Beiträge von Lea

    Liebe Sporty,


    es freut mich, wenn meine Geschichte dir ein wenig nützlich sein kann 😊

    Nur eins hat mich doch noch mal hinterfragt. Eine Frau aus der SHG hat gesagt mit einer Trennung würde ich meiner Mutter die Chance geben gesund zu werden. Irgendwie hat mich das sehr nachdenklich gemacht. Ich weiß, das viele Alkoholiker ein Erlebnis/Zwickmühle benötigen um eine Einsicht ihrer Krankheit zu bekommen und den Willen spüren dagegen etwas zu unternehmen. Andererseits weiß ich auch das Alkohol eine Familienkrankheit ist. Ich frage mich inwieweit ich nicht vielleicht doch auch eine Mitschuld trage.

    Ne ne ne, fang jetzt bitte nicht an das Schuldfass für dich auf zu machen 😱

    Du trägst keine Schuld an der Krankheit deiner Mutter und ganz sicher auch nicht daran, ob sie eine Krankheitseinsicht hat oder nicht!

    Es kann natürlich sein, dass euer Auszug einen Leidensdruck mit sich bringt, durch den deine Mutter/Eltern ihre Perspektive ändern. Du eröffnest also eine Chance für eine neue Sichtweise. Diese Möglichkeit ist ein schöner Gedanke, der es euch vielleicht erleichtern kann, in einer neuen Umgebung leichter Fuß zu fassen 😊

    Die Chance gesund zu werden besteht aber JETZT ganz aktuell genauso wie zu jedem späteren Zeitpunkt. Es liegt komplett in der Hand deiner Eltern sich für einen Weg zu entscheiden. In deiner Hand liegt, was den Alkohol angeht, gar nix. Was dein eigenes Leben und das Leben deiner Kinder angeht hingegen…

    Schön wäre es natürlich, wenn durch die Trennung von Kind und Enkelkind plötzlich eine ganz neue Einstellung entstehen würde. Die hätte ja aber auch genauso gut entstehen können, weil das innere Bedürfnis da ist, die bestmögliche Mutter und Oma sein zu wollen.

    Wer saufen will der säuft!

    Bitte begib dich nicht in eine fiese Schuldspirale, deine Kraft brauchst du nun wirklich für andere Aufgaben.

    Einen zuversichtlichen Sonntag, mit ganz viel harmonischer Familienzeit, mit Mann, Kindern und Sonnenschein.

    Lea

    Liebe Sporty,

    nun habe ich zwar einen Teil meiner eigenen Geschichte erzählt, aber es kommt mir so vor, als sei ich die eigentlich Antwort schuldig geblieben. Vermutlich musste ich mich erstmal sammeln und erinnern.

    Jetzt probier ich es nochmal mit mehr Bezug zu dir ☺️

    Wie haben ich das also gemacht?

    Eigentlich ging es die ganze Zeit um das ausloten und setzen von Grenzen.

    Zuerst kommt die Frage, wo deine persönlichen Grenzen liegen. Welche in Stein gemeißelt sind und/oder welche besonders wichtig für dich sind.

    Dann kommen die Grenzen der anderen. In deinem Fall erstmal die deine Kinder und von dein Mann.

    Mit der Abgeschlossenen Tür ziehst du ja auch eine Grenze, die du vor einer Weile noch nicht notwendig gefunden hättest. Ich denke das ist Übungssache und du bist auf einem guten Weg raus zu finden, was zu dir passt und was eben nicht oder nicht mehr.

    Ich selbst habe da ganz klein angefangen. Auf Anrufe nicht mehr reagiert und nur selbst angerufen. Dann mir danach war oder ich ausreichend gut „sortiert“ war.

    Nein gesagt, wenn etwas von mir verlangt wurde, das mir gegen den Strich ging, was ich vorher einfach gemacht hätte um Frieden zu haben.

    Auch das startete mit banalen Dingen, wie Essenszeiten, Ausflugszielen oder so und endete dann damit, das ich zum Beispiel ablehnen konnte, wenn meinte Mutter uns besuchen wollte, obwohl uns das zu dem Zeitpunkt gar nicht gepasst hat.

    Ich habe Regeln aufgestellt, für Besuche in meinem Zuhause. Hände waschen nach jeder Zigarette, ansonsten wird kein Kind angefasst. Null Alkohol- draußen und drinnen und auch nicht vor dem Besuch so das man es gemerkt hätte.

    Zugegeben, mit der Zeit wurden es eine Menge Regeln ☺️ Vor allem, weil ich selbst mir immer wichtiger wurde. Aber auch, weil es reine Übungssache ist die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und dann auch zu benennen. Je genauer ich hin guckte, was ich wollte und was nicht, desto einfacher wurde es das zu formulieren und desto mehr konnte ich auch spüren, was für mich richtig und notwendig war.

    Den Süchtigen macht das glaube ich total irre, wenn er sich so massiv anpassen muss. Mir wurde Kontrollwahn vorgeworfen und das sich immer alles komplett nach mir richtigen muss. Ein Stück weit war/ist da sicherlich etwas dran. Als mir irgendwann aufgefallen ist, dass meine Schmerzgrenze bei guten Freunden ganz anders aussah (zB beim Rauchen) habe ich den Zusammenhang erkannt, wie stark das aktuelle Verhältnis zu meinem Gegenüber da rein spielt.

    Diese Suche nach Grenzen und Regeln für eine harmonischere Begegnung waren das zentrale Element in der Zeit, in der es noch nicht darum ging sich dauerhaft zu distanzieren. Ich habe mir ja lange einen „funktionierenden“ Umgang gewünscht und auch mit therapeutischer Hilfe nach Möglichkeiten gesucht, wie sich das umsetzen lässt. Meine Mutter war nur leider nicht in der Lage, selbst die kleinsten Grenzen zu akzeptieren.

