Beiträge von Rennschnecke

    Richtig, noch so eine goldene Erfahrungsregel hier: Da, wo es piekt, geht es lang.

    Also: nicht ärgern, sondern nachdenken.

    Spar dir das Geld für das Buch, lies lieber hier in den Fäden von Alkoholikern, die sich die Mühe gemacht haben, Dir in ihrer Freizeit zu schreiben - bestimmt nicht, um dich klein zu machen.

    Also, Kopf hoch, weiter austauschen und vor allem mit den Rückmeldungen offen auseinandersetzen. Das schaffst du auch noch, Bienenliesel!

    So, ich möchte mal wieder eine Wasserstandsmeldung hierlassen: Ich bin jetzt über zwei Jahre hier im Forum, über 1,5 Jahre trocken - ja, langsam traue ich mich, das so zu sehen und nicht mehr nur von Abstinenz zu sprechen.

    Dazu wollte ich mich schon länger hier im Offenen mal wieder gemeldet haben, jetzt bin ich auf merkwürdige Art daran erinnert worden.

    Heute morgen (hab gerade Urlaub und hüte für ein paar Tage bei einer alten Tante ein) bin ich aufgewacht und hab gemerkt, dass ich nach langer Zeit mal wieder von Alk geträumt hatte:

    Erst war da ein mir persönlich nicht bekannter Alkoholiker, der von seinem Rückfall berichtete und wieder aufhören wollte - aber erst nach einem Familienfest in ein paar Tagen.

    Ich erinnere mich dunkel, dass ich im Sinne dieses Forums darauf reagiert habe. Und plötzlich stand ein Glas Wein vor mir (keine Ahnung, woher) und ich habe ganz schön lange mit mir selbst argumentieren müssen, bis für mich feststand, dass ich auch "nur" dieses eine Glas nicht trinke.

    Dann bin ich aufgewacht und war ganz schön enttäuscht, dass ich im Traum nicht klarere Kante bei mir selbst gezeigt hatte.

    Und dann fiel mir ein, dass ich vor dem Einschlafen darüber sinniert hatte, wie stabil ich mich doch gerade in meiner Abstinenz fühlte....obwohl die Wohnung, die ich gerade hüte, nicht komplett alkfrei ist (die alte Tante trinkt selbst seit einiger Zeit auch nicht mehr, hat aber in ihrer Vorratskammer noch Reste von Alk-Getränken für Gäste stehen. Aber, Achtung, jetzt kommt der Klassiker: Das macht mir nichts aus, denn das Zeug mochte ich sowieso nie ...dachte ich vor dem Einschlafen noch).

    So viel dazu ...

    Aber es muss noch was anderes geben, als den Besuch zu verschieben, zumal das schwierig ist, weil auch mein Mann gerade da Urlaub und die Kinder Ferien haben.

    Es kommt einfach nicht in Frage.

    Es gibt hier eine goldene Regel aus vielfacher Erfahrung: Nur nicht trinken reicht nicht.

    Daraus folgt: vermeintliche Sachzwänge furchtlos hinterfragen und schauen, was du für dich ändern kannst, ggf. Schrittweise.

    Du bekommst Suchtdruck nach einem Telefonat, überlegst dir schon, dass du an einem Rückfall nicht gleich sterben würdest - wenn das keine Warnsignale sind, weiß ich es auch nicht.

    Wie waers mit (zumindest einem Teil) der Wahrheit? "Ich bin krank und brauche den Urlaub für mich, Mann und Kinder, Besuch schaffe ich gerade nicht und kann dir auch noch keinen Ausweichtermin nennen."

    Oder zumindest Unterbringung in einer Ferienwohnung in ausreichend Entfernung?

    Stimmt, ich glaube, ich bin bei Dir schon mal über "Du musst"-Aussagen gestolpert und habe "Aua" gedacht (weil ich selbst bei solchen Aussagen automatisch in Abwehrhaltung gehe und laut oder leise denke: "Nö, ich muss gar nichts, außer sterben.").

    Aber ich mochte mich nicht dazu äußern, weil ich bei Dir den Eindruck habe: "Da schreibt immer das Herz mit." - und darauf vertraut habe, dass das auch die Angeschriebenen merken.

    Ist vielleicht ganz gut, darüber mal nachzudenken....

    Ich frage mich: Wie kommt jemand auf die Idee, sich nach ein paar Tagen Abstinenz als "alkoholUNabhängig" zu bezeichnen?

