Beiträge von MatildaWormwood

    Liebe Franzi,

    ich finde es toll, wie du es jetzt angehst. Ich bin gerade in der genau der gleichen Situation und habe eine ähnliche To-do-Liste wie du, nur habe ich Suchtberatung und psychotherapeutische Hilfe schon mit ihm Boot.

    Ich habe gute Erfahrungen bei der Suchtberatung gemacht. Meine Beraterin hat mich sehr gepusht, mich um die Kinder und mich selbst zu kümmern. Sie hat mir auch sehr klar das gesagt, was viele im Forum schreiben.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

    Guten Morgen,

    Ich wünsche dir viel Kraft bei deinen Entscheidungen. Aber ich bin mir sicher das du genau weißt was zu tun ist.

    Ja, ich weiß, was zu tun ist, auch wenn es so weh tut. Ich habe gerade auch weniger Angst um mich, wie es für mich weitergeht, sondern um die Kinder. Sie hängen natürlich trotzdem am Papa, meiner Jüngsten fällt es noch sehr schwer zu begreifen, was diese Sucht bedeutet.

    Gestern hat es richtig gekracht, mein Mann hat mir dann in Gegenwart unseres Großen noch was verbal an den Kopf geworfen. Dabei ist bei mir gerade auch klar, dass es so nicht weitergeht. Da ist wirklich was bei mir in die Brüche gegangen und er realisiert es noch nicht einmal. Unsere Kinder haben viel geweint, als mein Mann zwischendrin nicht da war (hat abends einen regelmäßigen Termin). Es war sehr anstrengend und ich habe vieles erklärt. Am Wochenende werde ich mit ihm sprechen.

    lausaufderleber mein Mann ist ja zwischendurch auch wirklich nüchtern, aber dann ist eher dauergereizt. Wann er anfängt zu trinken, weiß ich nicht. Ich habe das Gefühl, dass er ab einer bestimmten Uhrzeit so einen Grundpegel braucht. Auf viele andere wirkt er dann aber ganz normal. Das macht alles für mich auch so schwierig.

    Hallo Wildcat,

    das ganze kommt mir bekannt vor. Mir hilft gerade tatsächlich dieses Forum, aber auch die Gespräche mit Freunden und besonders mit der Suchtberatung und der Psychotherapeutin meines Sohnes.

    Wie Mollyfish schon schrieb, du kannst nichts machen, wenn er selbst nichts macht. Und meine Erkenntnis der letzten Wochen ist, dass es ums Machen geht, keine Worte. Die sind nichts als heiße Luft, wenn keine Taten folgen.

    Mein Mann hat meinen Kindern jetzt erzählt, dass er ja aufhören würde zu trinken. Gegenüber mir und anderen hat er aber gesagt, dass er weiterhin auf Festen, mit Freunden usw. Trinken können will. Ich könnte an die Decke gehen. Ich sehe es so, wenn er wollte und bereit wäre, würde er zum Hausarzt gehen. Er weiß nämlich, welcher Weg zu gehen ist, wenn man will.

    Guten Morgen,

    ich lese die ganze Zeit schon bei dir mir, aber bin mir gerade nicht sicher, ob ich schon mal was geschrieben habe.

    Ich finde es richtig, dass du deinen Eltern die Grenzen aufzeigst. Auch wenn es erst jetzt ist. Manchmal merkt man nicht, in welchen Strukturen man feststeckt.

    Sagen wir, ich entziehe mich einer Verantwortung die mir als Kind schon aufgerückt wurde für den Moment jedenfalls, bis ich für mich klarer sehe.

    Ich denke nicht, dass du dich einer Verantwortung entziehst, sondern ich sehe eher, dass du für dich selbst gerade Verantwortung übernimmst. Du sagst, hier ist meine Grenze und die müsst ihr akzeptieren. Und um diese Grenze zu setzen, ist es nie zu spät.

