Beiträge von Siri

    Ich überlege, ob ich selbst zu einer Beratungsstelle gehe - einfach um mit jemand außenstehendem einmal darüber zu sprechen.

    Liebe Lilawolke,

    das ist in jedem Fall hilfreich. Mir haben Gespräche mit dem Kriseninterventionsdienst sehr geholfen, als meine Mutter sich gemeldet und um Hilfe gebeten hat. Für mich war der erneute Kontakt traumatisch. Die Person dort kannte sich sehr gut mit den Auswirkungen von Alkoholismus auf die Familie und insbesondere Kinder und EKAs aus. Es war der erste Schritt, mich mit den tiefen, lähmenden Schuld- und Schamgefühle auseinanderzusetzen, die ich seit meiner Kindheit habe. Daran arbeite ich intensiv weiter in einer Therapie.

    Da es auch gelegentlich relativ normale Tage mit ihr gibt - tue ich mich wahrscheinlich auch sehr schwer den Kontakt wirklich abzubrechen.

    Gerade der Wechsel zwischen "normalen" Tagen und solchen, wo sich der Alkoholismus deutlicher auswirkt, sind für Kinder Gift. Es unterminiert ihr Vertrauen in ihre eigene Wahrnehmung und ihre eigenen Grenzen. Zudem lernen sie auf diese Weise, immer in Habachtstellung zu sein, weil das Verhalten Deiner Mutter ja völlig unberechenbar für sie ist. Das ist wirklich Gift für sie!

    Dein Vater kann ja Euch besuchen und den Kontakt mit seinen Enkeln ausserhalb der Großeltern-Wohnung ohne die Oma aufrecht erhalten. Den Kindern kann man erklären, dass die Oma leider krank ist.

    Aber hier gibt es einige Ekas mit Kindern, welche Dir da besser über eigene Erfahrungen berichten können. Ich selbst habe keine Kinder, habe aber vor 20 Jahren erlebt, wie verstörend meine Mutter auf die Enkel ihres Lebenspartners gewirkt hat. Zum Glück hatte deren Mutter damals konsequent reagiert.

    LG Siri

    Ich kenne das von meiner Mutter auch. Lange hat sie behauptet, dass die Hausärztin oder der Neurologe ihr "erlaubt" hätten am Abend Wein zu trinken.

    Ich habe damals (ich war ein paar Jahre älter als Du) den Kontakt ganz abgeprochen.

    Nach einem Hilferuf meiner Mutter habe ich nun eine Vorsorgevollmacht für sie und kümmere mich aus der Ferne um ihre Pflege. Sie ist nun bald 80 und leugnet nicht mehr Alkoholikerin zu sein. Es ist auch unübersehbar. Sie ändert aber nichts daran. Ab und zu spricht sie es am Telefon an, doch ich lasse mich nicht darauf ein und bewerte den Alkoholismus auch nicht mehr. Zur Zeit betont sie, dass sie weniger Alkohol trinke wegen der Hitze. Schön wäre es ja für sie.

    Ich kümmere mich darum, dass meine Mutter vom Pflegedienst versorgt wird, und halte Abstand. Mehr kann ich nicht tun. Wäre der Lebenspartner meiner Mutter noch am Leben, würde ich dies nicht machen.

    Ich fühle mich wie gelähmt - ich will meine Mama nicht verlieren, will aber auch nicht nur angelogen werden und wenn sie weiter trinkt auch eigentlich keinen Kontakt zu ihr haben.

    Dein Bedürfnis nach Abgrenzung ist eine gesunde Reaktion. Es ist richtig und sehr sehr wichtig, die eigenen Grenzen zu spüren und zu verteidigen, wenn sie oder die eigene Wahrnehmung in Frage gestellt wird. Wenn Du keinen Kontakt zu ihr haben willst, dann brich ihn ab.

    Keinesfalls würde ich Deine Kinder zu ihr lassen. Das Verhalten von Alkoholikern ist nicht nachvollziehbar und wirkt auf Kinder verstörend. Es spielt keine Rolle, ob die Enkel Deiner Mutter gut tun. Deine Mutter tut den Enkeln nicht gut. Das würde ich ihr auch so mitteilen und konsequent danach handeln.

