Ein paar Erfahrungen zur Beziehung zwischen Co‑Abhängigen und Alkoholikern.
In den Jahren, in denen ich noch gesoffen habe, wusste ich selbst nicht, wann ich eigentlich abhängig geworden bin. Kein Alkoholiker weiß das. Wer behauptet, er könne den genauen Punkt benennen, hat das Prinzip Sucht nicht verstanden. Das nasse Denken baut sich lange vorher auf, schleicht sich ein, tarnt sich als „normal“, und irgendwann sitzt man mitten drin und hält sein eigenes Saufen für Alltag.
Ich war damals auch in einer klassischen Co‑Alkoholiker‑Beziehung. Und ja. Ein Co‑Partner trägt im nassen Denken dazu bei, dass man weitersäuft. Nicht moralisch, nicht absichtlich ,aber eben faktisch. Das Suchthirn nimmt jeden Satz, jede Empathie, jedes „Ich verstehe dich“ und macht daraus nassen Treibstoff.
Meine damalige Partnerin kam selbst aus einer Alkoholikerfamilie und meinte irgendwann, sie könne verstehen, warum ich so viel saufe. Meine Kindheit, Biografie, Umfeld, Muster. Für mein Suchtgehirn war das natürlich ein Freifahrtschein. Endlich jemand, der mich „versteht“. Also, hoch die Tassen. Genau so funktioniert Sucht. Sie nimmt oberflächliches Verständnis und verwandelt es in Legitimation.
Das Suchthirn liebt Sätze wie „Ich verstehe dich“, „Kein Wunder bei deiner Vergangenheit“, „Ich fühle mit dir“. Für den Co‑Partner klingt das nach Nähe. Für den Alkoholiker klingt es nach Erlaubnis. Dazu noch ein bisschen Empörung über meine Lebensgeschichte und das Spiel läuft weiter. Und natürlich kam von mir im Suff genauso der Klassiker: „Wegen dir saufe ich doch auch so viel.“ Nicht, weil es stimmte, sondern weil Sucht ständig Gründe sucht, warum weitergesoffen werden „muss“.
Der Satz ist nicht wahr, aber er fühlt sich im nassen Denken echt an.
Es geht nicht um Schuld im moralischen Sinn. Aber ein Co‑Partner wird im nassen Denken automatisch Teil der Suchtlogik. Unwissenheit schützt nicht vor Wirkung. Wer einem Alkoholiker im nassen Zustand „Verständnis“ anbietet, liefert , ohne es zu wollen eben Argumente fürs Weitersaufen.
Und wenn der Alkoholiker trocken werden will, läuft das nasse Denken trotzdem weiter. Genau dann braucht es auch kein oberflächliches „Ach du Armer, ich kann dich verstehen“-Geschwätz . Das bremst den Prozess. Der Co denkt aus seinem co‑abhängigen Muster heraus, der Alkoholiker aus seinem nassen Muster und zusammen ergibt das eine Symbiose, die beide festhält.
Es geht nicht um Schuld, es geht darum, das eigene Schuldgefühl richtig einzuordnen, damit es nicht weiter Teil der Suchtmechanik bleibt.