    Ich glaube, dass es normal ist, das alles gerade hochkommt. Dass man es so lange in einer Beziehung aushält, die einem ganz offensichtlich nicht gut tut, muss ja irgendwo seine Ursache haben. Ich merke an mir selbst, dass bei mir gerade ganz viel an die Oberfläche gelangt. Ich weiß, dass ich eher ein geringes Selbstbewusstsein habe. Das ist natürlich ein toller Nährboden für Selbstzweifel und die Infragestellung meiner Wahrnehmung, wenn mein Mann wieder alles bagatellisiert. Hier hat es gestern auch ganz gut gekracht. Am Wochenende werde ich Tatsachen schaffen.

    Ich drücke dir die Daumen, dass du es schaffst, dich da abzugrenzen.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo LausaufderLeber,

    vielen Dank, mir macht das ein bisschen Mut. Meine Kinder haben gerade sehr zu kämpfen, es bestimmt gerade den Alltag, sie weinen viel, haben Albträume, Wutanfälle. Ich werde heute und morgen meine Gedanken ordnen und am Wochenende mit meinem Mann sprechen.

    Er war zwar mittlerweile bei der Suchtberatung und hat auch einen Folgetermin, aber sein Ziel ist es, weiterhin kontrolliert trinken zu gehen, wenn er will. Er hält sich das Hintertürchen offen. Das mache ich nicht mit. Vor einigen Jahren wäre ich bereits gewesen, noch zu warten. Seitdem ich den Druck erhöht habe, sind auch 4 Monate ins Land gezogen, bis er jetzt mal bei der Beratung war. Und gedanklich sind wir eigentlich nicht viel weiter als zu dem Zeitpunkt.

    Ich hatte mit ihm noch mal ein Gespräch, in dem er sich mal wieder als Opfer dargestellt hat. Ich würde nicht zuhören und ich hätte mich verändert. Obwohl ich weiß, dass es Teil der Sucht ist, bekomme ich jedes Mal wieder Selbstzweifel. Ich will das einfach nicht mehr.

    Hinzukommt nun, dass ich durch viele Fragen bei seiner Mutter rausgefunden habe, dass mein Mann bereits die dritte alkoholkranke Generation ist, sein Opa auch und alle Söhne ebenfalls (mein Schwiegervater und seine Brüder) von der Seite. Cousins meines Mannes sind auch betroffen. Ich muss das jetzt durchbrechen, sonst werde ich mit mein ganzes Leben Vorwürfe machen.

    Guten Morgen zusammen,

    vielen Dank für eure lieben Antworten.

    Ich bin seit ein paar Tagen krank und musste feststellen, dass ich gar keine Ruhe habe, mich richtig zu erholen. Mein Mann liegt häufiger im Bett als ich. Irgendwie absurd.

    Meine Eltern waren auch zwischendrin da, haben sich lieb um die Kinder gekümmert und ich hatte gute Gespräche.

    Man will doch eigentlich nur ein schönes Familienleben haben! Aber es wird immer wieder zu Nichte gemacht :(

    Ja, genauso geht es mir. Aber wir müssen uns wohl von der Vorstellung lösen, dass dies an der Seite eines nassen Alkoholikers möglich ist. Auch wenn es vielleicht (noch) nicht so extreme Formen angenommen hat, wie andere hier berichten, ist es ja trotzdem nicht gut.


    klappt auch mit dir zusammen. Bisher sind es nur Lippenbekenntnisse. Wenn er etwas tun will, soll er Nägel mit Köpfen machen. Was er momentan mit dir macht, sind Manipulationen um in Ruhe weitersaufen zu können. Es ist unsere Hoffnung, und die kenne ich sehr gut von früher, die uns immer wieder weitermachen lässt.

    Ja, so sehe ich das mittlerweile auch. Mein Vater hat mit ihm gesprochen, da hat er ihm das gleiche erzählt. Ich dramatisiere und sei total emotional, er sei rational und würde kontrolliert trinken. Ich bin so froh, dass mein Vater auf so etwas nicht anspringt. Mich macht es gerade bloß sehr wütend, dass er mich so darstellt, als wenn mit mir etwas nicht stimmt. Sich nach außen hin positiv darstellen, kann er nämlich gut. Meinen Eltern ist das jetzt noch mal ganz extrem aufgefallen. Für mich ist durch das Gespräch, das meine Vater mit ihm geführt hat, nochmal mehr bewusst geworden, dass er nicht aufhören will. Er will es schlicht und ergreifend nicht. Er möchte mit seinen Freunden weitertrinken können.