    Bei euch, liebe Sporty, gibt es ja eine positive gemeinsame Vergangenheit. Mit dieser Basis ist vielleicht eine viel sanftere räumliche Trennung mit anschließendem Umgang möglich, wer weiß.

    Wobei ich die räumliche Trennung inzwischen für absolut wichtig halte! Wir hatten das auch mal vor, in die gleiche Gegend ziehen, ein gemeinsamer Bauernhof oder sowas wild romantisches 😂 Gott sei Dank habe ich vorher gemerkt - für uns wäre das der Supergau geworden 🙈

    Natürlich wurde ich auch immer Mal nach meinen Eltern gefragt. Früher habe ich sowas gesagt wie wenig Kontakt, weit weg, irgendwas ausweichendes eben. Dann hatte ich eine sehr offene Phase, musste aber leider feststellen, wie wenig hilfreich Personen ohne ähnliche Erfahrungen da für mich waren. Es war eher so, das ich verunsichert wurde oder mich nach einem intensiveren Gespräch schlecht gefühlt hatte. Besonders schlimm wurde das, als ich mich für einen endgültigen Kontaktabbruch entschieden hatte. Ich begründe da auch nicht mehr groß. Wir haben keinen Kontakt mehr, meine Eltern sind krank und sind nicht bereit etwas an diesem Zustand zu ändern. Das verstehen nur ganz wenige. Leute die mich von früher kennen und damit auch Passagen aus meiner Kindheit noch am ehesten. Wobei da auch gerne mal sowas kommt: na ihr habt euch ja früher schon nicht verstanden. Es bleibt so ein Gefühl von Schuld übrig, weil man sich als Kind, gesellschaftlich gesehen, nicht von den Eltern abwenden darf. Ab und an wird auch sowas wie eine Begründung erwartet. So nach dem Motto… war es denn wirklich so schlimm, bist du sicher das dies oder jenes dein Verhalten wirklich legitimiert. Da habe ich eine Weile gebraucht um zu erkennen, dass ich mich vor niemandem Rechtfertigen muss (nicht einmal vor mir selbst 😎). Inzwischen sehe ich das als eine Frage der Loyalität mir gegenüber. Wer mich kennt und wem ich wichtig bin, der kann meine Entscheidung als richtig akzeptieren. Für mich richtig und für mich der einzig möglicher Weg. Da muss mir niemand mehr ins Gewissen reden oder sowas. Loyalität ist für mich extrem wichtig und ich bin auch selbst sehr loyal.

    Freunde die einfach zu zuhören konnten, mir Halt gegeben haben oder die mir das Gefühl geben konnten - wenn ich so entscheide, dann wird es such richtig so sein. Diese Freunde und vor allem mein Mann haben mir diesen Weg allerdings deutlich erleichtert!

    Inhaltliche Hilfe, habe ich allerdings nur von fachlich kompetenten außen stehenden bekommen können. Es gab sogar mal eine Mediation. Das war erstaunlich hilfreich und hat mich selbst klarer und gleichzeitig sanfter gemacht. Es hat aber auch deutlich gezeigt, wie aussichtslos der Wunsch nach harmonische Begegnung ist. Und es gab auf Seiten meiner Mutter ein Gesicht in der Mediation und eins im direkten Anschluss 😂

    Von meiner Seite gab es zu jedem Zeitpunkt den Wunsch und den Willen für Kompromisse und Lösungen, damit eine gemeinsam Form der Begegnung weiterhin möglich wäre.

    Absolute Voraussetzung war für mich aber die Krankheitseinsicht und der Wille etwas dagegen zu unternehmen. In meinem Fall kam das leider nie und irgendwann ist es dann wohl leider zu spät.

    Dann kam der Kontaktabbruch….

    Ich habe mit relativ wenigen Worten gesagt ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ab sofort und auf unbestimmte Zeit will ich keinen Kontakt mehr!

    Wie das dann so ablief, danach darfst du mich jederzeit fragen, wenn es wirklich aktuell wird. Mit etwas Glück, muss es ja gar nicht so weit kommen. Euer Auszug bringt vielleicht genug Abstand oder eröffnet Möglichkeiten, wie ihr in Zukunft Familienleben anders gestalten könnt. Oder er öffnet deinen Eltern die Augen. Wer weiß…

    Ich habe auch Angst, dass die räumliche Distanz nicht ausreicht, um von den Gefühlen befreit zu werden.

    Am Anfang wird das auch sicher nicht so sein. Aber auch emotionalen Abstand kann man üben!

    Angst ist aber kein guter Berater, sie hilft dir nicht weiter und sie kann dir auch nicht helfen etwas besser zu machen.

    Ich selbst habe mich auch verrückt gemacht, wie es denn nun weiter gehen wird mit meiner Mutter, wenn ich mich nicht mehr kümmere. Ich bin auch eingeknickt und habe mich doch wieder informiert, aber immerhin nicht mehr eingemischt. Und nach und nach habe ich so viel Abstand bekommen, dass Sorgen oder überhaupt an sie denken mich nur noch ganz selten überraschen.

    „Einfach“ nur ausziehen oder mit jemandem nicht mehr reden reicht wirklich nicht. Aber du kannst dir Hilfe suchen, du kannst üben, du kannst deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken.

    Meine kleine Familie hier hat ein Maximum meiner Aufmerksamkeit verdient und daran arbeite ich jeden Tag. Mal sehr erfolgreich und auch mal weniger, aber ich gebe mein Bestes!!!

