Da das Thema im Forum immer wieder diskutiert wird und ich mir dazu wirklich sehr viele Gedanken gemacht habe, möchte ich hier im offen Bereich einen Teil aus meinem Tagebuch vom geschlossenen Bereich mitteilen.
Hallo Tagebuch,
ich war eine ganze Weile schon nicht mehr hier. Es hatte mehrere Gründe, ich musste all die gelesenen Dinge hier, meine Empfindungen, meine Wahrnehmung und meine Situation von allen Seiten genau beleuchten und durchleben. Es war sehr schmerzlich und das war auch gut so.
Mein Leben mit einem trinkenden Partner war gewiss nicht immer leicht. Es gab viel schöne Momente aber es gab auch sehr schwere Momente. Da will ich sicherlich nichts beschönigen oder es mir schön reden!!!!
Ein ganz wichtiges Thema für mich, was mich hier beim Lesen emotional sehr betroffen hat, war das Thema Kinder.
Mir war es wichtig, erstmal mir selbst klar zu werden, ob ich meinen Kindern evtl. zu viel zugemutet habe. Ob sie vielleicht doch mehr mitbekommen haben als ich ahne? Ob ich mir alles nur schön rede?
Darum war die Reflexion mit mir selbst nötig, um als nächsten Schritt ein sehr intensives und vor allem ein sehr ehrliches und aufrichtiges Gespräch mit meinen Kindern zu führen. Dazu benötigte ich den richtigen Zeitpunkt und die nötige Zeit von beiden Seiten. Erstmal mit jedem Kind einzeln und wenn nötig nochmals gemeinsam ein Gespräch zu führen. Mir war es ein großes Anliegen, herauszufinden wie sie die Dinge/die Vergangenheit empfunden und wahrgenommen haben. (Ich muss dazu sagen, dass wir schon immer eine sehr ehrliche und offene Mutter-Kind-Beziehung führen und ich am Gesprächsanfang erklärte, es sei mir sehr wichtig, ohne Schonung die Wahrheit zu hören) Ergebnis der Gespräche, ich lag bei meiner Vermutung richtig, dass unsere Kinder den trinkenden Vater nicht als süchtig trinkenden Vater wahrgenommen haben. Sie haben ihn ab und an auf einer Feier und/oder ab und an zu Hause trinken sehen. Jedoch hatten sie nicht das Gefühl, das es krankhaft war. Leider wurde bei den Familienfeiern in den jüngeren Jahren viel getrunken. Aber sie erklärten mir, dass ich immer schon eher Anti gegen Alkohol eingestellt war, mich kaum was trinken sahen und ihnen dadurch schon früh bewusst gemacht wurde, dass das Trinken in der Gesellschaft sensibel zu betrachten sei.
Aber natürlich haben sie wahrgenommen, dass ihr Vater Launen hatte (die ich, aber nicht sie, zurückführe, dass seine Wesensveränderung am Alkoholkonsums lag).
Jetzt kann man sich darüber streiten, ob manche Situationen eventuell anders verlaufen wären wenn ihr Vater keinen Alkohol getrunken hätte. Jedoch wissen wir alle, dass wir der Spiegel unserer Kinder sind. Aber wir sind auch Menschen mit Ecken, Kanten und Fehler und prägen dadurch unsere Kinder. Das heißt, wenn ich Sorgen finanzieller Art habe, wenn ich Sorgen gesundheitliche Art habe, wenn ich berufliche Sorgen habe, also egal welche Sorgen die wir als Eltern haben, spüren unsere Kinder dieses Ungleichgewicht. Wir können die Kinder nicht vor all unseren Sorgen und Emotionen schützen. Wichtig ist, dass es immer in einem gesunden Maß ist. Also in unserem Fall, hat es unseren Kindern anscheinend nicht geschadet. Ich sage ganz bewusst, in unserer Familienkonstellation. Für mich selbst war wichtig zu verstehen, ob das Leben ohne meinen Mann/ihren Vater für sie leichter oder gar besser verlaufen wäre als mit ihm. Und ich/wir bin/sind zu der Erkenntnis gelangt, dass ich (aber auch mein Mann), was das betrifft, vieles richtig gemacht habe. Und ich, durch mein Nichthandeln (also keine Trennung) unseren Kindern nicht erheblichen Schaden zugefügt habe. Also (in unserer Situation, ich betone UNSERER !!!) im Sinne der Kindererziehung und für das Wohl der Kinder habe ich richtig gehandelt ober besser gesagt nicht falsch gehandelt.