    Es ging dann in einem Tempo abwärts was ich nie vermutet hätte. Das tat sehr weh es mit anzusehen, daran zurückzudenken ist auch immer noch sehr schlimm. Zu sehen was Sucht aus einem Menschen machen kann. Ich mache mir bei manchen Dingen heute noch Vorwürfe ob ich es nicht hätte verhindern können.

    Ich glaube, dass das hier nach der Trennung auch passieren wird. Anders würde es mich sehr überraschen. Aber man muss auch sagen, dass er gerade so ein kontrolliertes Trinken versucht, ist der Tatsache geschuldet, dass der Druck von außen sehr hoch ist. Wenn ich auf heile Welt machen würde, wäre er ganz schnell wieder beim alten Konsummuster. Abgesehen davon, trinkt er ja auch heimlich. Ich weiß nicht, wie viel er wirklich trinkt. Als er gestern nicht da war, habe ich aus meiner Wut heraus Kassenzettel gesucht, zwei aus der vergangenen Woche habe ich gefunden, jeweils 1 L Wein stand drauf. Und ich weiß, dass es ja auf jeden Fall mehr war.

    Beim Nachlesen, was ich die letzten Wochen hier geschrieben habe, fällt mir auf, dass die Gespräche immer wieder die gleichen sind. Ich drehe mich im Kreis und das eigentlich seit Jahren.

    Das für mich eigentlich Schlimme ist, dass ich den Kindern erklären muss, dass wir uns trennen werden. Ich glaube, dass den beiden Großen bewusst ist, dass es darauf hinauslaufen wird. Aber es ist wichtig, dass ich ihnen auch mitgebe, dass man nicht ertragen muss, dass es einem schlecht geht, sondern dass jeder selbstwirksam Handeln kann, auch wenn der andere krank ist. Mir tut es bloß so weh, dass sie erfahren müssen, dass ihr Papa, den sie so lieben, den Alkohol nicht für sie aufgeben will. (so ähnlich hat das mein Großer letzte Woche formuliert).

    Wie habt ihr, die ihr schon eine Trennung hinter euch habt, das kommuniziert?

    Liebe Grüße

    Matilda

    Guten Morgen Liesel,


    ich hatte ganz vergessen auf deine Frage zu antworten.

    Danke, Matilda. Werde mir das Buch besorgen? Was planst Du jetzt?

    In den letzten zwei Wochen habe ich ein paar Wohnungen angeschaut, leider hat nichts geklappt (bei uns ist es auf dem Wohnungsmarkt sehr schwierig, damit hatte ich gerechnet). Ich hatte aber mit der Therapeutin meines Kindes ein Gespräch. Sie hat mich in dem, was ich vorhabe, bestärkt bzw. mir Tipps gegeben, was es auch noch zu bedenken gibt. (Ich habe einen Plan für die Kinder und mich, wie es weitergehen soll.) Und gerade jetzt vor Weihnachten soll ich schauen, dass es den Kindern gut geht, indem wir einfach die Zeit mit schönen Dingen füllen.

    Mir bereitet das Ganze gerade viele kurze Nächte (wie heute auch). Mein Mann sagt gar nichts, wenn ich das Thema nicht anspreche. In seinen Augen habe ich ja auch das Problem und bin ja sowieso viel zu emotional und dramatisiere alles. Das Schlimme ist, dass er sich nach außen hin so engagiert zeigt.

    Matilda, mich interessiert seine Reaktion bzw. Antwort auf deine klare Ansage von deinem Mann. Hat er dich für ernst genommen?