    Mir tut zB dieses Forum aktuell sehr gut und es war spannend, mich so intensiv mit diesem Aspekt meiner eigenen Geschichte auseinander zu setzen. Ich lese hier sehr viel, es tut wahnsinnig gut mich verstanden oder bestätigt zu fühlen, aber unterschiedlichen Sichtweisen wie zB von Cadda bereichern meine eigenen Überlegungen ungemein. Danke, an alle die hier sind!

    Für mich wird nämlich demnächst die nächste Stufe kommen und ich versuche mich auf Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Tod meiner Eltern vor zu breiten, mich rechtzeitig zu stärken und zu sammeln.

    Ich fasse jetzt nochmal meine ursprüngliche Antwort zusammen, is ja schon recht lang geworden alles, mein Kopf ist ganz schön voll ☺️

    So habe ich es bis hier hin geschafft:

    1. Hilfe (Therapie, Mediator, Selbsthilfegruppen), Unterstützung, Menschen die eingeweiht sind, Rückhalt suchen und hoffentlich finden vom Partner und von echten Freunden.

    2. Grenzen erkennen und Regeln finden, um diese Grenzen nicht zu überschreiten. Das geht auch gemeinsam/gegenseitig.

    3. Räumliche Trennung. Selbst entscheiden können wieviel Nähe/Kontakt oder eben auch Abstand.

    4. Wenn alles andere ausgeschöpft ist oder der persönliche Schmerzpunkt erreicht wurde. Kompletter Kontaktabbruch.

    5. Ein wunderschönes Leben, ohne den ganzen Misthaufen permanent vor der Nase.

    Diese Woche habe ich mit der Kinderärztin über ein völlig anderes Thema gesprochen, aber der Buchtitel fällt mir gerade wieder ein…

    Grenzen Nähe Respekt

    Da dreht es sich doch irgendwie immer drum. Ich glaub das mach ich mir zum Motto für sie nächste Zeit 😊

    Guten Morgen Sporty,

    etwas in Schubladen zu packen oder in Kisten ist mir schon oft begegnet. In der Therapie oder in Büchern. Hat mir aber immer nur so halb gepasst. Ich denke gerne sehr bildlich und der Apothekerschrank ist dann irgendwann in meinem Inneren entstanden. Mir fallen die in Filmen immer sofort ins Auge und in der Realität finde ich sie auch toll.

    Man sagt ja auch: jemanden in eine Schublade stecken. Finde ich gar nicht so falsch ganz grundsätzlich zu gucken, was man da so alles für Schubladen zur Verfügung hat. Und wenn es eine flexible Zone gibt und niemand auf ewig ungerechtfertigt irgendwo verweilen musst 🤪

    Es ist toll, wenn du auf eine schöne Kindheit zurück blicken kannst und da freut mich für dich! Das gibt dir Kraft und da kannst du für immer drauf zugreifen. Es hilft dir auch, deine Eltern mit Milde und Dankbarkeit zu betrachten. Und vor allem hast du ein Bild, wie es sein könnte. Das kann dir helfen Klarheit zu erlangen, darüber was du für dich und deine Kinder willst und was eben nicht.

    Liebe Grüße, Lea

    So… jetzt lenke ich den Blick langsam mal wieder nach innen. Ich will versuchen zu sortieren was es mit mir macht, hier zu lesen und auch selbst etwas bei anderen zu schreiben.

    Oberflächlich hier her „getrieben“ hatte mich ja die schwierige Situation mit meinem Schwiegervater. Für diese „Baustelle“ habe ich sehr wertvolle Denkanstöße bekommen.

    Noch einmal vielen Dank dafür!!!

    Aktuell komme ich da aber nicht weiter. In so einem Fall packe ich das komplette Thema innerlich zusammen, verschnüre es zu einem Päckchen, packe es in eine Schublade und die bleibt nach Möglichkeit zu, bis der richtige Zeitpunkt kommt es an zu gehen. Mir gefällt das Bild von mir, als altem verzauberten Apothekerschrank, mit unzähligen großen und kleinen Schubladen 😂

    Verzaubert deshalb, weil die Schubladen auch durchaus ein Eigenleben entwickeln können. Und dann knarrt und ruckelt es so laut, dass ich irgendwann gezwungen bin die Schublade auf zu machen oder wenigstens zaghaft rein zu schauen, um zu fragen was da eigentlich los ist.

    Meine Eltern stecken seit Jahren in Schubladen die ihnen ziemlich gut passen. Jeder für sich, ziemlich allein und mit ordentlichen Sicherheitsschlössern und Schutzzaubern 👻

    Mein Leben ist um so viele Facetten lebenswerter, fröhlicher und leichter geworden, seit ich sie dorthin verbannt habe. Ich wünschte allerdings, ich wäre früher an diesem Punkt angekommen. So viel vergeudete Lebenszeit 😭 das tut mir eigentlich am meisten weh.

    Nun bin ich ja neulich ganz direkt nach meinem persönliche Weg dorthin gefragt worden.

    Daher auch meine Frage an Lea:

    Wie hast du das hinbekommen?

    Ich weiß jeder muss seinen Weg finden, aber ich sehe vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.

    Ich brauche dringend jemanden der mir helfen kann. Irgendwie fühle ich mich auch von allen Seiten nicht richtig verstanden und hoffnungslos.

    Ehrlich gesagt fällt es mir schwerer als Gedacht, mir meinen Weg nochmal ganz genau zu betrachten.

    Der Weg war nämlich laaaang, viel länger als es gesund für mich war und sich dieser Tatsache zu stellen ist wahnsinnig schmerzhaft.

