    Ich kann mir gut vorstellen, wie mutlos du dich im Moment fühlst. Deine Hoffnungen wurden enttäuscht und das kostet erst einmal so viel Kraft und Energie. Es ist völlig verständlich, das du dich mutlos fühlst und zu schwach zum Handeln.

    Aber weißt du was… ich glaube ganz fest daran, das wir Frauen mit den Jahren einen immer stärkeren Kern entwickeln. Guck dir nur mal an wie viel du in dieser Ehe bereits ertragen hast, wieviel Kraft dich das gekostet haben muss. Diese Kraft ist in dir und du bist völlig frei, sie in Zukunft anderes ein zu setzten als bisher.

    Für dich und eine glückliche Zukunft!

    Deine Freunde und dein Sohn sind genervt, weil du bisher immer zurück gegangen bist. Aber wenn du ihnen sagst, dass du dieses Mal endgültig weg möchtest und sie um ihre Hilfe bittest. Selbst wenn sich nur einer findet, der dir helfen möchte, bist du nicht mehr so alleine 😊

    Geh mal auf die Suche hier in den Geschichten, ich hab das nicht statistisch untersucht, aber ich bin ziemlich sicher, die wenigsten waren schon mit Anfang 20 bereit sich aus ihrem unglücklichen Leben zu befreien. Es gibt so inspirierende und Mut machende Geschichten hier und die ein oder andere, die es wirklich geschafft hat, wird sich bestimmt noch zu Wort melden.

    Oder schreib dir von der Seele, was da alles so eingebrannt ist, auch das kann schon kleine Wunder bewirken.

    Verlier nicht den Mut und das Vertrauen in dich selbst, er hat kein Recht darauf dir das mit seiner Sauferei Weg zu nehmen!

    Ganz herzliche Grüße,

    Lea (erwachsenes Kind aus einer Suchtfamilie)

    Hallo Cadda,

    ich habe mich über deine Nachricht heute Morgen sehr gefreut, vielen Dank für das Kompliment ☺️

    In deiner Perspektive über den Opa steckt einiges an Wahrheit, in meinem unguten Gefühl aber leider auch. Es ist so schwer einen Weg in der Mitte zu finden.

    Ich frage mich ja selbst immer wieder, ob da überhaupt ein Alkoholproblem besteht, Zweifel an meiner Wahrnehmung und an meinem Bedürfnis uns so stark ab zu Grenzen. Vorhin habe ich mir Fotos von ihm angeguckt, seine Augen, seine Haltung, es fühlt sich einfach nicht gut an. Dein Beispiel mit deiner eigenen (ich bin grad nicht ganz sicher) Schwiegermutter im Haus

    zeigt ja schön, wie durch räumliche Abgrenzung der Kontakt funktionieren kann, trotz Alkohol. Da wir uns, aufgrund der Entfernung, ja immer für mehrere Tage besuchen müssen, ist Angrenzung eher schwierig.

    Die Oma ist unglücklich darüber, uns so selten zu sehen. Aber es stimmt schon, sie sieht da wohl wenig Zusammenhang. Ich will vielleicht zu viel, vor allem zu viel Kontrolle meinerseits.

    Es bleibt so eine schwierige Sache. Es belastet mich, es belastet uns alle und aktuell bin ich es leid einfach nur die Besuche möglichst weit weg zu schieben. Ich wünsche mir eine Lösung, einen neuen, einen besseren Weg. Vor allem, weil die Kinder es sich inzwischen ja auch anders wünschen.

    Heute (oder vielleicht seit ein paar Tagen) bin ich einfach so wütend, dass das Thema Alkohol mir immer und immer wieder begegnet und Dinge erschwert, die sich anders und leichter anfühlen sollten.

    Viele Grüße, Lea

    Hallo Merlyn,

    es sind ja nicht meine Eltern, sondern die Schwiegerfamilie, deshalb mag ich auch nichts angehen, was mein Mann blöd findet.

