Beiträge von Paul_dry

    joline : Alle haben sie berichtet mit einer wahnsinnig motivierten und fröhlichen Stimme/Stimmung, wie toll es denen doch geht. Wie gesünder sie sich fühlen wie toll sie aussehen......

    ja, das stimmt schon, das nervt manchmal. aber mal ganz ehrlich, morgens aufzuwachen und KEINEN kater zu haben und kein unglaublich peinliches gefühl , was man wieder für schrott erzählt/gemacht hat, das ist doch schon ganz schön viel wert. da kann man dann schon auch mal fröhlich sein ...

    nein, nicht enttäuscht. das ist eher tiefstapelei.

    und nein, das hatte ich nicht erwartet, dass nüchtern sein mich rundum glücklich macht. im gegenteil, saufen war ja auch eine rosa wolke der verdrängung zum mindestens eine zeitlang. und eine selbstlüge.

    ansonsten man begegnet sich halt ständig - und das ist manchmal schwer auszuhalten. aber wie sagt der alte witz?

    "schau ich morgens in den spiegel, denke ich mir, kenn ich nicht, wasch ich trotzdem..."

    Hallo,

    heute bin ich genau vier monate nüchtern.

    das macht mich schon ein wenig glücklich. und ich freu mich, dass es körperlich keine beschwerden mehr gibt. und auch die alten muster immer weniger werden. ich hatte immer so um 16.00 uhr rum ein trinkbedürfnis (war halt immer der tägliche startpunkt). das ist weitgehend weg. und es gibt tage, da vergesse ich das thema auch komplett und bin freudig überrascht, wenn ich am abend feststelle, dass es ein komplett "normal" nüchterner tag war.

    was sich gerade verändert, ist die innere haltung. mit manchen menschen und situationen habe ich keinerlei kontakt mehr, mein leben ist viel ruhiger geworden und nicht mehr auf permanenten erregungs- (und alkohol) zuwachs aus.

    mir fallen gerade sehr viele situationen aus der vergangenheit, ein -bis ganz weit zurück- in denen ich mich alkoholbedingt falsch verhalten habe und mache wichtige lebensentscheidung durch alkohol falsch getroffen habe. auch kommt viel wut über menschen und situationen hoch, die ich früher weggesoffen habe. irgendwas ist da in mir im umbruch und in bewegung geraten. das empfinde ich meistens als gut und manchmal ist es auch erstaunlich und beängstigend, was da hochkommt.

    und ich freue mich über sehr viele dinge, kleine situationen, begegnungen, menschen und manchmal ganz kitschig über einen sonnenuntergang.

    in diesen monaten ist das leben spannender geworden.

    schönen guten abend, ja, es trennt sich sehr schnell und das ist auch gut so und schafft ruhe.

    allerdings ist es in meinen bekannten- und freundschaftskreisen eher so, dass es sehr gemischt ist. die vieltrinker und vielsttrinker sitzen neben den gemäßigten und ich halt nun mitten drin. das für mich sortiert und handhabbar zu bekommen, das ist eine größere aufgabe.

    so, guten abend,

    mal wieder in berlin für 2 tage. diese stadt ist ja immer ein nicht ungefährliches pflaster für mich. ich hab hier wieder beruflich zu tun. und es war heute viel arbeit, da war ruhe. später am abend dann party für alle. ich bin nicht hingegangen. das ist mir noch zu heiß, in eine bar zu gehen und an feier teilzunehmen, in deren mittelpunkt alkohol steht, aber nicht bei allen.

    und andererseits fühl ich mich heut ein wenig ausgeschlossen, weil einige menschen dabei sind, mit denen ich mich gerne im nichtberuflichen rahmen ausgetauscht hätte. das ärgert mich. dass ich noch nicht so weit bin. ich weiß fast 4 monate ist noch recht frisch, aber trotzdem ... . heute eine vernunftentscheidung, keine gefühlsentscheidung. was macht(et) ihr in solchen situation?

    seltsamerweise macht mir geruch überhaupt nichts aus, wahrscheinlich weil mein geruchssinn nicht sonderlich ausgeprägt ist. was mich bedroht sind weingläser. letztens gab es in einem hotel, wie jetzt oft, keine minibar mehr, aber es standen noch rotweingläser auf dem tisch. ich musste die vor die tür stellen, dann war mir wohler.

    ich will euch was erzählen: gestern, als ich ins bett gegangen bin, kurz vor dem einschlafen, ist mir was aufgefallen: ich hatte den ganzen tag über nicht einen einzigen gedanken an alkohol. das erste mal seit 103 tagen war alkohol komplett aus meinem bewußtsein verschwunden! das fand ich ebenso erstaunlich wie beglückend. was war anders als sonst? eigentlich nicht viel. nicht viel anderes als sonst. nur eben kein druck, kein verlangen, kein selbstgespräch, nichts als ein schöner, befreiter und freier tag.

    so kann's weiter gehen. heute wirkt das noch nach und ich schleich nicht an der weinabteilung im supermarkt vorbei, sondern denke mir: ich brauch dich nicht!

    hallo alle,

    heute sind es 100 tage nüchtern.

    das macht mich echt happy. ich kann mich nicht erinnern, wann und ob es seit meinen trinkanfängen schon einmal so lange war. also echtes neuland! und es fühlt sich gut an. so ganz langsam löst sich auch der druck immer mehr und immer mehr schöne und befreiende moment, stunden und ja, auch tage kommen zum vorschein. es lohnt sich!

    die ersten zwei wochen waren hart, dann immer wieder mal tage und situationen, die schwierig waren. aber jede krise ist auch immer eine chance stärker zu werden.

    in summe ist es herrlich, mich selber neu zu erleben: offener, klarer, befriedeter und optimistischer. viele ängste und depressive verstimmungen sind verschwunden.

    das heißt nicht, dass alles gut ist, die gefühle kommen zurück, das ist schön, aber die gefühle kommen zurück und das ist manchmal auch ganz schön hart, das nüchtern zu erleben.

    danke dem forum für's wiederholte mutmachen und tipps geben!

    ich gehe optimistisch ins neue jahr!

    euch allen einen guten rutsch und ein friedvolles, trockenes 2024.

