3 Uhr Nachts, Perspektivwechsel...
Kennt das wer, dass man nachts komplett anders über Dinge denkt als tagsüber? Vorhin - am Tag - war ich wieder felsenfest überzeugt, dass ein Auszug das Richtige ist und jetzt, genau wie vorige Nacht auch schon, denke ich "was für ein Quatsch".
Auch meine Therapeutin hatte mir ja eher dazu geraten, zu bleiben und meinen Lebensgefährten vor die Tür zu setzen. Weil ich es für meinen Sohn und mich besser finde, hier in seiner gewohnte Umgebung zu bleiben. Und mein Lebensgefährte wird das Haus, den Garten, die Tiere...all das sowieso nicht alleine stemmen können. Aber ich bin doch die nette, ich kann doch niemanden rausschmeißen, ich nehme mir doch immer das kleinere Stück Kuchen, damit ich bloß nicht egoistisch bin...?!
Gestern hat unser Sohn wieder spontan mit dem Nachbarsohn - seinem langjährigsten Freund - gespielt. Beide sind sehr speziell, haben im Dorf sonst keine anderen Freunde. Der Freund hat leider sehr sehr wenig Unterstützung von seinem Elternhaus und wird vermutlich keine Möglichkeit haben, uns in der neuen Wohnung öfters zu besuchen. Das wäre ein herber Verlust!
Außerdem sind unser Sohn und ich so viel draußen, immer auf den gleichen Wegen unterwegs, immer das gleiche Spiel spielend. Er braucht aufgrund seines Handicaps solche Routinen, sie geben ihm Sicherheit und Orientierung.
Und WIR versorgen die Tiere, harken das Laub, mähen den Rasen, verarbeiten das Obst...
Es ist doch verrückt, dass WIR jetzt hier weg ziehen! Nur weil mein Lebensgefährte die Trennung nicht akzeptiert und nur weil ich so erzogen bin, dass ich mir bitte das kleinere Stück Kuchen nehmen soll, ziehen wir wieder mal den Kürzeren!
Bei anderen hier lese ich, dass sie ihre alkoholisierten Partner aus dem gemeinsamen Schlafzimmer geworfen haben. Richtig so! Ich hingegen bin seinerzeit selber aus dem Schlafzimmer gezogen. War ja der leichtere Weg. Als es mir dann zuwider wurde, dass er jeden Abend im Wohnzimmer seinen Alkohol trank und als ich es selber sein ließ, habe ich auch das Wohnzimmer nicht als genauso mein Refugium verteidigt, sondern mich jeden Abend in mein Gästebett verkrümelt, sobald unser Sohn im Bett war. Hab meinem Lebensgefährten das Wohnzimmer, die Musikanlage, den Kachelofen überlassen. War ja einfacher als meinen Lebensgefährten dazu zu kriegen, seinen Alk auch mal wo anders zu trinken.
Ok es war für mich trotzdem gut, dass ich mich immer mehr distanziert habe, um überhaupt mal zu merken, wo meine Grenzen sind. Aber mache ich jetzt mit der Wohnung nicht wieder das gleiche und sollte ich nicht mal aufhören, immer einen Rückzieher zu machen?
Mal sehen wie ich in ein paar Stunden drüber denke, aber je genauer ich das grade schreibe, umso mehr denke ich, ich sollte die Gelegenheit nutzen, den Mietverteag nicht unterschreiben und endlich mal anfangen, für meinen Sohn und mich das beste rauszuholen und nicht nur auf der Flucht zu sein. Die "böse" Api,die verlangt, dass ihr Lebensgefährte auszieht!
Entschuldigt den langen Text und: freue mich auf Eure Einschätzung!
Gute Nacht
Api