    Ich glaube, er nimmt mich nicht ernst. Er tut zwar so, aber ich habe mir von anderer Seite sagen lassen, dass er nicht glaubt, dass ich gehe, weil ich es bisher ja auch nicht getan habe. Ist im Prinzip auch logisch, wenn ich da in den letzten 10 Jahren nicht konsequent war, warum dann jetzt.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Strandkind,

    ich habe gerade deine Geschichte gelesen. Mein Mann ist auch nicht aggressiv, aber trotzdem leiden meine Kinder. Mein ältester ist genauso alt wie dein Sohn, die anderen beiden im Grundschulalter. Bitte unterschätzte nicht, was der Alkohol macht. Mir ist es erst durch die Therapeutin meines mittleren Kindes bewusst geworden und seitdem ich offen mit den Kindern darüber spreche, ist es hier jeden Tag Thema. Die Kinder belastet es sehr und jetzt haben sie zumindest einen Namen dafür.

    Das Hoffen und die erneute Enttäuschung kann ich so gut nachvollziehen, es ist ein Tauziehen, dass uns schlussendlich kaputt macht.

    Ich habe eine Freundin, die seit fast 20 Jahren mit ihrem alkoholkranken Mann zusammen ist, die Kinder sind noch recht klein. Sie ist jetzt an dem Punkt, dass sie schwer depressiv ist, und eigentlich in eine Klinik müsste. Sie geht nicht, sie schafft es auch nicht sich zu trennen. Und für mich habe ich entschieden, dass ich nicht an diesen Punkt kommen möchte. Deswegen muss ich Konsequenzen ziehen, auch wenn es hart ist.

    Im Endeffekt nehmen die Kinder größeren Schaden, wenn sie so aufwachsen, als wenn die Eltern sich trennen. Ich weiß nicht, wie es dir geht aber die Sucht nimmt meine täglichen (und auch nächtlichen) Gedanken sehr ein. Bei der Vorstellung, dass das den Rest meines Lebens so weitergehen würde, wird mir ganz schlecht und schwer ums Herz. Ich will das einfach nicht mehr.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Guten Morgen,

    von der anderen Wohnung habe ich bisher auch nichts mehr gehört.

    Gestern war noch einmal ein Beratungstermin, da fühle ich mich sehr gut aufgehoben. Danach hatte ich wie so oft nach so einem Termin ein Gespräch mit meinem Mann, nach dem ich mich meistens ganz schlecht fühle. Er zeigt sich dann wieder einsichtig, hat gestern geweint, will uns nicht verlieren. Ich glaube tatsächlich auch, dass er das ernst meint, er ist aber einfach krank. Mir tut das so weh, weil ich ihm ja gar nicht wehtun will. Er sagt dann immer wieder, dass er es noch einmal probiert, nichts zu trinken. Gestern Abend hat er dann aber wieder zum Alkohol gegriffen. Er braucht so dringend Hilfe und sieht es aber selber nicht. Wenn ich mit den Kindern gehe, dann klappt er zusammen. Ich habe wirklich Angst davor, was dann passiert. Ich weiß, dass das nicht in meiner Verantwortung steht, dass es seine Entscheidungen sind. Aber es ist trotzdem alles so schwer. Ich wünsche mir einfach so sehr, dass das Leben leichter wäre.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Holy,

    um dich zu beruhigen, ein Gericht entscheidet immer zum Wohle des Kindes. Und je jünger das Kind, um so gefährlicher ist es, wenn getrunken wird. Die Angst darf dich nicht davon abhalten zu gehen. Außerdem hast du deine Eltern im Rücken, das ist doch super.

    Ich denke oft, dass ich viel eher die Schritte hätte gehen müssen, mittlerweile sind meine Kinder im Grundschüler und älter. Mir tut es weh zu sehen, wie sie leiden. Mein Mann sitzt gerade mal wieder das Thema aus und ich habe mir jetzt vorgenommen, nur noch etwas dazu zu sagen, wenn es dringend notwendig ist. Stattdessen konzentriere ich jetzt meine Energie in Wohnungssuche und Vorbereitung des Auszugs.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo zusammen,

    mal ein kleiner Zwischenstand: die erste Wohnung ist leider nichts geworden, ich habe mir aber heute noch eine angeschaut, die war sehr schön.