    Wird diese Sichtweise auch in irgendwelchen Podcasts propagiert? (Habe damit null Erfahrung und auch kein Interesse daran). Warum dann nicht konsequent dabei bleiben und versuchen, mithilfe dieser Podcaster bzw. Autoren abstinent zu bleiben?

    Ich melde mich doch auch nicht für einen Achtsamkeits-Kurs an und verkünde dann, dass ich den Begriff der Achtsamkeit doof finde und lieber durch einen anderen ersetze ...

    Es ist gut, Bienenliesel, dass Du hier schon einiges gelesen hast. Die Erfahrungen anderer, die Ähnliches erlebt haben, sind viel lehrreicher als alle Theorie!

    Obwohl die auch wichtig ist, es ist wichtig zu verstehen, wie stark unser Suchthirn ist - bis an unser Lebensende.

    Und bei alkfreiem Alk fühlt es sich schnell verschaukelt und verlangt nach "richtigem" Stoff - blöd, wenn der dann griffbereit steht. Ähnlich bei Wasser o. Ä. aus Alkgläsern. Deshalb wurde der Konsum von alkfreiem Alk in meiner stationären Reha sogar als Rückfall gewertet.

    Also: neue Wege gehen, dann kannst du auch diese Sucht stoppen - und z. B. mehr vom Familienleben haben.

    Und im Zweifel oder bei blöden Gedanken hier schreiben und ruhig noch mal den eigenen Faden lesen, das stärkt. Alles Gute!

    Ich kenne inzwischen gar keine Supermärkte mehr, wo man nicht an irgendeiner Ecke mit einem Alk-Sonderangebot konfrontiert wird, da wird das Ausweichen immer schwieriger.

    Was mir am Anfang geholfen hat, war die Erkenntnis, zu welchen Zeiten ich am liebsten Alk eingekauft habe (abends, nach getaner Arbeit: da "gönne" ich mir was) - und diese Zeiten habe ich dann lange gemieden, mache ich im Zweifel heute noch.

    Gut, dass Dich hier gemeldet hast, Eva!

    Zweifelst Du noch? Du konntest am Ende 2 Flaschen Wein und mehr trinken und NOCH funktionieren ( wie lange noch?!). Das schaffen Nicht-Süchtige nicht, dazu gehört jahre-, eher jahrzehntelanges Training.

    Diese "Toleranzentwicklung" ist eines der Suchtkriterien der WHO, und die führt dazu, dass Du im Laufe der Jahre immer mehr Stoff brauchst - die Sucht bekommt nie genug, und irgendwann funktionierst du auch nicht mehr und riskierst alles, was Dir lieb und teuer ist.

    PS: Ich hab auch noch "funktioniert", mit deutlich weniger "Stoff", aber den hätte man mir nicht wegnehmen dürfen ...

    Dein Engagement aus persönlicher Betroffenheit in Ehren, Eternal, aber in der Ruhe liegt die Kraft, lass die Dame doch erstmal ankommen ...

    Es bringt ja nichts, dass wir Lösungswege zu wissen glauben und den Neulingen um die Ohren "hauen', sie müssen ja selbst zu der einen oder einer anderen Erkenntnis kommen, Selbsthilfe eben.

    Ok, Franko, du machst dir auf jeden Fall Gedanken, das ist schon mal gut.

    Dann weißt Du ja sicher auch, dass es wichtig ist, bei solchen Anlässen nicht den Chauffeur für andere außer Deiner Frau zu spielen, damit du dich jederzeit verabschieden kannst, wenn es dir doch zu bunt wird.

    Wenn man dabei erschrocken ist, ist es doch nur menschlich.

    Natürlich, mich wundert es nur, dass es so kurz nach der Anmeldung schon kommt, inkl. KT- Grdanken. Aber wenn der Freund in der Gegewart des frisch Abstinenten trinkt und ihm auch noch Alk anbietet, ist es wiederum nicht erstaunlich.

    Es ist "nur" die Sucht, DTH, und die Werbung, die uns einreden, dass Alkohol einfach zum Leben dazugehört. Dabei ist längst erwiesen, dass Alk ein vom ersten Schluck an schädliches Nervengift ist.

    Ein zufriedenes Leben ohne Alkohol ist möglich, oft wird es sogar erst ohne Alk möglich. Das kannst du hier in unzâhligen Erfahrungsberichten nachlesen.

    Aber: nur nicht trinken reicht nicht, da muss ich noch mehr auf den Prüfstand stellen und ggf. Verändern. Nur Mut!