Hallo Maeron,
ich bin auch recht neu hier im Forum und habe deine Geschichte hier mal am Rande verfolgt.
Ich habe mir auch lange die Frage gestellt, ob ich "nur" eine Suchtpersönlichkeit habe oder bin ich "schon" Alkoholiker.
Auch finde ich mich in vielen Dingen, die du hier beschreibst auch recht gut wieder. Deine Frau nennt das "pathologisch", meine Frau sagt, ich habe dieses "Ganz oder Garnicht-Gen" (Extrem für Hobbys/Dinge begeistern, so eine regelrechte Obsession, die dann auch schnell wieder beendet sein kann und auch lange über Dinge nachgrübeln und nicht loslassen können)
Klar kann da auch sein, dass der Partner sagt, "da hat er bloß wieder so einen neuen "Fimmel" oder "der redet sich bloß wieder was ein".
Ich denke aber, beim Alkohol oder generell bei Drogen liegt die Sache bissl anders.
Du schreibst, dass du früher manchmal mit Alkohol wie jemand anderes warst, dein Trinkverhalten zwar mit psychologischer Hilfe bissl hinbekommen hast, aber selbst auch danach immer wieder Probleme hattest, kontrolliert zu trinken.
Aber ich denke, dass man nie die Garantie hat, dass in Zukunft nicht wieder oder vielleicht auch viel eher die Bremsklötze wegfliegen.
Gerade weil die Droge auf Dauer an der Persönlichkeit sägt und nicht aufbaut.
Aus meiner Erfahrung bewegt man sich dadurch immer weiter weg von sich selbst.
Dinge die man versucht hat mit Alkohol zu bekämpfen oder zu lösen, sind eigentlich mit der Zeit nur noch schlimmer geworden und man hat mit der Zeit immer weniger die Kraft, zu "wiederstehen" bzw. "zu kontrollieren", sich zu schützen, über sich selber zu bestimmen.
Ich denke auch, wenn man die Uhr nochmal zurückdrehen könnte, würden die wenigsten hier sagen, ich nehme mir vor, später mal trockener Alkoholiker zu werden oder will ich später mal an meinem kontrollierten Trinken arbeiten (was ich auch über Jahre versucht habe)
Klar ist es meistens auch immer ein schleichender Prozess und man weiß auch nie, was für eine Hintergrundgeschichte hinter jedem steht. Aber wenn man den Schuss vor den Bug vielleicht schon bissl eher gehört hat, die Gefahr ahnt und die Weiche stellt, bevor alles in Scherben liegt, ist es doch gut.
Mir fiel mir das Eingeständnis "Alkoholiker"/ "alkoholabhängig" sehr schwer (man will das eigentlich alles gar nicht so richtig wahrhaben).
Aber es ist der 1. Schritt in die richtige Richtung.
LG René
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Hallo René,
das "Ganz oder Garnichts-Gen" wie du es beschreibst, ja, genauso ist es bei mir auch. Und ich gebe dir recht, es ist beim Alkohol etwas anderes und hat im Grunde damit nichts zu tun.
Einen "Garantieschein" über ein "Bremsklötze wegfliegen ausgeschlossen", - wäre gut. Aber ja, gibt es leider nicht.
Es ist tatsächlich bei mir auch so, das ich es eigentlich alles gar nicht so richtig wahrhaben will, wobei dieser Gedanke und das Gefühl dazu tagesaktuell schwankt.
Gerade weil die Droge auf Dauer an der Persönlichkeit sägt und nicht aufbaut.
- hier habe ich die letzte Zeit drüber nachgedacht, es motiviert mich, nichts zu trinken.
Hallo Freddy,
Hallo Maeron,
ich verstehe nicht ganz, warum die genaue Einordnung Deines Alkoholproblems in "abhängig oder nicht" so wichtig ist.
Anfangs hattest Du geschrieben, dass nur der (seltene) Kontrollverlust bei Feiern das Problem sei - dann (ich glaube am 4. Tag) hast Du ein psychisches Problem, weil Du nicht trinkst......
Bei mir war es ähnlich und wenn ich zu der Zeit den Absprung gemacht hätte, dann wäre mir und meinem Umfeld viel erspart geblieben.