    Mein Mann war zum Elterngespräch bei der Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeutin. Sie hat ihm wohl ziemlich deutlich gesagt, welche Auswirkungen seine Sucht auf die Kinder hat. Sie schrieb mir aber, dass sie sich nicht sicher sei, inwiefern ihm der Ernst der Lage wirklich bewusst sei. Nachdem was er mir erzählt hat, habe ich meine Zweifel, dass sich hier etwas ändert. Er wird definitiv keinen Arzt wegen seiner Sucht aufsuchen, hat er gesagt. Außerdem hat ihr mittlerweile die Suchtberatung angerufen, als er nicht da war. Bisher hat er nicht zurückgerufen, was mir auch signalisiert, welche Stellenwert dieser Termin bei ihm hat. Heute haben wir über den Weihnachtsmarkt gesprochen, da hat er direkt gesagt, dass wir ja morgen hingehen und Glühwein trinken könnten. Wunderbar 🙄

    Sonst ignoriert er das Thema geflissentlich. Er macht einen auf Friede, Freude, Eierkuchen - mal so lapidar gesagt. Dabei ist er ja auch stinkig, dass ich die Schulen informiert habe. Mir fällt es schwer zu verstehen, wie man diese Situation so aussitzen kann, indem man so tut, als gäbe es sie nicht. Das gehört wohl alles auch zur Sucht.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Vielen Dank für eure lieben Worte. Es tut gut zu lesen, dass nicht nur ich das erlebe und allein damit bin.

    Ich bin gerade nach Hause gekommen, da kam das Gespräch wieder auf (mein Mann ist im Homeoffice, ich habe heute frei). Ich habe ihm jetzt ein letztes Mal klar und deutlich gesagt, dass nur er sich helfen kann, dass mir die Hände gebunden sind, was ihn betrifft. ABER ich kann den Kindern und mir helfen und das werde ich tun. Was er jetzt mit dieser Botschaft macht, liegt in seiner Hand. Ich werde nicht mehr reden, appellieren und betteln, so langsam habe ich alles gesagt und es reicht.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Loka,

    ich bin ebenfalls in der Situation, dass mein Mann alkoholkrank ist und das auch schon seit seiner Jugend. Dass es wirklich auch schon so lange so ist, ist mir noch gar nicht so lange bewusst, aber ob es nun 20 oder 30 Jahre sind spielt keine Rolle. Er ist ein funktionierender Alkoholiker, bisher nach außen hin unauffällig, seinen langjährigen Freunden ist aber bewusst, dass er ein Problem hat.

    Ich würde dir gern zu deinem letzten Posting was mitgeben.

    Wenn es sich um eine andere Krankheit bei Partnern handelt, z.B. Demenz, Parkinson, MS… rät man auch nicht, sich vom Partner zu trennen.

    Natürlich ist Alkohol eine Krankheit, aber der Unterschied zu den anderen Krankheiten ist einfach die, dass Alkohol ein Nervengift ist, das dem Körper zugeführt wird. Im Gegensatz zu den anderen Krankheiten habe ich es als Erkrankter in meiner Hand, diese Krankheit zu stoppen. Den Verlauf der oben genannten Krankheiten habe ich nicht in der Hand, es gibt zwar Möglichkeiten, sie zu verlangsamen durch entsprechende Medikamente und andere Maßnahmen, aber ich kann sie nicht stoppen. Sicherlich leiden auch Angehörige bei solchen Krankheiten, aber das kann man doch nicht miteinander vergleichen.