    Theoretisch hätte ich es mir wirklich einfacher machen können. Aber ich konnte es dann leider eben doch nicht.

    Im Anschluss an eine beschissene Kindheit, ach ne Kindheit würde ich das rückblickend lieber nicht nennen wollen, musste ich für meinen Wunschberuf viele hundert Kilometer weit weg ziehen.

    Nach einer gewissen Zeit, ohne nennenswerte Unterstützung von irgendwo, hatte ich einen psychischen Einbruch, der mich in eine Verhaltenstherapie getrieben hat. Dort habe ich zwar einiges über mich gelernt, rückblickend denke ich allerdings der Therapeut hatte keinen blassen Schimmer von Entwicklungstrauma oder auch nur eine Idee davon, wie man mir ernsthaft hätte helfen können.

    Dafür hatte er massenhaft Mitgefühl, hat ständig Dinge gesagt wie: oh sie Arme. Das muss aber schlimm gewesen sein. Na da ist es ja kein Wunder das sie…

    Dem konnte ich mich damals aber überhaupt nicht öffnen, es kam mir eher absurd vor. Trotzdem hatte sich durch ihn mein Blick auf meine Herkunftsfamilie grundlegend geändert oder er hat mich dazu gebracht in Zukunft genauer hin zu gucken.

    Es folgten unzählige Jahre, in denen ich zwar räumlich getrennt war, emotional aber ständig die Verantwortung für meine Mutter übernehmen musste. Das war immer so ein auf und ab. Wir hatten zeitweise sehr wenig Kontakt, weil ich ihn eigentlich nicht mehr wollte, aber trotzdem war sie ja meine Mutter, brauchte meine Hilfe, ich wollte keine schlechte Tochter sein und und und.

    Ich habe unzählige Male gebettelt, gedroht, verlangt, sie möge sich in Therapie begeben, ihr Leben in den Griff bekommen. Dies oder jenes ändern. Ich habe mich fachlich informiert, ihr Informationen besorgt, sie immer wieder besucht, ganz egal wie schlecht ich mich davor dabei und danach gefühlt habe. Ich habe sogar mehrere „überlebenspakete“ mit Nahrung und Shampoo und sowas geschickt, als ich mal gar nicht mehr weiter wusste.

    Ich habe es zeitweise auch immer wieder geschafft mich emotional zu distanzieren und den Kontakt abgebrochen. Aber meine Gedanken waren weiter bei ihr, ich konnte niemanden finden der mein Verhalten verstanden hätte, die Familie hat mir ins Gewissen geredet : „eine Mutter bleibt immer die Mutter“ „man kümmert sich um seine Mutter“ solche Dinge. Ein Teil von mir hat sich da schon immer gegen gewehrt, aber der Rest hat seiner Umgebung geglaubt. Die waren ja oftmals auch älter und weiser als ich und hatten auch ganz sicher keinen Bock darauf die Verantwortung selbst übernehmen zu müssen. Als Kind verlässt man seine Mutter nicht, basta! Ich dachte auch ich wäre schrecklich herzlos und undankbar. Das übliche halt 🤪

    Ich sehe das inzwischen völlig anders! Der erwachsene Anteil meiner Persönlichkeit weiß ganz genau welche Menschen meine Loyalität und Fürsorge verdient haben und welche ganz bestimmt nicht.

    Trotzdem zogen die Jahre ins Land, ich habe fleißig gelitten, wie sich das für eine anständige Tochter gehört und mir damit selbst sehr sehr vieles schwer oder auch gänzlich kaputt gemacht.

    Ich bin immer weiter der Idee nach gehechelt, eine liebevolle fürsorgliche Mutter zu bekommen, die sich wirklich auf mich und meine Bedürfnisse einlassen würde, wenn ich nur dies das jenes…

    Und ich hatte Angst davor völlig allein zu sein auf dieser Welt. Das ich das längst war… na wer gesteht sich das schon gerne ein.

    Dann gab es eine Zeit, in der unser Kontakt wirklich auf ein Minimum beschränkt war. Das tat mir gut und war auch irgendwie stimmig.

    Aber dann habe ich meinen Mann und seine Familie kennen gelernt und mir vor unserer Hochzeit mal wieder selbst in die Tasche gelogen. Ich hatte so gehofft, vor anderen benimmt sie sich anders, reißt sich zusammen, hat echtes Interesse an meinen Bedürfnissen, stellt mich in den Mittelpunkt anstatt sich selbst… meine Sehsucht nach einer richtigen Mutter ist als Braut nochmal ganz schmerzhaft aufgebrochen. Naja, ob meine Sehnsucht erfüllt wurde, kann sich ja jeder hier mit seinen eigenen Bilder ausmalen. Obwohl es verrückter Weise auch eine vermeintliche Freundin von mir gab, die hinterher meinte ich hätte in meiner Erzählungen über meine Mutter ein völlig falsches Bild gezeichnet. Und das war eine der ganz wenigen Freundinnen denen ich mich anvertraut hatte. Wer es nicht selbst erlebt hat…

    Für mich selbst hatte ich danach irgendwie aufgegeben, das war so eine Art Schlüsselerlebnis. Wenn eine Mutter nicht einmal einen einzigen Tag sich selbst in den Hintergrund stellen konnte und ihrer Tochter den großen Tag sorglos genießen lassen konnte, was für eine Zukunft hätten wir dann noch.

    Tja… aber dann wurde mein erstes Kind geboren und ich hatte die wahnsinnige Sehnsucht, wenn sie mir schon keine Mutter sein konnte oder wollte, so würde sie doch wenigstens ihrem Enkel eine Oma sein wollen. Sich endlich ändern. Mein Traum von einer tollen Oma für mein Kind hat den gesunden Menschenverstand ausgeschaltet.

