Ich habe das Trinken immer positiv gesehen.
Bei mir kommt gerade der Punkt wo ich überlege ob mir Alkohol je wirklich geschmeckt hat
geschmeckt muss er mir wohl haben, sonst hätte ich als Kind nicht den Kirschlikör getunkt. Ausserdem wurde ich davon sehr lustig, das wurde mir ja erzählt, und damit kenne ich vermutlich DEN Saufgrund bei mir. Ich war auch lange, wenn ich sturzbetrunken war, wunschlos glücklich. Ich brauchte dann nichts und niemanden. Was irgendwer über mich dachte, war mir so wichtig wie der Sack Reis in China. Erst nüchtern hat mich das in irgendeiner Weise interessiert.
Bei mir war die wesentliche Erfahrung für die dauerhafte Trockenheit die, dass ich mich nach mehrmonatiger Trinkpause darauf gefreut hatte, dass ich mich dann endlich mal wieder belohnen durfte. Ich habe mich die Tage davor schon richtig auf ein bestimmtes Ereignins gefreut, wenn ich das geschafft habe, kaufe ich mir als erstes eine Flasche Whisky und geniesse den Tag so richtig. Drei Wochen später war ich da, ich musste kämpfen, dass ich überhaupt noch alkoholfreie Tage hinkriege und ich hatte dann irgendwann das Gefühl, jetzt ändert sich was. Jetzt werde ich irgendwie verrückt.
Diese positve Erwartung, die ich da hatte, endete in absoluter Enttäuschung. Und im Wortsinn, es war schon ein paar Jahre vorher mehr Täuschung, weil es da schon regelmässig zu Problemen führte. Ich wollte es aber nicht wahrhaben und dachte, es muss doch gehen,wenn ich es richtig mache. Das war ja lange ein Zwischenzustand, ohne Alkohol ging es nicht, aber mit Alkohol ging es auch nicht mehr.
Dabei ging mir dann der Gedanke an das Positive beim Saufen restlos weg. Ich glaube, deswegen hat mich dann auch nie was getriggert. Es wäre sowieso schwierig gewesen, den Triggern aus dem Weg zu gehen, weil mein ganzes Leben und meine ganze Identität, also das, was ich als meine Person gesehen habe, untrennbar mit dem Saufen verbunden war. Ich hab eigentlich schon den Saufgrund gehabt, wenn es morgens Tag wurde.
Heute ist das schon lange Geschichte, weil ich in den ganzen Jahren, die ich trocken bin, wohl schon fast jede Situation, auch große Probleme, nüchtern erlebt habe, ohne dass der Trinkgedanke kam. Bei mir "sitzt" die schlechte Erfahrung da sehr tief. Und das macht es irgendwie sehr einfach.
LG LK