Beiträge von orangeblau

    Genau das würdest du sagen

    Wir betrachten die Sache hier aus einer anderen Perspektive. Nicht jede Antwort ist eindeutig „richtig“ oder „falsch“, aber der Thread heißt nun mal Fragen an einen Alkoholiker.

    Wenn dieselbe Frage immer wieder in anderer Form gestellt wird und die Antworten längst dastehen, kann man das auch in den eigenen Thread verlagern.

    Jeder Alkoholiker tickt anders, deshalb kann auch nicht jede Frage persönlich und passgenau auf eine konkrete Situation beantwortet werden.


    Warum gibts denn das Thema „Fragen an Alkoholiker“ überhaupt, wenn man sowieso immer nur als Co lächerlich gemacht wird von dir?

    Wenn Fragen so drängend in einem sind, müssen die doch irgendwo hin. Ich kenne das auch von mir. Ich war verwirrt, verängstigt. Und auch besorgt. Mir hat es geholfen, in der Anfangszeit, hier sehr viel bei den Alkoholikern zu lesen.

    Ich sehe es auch nicht so, daß der Co-Abhängige nur um den Alkoholiker kreist. Ich glaube, viel von meinem Verhalten, was ich später für mich als Co-Verhalten einordnen konnte, hatte sehr wohl mit mir zu tun. Ich kreise um den Alkoholiker, weil ich Leidensdruck habe. Sorge um den anderen ja, aber eben auch Sorge um das eigene Wohlbefinden, daß den Bach runtergeht.

    Ich hatte das Glück, daß ich meine Fragen direkt an den Süchtigen gestellt habe. Und ihr könnt mir glauben, ich habe das für mich genutzt. Daß er mich nicht belog, sondern ziemlich freimütig davon erzählte, was in ihm vorging. Es ist unvorstellbar, daß jemand sein Leben wegwirft, wo doch alle Gründe dagegen sprechen. Das wollte ich verstehen. Nicht im Sinne eines rationalen Nachvollziehens, sondern um eine Ahnung von der Macht zu bekommen, die die Sucht hat. Und daß ich keine habe. Ich musste das hören, und zwar veranschaulicht hören.


    Danke!

    Darum ging es mir!


    Meine Alkoholiker haben es bevorzugt zu lügen, mich anzuschreien, mich zu ignorieren, mir die Schuld zuzuschieben, Problem bestreiten etc.


    Mir hätte es WAHNSINNIG geholfen, wenn man nur ein einziges Mal ein richtig offenes und ehrliches Gespräch mit mir führt und das versuche ich hier nachzuholen, mit anderen Leuten, die die Lage kennen.

    Nicht weil ich helfen will oder so, ich habe beide losgelassen, sondern weil ich die Menschen geliebt habe, viel Sorge hatte, sehr gelitten habe und das Saufen auch (langfristige) Konsequenzen für mein Leben hat.

    lach, ist das nicht Co-Co?

    Nicht lustig.


    Ich wollte übrigens niemanden retten, naja meine Familie.

    Das ist nicht einfach wenn man sich mit 2 kleinen Kindern (6 und 2 damals) trennt, weil man MUSS, weil ER zu blöd ist Verantwortung zu übernehmen. fast Vollzeit-Arbeit, Kredit, Kindererziehung, alles alleine und das weitere fast 20 Jahre. Mein Leben hat es auch versaut.

    Ist das wirklich Co und Helfersyndrom, wenn man sich das als Frau 1-2 Jahre anschaut und versucht ihm bewusst zu machen was er uns antut????

    Ich lasse mir definitiv nicht mangelndes Verantwortungsbewusstsein vorwerfen.

    Viele unbeantwortete Fragen bleiben trotzdem und ganz viele schlechte Gefühle

    Solche Fragen sind verständlich, aber sie halten das Co‑Verhalten am Leben. Solange man sich damit beschäftigt, was Alkoholiker denken, fühlen oder warum sie etwas tun, bleibt man weit weg von sich selbst. Fragen haben ihren Platz , aber sie haben auch Grenzen.

    Denn irgendwann geht es nicht mehr um Erkenntnis, sondern um Ablenkung von der eigenen Verantwortung.


    Habe mich doch getrennt und alle Säufer losgelassen, obwohl ich nicht wollte.
    Leicht ist das nicht.

    Ich trage eine riesen Verantwortung ganz alleine. Auch mein Leben hat der Alkohol immer wieder zerstört und viel Leid bei mir verursacht.