    Mehrere Jahre und ein weiteres Enkelkind weiter. Unzählige Begegnungen in denen ich gehofft habe und die dann in der Realität wirklich ätzend waren. Und vor allem therapeutische Begleitung die mir immer wieder gesagt hat, das nicht mein Wunschbild falsch ist sondern ihre eingebildete Realität krank ist. Und endlich endlich hatte ich wirklich genug und wollte den Kontakt abbrechen.

    Ausschlaggebend war die Liebe zu meinen Kindern und zu meinem Mann. Typisch für jemanden mit meiner Vergangenheit, das ich es mir nicht einfach selbst wert sein konnte.

    Es war nicht mehr möglich alles vor den Kindern geheim zu halten. Es wurde vor deren Augen gestritten. Ich war vor solchen Begegnungen nicht die Mutter die ich sein wollte. Während dessen und manchmal wochenlang danach erst recht nicht. Telefonate haben mich aus der Bahn geworfen. Ständig haben sich Gedanken und Gespräche um sie gedreht. Mein Mann hat das Mitleid für sie verloren und mir gesagt er kann voll und ganz verstehen, wenn ich das nicht mehr will. Sie hat die Kinder passiv aggressiv gegen mich aufgebracht. Mit kleinen aber spitzen Bemerkungen durch die ich als die böse da stand. Vermutlich könnte ich ewig so weiter schreiben…

    Und was ich mein halbes Leben nicht für mich selbst tun konnte, das wollte ich nun unbedingt für meine eigenen Kinder tun!!!

    Ich konnte mir nicht vorstellen, diesen wundervollen kleinen Wesen weiter das an zu tun, was ich ihnen in den ersten Lebensjahren zugemutet hatte. Sie sollten frei sein voll all diesen fürchterlichen Gefühlen, Momenten, Erfahrungen. Wenigstens so frei, wie sie das mit mir als Mutter überhaupt sein können. Denn ich werde das niemals ganz los sein. Ich trage Ängste, Verhaltensweisen und wer weiß was noch alles mit mir rum. Kann meine Dämonen nur in Schach halten aber nie ganz los werden.

    Aber was ich tun kann, ist meine Mutter und alles was mit ihr zu tun hat in eine Schublade zu sperren und den Schlüssel weg zu werfen!!!

    Sie rütteln da drinnen ordentlich rum und wenn ich ehrlich bin habe ich manchmal große Angst davor, das sie irgendwann ausbricht.

    Doch für den Moment sind wir anderen frei, endlich frei!

    Liebe Mili,

    mein erster Impuls war okay… sie will oder kann es vielleicht noch nicht sehen. Aber ich kann heute nicht aus meiner Haut ☺️

    Also hier noch einmal mit deinen eigenen Worten:

    In diesen Momenten muß ich dann auch mit Respektlosigkeit, Beleidigungen und verbalen Verletzungen rechnen. Eins zwei fiese Unterstellungen und dann kommt er wieder, als ob nichts gewesen wäre. Da wird mir immer gleich schlecht dabei, in mir zieht sich alles zusammen und mir werden die Kniee total weich. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich darauf so reagiere, und es ist in dem Moment eine echte Qual. Ich fühle mich dem Betrunkenen dann total ausgeliefert, bis er wieder in den Zustand kommt, wo er wieder so etwas wie zugänglich wird.

    Du beschreibst hier selbst sehr anschaulich, wie dein gewalttätig dein Mann dir gegenüber bereits ist. So leid es mir tut und auch wenn du es dir ungern eingestehen willst. Dein Mann ist massiv gewalttätig dir gegenüber. Um ein Opfer von Gewalt zu sein muss man nicht zwingend körperlich angegriffen werden. Und auch der psychische Schade, den du aus einer derart gewalttätigen Beziehung davon trägst kann schlimmstenfalls völlig identische dauerhafte psychische Schäden mit sich bringen.

    Es ist schwer das an sich ran zu lassen, dieser Wahrheit ins Auge zu blicken, das ändert aber nichts an der Realität.

    😔 Lea

    Liebe Mili,

    wenn ich hier bei dir so still mit lese, dann bleibe ich an zwei Passagen ganz besonders hängen.

    Ich schäme mich irgendwie, das jetzt so zu schreiben, aber es geht mir auch um mein Zuhause und meine beiden großen Hunde. Ich hänge an ihnen und an unserem Haus und dem großen Garten. Ich bin nicht bereit das alles zu verlieren wegen seiner Sauferei. Ich fühle mich hier nämlich total zuhause und angekommen und sehe nicht ein, mir das kapputt machen zu lassen.

    Auroa hat ja schon viel und sehr treffend über die zahlreichen Facetten der Scham geschrieben. Den grundsätzlichen Gedanken, dass du dir dein Zuhause nicht weg nehmen lassen willst kennen auch ganz viele Betroffene hier. Und der ist absolut Berechtigt und es gibt keine Grund sich oberflächlich oder materialistisch zu fühlen deshalb. Du bist erwachsen und es gibt keine Kinder die hilflos ausgeliefert sind. Es geht also ganz allein darum, was du dir selbst zumuten möchtest. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, es kann auch sehr befreiend sein alles hinter sich zu lassen. Aber in deinem Fall spricht auch nichts dagegen Haus und Hof zu verteidigen, vielleicht gelingt es dir ja sogar deinen Mann raus zu setzen 🤔

    Wieviel eigenes Seelenheil du für diese kleine Chance noch investieren willst, kannst du dir ja dann selbst beantworten.

    An diese Stelle bin ich dann aber gewaltig zusammen gezuckt und mein Bauchgefühl hat aufgeschrien.