    Guten Morgen,

    was für mich besonders schlimm ist, sind diese Gespräche, in denen ich das Gefühl bekomme, dass mit mir was nicht stimmt. Ich habe mit meinem Mann heute Morgen ein Gespräch führen müssen wegen der Kinder und der in der Schule eingeweihten Personen. Er macht mir jetzt wieder zum Vorwurf, dass ich das Thema ja über alles erheben würde. In meinem Kopf würde sich ja alles nur darum drehen und ich sollte mal bitte einen Gang zurückfahren, dann würde ich bestimmt auch besser schlafen. Und er hätte mir ja gesagt, dass er aufhören würde zu trinken. Aber ich dramatisiere alles und stelle es so dar, als wenn der Alkohol Schuld daran ist, dass es den Kindern schlecht ginge. Aber das würde ja gar nicht stimmen. Und wenn ich mich so verhalten würde und nie gut drauf wäre, dann wäre eine Trennung vielleicht das Beste. Mir tut es einfach so weh, dass er nicht sehen kann, was seine Sucht mit uns macht. Dieses Hin und Her, einen Tag ist er einsichtig und sagt, er unternimmt was. Was aber allem ganz klar ist, ist, dass er mir nochmal gesagt hat, dass er weder begleitete Entgiftung noch Therapie machen wird. Ich könnte einfach nur heulen.

    Hallo Volka,

    ganz lieben Dank. Das tut gut, deine Worte zu lesen.

    Es ist einfach schwierig, in einer Beziehung zu einem Alkoholkrank klar zu sehen. Manche Dinge sind ja auch gut, aber das große A steht einfach über allem und es wiegt einfach viel schwerer als die guten Dinge.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Mollyfish,

    ich bin mir bewusst, dass aktuell kein Weg an der Trennung vorbeiführt, wenn ich meine Kinder schützen will und verhindern will, dass sie noch mehr Schaden nehmen. Bei mir ist auch der Punkt erreicht, dass ich das nicht mehr will, egal, was mein Mann mir versprechen wird. Da gab es viele Versprechen im Laufe der Jahre, keines wurde gehalten.

    Ich merke gerade nur, dass er wohl aus allen Wolken fallen wird, wenn ich mich trenne. In den vergangenen Jahren war ich ja inkonsequent, deswegen denkt er natürlich, dass ich es jetzt auch bin. Wobei er schon gespürt hat, dass meine Ansagen eine andere Qualität haben und ich mir Hilfe hole. Es passt ihm auch gar nicht, dass ich den Kindern gesagt habe, was mit ihm los ist.

    Es tut einfach nur so unfassbar weh, diesen Weg gehen zu müssen, weil der Alkohol so übermächtig ist.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Guten Morgen,

    lieben Dank für eure Antworten, es hilft so sehr zu sehen, dass es mir nicht allein so geht.

    ja es ist normales Suchtverhalten, denn ich habe es sehr ähnlich erlebt. An der Seite eines nassen Alkoholikers war ich quasi alleinerziehend.

    Bei uns ist es nicht so, dass er gar nichts macht. Aber er macht das, was ihm Spaß macht, z. B. mag er den gleichen Sport wie eines unserer Kinder, den hat er als Kind selbst gemacht. Das finde ich auch gut, dass er sich darum kümmert. Er bringt sich da tatsächlich ein. Aber das ist im Prinzip das einzige, was wirklich läuft, weil er dadurch Verpflichtungen hat. Und das ist das, was er gern dann nutzt, um mir zu sagen, dass es ja läuft und ich mal sehen soll, was er im Vergleich zu anderen alles macht. Und natürlich übernimmt er auch manche Sachen im Haushalt, aber das sind die, wo er in Ruhe vor sich hinwuseln kann und explizit niemanden um sich rum haben möchte. Man könnte ja auch mit den Kindern gemeinsam kochen, aber das ist zu stressig. Stattdessen kocht er aufwendige Gerichte, bei denen er seine Ruhe hat, oder räumt stundenlang samstags die Garage auf oder baut irgendein Regal in der Garage.

    Es tut mir manchmal sehr weh, wenn ich darüber nachdenke und merke, dass die Sucht so dominiert. Dann überlege ich, was alles positiv in unserem Leben ist, komme zu dem Ergebnis, dass ja nicht nur alles schlecht ist. Oft hat mich in der Vergangenheit dieses daran gehindert, den nächsten Schritt zu machen. Aber es bringt ja nichts, beide Seiten gegeneinander aufzurechnen, da viele Dinge auf der positiven Seite im Prinzip selbstverständlich sind. Und das Einbringen meines Mannes in das Hobby unseres Sohnes macht ihm ja Spaß. Das ist ja nichts, dass er notgedrungen machen muss.