    Es steht nicht in Deiner Macht, am Alkoholismus Deiner Mutter etwas zu ändern, das kann nur sie allein.

    Es ist der Alkohol, der dazu führt, dass Deine Mutter die Kontrolle über ihr Leben verliert. Du hast keinerlei Anteil daran.

    LG Siri

    Hallo Nevermind,

    ja, die Psychoanalyse geht von dem aus, was die Patientin einbringt. Es wird durch die Therapeutin weniger explizit gelenkt und es gibt keine praktischen Vorschläge zu irgendwelchen Verhaltensweisen, welche die dysfunktionalen Muster ersetzen könnten. Dennoch wird man nicht nur begleitet, sondern durch oft eher subtile Reaktionen der Therapeutin an wichtigen Punkten durchaus auch geleitet. Ich habe damit einen Freiraum für mich gewonnen und oft eigene Lösungen gefunden, mit denen ich experimentieren konnte. Es ist ein langsamer Prozess, der auch heute noch weitergeht. Die Stimme meiner damaligen Therapeutin begleitet mich nach all den Jahren immer noch.

    Die Gruppe jetzt funktioniert ganz anders. Es ist ja kein Zwiegespräch. Auch hier entwickeln die Sitzungen jede Woche eine eigene Dynamik. Das ist auf ganz andere Weise intensiv als die Einzeltherapie. Ich bin sehr froh, einen Platz ergattert zu haben.

    Wichtig finde ich, dass Du selbst das Tempo bestimmst und der Therapeut nichts hervorholen möchte, sondern sehr feinfühlig und behutsam ist.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du schnell Unterstützung für Dich erhälst. Die Zeit bis zur Therapie könntest Du mit regelmäßigen persönlichen Gesprächen im Kriseninterventionsdienst der psychosozialen Notfallversorgung überbrücken. Schau einmal, ob es das bei Dir in der Gegend gibt. Mir hat das letztes Jahr wirklich sehr geholfen. Die Person dort war auf die Problematik von Alkoholmissbrauch in der Familie spezialisiert und kannte sich, auch aus eigener Erfahrung, sehr gut mit EKA spezifischen Nöten aus.

    LG Siri

    Danke Dir, liebe Lea.

    Das klingt für mich merkwürdig vertraut und super verdreht, da würde ich wohl einen Profi zu befragen wollen.

    Das werde ich machen. Merkwürdigerweise fällt es mir in der Therapie bisher schwer, genau über solche Verdrehungen zu sprechen, weil sie ja so irrational sind.

    Aber an was ich in den letzten Jahren überall ran gekommen bin und was jetzt wirklich abgeschlossen ist, da bin ich manchmal richtig baff.

    ....trotzdem finde ich es aktuell sehr befreit von alter Last.

    Das freut mich sehr für Dich. Ich lese aus den Beiträgen oft eine große Lebensfreude, und das ist so schön!

    Aktuell träume ich einige wenige Male im Jahr (gerade neulich wieder) von meiner Kindheit und viel mehr ist da auch gar nicht. Dafür musste ich auch durch die Empörung und durch die Wut und alles mögliche noch.

    Ich bin auch davon überzeugt, dass ich durch all diese Gefühle hindurch muss, um mit den Themen abschließen zu können, gerade weil ich sie damals ja nicht fühlen durfte, sondern funktionieren musste.

    LG Siri

    Liebe Lea,

    danke Dir sehr, dass Du an mich denkst. Dass ich weiss, dass Deine Gedanken mich begleiten, berührt mich und hilft mir. Es tut so gut, nicht allein zu sein.

    Es geht mir besser. Ich sitze wieder an meinem Schreibtisch und beginne wieder meine Arbeitsroutine aufzubauen. Das hilft mir auch gegen die Panikanfälle: wieder meine eigenen Ziele verfolgen. Allerdings habe ich große Angst, sie nicht zu erreichen.

    Was auch hilft, ist, dass es in den Sommerferien nun Aufgaben in unserem Gemeinschaftsgarten gibt und dabei nette Begegnungen. Für mich, die ich in den letzten Monaten zum Extrem-Einsiedler geworden bin, ist das eine Herausforderung, aber schön.