    Da wird mir immer gleich schlecht dabei, in mir zieht sich alles zusammen und mir werden die Kniee total weich. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich darauf so reagiere, und es ist in dem Moment eine echte Qual. Ich fühle mich dem Betrunkenen dann total ausgeliefert, bis er wieder in den Zustand kommt, wo er wieder so etwas wie zugänglich wird.

    Die Art und Weise wie du schreibst, deine Wortwahl, alles gibt mir das Gefühl… das hier ist nicht erst in dieser Beziehung entstanden. Da greift etwas ganz Altes, von tief in dir drin. Es ist bedrohlich und eine Qual für dich… Das willst du wirklich weiter erleiden, nur um an Haus und Garten fest zu halten???

    Respekt vor deiner Leidensfähigkeit 😔

    Du schreibst auch, deine Eltern und auch du einen eher exzessiven/ problematischen Umgang mit Alkohol hatten. Kann deine Qual und das Gefühl ausgeliefert zu sein vielleicht schon früher entstanden sein. Und wieviel Gefahr bedeutet das, im täglichen Umgang mit deinem Mann. Könntest du dich in einer konkreten Gefahrensituation in Sicherheit bringen. Bist du in der Lage rechtzeitig zu reagieren.

    Mich beschleicht da ein ganz ungutes Gefühl und wollte dir das wenigsten gesagt haben.

    Viel Kraft und Weitsicht wünsche ich dir!

    Lea

    Liebe Sporty, wie schön von dir zu hören, ich habe viel an euch gedacht 😊

    Sich Abgrenzen, alte Gewohnheiten los lassen, mit vermeintlich kleinen Schritten geht es oft los. Es freut mich aufrichtig, zu lesen, dass du dich bewegst und Entscheidungen triffst. Und es ist wunderbar, wenn dein Mann „auf deiner Seite“ ist!

    In mir selbst ist innerlich so viel los und ich sortiere und betrachte meine Vergangenheit und Gegenwart sehr intensiv. Noch muss ich entscheiden, wieviel ich an so einem öffentlichen Ort, wie dem Internet aufschreiben mag. Aber wie so oft im Leben, wenn sich innerlich etwas bewegt, geschehen auch im Außen unerwartete Dinge. Gestern hat mich eine sehr enge Freundin völlig unvermittelt auf meine Eltern angesprochen. Sie meinte, das wollte sie schon länger mal machen, aber heute erschien es ihr plötzlich passend. Wir standen unter Zeitdruck an der Haustür und hatten nur fix ein paar Neuigkeiten ausgetauscht. Und plötzlich erzähle ich von ganz üblen Momenten rund um den Kontaktabbruch. Verrückt irgendwie, aber erstaunlich gut!

    Es ist „einfach“ ein langer langer Weg!

    Sagte ich schon wie doll es mich freut, das du erste Schritte gehst 😊

    Lg Lea

    Natürlich gibt es in ihrem Kopf nichts schlimmeres, als eure Trennung. Aber auch wenn er ihr oberflächlich gesehen ein toller Vater ist, was ist mit dem dauerhaften psychologischen Schaden, den die komplette Situation ihr zufügen wird.

    Was denkst du, was für ein Bild von ihrer Mutter sie in den kommenden Jahren entwickeln wird, wenn du weiterhin in deiner Position verharrst.

    Deine Schwiegerfamilie gibt dir die Schuld an seiner Trinkerei. Stell dir nur mal vor, sie schaffen es, dass auch deine Tochter denkt es wäre alles deine Schuld.

    Bisher zeigt er keinerlei Krankheitseinsicht. Damit befindet ihr als Familie euch aktuell auf einer Abwärtsspirale.

    Besser als jetzt wird es definitiv nicht!

    Du kannst hier aber wunderbar nachlesen, wie schlimm es in näherer Zukunft werden könnte.

    Vielleicht liest du auch mal eine Runde in den Merkmalen der EKAs. Deine Tochter ist zur Zeit auf dem besten Weg sich da zukünftig einreihen zu müssen. Kann man in Kauf nehmen, muss man aber nicht unbedingt wollen, für sein eigenes Kind.

    Aber absolut das Papakind...sie weiss das etwas nicht stimmt. Es tut mir im Herzen weh dass sie ihren Vater manchmal "so" sehen muss. Da muss ich direkt weinen...

    Und du denkst ernsthaft, das macht nichts mit ihr?

    Was gibt es ihr denn ansonsten so viel? Warum will er sich seiner Sucht nicht stellen? Wer belügt hier eigentlich wen 8o

    Ich würde dich eigentlich gerne trösten und dir aufmunternde Worte senden, aber auch Tränen und Schmerz haben ihre Berechtigung und manchmal sind sie nötig, um auf zu stehen und genau das hinter sich zu lassen, was zu Tränen und Schmerz geführt hat.

    :*

    Auch von mir ein herzliches Willkommen!

    Es freut mich echt riesig, wenn meine Geschichte jemandem Mut machen kann.

    Darf ich vielleicht mal ganz doof dazwischen fragen, wie ich z.B deine Geschichte Aurora gezielt suchen könnte? Nach dem Hinweis hier, hätte ich die nämlich auch gerne gelesen, hab sie aber nicht gefunden.

    Sonnige Grüße, auch wenn es hier gerade total ungemütlich grau und regnerisch ist.

    Lea

    Herzlich Willkommen Mama!

    Du wählst diesen Namen, schreibst wie wichtig dir deine Tochter ist und trotzdem denkst du, du könntest ihn nicht fallen lassen :/

    Ich denke ja, fallen lassen kann man nur, was vorher gehalten wurde. Hast du den Eindruck, dein Mann will von dir gehalten werden?

