Beiträge von Alex_aufdemweg

    Ich habe akzeptiert, dass ich Alkoholiker bin.

    Habe kapituliert und weiß, dass ich nicht mehr trinken kann. Mit fortschreitender Trockenheit wurde mir noch viel mehr klar und bald wollte ich auch wirklich nicht mehr trinken. Nicht in Form von "ich wehre mich dagegen" sondern "ich möchte es nicht". Das Gefühl betrunken zu sein, dieses Gefühl wenn ich Gift in meinen Körper schütte.

    Wieviele Anläufe habt ihr gebraucht

    Nun ja. Mein erster Anlauf läuft jetzt seit bald 5 Jahren. ;)

    Der Plan ist, dass er erst endet wenn ich die Radieschen von unten sehe.

    Und bis dahin lebe ich mein Leben so glücklich wie es mir möglich ist.
    Denn das klappt jetzt sehr viel besser.

    ich werde das Thema jetzt loslassen und mich kurz vor Weihnachten mit einer weißen Lüge entschuldigen.

    Bis dahin ist ja auch noch eine Weile hin. Da wird sich im Kopf durch die andauernde Nüchternheit noch einiges ändern.
    Ich denke es ist eine gute Idee etwas Zeit ins Land gehen zu lassen.

    Gerade noch mal auf Seite 1 bei dir geschaut. Du bist gerade im zweiten Monat? Das bedeutet, dass du bis dahin ja bald doppelt so lange nüchtern sein wirst.

    Im ersten halben Jahr ging bei mir im Hirn der Punk ab. ^^ Ich wurde, besonders von Leuten aus der realen SHG, immer sehr zur Geduld angehalten. Besonders im ersten Jahr sollten nicht zu weitreichende Entscheidungen getroffen werden.
    Na ja. Habe mich nicht immer daran gehalten. :saint:

    deren Söhne und ihr Mann trinken ganz ordentlich... das wird hart für mich... oder ich gehe nicht hin oder ich informiere vorab meine Schwester und bitte um Zurückhaltung...

    "Ich gehe nicht hin" ist natürlich die beste/einfachste Lösung.

    Zurückhaltung wird nicht so wirklich viel nützen. Wenn Dir jemand mit einem Glas Alkohol vor der Nase sitzt ist es der Sucht nicht so wichtig ob das jetzt das zweite oder vierte Glas ist. Vor Dir trinkt jemand. Verstehst du?

    Was funktioniert wäre Zurückhaltung, in Form von z. B. keiner trinkt was bis nach dem Essen und danach gehst Du.
    Sollte das nicht gehen, ist den Personen wohl der Alkohol wichtiger als Du. Dann kannst Du der Schwester auch kommunizieren, dass Du nicht kommst, da sie sich gegen Dich und für den Alkohol entschieden haben. :)

    Es ist ja so, dass Du ein gutes Leben ohne Alkohol führen möchtest. Deswegen muss das sowieso irgendwann mal geklärt werden.

    Leute die kein Alkoholproblem haben, haben auch kein Problem wenn sie mal keinen trinken. Deswegen ist deine Bitte gar nichts besonders für sie. ;)

    Wenn das erst mal mit allen Menschen geklärt ist, die Dir nahe stehen, wird das Leben gleich viel weniger stressig. Ich weiß auch wovon ich reden. Bei mir sind es demnächst 5 Jahre. Alle die es betrifft wissen Bescheid.

    Ich muss wirklich lernen Grenzen zu setzen,

    Vor allem Dir selbst. In der ersten Zeit ist es extrem wichtig genau das zu meiden, was Du erlebt hast.
    Du kannst Deinen Freunden (denen ein Trinkkumpane sehr wichtig erscheint) das Trinken nicht verbieten. Aber Du kannst weg bleiben.

    da gab es dann im Restaurant schon fast sowas wie einen kleinen Konflikt, weil ich gehen wollte.

    "Ich will jetzt gehen". Fertig. Da gibt es nichts zu diskutieren. Richtige Freunde nehmen Rücksicht auf das was ein Freund möchte. Und wenn es hier einen Konflikt gibt, stimmt da etwas nicht.