    Dennoch kreisen meine Gedanken zur Zeit viel um meine Mutter. Gerade wenn ich am Telefon bemerke, dass sie getrunken hat, ist es schwierig, obwohl ich ja weiß, dass ich auf den Verlauf ihrer Krankheit keinen Einfluss habe. Ich habe einfach fürchterliche Angst vor einem schlimmen Ende. Vielleicht ist das so, weil meine Mutter mir immer gedroht hat, dass ich enden würde wie mein Vater. Das war eine Art Damoklesschwert, das in meiner Kindheit immer über mir schwebte und vielleicht rührt die Panik jetzt von daher. Das ist natürlich völlig verquer und verdreht, würde aber ja zu dem Problem der Grenzverwischung zwischen mir und meiner Mutter und den vielen Übergriffen passen, die in meiner Kindheit stattgefunden haben. Ich habe Angst, dass ihr passiert, was sie mir angedroht hat.

    Es kommen zur Zeit sehr viele Erinnerungen aus meiner Kindheit hoch, die in meiner ersten Therapie völlig verschüttet waren.

    Zum Beispiel habe ich plötzlich für mich damals völlig verstörende Alkohol- und amouröse Exzesse vor Augen, die in meiner späten Kindergarten- und/oder frühen Grundschulzeit stattgefunden haben müssen. Oft war das im Urlaub oder an den Wochenenden, wenn ich keine eigene Struktur hatte, oft mit Freunden meiner Mutter, die auch Kinder hatten. Wir waren uns vollkommen selbst überlassen.

    Die Ängste, die ich damals hatte, wenn meine Mutter erst völlig überdreht und hektisch, zugleich unerreichbar war, dann später jammernd und sich windend, kotzend. Das schrille Lachen, der komatöse Schlaf. Die Gefühle des Ausgeschlossenseins, der Orientierungslosigkeit und des Nicht-Verstehen-Könnens, was da jetzt passiert, all das war plötzlich wieder da, bis hin zum Essen am Baggersee im Elsass beim Zelten mit den Grillgerüchen und dem wieder herausgekotzten Aal.

    Sich wieder zu erinnern, war gut, weil ich gleichzeitig auch Distanz zu all dem gewonnen habe: das war damals so, aber es ist vergangen. Ich habe mich über all das nun richtig richtig empören können und diese Wut und Empörung über die damalige Verantwortungslosigkeit meiner Mutter gegenüber diesem kleinen Mädchen, das ich war, die tut mir richtig gut.

    Vielen Dank Dir, Lea
    Siri

    Hallo Nevermind,

    die Gruppe wird von einem analytischen Psychotherapeuten geleitet. Es handelt sich um eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie, die einmal die Woche stattfindet. Gerade die Gruppe tut mir sehr gut. Die Gruppenmitglieder arbeiten jeweils an ganz unterschiedlichen Schwierigkeiten. Ich bin die einzige mit einem alkoholkranken Familienmitglied, dennoch gibt es viele Schnittmengen.

    Vor vielen Jahren habe ich eine sehr intensive Einzeltherapie (3-4 x die Woche, über mehrere Jahre) bei einer Psycholoanalytikerin gemacht. Auch diese Erfahrung war sehr gut und hilfreich. Die Intensität und die Dauer haben eine langsame Bearbeitung der Traumata in meinem Tempo möglich gemacht, wobei einiges dennoch unbearbeitet blieb. Es war jedoch sehr gut, dass nichts forciert wurde. Als der Prozess für mich sehr schmerzhaft wurde und ich Angst davor bekam, wie schlimm es wohl noch wird, hat die Therapeutin mir gesagt, dass nur so viel hochkommen wird, wie ich auch bewältigen kann. Ich habe mich dort immer sicher gefühlt, eine sehr wichtige Erfahrung für mich.

    Aber die psychodynamischen Prozesse in der Gruppe sind gerade jetzt sehr aufschlussreich für mich. Es hilft mir zudem, meine erneut aufgekommene Angst vor Menschen zu bearbeiten und ihre Gefühle auszuhalten, auch wenn diese Mal negativ sind. Genau zu spüren, dass ich nicht für die Gefühle von anderen verantwortlich bin, sondern nur für den Umgang mit meinen eigenen Gefühlen, die ich alle haben darf, ist für mich zur Zeit sehr hilfreich.