    Jetzt trinkt er fast nichts mehr aber liegt nur noch auf dem Sofa und schaut einen Film nach den anderen. Ab und an wird mal was unternommen. Auf Geburtstagen kommt er entweder nur noch kurz mit oder gar nicht mehr! Das Einzig was noch geht sind die Urlaube.

    Ich kenne deine Geschichte nicht und konnte sie auch gerade nicht finden, aber ich stelle es mir sehr schwer vor. Hat dein Mann jemals eine Entgiftung gemacht oder hat er einfach nur seinen Konsum reduziert?

    Mein Mann glaubt ja tatsächlich seit Jahren, er könnte einfach so aufhören zu trinken. Das letzte Mal, dass er zwei Wochen nichts getrunken hat, liegt 8 Jahre zurück, um mir nach einem Gespräch zu beweisen, dass er ja ohne Alkohol könnte. Er hält so nicht länger als 2 Tage durch, ist aber der Meinung, er sei nicht krank. Und weil er nicht die harten Sachen trinkt, findet er das alles auch nicht so schlimm. Nach außen hin funktioniert er (noch).

    Im Grunde ist es keine Entscheidung gegen die Familie (obwohl ich das auch immer genau so benenne), sondern eine Entscheidung für den Alkohol. Und er kann leider nicht anders, dass ist die SUCHT.... ;(

    Ja, das versuche ich mir auch zu sagen, aber es ist einfach so traurig. Mein Sohn, der auch in Behandlung ist, hat mir gestern gesagt, dass er glaubt, dass sein Papa ihn nicht lieb hat, weil er nicht aufhört zu trinken. Da musste ich erst mal schlucken und habe ihm dann erklärt, dass sein Papa ihn sehr lieb hat, aber er so krank ist, dass er nicht aufhören kann zu trinken. Mir tut es so weh, meinen Sohn leiden zu sehen. Er ist sehr sensibel. Er hat auch große Angst, dass wir uns trennen. Diese Angst kann ich ihm gerade nicht nehmen. Er leidet so sehr und die anderen beiden genauso, unsere Jüngste hat gerade zu Hause Wutanfälle, die sie so zuletzt mit 4/5 hatte. In der Schule wirkt sie auf die Lehrer sehr bedrückt. Mein Großer weint auch sehr viel. Ich merke zunehmend, dass ich hier raus muss. In mir drin ist immer noch eine Stimme, die mir sagen will, aber vielleicht wird es ja doch, wenn er erst bei der Suchtberatung war oder wenn er erst den Elterntermin bei der Psychotherapeutin hatte. Aber die Erkenntnis, dass er einen problematischen Konsum hat, hat er ja hin und wieder, meistens dann, wenn er abends zu viel getrunken hat und am nächsten Tag ein schlechtes Gewissen hat. Aus dieser Erkenntnis folgt ja aber nichts Nennenswertes. Und ich kann jetzt bleiben und immer wieder hoffen, dass sie kommt, oder ich sorge für meine Kinder und mich selbst.

    Wenn ich das so niederschreibe, klingt das alles so rational. Aber bei mir fließen täglich so viele Tränen. Und nur die Tatsache, dass andere eingeweiht sind, sorgt dafür, dass ich mich nicht an der Hoffnung festklammere. Ich habe es geschafft, mir nicht nur immer Wohnungsanzeigen im Internet anzusehen, sondern bin jetzt aktiv geworden. Ich sehe mir heute Nachmittag eine Wohnung an.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Guten Morgen,

    für mich ist es trotz des Wissens, dass sein Verhalten krankheitsbedingt ist, so schwer zu verstehen, dass er eher uns als Familie aufgeben würde, als auf den Alkohol zu verzichten. Das würde er jetzt bestreiten, weil er das so wortwörtlich ja nicht gesagt hat. Aber er hat mir vorgeworfen, dass er, wenn er keinen Tropfen mehr trinken darf, keine Freunde mehr treffen kann und vor allem auf keiner noch so kleinen Party Spaß haben kann. Es ist total traurig, dass seine Lebensfreude dermaßen vom Alkohol beeinflusst ist. Und er hat auch reichlich Freunde, die selbst alkoholkrank sind, von denen sich das aber niemand eingesteht.