ABER!!!!! und das ist mir sehr wichtig hier an dieser Stelle mitzuteilen: jede Mutter oder jeder Vater sollte bei dieser Frage sehr ehrlich mit sich ins Gericht gehen. Schadet der Umgang mit dem trinkendem Elternteil meinem Kind!!!! Ohne es sich schönzureden, ohne es zu beschönigen. Dazu muss man sich die Situationen vor Augen halten und das erlebte noch einmal durchleben, um genau in sich hineinzuhorchen. Es muss von allen Seiten betrachten werden. Ja, das ist schmerzhaft und beansprucht Zeit. Aber nur so findet man genau heraus, ob es noch im gesunden oder schon im krankhafte Bereich für unsere Kinder stattfindet. Schadet es meinem Kind, leidet mein Kind, nimmt mein Kind eine Co- Abhängige Seite an, dann muss schnellstens was ver/geändert werden.
Weiter steht in meinem Tagebuch:
Aber für mein Wohl sieht das etwas anders aus und das möchte ich ganz klar differenzieren!!!!!
Dank Hilfe hier im Forum, konnte ich erkennen, dass nicht nur der Alkohol unser Problem ist. Ob es ohne Alkohol jetzt weniger Probleme gäbe??? Auch das kann ich rückwirkend nicht mehr analysieren oder beantworten aber ich kann den Ist-Zustand analysieren.
Mir ging es mir zwischenzeitlich sehr schlecht als ich viel im Forum unterwegs war und mich mit dem Thema Alkoholismus und Co-Abhängige beschäftigt habe, was auch gut so war.
Ich habe für mich herausgefunden, dass meine momentane Situation, nicht nur mit dem Alkoholkonsum meines Mannes zusammenhängt.
Aber für mich viel wichtiger
, ich glaube, ich bin nicht mehr Co- Abhängig auch wenn ich viele Jahrzehnte sicherlich Co- Abhängig war.
Mein Mann trinkt seit unserer räumlichen Trennung und erneutem Zusammenzug, weniger denn je. Hätte er nicht diese Vergangenheit, könnte man meinen, sein Trinkverhalten sei normal.....was auch immer normal bedeutet. ABER da er definitiv das Trinken immer als Ventil benutzte, ist auch ein bisschen trinken nicht normal für Ihn.
Das ist mir, aber noch viel wichtiger, ihm bewusst.
Das Beste aber ist, dass ich nichts mehr erwarte und dass ich weiß, dass ich nichts verändern kann und werde. Ich zähle oder suche keine Bierflaschen mehr. Ich hinterfrage nicht mehr, ob er getrunken hat, denn ich weiß ganz genau, wann mein Mann getrunken hat. Das alles hat null mit mir zu tun, egal wie ich zu ihm bin oder wie ich mich ihm gegenüber verhalte!
Ich weiß auch, dass nur er was daran verändern kann. Ich habe meine alten Verhaltensmuster abgelegt und verändert und das gefällt mir und es tut mir gut. Und das, dank diesem Forum hier und den vielen User die sich die Zeit und Mühe machen ihre Erfahrungen mit uns zu teilen!!
Meine Veränderung hat im Moment bewirkt, dass auch mein Mann sehr viel hinterfragt. Wohin es führt????? Steht in den Sternen. ABER das wichtigste für mich ist, meine Veränderungen haben das geringste damit zu tun, dass ich hoffe, wenn ich dies oder das mache, oder wenn ich es so oder so mache, dann hört er vielleicht auf zu trinken. Meine Veränderung hat nur mit mir zu tun. Ich möchte nicht mehr Co- Abhängig sein.
Nur ich bin für mein Glück selbst verantwortlich. Ich kann nur mich verändern. Es liegt in meiner Hand ob ich den Schritt wage oder ob ich in der unglücklichen Position verharre. Bin gespannt wo mich/uns das hinführt.