    Liebe Grüße Siri

    Er ist ein so wundervoller kleiner Mensch, genauso wie seine Schwester und ich bereue nicht eine Sekunde ihm das Leben geschenkt zu haben.

    Hallo Yuna,

    das ist eine so schöne Basis und aus Deinen Worten spricht eine große Kraft.

    Ich wünsche Dir und Deinen Kindern von ganzem Herzen, dass Du aus dieser Kraft schöpfen kannst und Deinen eigenen Weg selbstbestimmt und konsequent gehst.

    Den Anfang hast Du nun gemacht.

    Die Co-Abhängigkeit zu überwinden ist nicht leicht. Sie führt dazu, dass man diese eigene Kraft nicht mehr wirklich spürt, dass sie sozusagen verschüttet geht. So war dies bei mir. Aber Du wirst Deine Kraft immer besser spüren, je mehr Du aus dem Sog der Alkohol-Sucht Deines Partners und der Co-Abhängigkeit herausfindest und wieder eigene Ziele ins Auge fasst und zu verfolgen beginnst.

    Alles Gute für Dich und Deine Kinder!
    LG Siri

    Liebe Momo,

    danke Dir sehr für Deine Rückmeldung. Es ist keine Überlastung. Vielleicht ist tatsächlich die Unterbrechung meiner Routinen der Hauptgrund dafür, dass die Panikattacken sich wieder gemeldet haben. Denn Struktur hat mir in der Kindheit ja völlig gefehlt. Und das hat zu vielen Problemen geführt, obwohl ich nach außen immer funktioniert habe.

    In den letzten Monaten habe ich mir Schritt für Schritt meine Strukturen wieder aufgebaut, nachdem es mich wegen einer entzündlichen Erkrankung mit Bewegungseinschränkungen und extremer Schmerzen und dem erneuten Kontakt zu meiner Mutter völlig aus der Bahn geworfen hatte. Darauf war ich so stolz. Und dann sind sie durch die Corona Infektion wieder weggebrochen.

    Mein Mann findet im Gegensatz zu mir ganz selbstverständlich wieder in seinen Alltag hinein. Mich kostet das bei jedem einzelnen Punkt sehr viel Kraft und Überwindung. Aber ich mache es und drücke mich nicht davor. Der nächste Schritt ist, den Sport wiederaufzunehmen. Dann wird vielleicht auch die Konzentration besser, so dass ich meine Arbeit wieder aufnehmen kann.

    Was einfach so schlimm ist, ist dass alles von diesen schrecklichen Gefühlen begleitet wird.

    Vor einer Kur hätte ich gerade noch mehr Panik. Körperlich geht es mir zudem viel besser. Hier bessert sich die entzündliche Krankheit, die ich seit einem Jahr auf der rechten Seite habe und die mich zuvor bereits über ein Jahr auf der linken Seite geplagt hatte, wirklich sehr. Nach über zwei Jahren habe ich nun endlich fast keine Schmerzen mehr und kann mich auch wieder fast normal bewegen. Ich mache jeden Tag meine Übungen.

    Vielleicht kann ich zusätzlich zur Gruppentherapie ein paar Mal eine Einzelsitzung bekommen. Diese Möglichkeit hatte mein Psychotherapeut einmal erwähnt bei den probatorischen Sitzungen. Das werde ich nach der nächsten Gruppensitzung mit ihm besprechen.

    LG Siri

    Liebe Elly,

    hab vielen Dank für Deine schnelle und einfühlsame Antwort und Deine hilfreichen Fragen. Ich kann sie noch gar nicht so richtig beantworten.

    Es ist vieles gleichzeitig, glaube ich. Sicher hat es auch mit der Situation meiner Mutter zu tun, dass es ihr immer schlechter geht. Das merke ich am Telefon. Es macht mich sehr traurig, zumal ich ihr ja nicht helfen und beistehen kann.

    Ist es zwischenzeitlich besser gewesen?

    Ja, es war gerade in den letzten Monaten viel besser. Ich habe ja so viel für mich Neues angefangen und meine Fühler nach draußen ins Leben gestreckt. Das wurde durch Corona jäh unterbrochen.