Vor meiner ersten Entgiftung dachte ich auch viel über meine Situation und meinen Konsum nach: Bin ich Alkoholiker - wieviel darf ich trinken ohne in die Alki-Schublade zu gehören etc..
Mach den Absprung und genieße die Freiheit - bevor Du so tief im Sumpf steckst wie ich zeitweise!
Schöne Grüße von Freddy
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Ich glaube, die Einordnung könnte wichtig sein, weil ich mir mit einem "Eigentlich nicht abhängig" doch noch eine Hintertür offen halten könnte... Mittlerweile denke ich darüber anders. Auch weil ich nochmal überlegt habe, was ich alles verdrängt habe.
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Und zu meiner Suchtbiografie / Suchtverhalten...
Ich hatte eigentlich seit Anfang 20 mein Suchtverhalten aufgebaut: Nikotin, Cannabis, Alkohol. Mit 19 noch hatte ich erst ein einziges Rauscherleben. dann, als der entsprechende Freundeskreis kam, habe ich gelernt, dass Rausch eine wunderbare Sache sein kann, - für den Moment zumindest. Ich habe an sich mit allen drei Stoffen gleichzeitig ein Suchtverhalten aufgebaut. Habe ja auch alles gleichzeitig konsumiert. Das Kiffen habe ich dann eine Zeitlang eingeschränkt, dafür mehr Getrunken. Nach ein paar Monaten auch doch wieder gekifft. Auch alleine. Und auch alleine dazu getrunken. Mir ist eingefallen, was ich verdrängt habe. Ich habe vor ca. 9 Jahren schon mal Alkohol zuhause weggekippt weil ich entschlossen hatte, nichts mehr zu trinken. Das hatte ich nicht wirklich lange durchgehalten. Habe es total verdrängt. Bin dann auch Nachts damals zur Tankstelle und habe Bier und Tabak gekauft. Das hatte ich total vergessen...
Jetzt kiffe ich seit mind. 4 Jahren nicht mehr. Den Tabak bin ich in der Regelmäßigkeit auch seit einem Jahr los. Und jetzt trinke ich nicht mehr. Heute Tag 26. Es funktioniert tatsächlich ganz gut. Nur fällt mir auf, wie viele Momente es jetzt schon gab, wo ich sonst getrunken hätte, wenn auch mit Kontrolle, trotzdem, es wären viele Momente mit Alkohol gewesen. Sei es nach dem Sport, nach dem und zu dem Essen, Ab Abend im Sessel vor dem Fernseher, auf einem Straßenfest, auf einer Familienfeier, auf noch einem familiären Treffen, beim Vatertag, beim Grillen...
Ich stelle fest, dass es zum einen die Leichtigkeit ist, die ich jetzt in bestimmtem Momenten, bei denen ich kontrolliert getrunken habe, nicht mehr habe. Die leichte Entspannung durch zwei Bier am Abend zum Beispiel. Das zweite was ich nicht mehr habe, ist das Rauscherleben, welches ich in größeren Abständen immer mal wieder erlebte, wenn der Kontrollverlust einsetzte.
Ich denke, das ich, je länger ich jetzt nicht mehr trinke, doch immer mehr das Rauscherleben vermissen werde. Dann wird es wohl irgendwann einen Punkt geben, wo ich so daran gewöhnt bin nichts zu trinken und auch schon so lange keinen Rausch hatte und eben auch dann keinen haben will, weil ich gelernt habe, dass ich viele andere schöne Dinge haben kann, die ich nur habe, weil ich eben nichts mehr trinke. Das hoffe ich zumindest.
Der Termin bei der Therapeutin war gut. Zum Thema entscheiden, ob ich Alkoholiker bin, oder nicht, sagte sie nach meinem längeren "Vortrag", dass ich mich ja bereits entschieden hätte. Das Gespräch tat mir gut. Sie hat mir natürlich auch zu einer Selbsthilfegruppe in Präsenz geraten. Ich habe eine rausgesucht, das wäre dann nächste Woche. Ich bin noch unsicher und hoffe das ich mich traue auch hinzugehen.
Soviel zu mir.
LG