    Er denkt, ein plötzlicher Besuch zum jetzigen Zeitpunkt, nachdem wir uns ewig nicht gesehen haben, kommt in jedem Fall schlecht an. Opa wird sauer sein, weil wir ausgerechnet jetzt kommen. Also will er nicht das wir es überhaupt vorschlagen. Grundsätzlich finde ich deinen Vorschlag aber gut, vielleicht kann ich es so noch einmal angehen.

    Was wäre denn, wenn du wegen etwas beruflichem oder privatem Unterstützung bräuchtest beim Kinder hüten, wer käme dann?

    Hier kommt Niemand, nie und egal was anliegt! Das ist natürlich Etwas, was ich mir auch anders wünsche. Aber dafür müssten wir ein anderes Verhältnis haben, vielleicht geht es mir ja unterbewusst auch darum dort hin zu kommen. Oma alleine wäre auch was sowas angeht eine andere Nummer.

    Aktuell sehen wir uns einige wenige Male im Jahr und das ist nicht hilfreich sondern ausschließlich anstrengend.

    Lg

    Liebe Merlyn,

    danke für die liebe Nachricht und den Einblick in euer Oma&Opa Leben.

    Dein Timing ist super, das Thema ist hier nämlich die letzten Tage aus jeder Ecke raus gekrabbelt und hat für Ärger und Traurigkeit gesorgt. Opa liegt für ein paar Tage (mit ungefährlichem Kleinkram) im Krankenhaus und ich hatte die Idee spontan Oma Besuchen zu fahren. Weil sie dann endlich mal sehen könnte, wie ein Treffen ohne ihn aussehen kann und weil es die Gelegenheit eröffnet ein Gespräch zu führen und ihr erneut das Angebot zu machen uns öfter Mal alleine zu treffen.

    Mein Mann lehnt das ab. Er meint es führt nur zu Ärger und macht Oma traurig, weil sie sowieso nie im Leben alleine zu uns kommen wird. Ich fand, das ist dann ja ihr Problem, aber wir haben wenigstens versucht nochmal mehr Kontakt zu ermöglichen. Für die Kinder, für Oma und weil ich es mir wünsche.

    Das Ganze endete dann „total erwachsen“ als ich beleidigt meinte: „dann ist sie eben traurig, vielleicht merkt sie wenigsten was sie verpasst. Ist ja ihre Macke, wenn sie für den lieben Frieden daheim drauf verzichtet alleine her zu kommen um ihre Enkel zu sehen. Mein Mann: „Vielleicht hast ja auch du die Macke, weil du nicht loslassen kannst und sie unbedingt zu etwas bringen willst was nicht erwünscht ist.“

    Das ist hier sonst eher nicht der übliche Umgangston und nun bin ich verletzt, ratlos und wütend. Und es passiert weiterhin nichts…

    Bin ich egoistisch, weil ich eine ausweglose Situation ändern möchte mit der zwar niemanden glücklich ist, aber die funktioniert. Geht es mir wirklich um die Kinder oder ist es vor allem der Wunsch nach mehr „normaler“ Familie oder gar Unterstützung durch Oma. Kommt da mein Co Abhängiges inneres Kind ans Ruder das unbedingt ändern will was es nicht ändern kann?

    Ich ringe sehr mit mir!

    Und dann hat das älteste Kind beim Abendessen plötzlich gefragt ob Oma und Opa überhaupt noch leben und wann wir sie denn mal wieder sehen könnten 😭

    Liebe Grüße von einer ratlosen und traurigen Lea

    Liebe Matsu,

    erst habe ich nachgefragt, dann ging deine Antwort ganz genau in die Richtung die ich erwartet hatte und dann habe ich plötzlich innerlich gekniffen dir meine ursprünglichen Gedanken zu schreiben 🤦🏻‍♀️

    Egal… ich trau mich nun einfach…

    Die Betreuung für medizinische Angelegenheiten kann auch mal ganz plötzlich und unerwartet nötig werden, wenn zB. Jemand ins Koma fällt. Da wäre es ganz grundsätzlich ratsam, wenn ihr euch als Familie einen Notfallplan überlegt. Ein nasser Alkoholiker hat ja selten dauerhaft eine stabile Gesundheit.