    Solange ich richtig krank war und es nur galt, gesund zu werden, hatte ich keine Panikattacken. Sie kamen erst jetzt, als ich meine normalen Aktivitäten und Pläne wieder aufnehmen wollte.

    Ich weiß nicht, ob der Auslöser die Erfahrung der Hilflosigkeit ist. Ich habe eine Freundin um Hilfe beim Einkaufen gebeten, da es auch meinen Mann erwischt hatte. Ich habe mir also gut zu helfen gewusst. Sie hat für uns eingekauft und während der Krankheit hatte ich psychisch keine Probleme. Das kommt jetzt erst mit Verzögerung.

    Mich überfordert es zur Zeit, mich mehreren Menschen auszusetzen, paradoxerweise vor allem Menschen, die ich kenne. Überhaupt die Wohnung zu verlassen, fällt mir aber nun auch wieder sehr schwer. Das war so viel besser zwischenzeitlich und nun ist es wieder da. Ich fühle mich wie ohne Haut.

    Die Mitpatienten in der Therapie sind eine Ausnahme, sie beruhigen mich eher und dort finde ich Halt, vielleicht weil wir ja alle mit unseren Schwierigkeiten dort sind und sie dort zur Sprache kommen können? Ich selbst kann über meine traumatischen Erlebnisse aber nicht sprechen und höre dort zur Zeit eher den anderen zu. Das ist auch sehr hilfreich für mich. In Bezug auf mich selbst ist da aber eine große Blockade, eine Sprachlosigkeit. Ich will das auch (noch?) nicht.

    Reizüberflutung ist definitiv auch ein Thema: Wenn die Panik da ist, höre jedes einzelne Geräusch und tauche zum Beispiel bei offenem Fenster in die Geräuschkurlisse um mich herum vollkommen ein. Ich kann dann keinen klaren Gedanken fassen. Die Geräusche selbst plagen mich nicht, im Gegenteil, ich freue mich über die Kinder auf dem Spielplatz gegenüber, den Wind im Laub der Bäume, jeden einzelnen Vogel, der bei uns zu Hause ist, und und und. Ich höre einfach alles. Die Geräusche, die das Leben um mich macht, trösten mich einerseits, andererseits wäre ich lieber ohne Angst ein bisschen mehr selbst mit dabei als nur Zaungast (Zaunhörer).

    Vielleicht brauche ich einfach nur noch etwas Zeit und muss Geduld haben, dass nicht alles sofort wie vor der Infektion ist.

    Jetzt ist es wieder sehr lang geworden, aber es hilft sehr, das alles aufzuschreiben.

    Danke Dir sehr Elly!

    LG Siri

    Liebe Forumsmitglieder,

    zur Zeit lese ich im Forum vor allem mit. Mich berühren die Geschichten sehr und ich bin so froh, dass es Euch gibt!

    Es fällt mir aber zur Zeit sehr schwer, in meinem Faden zu schreiben.

    Mich suchen immer wieder Panikattacken heim. Vor allem wenn ich unter Menschen gehen möchte, überfällt mich eine starke Übelkeit und große Unruhe. Ich fühle mich wie paralysiert und muss mich dann zwingen hinauszugehen und meine Pläne umzusetzen. Es fühlt sich wie ein inneres Gefängnis an, das mich festhält. Wenn ich es einmal geschafft habe, geht es eigentlich ganz gut, aber zuvor ist es eine Qual. Ich kann mich kaum auf etwas konzentrieren.

    Ich weiß nicht, ob es mit der Gruppentherapie zu tun hat, die ich nun seit einiger Zeit begonnen habe. Dort kommen viele Dinge hoch. Die Gruppentherapie selbst ist sehr hilfreich und das Format ein Segen. Ich bin froh dort einen Platz bekommen zu haben und denke, es ist gerade in meiner jetzigen Situation gut, dass es eine Gruppen- und keine Einzeltherapie ist. Ich lerne viel.

    Vielleicht sind die Panikattacken aber auch Folge der Unterbrechung meiner Aktivitäten und des Alltags durch eine heftige Corona-Infektion, die mich nun bereits vor mehr als einem Monat zwei Wochen lahm gelegt hat? Es fällt mir extrem schwer alles wieder aufzunehmen und mein Leben wieder zu strukturieren und auf die Reihe zu kriegen.