    Früher ist er viel gelaufen, aber das macht er so gut wie gar nicht mehr. Und er macht eigentlich viel Musik, aber das Thema Band oder auch allein Musik machen ist immer mit Alkohol verknüpft. Und je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir auf, wie sehr unser Leben vom Alkohol bestimmt ist. Alle Dinge, die in der Freizeit gemacht werden, sind im Prinzip damit verbunden, dass es möglichst entspannt ist oder dass man unter Vorwand ja was trinken kann. Freunde mit Kindern kommen vorbei, irgendwann wird Bier angeboten. Radtour mit Kindern endet am Biergarten mit Spielplatz, etc. Zu Hause ist er nie ganz bei der Sache, wenn er was mit den Kindern macht, sondern verschwindet immer wieder kurz. Wenn er Musik macht, macht er es in der Regel Arbeitszimmer, wo er sich von der ganzen Familie zurückziehen kann (andere Etage). Am Wochenende einen Film schauen, da kann er auf dem Sofa liegen. Und ich muss das, was ich mit den Kindern machen will, eigentlich seinen Bedürfnissen anpassen. Spieleabend ist ihm zu stressig, weil die Kinder streiten könnten. Da interveniert er direkt oder zieht sich völlig zurück.

    Wahrscheinlich ist das alles ganz "normales" Suchtverhalten, aber mir hilft es gerade sehr, das hier aufzuschreiben. Dieses knappe Woche, die ich in diesem Forum lese hilft mir sehr, da ich sehe, dass ich nicht allein mit diesen Schwierigkeiten bin. Danke.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Eine falsche Einstellung in völliger Selbstüberschätzung, dass man das alles alleine auf die Reihe bekommt.

    Ja, definitiv. Er ist an sich ein sehr intelligenter Mensch und dadurch glaubt er irgendwie, dass es bei ihm ja nicht so schlimm ist und wirkt überheblich. Das ist bei seinem Vater nichts anderes. Daher kommt auch die Haltung, dass er das allein schaffen würde.

    Für mich ist das Schlimme, dass ich durch meinen Beruf weiß, was so eine Sucht mit den Kindern macht, aber wenn man selbst in der Situation steckt ist, es so wahnsinnig schwer.

    Nächste Woche habe ich einen Beratungstermin beim Anwalt, das ging jetzt fixer, als ich erwartet habe.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Volka,

    vielen Dank für deine Antwort. Ich bin an dem Punkt, dass ich nicht mehr kann. Ich habe heute Nacht ewig wachgelegen, ich schlafe seit Jahren schon nicht mehr gut und zur Zeit vergeht kein Tag, an dem ich nicht weine, weil ich nicht mehr kann. Ich kann diese leeren Worthülsen nicht mehr ertragen. Ich sage ihm seit 10 Jahren, dass was passieren muss, dass ich das für unsere Kinder nicht möchte. Und ich habe auch gesagt, dass irgendwann der Punkt ist, an dem ich nicht mehr kann. Dieser ist nun eingetreten, er spielt auf Zeit und verschwendet dabei meine Lebenszeit und die der Kinder. Ihnen geht es allen nicht gut. Man muss auch dazu sagen, dass er Therapie für Quatsch hält. Auch bei unseren Kindern, eines ist ja in Behandlung.

    Ich bin gerade dabei, mich um rechtliche Beratung zu kümmern. Für mich ist es einfach alles so schwer, weil ich hier mit 2 Alkoholikern in einem Haus lebe. Meine Schwiegermutter ist vor ein paar Jahren hier ausgezogen, nachdem sie ihr ganzes Leben der Alkoholsucht meines Schwiegervater geopfert hat. Aber sie ist immer coabhängig, macht keine Therapie und ist auch finanziell komplett abhängig von ihm. Finanziell kann ich auf eigenen Beinen stehen. Und ich sehe einfach nur, dass ich nicht so enden will wie sie. Das ist mein Ansporn.


    Liebe Grüße

    Matilda