    Den „Papierkram“ und das Medizinische auf zu teilen, klingt im ersten Moment echt attraktiv. Ein paar Anträge ausfüllen, sich alle Nase lang dafür zusammen setzen, Entscheidungen übernehmen die der anderen nicht mehr Treffen kann - das sollte ja fast ein Klacks sein, für jemanden der alle Sinne beisammen hat. Du darfst hier aber nicht vergessen, dass du gezwungen sein könntest diese Gespräche mit einem sturz Betrunkenen Gegenüber zu führen, der absolut nicht der Meinung ist, dass du in seinem Sinne handelst.

    Ich kenne deinen Bruder nicht. Du könntest dir aber ja mal innerlich ausmalen, wie seine Reaktion schlimmstenfalls ausfallen wird, wenn du ihm Taschengeld zuteilst und ob die von dir festgelegte Summe jemals ausreichen wird, für die Bedürfnisse die er damit stillen möchte.

    Aktuell übernehmen deine Eltern einige dieser Aufgaben und sicherlich möchtest du sie gerne entlasten. Es besteht nur leider auch die Gefahr, dass du dich noch zusätzlich rein ziehen lässt in die ganze Co Abhängigkeit, die bisher „nur“ deine Eltern betrifft.

    Du schreibst dein Bruder würde über kurz oder lang vermutlich zum Sozialfall. Deshalb nehme ich an, dir geht es bei dem beschriebenen Szenario zum Erben nicht um das Vermögen deines Bruders, sondern darum euer gemeinsames Erbe davor zu retten versoffen zu werden. Hier sollten deine Eltern definitiv vorbeugen. Durch zB. ein Berliner Testament würdet ihr Sicherheit rein bringen, bis irgendwann wirklich beide Elternteile gehen mussten.

    Wie das verbleibende Erbe aufgeteilt werden soll entscheiden bestenfalls deine Eltern. Was dein Bruder dann daraus macht malst du die vermutlich lebhaft aus. Sollte er weiterhin kein Interesse haben trocken zu werden, erscheint eine Betreuung durch dich natürlich wieder attraktiv. Es ist ein schrecklicher Gedanke, dass das Erbe der eigenen Eltern schlicht versoffen werden könnte.

    Bei all diesen Gedanken und Szenarien stellt sich aber immer die Frage, ob dein Bruder aufgrund seiner Erkrankung wirklich unzurechnungsfähig ist. Ob du tief in dir drin absolut sicher bist, dass er nicht mehr für sich selbst entscheiden kann.

    Ich musste mir diese Frage in meinem Leben schon mehrfach und für verschiedene Familienangehörige stellen. Die äußeren Umstände waren teilweise so, dass bei einem Anruf zum richtigen Zeitpunkt genügend formale Gründe erfüllt gewesen wären. Ich hätte die Betreuung definitiv erhalten oder sie einem Fremden überlassen können. Beide Varianten hätten eine Menge Geld gespart, das heute mir und meinen Kindern zur Verfügung stehen würde. Das tut manchmal echt weh und ärgert mich auch höllisch! Trotzdem bereue ich meine Entscheidung von damals keinen Augenblick.

    Ich persönlich kann und ich will nicht über das Leben von erwachsenen Menschen entscheiden! Auch nicht, wenn das in letzter Konsequenz Hunger, Obdachlosigkeit oder sich tot zu saufen bedeutet. Es ist nicht meine Entscheidung und ich kann auch niemanden davon abhalten der das so haben will.


    Es ist so ein sensibles und schwieriges Thema und ich hoffe sehr, dir nicht zu nahe zu treten. Ich wollte dir nur gerne Einblick in eine ganz persönliche andere Perspektive geben.

    Wenn man so eine Betreuung übernommen hat, dann steckt man erst einmal mit drin und das ruck zuck auch richtig tief.

    Lg Lea


    hey Lea, du meinst mich?

    Ich kämpfe mich hier durch, hab die Woche noch einige Wohnungsbesichtigungen. Die Kopfhörer im Flur ist eine sehr gute Idee gewesen :P , der labert zwar rum, aber ich bekomme es dadurch nicht mehr so mit ;) .