    Kennt jemand von Euch das, dass solch eine Unterbrechung des Alltags wie ein riesiger Bremsklotz wirkt? Ich bin zur Zeit etwas ratlos. Immerhin gehe ich nun wieder zur Gruppen- und zur Physiotherapie. Den Gesundheitssport habe ich noch nicht wieder aufgenommen. Da macht mir ein permanenten Hustenreiz, der bei Anstrengung schlimmer wird, einen Strich durch die Rechnung. Aber am meisten plagt mich die Panik.

    LG Siri

    Liebe Aloy,

    willkommen bei uns im Alkoholiker-Forum.

    Bitte beherzige, was Elly geschrieben hat: Dich trifft keinerlei Schuld am Alkoholkonsum Deiner Mutter.

    Auch ich bin EKA (steht für Erwachsene Kinder von Alkoholikern) und kenne diese Schuldgefühle. Sie wurden ganz langsam immer weniger und sind mittlerweile zum Glück nur noch sehr selten vorhanden. Stattdessen überkommt mich immer wieder eine tiefe Trauer. Dennoch bin ich dabei, für mich nach vorne zu schauen und mein Leben zu leben. Es ist ein Prozess und mir hilft dabei therapeutische Begleitung sehr.

    Es ist ganz wichtig zu verinnerlichen, dass Du keine Schuld hast. Und dass Du Dir trotz der Krankheit Deiner Mutter erlaubst, selbst ein schönes und erfülltes Leben mit Deinen Kindern zu leben.

    Ich finde es sehr gut, dass Du so klar bist und nun, nachdem Dir die Folgen des Alkholmissbrauchs Deiner Mutter für Dein großes Kind vor Augen stehen, Deine Kinder schützen willst. Hier gibt es viele Angehörige mit Kindern (ich selbst habe keine). Ich wünsche Dir einen hilfreichen Austausch.

    Viele liebe Grüße
    Siri

    Es gibt auch Väter (und wohl auch Mütter), die vor allem schwarz und offiziell fast nicht mehr arbeiten, um auf diese Weise um den Unterhalt zu kommen. So war das bei meinem Vater. Er hat keinen Unterhalt gezahlt, weil er meiner Mutter nichts geben wollte, da sie den Kontakt des Kindes zu ihm unterminiert hat. Meine Mutter hat mir den fehlenden Unterhalt immer vorgeworfen. Ob das Amt eingesprungen ist, weiß ich nicht. Meine Mutter hat immer geklagt, dass ein Kind so viel kostet, obwohl sie sehr gut verdient hat. Im Studium hätte ich dann meine Mutter verklagen müssen, da sie nun ebenso nicht mehr bereit war, den mir zustehenden Unterhalt zu zahlen, mit dem Hinweis, dass mein Vater nun dran wäre. Ganz am Ende des Studiums in der Prüfungsphase hat mein Vater dann den Unterhalt übernommen.

    Im Bafögamt wurde mir damals gesagt, dass solche Fälle nicht selten seien und eine Klage Erfolg hätte, da meine Mutter den Unterhalt als sehr gute Verdienerin hätte zahlen müssen und ich deshalb kein BAfög kriegen konnte. Ich habe meine Mutter dennoch nicht verklagt, denn wer verklagt schon seine Eltern? Zum Glück hatte ich immer sehr sehr gut bezahlte Jobs in den Semesterferien. Mich erholen oder Reisen konnte ich damals allerdings nie.

    Wieso kann ich erst entspannen wenn er im Bett ist ? Es sollte mir doch egal sein was er macht.

    Liebe Lizzy,

    so ging es mir als Kind: Ich konnte erst entspannen und einschlafen, wenn ich meine alkoholkranke Mutter gegen 00:00 Uhr oder 1:00 Uhr zu Bett gebracht hatte. Meist bin ich gegen 20 Uhr ins Bett und konnte dann nicht schlafen, weil sie laut Fernsehen geguckt und dabei getrunken hat. Wenn sie dann eingeschlafen ist, habe ich die betrunkene Mutter ins Bett begleitet. Fast jede Nacht. Noch heute geht es mir so, wenn mein Mann mal nicht schlafen kann. Ich bin dann meist so lange wach, bis er eingeschlafen ist. Auch wenn wir Besuch haben, geht es mir so: ich kann erst einschlafen, wenn alle eingeschlafen sind und es mucksmäuschen still ist.