    Aber ein Kampf sollte es nicht sein,

    hallo und schönen tag,

    ja, manchmal ist es ein kampf. ich bin ja grade in der phase der ersten-male: erster geburtstag ohne, erstes seminar ohne, erster berlin-besuch ohne, erster urlaub ohne ...., jetzt dann erstes weihnachten ohne, erster silvester ohne .... . und das ist dann manchmal schwer, nicht immer, aber doch. ich habe das ja bislang immer (leider) betrunken erlebt. und so manche situation triggert mich. es gibt da halt diese fiese stimme, die noch nicht aufgegeben hat und das ist anstrengend. aber ich habe gemerkt, die zweiten male fallen mir dann schon deutlich leichter.

    und jeder morgen ohne kater ist die anstrengung des abends davor wert! so schön!

    grundsätzlich aber überwiegt das neue lebensgefühl und wird jeden tag ein ganz klein wenig stärker und freut sich des lebens. ich muss halt wachsam sein.

    ich bin froh, dass ich die nächsten monate zu hause bleiben kann und nicht auswärts arbeite.

    .... und ich freu mich auf silvester: 100 Tage ohne!

    euch einen schöne weihnachten!

    ich bin grad ein wenig happy. heute sind's 3 monate!

    dass es leicht war, möchte ich nicht sagen. dass es schwer war, auch nicht immer. irgendwie dazwischen, wie das leben. habe das gefühl, ich fang gerade an, so viel über mich zu lernen. und ja, das jetzige leben ist besser, klarer und schöner. und es ist ... ein kampf. aber den will ich gerne kämpfen.

    Du bist aber viel unterwegs. Ist das immer so?

    Lalex_aufdemweg: danke für unterstützung! ja, ich bin viel unterwegs. jetzt aber ist erst einmal für länger keine reistätigkeit angesagt. und da bin ich froh drum.

    heute war ja noch ein empfang mit anschließender party. ich trinke da jetzt immer wasser mit eiswürfeln, da denkt jeder, das sei gin und man lässt mich in ruhe. ich war auch nicht sehr lange, aber es war ok.

    eine sache hat mich richtiggehend schockiert, als nüchterner die party zu sehen: ich hatte ja gedacht, alle saufen besinnungslos. aber das stimmt nicht. es gibt sehr viele, fast alle, die gar nichts trinken oder ein bier oder einen wein. und ich habe kapiert, ICH war der, der unmengen gesoffen hat und zwar von anfang an. die paar, die das auch so gemacht haben, das wären meine saufkumpanen gewesen. das war unangenehm, die zu sehen und ich habe mich ziemlich geschämt.

    in summe aber war es ganz gut, weil ich schöne gespräche hatte und nicht blödes gelallt habe.

    was ich noch nicht hinbekomme, ist richtig fröhlich zu sein und entspannt. veranstaltungen wie diese sind noch anstrengung. aber das ich das ganz gut hinbekommen habe, freut mich schon sehr. es halt ein langer weg und auf meinem bin ich eben erst seit 3 monate unterwegs.

    guten abend,

    ich habe mal wieder eine frage nach hilfestellung von den "erfahrenen":

    schon krass, wie das suchtgedächtnis zuschlagen kann. bin seit zwei tagen und berlin und noch zwei nächte hier.

    berlin, das war vor bis vor 15 jahren einige jahre meine heimat. und es waren die wilden jahre, parties, alkohol, abstürze ..... . jetzt bin ich zum ersten mal nüchtern hier und es ist schwer. schon auf der zugfahrt war ich unruhig, zu viele erinnerungen an nasse nächte, zuviel kopfkino. in berlin selbst muss ich viel arbeiten und da habe ich ruhe. aber abends geht's wieder los. am ersten abend hat mich mein suchtgedächtnis sehr deutlich aufgefordert, endlich ins nachtleben abzutauchen und zwar mit einer hartnäckigkeit, die mich erschreckt hat.

    ich bin aber in meinem hotelzimmer geblieben und bei tee und fußball bin ich dann auch ruhiger geworden. heute war es schon besser, aber die stimme ist fies.

    morgen dann nochmals ran an die arbeit und am abend ist ein kleiner empfang, zu dem ich kurz muss. seltsamerweise macht mir das keinen stress, wahrscheinlich, weil ich mit den leuten täglich zu tun habe. freu mich aber auf daheim.

    berlin, das ist kein gutes pflaster mehr für mich. das gute ist, es ist auch kein erstrebenswertes mehr. und das muss meine innere stimme dann auch akzeptieren.

    was macht ihr in solchen situationen?

    hallo kintsugi, ich glaube, das ist gut, dass du den weg der therapie gehst. ich habe das auch schon gemacht und die therapie hat mich von den dämonen meiner vergangenheit ein großes stück weit befreit. der weg dahin ist manchmal sehr schmerzhaft und verwirrend, weil alte vergrabene wunden aufgerissen werden, aber dann verheilen sie und das ist ein großer schritt richtung eigenliebe. und natürlich macht das angst. ein großer dichter hat mal gesagt: "der schrecken, das erste erscheinung des neuen." und darum geht's ja, das neue leben sich zu erkämpfen oder es zu er-leben. alles gute!