    So weit weg von der eigenen Familie zu sein kann schwer sein und natürlich fühlt man sich dann leicht einsam. Eventuell kannst du aber auch eine Tugend daraus machen. Deine Familie hat den nötig Abstand und kann dir dadurch vielleicht eher eine Stütze sein, als die Eltern deines Mannes, die ja selbst in der Situation verstrickt sind. Gerade, wenn sein leiblicher Vater Alkoholiker war und früh verstorben ist, wie können sie da die Augen derartig verschließen, beim eigenen Sohn. Oder liegt es vielleicht gerade da dran, stecken sie selbst viel zu tief drin und sind gar nicht mehr in der Lage ernst zu nehmende Ansprechpartner zu sein?

    Es kann auch einen Gedanken wert sein komplett zurück in die alte Heimat zu gehen und alles was deine Tochter und dich belastet, hinter euch zu lassen…

    Es wird dir alles zu eng, dein Mann stößt dich ab. Diese und viele andere Gefühle, wie Angst davor in welchem Zustand er sein wird, Scham, Hilflosigkeit, das Gefühl einer Situation ausgeliefert zu sein und selbst ohnmächtig etwas dagegen zu tun und so vieles mehr. Mit diesen Gefühlen lebt deine Tochter täglich, denn alles was du fühlst ist ja spürbar in euren Alltag. Soll das wirklich die Basis sein, mir der dieses junge Mädchen in ihr späteres Frau sein startet? Hilflos ausgeliefert sein, egal was ihr Vater oder andere Männer in ihrem Leben eben tun wollen.

    Dir geht es nicht gut, für deine Tochter werden gerade die Weichen für ihr ganzen Leben gestellt, worauf wartest du eigentlich?

    Hier zu schreiben kann helfen, es gibt Suchtberatungen und Selbsthilfegruppe (auch für Kinder und Jugendliche) du hast Familie und alle Freiheit, dein Leben und das deiner Tochter so zu gestalten, wie ihr es verdient habt.

    Als du dich hier angemeldet hast, bist du einen ersten so wertvollen Schritt gegangen. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du dich nun auch weiter auf den Weg machst. In ein selbstbestimmtes Leben, frei von Sucht und Enge.

    Ganz liebe Grüße, Lea


    Hallo Merlyn,

    herzlich Willkommen!

    Der Austausch hier tut dir sicherlich gut und manchmal reicht es ja schon fast, wenn man sich etwas von der Seele schreiben kann 😊

    Ich selbst gehöre zu den EKAs, was mir aber noch gar nicht so lange wirklich bewusst ist.

    Ich schäme mich dafür, aber heimlich wünsche ich mir fast, dass sie bald stirbt, damit ich wenigstens meinen Vater und meine Heimat wieder entspannt besuchen kann und das Thema endlich nicht mehr so viel Raum einnimmt. Nun ist es raus. Ich liebe sie, aber nicht so, wie sie jetzt ist und ich fürchte, dass die Mutter, die ich liebe, selbst bei einem sehr unwahrscheinlichen Entzug, nicht mehr auftaucht.

    Du schreibst sehr viel, wo ich mich selbst wieder finde, aber diese Sätze haben mich besonders berührt.

    Hör auf dich zu schämen! Es ist ein verständlicher und menschlicher Gedanke und ich finde nicht, dass man sich dafür auch noch schämen sollte. Aus diesem Gedanken spricht doch vor allem die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Leben für dich und deine Kinder und die Trauer um die Mutter, die du früher in ihr sehen konntest.

    Ich habe mit ca. zehn Jahren angefangen mich regelmäßig in eine Welt zu träumen, in der der ich ein Waisenkind war, befreit von meinen leiblichen Eltern. Schlimm genug, zu solchen Gedanken getrieben zu werden. Da sollte man sich nicht auch noch für schämen müssen.

    Liebe Grüße, Lea

    Nur Mal so ein Gedanke…

    Vielleicht könntest du dir ja sowas wie eine „Aufgabe“ stellen. Der Geburtstag deiner Nichte wird ja von dem aktuellen Drama komplett überschattet werden. Egal ob Entgiftung oder nicht, es ist sicherlich kein besonders gute Stimmung aktuell. Wie wäre es, wenn du versuchst das komplette Thema aus zu blenden und dich ausschließlich darauf zu konzentrieren, ein toller Gast für das Kind zu sein. Für dich konnte das eine Übung sein, wie du damit umgehen kann, wenn du absolut keine Informationen bekommst. Und die kleine kann für einen gewissen Zeitraum spüren, das nicht immer nur die Probleme und Themen der Erwachsenen wichtig sind, sondern einfach mal nur sie als geliebtes kleines Menschlein.

    Hallo Gaga,

    offensichtlich will sie gerade keinen Kontakt. Auch wenn das schwer fällt, versuch ihre Entscheidung zu akzeptieren. Du wirst sicher bald erfahren, wie es weiter gegangen ist.

    Vielleicht kannst du dir selbst etwas Gutes tun 😊

    Triff dich mit Freunden, nimm dir Zeit für ein vergessenes Hobby, guck wie du es dir schön machen kannst, damit dein Kopfkino auch mal Pause bekommt.

    Liebe Grüße, Lea

    Hallo Sporty,

    ich lese in deinen Nachrichten von Anfang an eine Menge Leid und Hilflosigkeit. Allerdings wusste ich nicht so recht, ob meine Gedanken dazu hilfreich sind. Meine eigene Geschichte, als Kind Suchtkranker Eltern, hat so viel dauerhaften Schaden angerichtet und bedeutet vermutlich einen Lebenslangen Kampf gegen Ängste, Co- Abhängiges selbstzerstörerisches Verhalten, depressive Phasen und vieles mehr. Mir ging und geht so viel wertvolle Lebenszeit verloren und das tut fürchterlich weh.