    Bringe Dein Kind in Sicherheit, Lizzy! Die Gefahr ist gross, dass Dein Kind tiefe Spuren von diesen Erlebnissen davontragen wird.

    Alles Gute für Dich und Dein Kind.

    Siri

    So, wie er drauf ist, wäre da nicht ein Betreuer sinnvoll, an den du deine gefühlte Verantwortung delegieren kannst? Ich weiß nicht, wie man das veranlassen kann, evtl. Mithilfe der Familie.

    Eine rechtliche Betreuung kann jeder beim Betreuungsgericht anregen. Dazu braucht es nicht die Familie. Es ist allerdings ein sehr langwieriges Verfahren (am besten die Dringlichkeit schildern, dass Lebensgefahr für ihn besteht, er dies nicht mehr überblickt). Ich würde das Verfahren jetzt anregen, gleichsam als offiziellen Akt, mit dem ich die Verantwortung abgebe. So wird die Situation auch amtlich. Das ist in jedem Fall gut.

    Warum ziehst Du nicht sofort in Deine kleine Wohnung, um Dich zu schützen? Auch jetzt zahlst Du ja bereits für beide Wohnungen. Es ist sehr wichtig für einen selbst aus der Einflusssphäre eines Alkoholikers herauszukommen.

    LG Siri

    Liebe Aruula,

    was Morgenrot sagt, ist wichtig. Gerade in einer akuten Situation.

    Wenn ich der Meinung bin, dass ein Mensch einen Rettungswagen braucht, handele ich. Das hat dann in meinen Augen auch nichts mehr mit CO oder nicht CO zu tun.

    Mir hilft im Umgang mit meiner Mutter insgesamt konsequent nach meinen Masstäben zu handeln. Sobald ich einen Entschluss gefasst habe, etwas so oder so zu machen, hinterfrage ich es nicht mehr, sondern mache es so. Und zwar tue ich es für mich selbst. Was muss ich tun, um selbst gut leben zu können, jetzt und in Zukunft? Das frage ich mich sehr oft und da geht dann der Weg für mich lang. Zum Beispiel ist für mich klar, dass ich meine Mutter nur sehr selten persönlich besuchen kann. Der persönliche Kontakt nimmt mich zu sehr mit und das tue ich mir nicht regelmäßig an.

    Meine Verzweiflung ist besser geworden, seit ich das Verhalten meiner Mutter wirklich nicht mehr bewerte und auch nicht mehr zu ergründen versuche, warum sie handelt wie sie handelt. Sie ist suchtkrank. Ich kann daran nichts ändern. So ist es.

    Meine Trauer bleibt allerdings. Sie verändert sich aber zur Zeit auch sehr. Ich arbeite zur Zeit mithilfe einer Psychotherapie nochmal sehr viel auf, wie ich durch meine Mutter geprägt wurde.

    Aber das Verhalten meiner Mutter ist nun anders als als Kind nicht mehr relevant für mein Handeln und für mein Leben. Mein Handeln ist keine Reaktion auf ihr Verhalten oder ihre Äußerungen mehr. Beim Willen ist es anders: den habe ich zu respektieren. Solange meine Mutter sich nicht in einer akuten Notsituation befindet, von der ich weiss, lass ich sie in Ruhe, so wie sie es wünscht.

    Ich kommentiere das Trinken meiner Mutter auch nicht. Es ist kein Thema mehr zwischen mir und meiner Mutter. Zu Beginn war das für meine Mutter ungewohnt, nicht für ihr Trinken verurteilt zu werden. Ich zeige auch kein Verständnis für das Trinken meiner Mutter, sondern sage einfach nichts dazu, auch nicht wenn sie selbst davon anfängt zu sprechen. Ich höre ihr zu und lass es so stehen.

    Du könntest Deine Schwester ohne jegliche Bewertung, immer wieder auf ihre eigene Verantwortung hinweisen, sagen, dass es Hilfe für sie gibt, wenn sie dies will. Deine Schwester weiß ja, was sie tun muss, um Hilfe zu bekommen. Zum Beispiel sich beim Amt ummelden, um dann Wohnungshilfe als Süchtige zu bekommen. Für mich wäre zum Beispiel in Deiner Situation wichtig, ihr klipp und klar zu machen, dass sie nicht bei mir einziehen kann, selbst wenn sie sonst auf der Straße landen würde. Da wäre meine Grenze, weil ich es nicht ertragen würde, mit einem suchtkranken Menschen zusammenzuwohnen.