    Wenn du schreibst fühlt man sich fast schon schuldig, dass man Menschen liebt.


    Frage ich eben nix mehr.

    Liebe orangeblau,

    Warum ist das für dich wichtig, das zu wissen? Es hat doch im Grunde genommen für dich keinen Nutzen.

    Versuch bitte den Fokus wieder auf DICH zu richten, in den Kopf eines Süchtigen zu blicken nutzt dir nicht wirklich was. Denn darauf hast du keinen Einfluss und es ist kaum nachvollziehbar, was da abgeht. Wenn du es nicht selbst an dir erlebt hast.

    Das meine ich nicht böse.

    Liebe Grüße Aurora



    Danke, du hast Recht.


    Mir tut es trotzdem gut meine Fragen stellen zu dürfen und sie loswerden zu können auf die ich von meinen geliebten Menschen nie offene und ehrliche Antworten bekommen habe. Bilde ich mir zumindest ein.

    Wenigstens habe ich hier das Gefühl, dass ich mit meinen Fragen nicht nerve, nur aggressiv angefahren, ignoriert, abgewertet oder sonst was werde, sondern man mir auf Augenhöhe normale Antworten gibt.


    Danke an alle für die Antworten.

    Was waren denn eure jeweiligen Entzugserscheinungen während der nassen Zeiten, also nicht beim Beginn der Abstinenz, sondern währenddessen? Wie hat sich die Sucht für euch bemerkbar gemacht? Wird das immer schlimmer mit der Zeit? Wie kann man sich das vorstellen?

    Gegen Gedankenkarussell hilft mir oft eine Einschlaf-Meditation bei YouTube.

    Es gibt auch tolle homöopathische Tabletten von der Apotheke, die nehme ich oft wenn mir alles zu viel wird. Mir hat sie der Arzt verschrieben, bekommt man aber auch ohne Rezept.


    Versuch dir bewusst zu machen, dass du gerade jetzt im Moment nichts machen kannst. Als die Trennung ganz frisch war, habe ich auch extreme Existenzängste gehabt. Hatten auch Haus, Kredit. Ich hatte Angst, dass er seinen Job verliert und ich keinen Unterhalt bekomme etc.

    Lass dich am besten fachlich beraten dazu.

    Bei mir ging am Ende zumindest alles gut aus. Knapp 2 Jahre später mach ich mir keinen Kopf mehr und die finanziellen Dinge haben sich geregelt. Die Zeit wird vieles regeln, es wird auch für dich weitergehen und eine positive Zukunft geben. Alles Schritt für Schritt.

    Ich wünsche dir, dass du heute gut schlafen kannst.

    Wenn sich Leute hier vorstellen, werden sie ja immer gefragt, ob sie Alkoholiker sind und eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Viele scheinen ja ein Problem mit der Einsicht zu haben und eher kontrolliertes Trinken anzustreben.


    Kann man denn auch 100% einsichtig sein und trotzdem nichts ändern wollen? Kann man als nasser einsichtiger Alkoholiker glücklich sein?

    Hallo!

    Schäm dich nicht, dass könnte mir genauso passieren.


    Verstehe dich sehr gut, mir geht’s im Prinzip gleich und ich probiere es genauso wie du mit Yoga, Ruhe finden, reduzierter Alltag etc.

    Ich denke wir sind auf dem richtigen Weg.


    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!

    Hallo!


    Kommt drauf an, was er schon alles mit dir mitgemacht hat und wie sehr ihn das belastet hat, würde ich sagen. Oder aber auch inwiefern er zum Thema Alkoholismus und Co-Abhängigkeit informiert ist.

    Ich glaube nicht jeder Alkoholiker und nicht jede Beziehung ist gleich.

    Mein Exmann hätte bei mir keine Chance mehr. Es ist viel zu viel passiert und war zu belastend für mich.

    Ich war auch noch mit einem zweiten Alkoholiker enger.Da würde ich es mir vielleicht ganz vorsichtig nochmal mit Distanz anschauen. Ist aber noch sehr frisch und ich habe noch nicht komplett abgeschlossen…
    Ich persönlich hätte Vorallem Angst, dass es sich nur um eine Trinkpause handelt….wenn ich etwas gelernt habe: Ein Alkoholiker verspricht viel wenn der Tag lang ist….