    So kann es ausgehen, für den hab ich nichts mehr über....

    Wo ich selbst an mir arbeite, ist, das ich mich nicht mehr drauf einlasse wenn der meine tochter ins Spiel holt, das ist ein Punkt da schalt ich leider nicht ab! Hängt damit zusammen, das ich der Auffassung das Alkohol ein sucht ist ja, für mich aber keine krankheit dar stellt.

    wie siehst bei dir aus? Wie gehst dir?

    Liebe Matsu,

    Die Übernahme der Betreuung durch (einen) Familienangehörige(n) wäre sogar die bevorzugte Variante, allein um eventuell spätere erbrechtliche Auseinandersetzungen nicht durch einen Außenstehenden abwickeln lassen zu müssen.

    Der Interessenskonflikt ist da natürlich vorprogrammiert...

    willst du damit sagen ihr wollt die Betreuung am liebsten selbst übernehmen? Wenn ja, warum? Oder verstehe ich dich hier falsch?

    Viele Grüße. Lea

    Liebe Jacqueline,

    herzlich willkommen hier im Forum!

    Da hast du ja ein ganz schönes Päckchen zu tragen und dazu zwei relativ kleine Kinder, die dich noch so sehr brauchen.

    Wenn man das so liest, dann scheint dein Mann sich gemeinsam mit dir auf den Weg in ein trockenes Leben machen zu wollen. Hier gibt es viele mit ganz ähnlichen Erfahrungen und bestimmt wird sich davon noch jemand konkreter äußern.

    Ich selbst gucke, als erwachsenes Kind von Alkoholikern und Suchtkranken, immer besonders aus der Perspektive der Kinder. Da finde ich eine zweite Wohnung natürlich super, damit die Kinder dem weniger ausgesetzt sind. Deine Verzweiflung und Erschöpfung können sie natürlich trotzdem fühlen. Bei der Zweitwohnung beschleicht mich allerdings auch das Bild einer gemütlichen Saufhöhle, in der dein Mann ungestört seiner Sucht nachgehen kann. Und daheim wartet dann trotzdem die Familie und das gemachte Nest. Das ist nur meine Phantasie, bitte fühle dich davon nicht angegriffen, nur ihr könnte sagen wie es wirklich aussieht. Und nur du kannst entscheiden, wie dein Weg aussehen soll.

    Entgiftung und Therapie sind in greifbarer Nähe und das ist ein Lichtblick!

    Ich finde es tröstlich hier von so vielen ähnlichen Schicksalen zu lese. Vielleicht kannst du auch ein wenig Kraft schöpfen oder dich weniger alleine fühlen dadurch.

    Ganz liebe Grüße, Lea

    Liebe loewenzahnkind,

    vielen Dank für den Einblick in eure Geschichte!

    Ja, ich denke auch, Kinder bekommen so viel mehr mit als wir oft merken. Deins spricht immerhin, wenn auch nach Monaten. Wir haben hier so kleine Experten, die ganz viel am liebsten mit sich selbst abmachen 🙈 Allerdings nehmen sie zum Glück manche Dinge auch als Selbstverständlichkeit an und malen sich dementsprechend nicht so viel aus, wie wir erwachsenen es leicht mal machen.

    „Leider“ bleiben sie ja nicht ewig klein und mir den Jahren werde ich wohl deutlich mehr erklären müssen.

    Auch dir alles Gute!

    Lea

    Liebe Sunny,

    was du schreibst klingt wirklich furchtbar, ich drücke dir die Daumen, das es bald klappt mit der neuen Wohnung.

    Vielleicht kannst du ja für den Übergang bei Freunden oder so unter kommen?

    Solange er wirklich in seiner Wohnung bleibt und „nur“ von dort aus pöbelt…

    Hast du es mal mit Ohropacks oder Musik über Kopfhörer ausprobiert, um den Weg bis zur Wohnungstür erträglicher zu machen.

    Für den Moment können ja manchmal ganz kleine Dinge „Erleichterung“ bringen.

    Viel Erfolg! Lea