Guten Morgen,
lieben Dank für eure Antworten, es hilft so sehr zu sehen, dass es mir nicht allein so geht.
ja es ist normales Suchtverhalten, denn ich habe es sehr ähnlich erlebt. An der Seite eines nassen Alkoholikers war ich quasi alleinerziehend.
Bei uns ist es nicht so, dass er gar nichts macht. Aber er macht das, was ihm Spaß macht, z. B. mag er den gleichen Sport wie eines unserer Kinder, den hat er als Kind selbst gemacht. Das finde ich auch gut, dass er sich darum kümmert. Er bringt sich da tatsächlich ein. Aber das ist im Prinzip das einzige, was wirklich läuft, weil er dadurch Verpflichtungen hat. Und das ist das, was er gern dann nutzt, um mir zu sagen, dass es ja läuft und ich mal sehen soll, was er im Vergleich zu anderen alles macht. Und natürlich übernimmt er auch manche Sachen im Haushalt, aber das sind die, wo er in Ruhe vor sich hinwuseln kann und explizit niemanden um sich rum haben möchte. Man könnte ja auch mit den Kindern gemeinsam kochen, aber das ist zu stressig. Stattdessen kocht er aufwendige Gerichte, bei denen er seine Ruhe hat, oder räumt stundenlang samstags die Garage auf oder baut irgendein Regal in der Garage.
Es tut mir manchmal sehr weh, wenn ich darüber nachdenke und merke, dass die Sucht so dominiert. Dann überlege ich, was alles positiv in unserem Leben ist, komme zu dem Ergebnis, dass ja nicht nur alles schlecht ist. Oft hat mich in der Vergangenheit dieses daran gehindert, den nächsten Schritt zu machen. Aber es bringt ja nichts, beide Seiten gegeneinander aufzurechnen, da viele Dinge auf der positiven Seite im Prinzip selbstverständlich sind. Und das Einbringen meines Mannes in das Hobby unseres Sohnes macht ihm ja Spaß. Das ist ja nichts, dass er notgedrungen machen muss.
Jetzt trinkt er fast nichts mehr aber liegt nur noch auf dem Sofa und schaut einen Film nach den anderen. Ab und an wird mal was unternommen. Auf Geburtstagen kommt er entweder nur noch kurz mit oder gar nicht mehr! Das Einzig was noch geht sind die Urlaube.
Ich kenne deine Geschichte nicht und konnte sie auch gerade nicht finden, aber ich stelle es mir sehr schwer vor. Hat dein Mann jemals eine Entgiftung gemacht oder hat er einfach nur seinen Konsum reduziert?
Mein Mann glaubt ja tatsächlich seit Jahren, er könnte einfach so aufhören zu trinken. Das letzte Mal, dass er zwei Wochen nichts getrunken hat, liegt 8 Jahre zurück, um mir nach einem Gespräch zu beweisen, dass er ja ohne Alkohol könnte. Er hält so nicht länger als 2 Tage durch, ist aber der Meinung, er sei nicht krank. Und weil er nicht die harten Sachen trinkt, findet er das alles auch nicht so schlimm. Nach außen hin funktioniert er (noch).
Im Grunde ist es keine Entscheidung gegen die Familie (obwohl ich das auch immer genau so benenne), sondern eine Entscheidung für den Alkohol. Und er kann leider nicht anders, dass ist die SUCHT.... 
Ja, das versuche ich mir auch zu sagen, aber es ist einfach so traurig. Mein Sohn, der auch in Behandlung ist, hat mir gestern gesagt, dass er glaubt, dass sein Papa ihn nicht lieb hat, weil er nicht aufhört zu trinken. Da musste ich erst mal schlucken und habe ihm dann erklärt, dass sein Papa ihn sehr lieb hat, aber er so krank ist, dass er nicht aufhören kann zu trinken. Mir tut es so weh, meinen Sohn leiden zu sehen. Er ist sehr sensibel. Er hat auch große Angst, dass wir uns trennen. Diese Angst kann ich ihm gerade nicht nehmen. Er leidet so sehr und die anderen beiden genauso, unsere Jüngste hat gerade zu Hause Wutanfälle, die sie so zuletzt mit 4/5 hatte. In der Schule wirkt sie auf die Lehrer sehr bedrückt. Mein Großer weint auch sehr viel. Ich merke zunehmend, dass ich hier raus muss. In mir drin ist immer noch eine Stimme, die mir sagen will, aber vielleicht wird es ja doch, wenn er erst bei der Suchtberatung war oder wenn er erst den Elterntermin bei der Psychotherapeutin hatte. Aber die Erkenntnis, dass er einen problematischen Konsum hat, hat er ja hin und wieder, meistens dann, wenn er abends zu viel getrunken hat und am nächsten Tag ein schlechtes Gewissen hat. Aus dieser Erkenntnis folgt ja aber nichts Nennenswertes. Und ich kann jetzt bleiben und immer wieder hoffen, dass sie kommt, oder ich sorge für meine Kinder und mich selbst.
Wenn ich das so niederschreibe, klingt das alles so rational. Aber bei mir fließen täglich so viele Tränen. Und nur die Tatsache, dass andere eingeweiht sind, sorgt dafür, dass ich mich nicht an der Hoffnung festklammere. Ich habe es geschafft, mir nicht nur immer Wohnungsanzeigen im Internet anzusehen, sondern bin jetzt aktiv geworden. Ich sehe mir heute Nachmittag eine Wohnung an.
Liebe Grüße
Matilda