    Deiner Schwester klar zu machen und immer wieder auszusprechen, dass ihr eigenes Leben ganz allein ihre eigene Verantwortung ist, kann womöglich auch für Dich selbst hilfreich sein. Niemand kann die Verantwortung für das Leben eines anderen Erwachsenen übernehmen.

    Was machst Du für Dich selbst? Mir hilft eine Psychotherapie sehr. Davor waren es regelmäßige Gespräche bei der Krisenintervention. In der Psychotherapie geht es nun um andere Dinge, die für mich wichtig sind. Es dreht sich auch da nicht mehr alles um meine Mutter. Ich bin sehr froh um diesen Raum. Und auch sonst habe ich begonnen mich Schritt für Schritt um meine eigenen gesundheitlichen Baustellen zu kümmern, damit es mir besser geht. Meine Verantwortung! Es ist ein sehr gutes Gefühl zu sehen, dass ich hier viel professionelle Unterstützung erhalte seit ich dies in die Hand genommen habe. Darauf bin ich sehr stolz. Statt um andere kümmere ich mich in erster Linie um mich selbst. Das ist zur Zeit das wichtigste.

    LG Siri

    Hallo liebe Forumsmitglieder,

    nach wie vor rufe ich meine Mutter 1 Mal in der Woche an. Die Telefonate verlaufen in gewohnten Bahnen ohne Zwischenfälle. Meine Mutter freut sich sehr über den wöchentlichen Anruf. Aber wenn ich einmal ausser der Reihe anrufe, ist sie meist abweisend. Ich glaube, dass sie sich dann von mir kontrolliert fühlt bzw. ich ihrem Trinkregime in die Quere komme. Weil sie beim letzten Mal sehr über gesundheitliche Verschlechterungen geklagt hat, habe ich gefragt, ob ich am Folgetag kurz durchrufen soll, was sie aber nicht wollte.

    Mir hilft es, gefragt zu haben, auch wenn ich tatsächlich über ihre Antwort erleichtert war, weil mich die Berichte über ihre gesundheitlichen Verschlechterungen mitnehmen. Ich habe sie daran erinnert, dass sie den Notruf wählen kann, wenn es zu einer massiven Verschlechterung kommen sollte. Das hat sie abgelehnt. Sie sieht darin keinen Sinn. Meine Mutter möchte sterben.

    Indem ich sie an ihre Optionen erinnert habe, kann ich die Verantwortung bei ihr lassen. Ich bin traurig, aber ich akzeptiere wie es ist. Mir hilft es, sie gut versorgt zu wissen. Und mich tröstet sehr, für mich selbst und mit meinem Mann ein gutes und sehr schönes Zuhause geschaffen zu haben. Das gibt mir zur Zeit viel Halt.

    LG Siri

    Eine Frage noch zu den Kindern. Da sie sehr ländlich wohnen, haben die keine Möglichkeit alleine irgendwohin zu kommen. Gibt es für dieses Forum eine Altersbeschränkung? Oder könnte hier auch ein Teenager in der entsprechenden Gruppe schreiben?

    Hallo Aruula

    Infos für Kinder gibt es bei "NACOA Deutschland Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V.". Auf deren Webseite gibt es viele hilfreiche Informationen zu den Auswirkungen der Sucht auf Kinder und eine Auflistung von Hilfsangeboten speziell für Kinder und Jugendliche. Es lohnt sich die ganze Webseite durchzugehen, weil die Infos verteilt sind. Unter "Infos" finden sich viele Hilfsangebote, aber auch unter "Projekte" Beratungsangebote. Es ist nicht ganz so übersichtlich.

    Kinder und Jugendliche benötigen auf sie zugeschnittene Angebote. Meines Erachtens wäre es traumatisierend sie auf dieses Forum hinzuweisen, das ja ausdrücklich für Erwachsene ist.

    Alles Gute für Dich!

    LG Siri