    Sobald also Kinder irgendwie von Sucht betroffen sind wünsche ich mir, das ihre Eltern sie so weit wie möglich raus schaffen aus der Situation. Körperliche Distanz aber auch Emotional.

    Kinder haben so feine Antennen und bekommen auch viel mehr mit, als es uns erwachsenen lieb ist.

    Kompletter Kontaktabbruch ist aber eben nur mein Weg und jeder muss rausfinden, was für ihn selbst am besten passt.

    Daher auch meine Frage an Lea:

    Wie hast du das hinbekommen?

    Ich weiß jeder muss seinen Weg finden, aber ich sehe vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.

    Ich brauche dringend jemanden der mir helfen kann. Irgendwie fühle ich mich auch von allen Seiten nicht richtig verstanden und hoffnungslos.

    Da du mich ganz direkt nach meinem Weg gefragt hast, werde ich versuchen meine Geschichten, bis hin zum endgültigen Kontaktabbruch in meinem eigenen Thema auf zu schreibe. Dafür brauche ich aber etwas mehr Ruhe (und eine richtige Tastatur 😊)

    Du sagst, du fühlst dich hoffnungslos und nicht richtig verstanden und das kann ich so gut mitfühlen. Komplett verstehen, kann Deine spezielle Situation niemand, weil ja nur du drin steckst. Aber auch sich überhaupt ein zu fühlen, fällt den meisten schwer, die nichts vergleichbares erleben mussten. Wenn es um Distanz zu den eigenen Eltern geht, erscheint das schon in kleinen Schritten extrem. Du denkst aber über einen Auszug aus dem scheinbar perfekten Zuhause nach. Da kann ein Außenstehender leicht dazu neigen, die vermeintlich „kleinen Ausrutscher“ deiner Mutter anderen rationalen Argumenten gegenüber zu stellen.

    Wenn dein Mann ansonsten keine Familie mehr hat, dann ist es nachvollziehbar, wenn er sich nach eben dieser sehnt. Und auch du hättest natürlich am liebsten ein harmonisches Mehrgenerationen Haus. Wer würde sich keine glückliche Bilderbuchfamilie unter einem Dach wünschen. Wobei da selbst immer die Frage bleibt gibt es das überhaupt in der Realität?

    Solange man nach den Spielregeln meiner Mutter lebt, war das sehr harmonisch.

    Vielleicht geht es dir ja nicht ausschließlich um den Alkohol, sondern es gibt auch andere Spielregeln, die mit deiner jetzigen Entwicklung und deiner Familie nicht mehr zusammen passen.

    So oder so beschreibst du ein Zusammenleben, in dem keine ernsthafte Abgrenzung beider Familien möglich ist. Und in dem Fall kannst du deinen Kindern vorleben oder erzählen was auch immer du willst. In Ihrer Alltagsrealität wird ein Umgang mit Alkohol vorgelebt, der deiner Einschätzung nach kritisch ist. Sie erleben, dass enge Bezugspersonen wie ihr das zwar nicht gut findet, aber akzeptiert und das Oma und Opa dieses Umgang leben und damit zufrieden sind. Man kann also offensichtlich volltrunken sehr zufrieden und gut leben.

    Es ist schwer zu gehen und es ist schwer zu bleiben 😔

    Dein Gefühl und dein Verstand können dir aber vermutlich beantworten, welcher Weg der gesündere für die Seele eure Familie ist.


    Und weißt du was toll ist… Du bist nicht alleine!!!

    Liebe Grüße, Lea

    Hallo Chiara,

    es ist schön zu lesen, dass du dich auf den Weg machst!

    So gerne würde ich dir freundlichere aufmunternde Worte schreiben, aber deine Situation ist ganz einfach Scheiße, das muss man auch mal ehrlich sagen dürfen 😁

    Du sollst aber wissen, ich denke an dich und deine Kinder! Und freue mich schon darauf, von deinen nächsten Schritten zu hören oder einfach nur davon, wie es dir so ergeht.

    Alles Liebe und viel Kraft!

    Lea

    Liebe Chiara,

    der Mann, den du als Liebe deines Lebens gesehen hast, den gibt es aktuell nicht mehr, also kannst du ihn auch gar nicht im Stich lassen. Dieser Mann ist nicht mehr da! Vielleicht findet er selbst einen Weg da raus, vielleicht auch nicht. Da hast du leider keinen Einfluss drauf 😔

    Ich weiß was ich tun muss, damit wir wieder leben können und die Kinder in ihrem zu Hause glücklich sein können.

    Wenn du das weißt… na dann trau dich!

    Raff dein letztes bisschen Kraft zusammen und trau dich 😊

    Was, wenn du dich entscheiden müsstest.

    Auf der einen Seite der Mann, der er aktuell ist, der deine Kinder beschimpft, der wie ein räudiger Hund in die Ecken pinkelt, für den du auf deinen Schlaf und deine Würde verzichten musst.

    Auf der anderen Seite, deine wundervollen Kinder, für die du zur Zeit der einzige Anker und definitiv die Liebe ihres Kleinen Lebens bist.

    Natürlich ist es unfassbar schwer eine Entscheidung zu treffen, bei der es sich Anfühlt, als würde sie gegen einen geliebten Menschen gehen. Nur so ist es ja gar nicht. Du entscheidest nicht gegen ihn. Du entscheidest dich nur für dich! Weg von ihm und hin zu deinen Kindern.