    Es ist auch schön zu lesen, dass es deinen Kindern gut geht. Darf ich fragen, wie sie es anfangs aufgenommen haben und wie ihr Verhältnis jetzt zum Papa ist? Habt ihr sie offen und ehrlich über den Grund der Trennung aufgeklärt?


    Die Frage war zwar nicht, aber ich hatte die gleiche Situation.


    Ich war altersgerecht ehrlich zu ihnen, habe mit ihnen ganz oft darüber geredet sofern es möglich war. Meine Kinder waren jünger als deine, sie haben oft einfach nur zugehört.
    Schlecht geredet habe ich ihn aber nicht.

    Ob er jemals mit ihnen darüber geredet hat, weiß ich nicht, ich denke aber nicht.


    Beide haben die Trennung sehr gut verkraftet. Mein älteres Kind hat sehr schnell selbst gesagt, dass es viel besser ist ohne ihn, weil sie die Streitereien anstrengend fand. Sie hat einiges bewusst mitbekommen, was ich gar nicht gemerkt habe. Wenn man noch in der Situation ist merkt oft aus Gewohnheit nicht mehr wie sehr es an der ganzen Familie nagt.

    Vieles weiß sie (leider) immer noch. Wenn sie Redebedarf hat, rede ich mit ihr darüber.
    Beide sind aufgeblüht, sie haben ja die angespannte Stimmung zuhause gespürt, die nach der Trennung nicht mehr da war. .


    Vermisst haben sie ihn trotzdem. Papa bleibt Papa. Sie besuchen ihn alle 2 Wochen. Das hat sich sehr gut eingespielt.
    Er kümmert sich jetzt besser um die Kinder, muss er ja, sie besuchen ihn gerne.


    Bei uns war die Trennung eine win-win-Situation für alle (zumindest für mich und die Kinder), aber ich denke, es war auch für ihn eine Riesen Chance. Was er daraus macht, ist aber nicht mehr mein Problem.


    Ich habe auch ewig mit mir gerungen und verstehe dich sehr gut.

    Als ich den Schritt schließlich gemacht habe, war es richtig so. Ich habe nicht eine Minute an meiner Entscheidung gezweifelt, bis heute nicht.

    Am Ende ist es ein Prozess, den jeder in seinem Tempo und auf seine Art durchlaufen muss…

    Ich habe einen alkoholabhängigen Mann, dessen Krankheit wir seit Jahren stark bekämpfen


    Den körperlich Entzug haben wir letztes Jahr geschafft


    Mir fällt auf, dass du „Wir“ schreibst….

    Seine Krankheit kann nur er bekämpfen, du kannst ihm dabei leider nicht helfen…das ist nicht deine Verantwortung und deine Aufgabe.


    Ließ dich mal hier ein bisschen quer, du kannst hier sehr viel für DICH lernen…viele hier haben in einer sehr ähnlichen Situation gesteckt und leider stehen die Chancen schlecht für eure Beziehung solange er meint kontrolliert trinken zu können…


    Tut mir leid für dich und deine Kinder.

    Ich muss noch etwas nachschicken. Ich habe auch ein Schuldgefühl mir selbst gegenüber. Achtsamkeit und Selbstfürsorge gab es nicht in meinem Wortschatz. Ich habe mich ausgebeutet und nicht auf mich geachtet. Wäre ich mir selbst mehr wert gewesen, als es mir andere waren, dann hätte ich die Dynamik vielleicht früher verstanden.


    Ich habe diese Schuldgefühle auch, mir und den Kindern gegenüber.

    Trotzdem ist dein und auch mein Handeln zutiefst menschlich und nachvollziehbar.

    Wir wollten einfach die Familie „retten“, alles zusammenhalten. Es ist eine gute Absicht gewesen, wir hatten nur keinen Einfluss.

    Wenn ich etwas wegen dem Alkoholkonsum sage, dann tut er es erst recht. Wenn ich nichts sage, auch. Wenn er krank ist, unterstütze ich. Wenn ich krank bin, kommt kein Entgegenkommen. Es ist ein einseitiges egoistisches Verhalten meines Mannes gewesen. Und zwischendurch wird alles getan um den Co bei der Stange zu halten. Lügen, manipulieren, falsche Tatsachen vorspielen und sich nach außen verstellen. Damit ist der Co gleich noch unglaubwürdig und übertreibt.

    Eine Schuld für seinen Konsum habe ich bei mir nicht gesucht.