    Nur nicht trinken reicht nicht.

    Ich lebe ein glückliches und trockenes Leben. Dafür habe ich meine (Trink-) Freunde in den Wind geschossen.
    Dabei bleiben dann automatisch die Menschen übrig denen etwas an Dir liegt.

    Dass mein Zuhause nicht Alkoholfrei ist, ist ja kein Geheimnis, aber das ist kein trigger für mich gewesen bis jetzt.

    Dann wird es Zeit jetzt etwas daran zu ändern.

    Notfallkoffer und Finger wund schreiben sind eben doch keine Endlösung.

    Damit rettest Du Dich von Tag zu Tag. Zufriedene Abstinenz auf Dauer, fühlt sich anders an.

    Du musst jetzt nicht gleich in Hektik verfallen. Aber es wäre gut, wenn Dir das klar wird. Bzw. soweit ich das lese bist Du da bereits auf dem Weg.

    Bei mir klingeln da an mehreren Stellen die Alarmglocken.

    alle trinken, ausser ich

    Das ist ja schlecht. Wenn ich das lese möchten meine Beine schon von alleine rennen.

    sprach mir gestern ihre Bewunderung aus, wie ich auch insbesondere Abends noch mit an der Poolbar sitze,

    Das liegt daran, dass sie NULL Ahnung von Suchtmechanik hat. Das ist die Grundbausteine mit Füßen getreten.

    Die Anderen sprechen mich darauf an, weil sie sich über sie Gedanken machen.

    Sollst du dich um die Sauferei deiner Freundin kümmern?

    Was die Grundbausteine und was hier geraten wird angeht, ist das ein Paradebeispiel wie es nicht geht. Wie diese Verkehrsfilme wo einer direkt ohne zu schauen über die Straße rennt.

    Denn das machst du im Augenblick. Das kann eine Weile gut gehen.

    Ich hoffe, dass Deine Motivation Dich noch eine Weile trägt.

    An dem Satz "nur nicht trinken reicht nicht" ist etwas dran.

    Auf der Landstraße ist man einfach rechts rangefahren

    Hach, das waren noch Zeiten. schwelg

    Das Beste war, dass ich - auch wenn es weiter weg war - nach einmal wo hin fahren, wusste wie ich da das nächste Mal fahren muss. Heute fahre ich fünfmal nach Navi zum gleichen Ort.

    Obwohl. Stimmt ja gar nicht. Ich habe ja gar kein Auto mehr. ;)

    Ich glaube aber auch, dass es früher schwieriger war abstinent zu leben. Selbst in der Arbeitswelt war es ganz anders.

    dabei erwische ich mich auch des öfteren. Selbst im Supermarkt registriere ich wer was und wieviel aufs Band legt. Das Verhalten muss ich unbedingt abstellen.

    Aus welchem Grund?

    Ich nehme gerne die Menschen um mich war. Und es interessiert mich immer sehr was sie aufs Band legen. Stehe eh in der Warteschlange. Da halte ich mir doch nicht die Augen zu.
    Manchmal denke ich sogar "Oh ja, das könnte ich auch mal wieder essen."

    Und Alibi-Einkäufe erkenne ich auch recht gut. Sowas wie ein, zwei Dosen zu Essen. Weil die lange halten. Vielleicht steht schon der Keller damit voll und dann drei Flaschen Wein dazu. Manche versuchen auch die Flaschen in einer Tüte zu lassen und nur eine aufs Band zu legen um dann an der Kasse nur die Zahl zu erwähnen. Damit das nicht so auffällt. Letztens musste derjenige aber dann auspacken. :oops:

    Es "macht" aber nichts mit mir, wenn ich solche Einkäufe sehe. Schaue mir die Person an. Hm, hätte ich es bei ihr jetzt nicht gedacht, oder doch? Ist es ihr peinlich? Oder wie es bei mir war? Mir war nichts peinlich. Ich hatte ja kein Problem. Dreimal die Woche im selben Laden, jedes Mal mindestens drei Sixpack Billig-Bier gekauft. Fand ich gar nicht ungewöhnlich.

    Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, wie du es schaffen willst, dich "nicht" für etwas zu interessieren. Das macht es doch eher noch spannender. ;)

    Ich bin jetzt Ende des Jahres fünf Jahre trocken. Und in nochmal fünf Jahren werde ich mir immer noch das Band an der Kasse anschauen.

    Verändert hat sich vielleicht, dass es jetzt keine so große Sensation mehr für mich ist, wenn ich einen Alibikauf sehe. Für mich war es neu, dass es Leute gibt, die versuchen es zu verstecken. Und wie viele es doch sind. Aber jetzt ist es eben nicht mehr neu.

    bot er ihr/uns den Probecocktail zum Testen an, indem er das Glas auf unseren Tisch stellte und bei dieser Geste das Glas auch recht nah an meinem Gesicht vorbei kam.

    Ach du Sch... 🙈

    Bei solchen Situationen frage ich mich oft wo denn die versteckte Kamera jetzt ist.
    Ich bin ja der Meinung, dass mich das Leben immer wieder auf die Probe stellt. Bei allen möglichen Dingen. Also auch beim Alkohol.

    weil ich tatsächlich meine beiden Pro- und Contra-Stimmen beobachten konnte

    Das finde ich sehr gut. Als ich noch nass war habe ich da nichts beobachten können. Ich habe mich einfach von der Sucht leiten lassen und "gemacht", bzw. eben getrunken. Erst mit beginnender Trockenheit wurde ich mir der Suchtstimme bewusst.
    Das finde ich extrem wichtig. Viele meiner früheren Freunde hängen (vielleicht für immer) in der Leugnungsphase fest. Die hören keine zwei Stimmen.

    Es liest sich im Augenblick bei Dir noch sehr knapp, was den Ausgang angeht. Da ist noch großes Aufpassen angesagt.

    und ich habe auch keine Begründungen gesucht.

    Wozu?

    Ja, das habe ich festgestellt. Mir ist ein Vergleich dazu eingefallen.

    Ich gehe nicht bei rot über die Straße, weil es schlecht für mich ist.

    Was alles passieren kann. Ob ich, wenn ich überfahren werde sterbe, oder im Krankenhaus liege. Bleibende Schäden usw. ...

    Das denke ich ja auch nicht. Ich mache es nicht ... fertig ist der Gedanke

    Jetzt sitze ich hier und formuliere im Kopf vor mich hin, wieso ich denn jetzt keinen Suchtdruck habe. Wieso mir Alkohol bei Problemen und auch schönen Dingen nicht mehr in den Sinn kommt.

    Alle möglichen Argumente.

    Aber irgendwie bringt es keines davon wirklich. "Wieso nur?" habe ich mich gefragt.

    Und jetzt ist es mir gerade klar geworden.

    Ich brauche gar keine Argumente um nicht zu saufen. Weil ich ja gar nicht saufen will.

    Und das ist eigentlich gar nicht so besonders. Alkohol ist ein zellschädigender Stoff. Damit Obst schneller matschig wird. ^^ Ich glaube nicht, dass die Natur den zum Saufen vorgesehen hat.

    Es gibt genug andere schlaue und dumme Dinge die ich hier in meinem Leben anstellen kann.

    übrigens so ähnlich funktioniert auch Meditation,

    Die habe ich heute schon gemacht.

    Dennoch habe ich Suchtgedanken auch nicht ziehen lassen. Sondern aktiv "M. halten" in mir gebrüllt.

    Damit gebe ich der Sucht sowenig Raum wie möglich.


    Ich kenne auch eine Meditation in der ich meine Gedanken bemerke, kurz betrachte und dann immer innerlich "schließen" sage. Bis eine Weile kein Gedanke mehr auftaucht.

    Sollte es ein wichtiger Gedanke sein, sage ich "Notiz" und schließe ihn anschließend. Ich weiß dann, dass er mir später wieder einfällt.

    Jeder Gedanke hat bei mir seine Berechtigung. Wie viel Aufmerksamkeit ich ihm schenke ist mir überlassen.

    Die Suchtstimme jedoch bekommt gar keine. Kommt nur Müll bei raus. Ich reiße auch nicht den Biomüll auf und stecke den Kopf rein. Der Deckel bleibt zu.