    So war es bei mir auch.

    Aber ich wollte Einfluss auf sein egoistisches Verhalten nehmen, bewirken dass er es ändert. Du nicht auch?

    Für den Konsum habe ich mich auch nicht schuldig gefühlt, aber sehr wohl sah ich es als meine Pflicht „einzugreifen“.


    Ich glaube es geht viel darum zu akzeptieren, dass man auf das Verhalten anderer Menschen NULL Einfluss hat, dass man selbst für sein Glück verantwortlich ist unabhängig von einer anderen Person, egal ob es der Vater der Kinder ist oder so.

    Wenn man das verinnerlicht hat, lässt man sich auf seine eine Dynamik gar nicht erst ein bzw löst sich sehr schnell von solchen Menschen, die einem nicht mehr gut tun, setzt klare Grenzen, lässt sich nicht so viel gefallen, weil dann das eigene Wohlbefinden an erster Stelle steht.

    Das ist genau der Kern der Co‑Mechanik. ;) Nicht der Alkoholiker macht den Co verantwortlich, sondern der Co macht sich selbst verantwortlich,.

    Viele Co-Abhängige machen aus jeder eigenen Reaktion gleich eine Selbstbewertung. „War ich zu hart? War ich zu weich? Habe ich zu wenig getan? Habe ich zu viel getan? Das hält die Dynamik beiderseits am Laufen.


    Stimmt.

    Ich glaube Co‘s sind ganz grundsätzlich Menschen die sehr viel auf sich beziehen, viel Verantwortung übernehmen, zu Selbstkritik neigen, Schuld bei sich suchen…

    Verstehe es immer mehr…


    Da fällt mir ein, eine Beraterin hat einst zu mir gesagt „für wen hälst du dich, dass du denkst du kannst das Verhalten einer anderen Person beeinflussen? Hälst du dich für so mächtig?“

    Fand ich damals hart, man wollte ja die Familie zusammenhalten, aber mittlerweile verstehe ich worauf sie hinaus wollte.

    Hab mir sogar in beiden Fällen vorgeworfen, dass ich zu wenig Verständnis gezeigt habe.

    Hätte ich es gemacht, wäre die Beziehung mit meinem Ex wahrscheinlich nicht so schnell gekippt und der andere Alkoholiker wäre nicht vor mir davon gelaufen.


    Ich habe eher das Gefühl Alkoholiker WOLLEN einen Co. Sie wollen ja nicht aufhören, man hat es zu akzeptieren, soll wegschauen, soll ruhig und still sein. spricht man ihn an, wird er agressiv, geht in Rückzug, Schuldumkehr.
    Als Partnerin ist man dann die nervige, kontrollierende, bevormundende, anstrengende Last die nichts von Lebensgenuss und Lebensfreude versteht, viel zu unentspannt ist und dem armen Kerl nichts gönnt.

    So wurde ich dann auch gerne in der Öffentlichkeit hingestellt.

    Dabei will man eigentlich nur, dass der Alkoholiker hinschaut.

    Ich war da immer sehr Konfrontativ. War auch nicht richtig bzw. hat in meinen Fällen nichts gebracht.

    Ich habe nie Verständnis oder Mitgefühl gezeigt für die Sauferei als ich es dann mal als unnormal erkannt hatte. In beiden Fällen.

    Eher im Gegenteil. Meine Taktik war: Aufmerksam machen, nichts schön reden, direkt ansprechen, Beobachtungen schildern, Lösungsvorschläge und Unterstützung anbieten.

    Hat aber auch nur zu Problemen und Distanz geführt.

    Als Co kannst du machen was du willst, richtig gibts nicht.

    Hallo!


    Hatte heute einen schönen Tag.

    Habe mit den Kindern einen netten Ausflug gemacht.
    Später im Liegestuhl gemütlich gelesen und vorher noch gemalt.

    Geht mir richtig gut heute, die Gedanken kamen gelegentlich, aber ich versuche sie zu stoppen. Mir ist Ruhe in meinem Kopf, nicht mehr über die Probleme nachdenken müssen fast schon unheimlich. Scheint so als hätte ich mich über die Jahre dran gewöhnt ständig Achterbahn wegen den Alkoholikern fahren zu müssen, ständig Gedanken und Sorgen.

    Ich bleibe dran, für meine Kinder, für mich, für meinen Frieden, meine Ruhe und mein Glück.