Puh, das,ist wieder viel Input!
Hartmut : ob du es glaubst oder nicht: auch ich bin nicht so blöd zu glauben, dass es einen Alkoholiker-Light gibt.
Ich habe seit 48 Tagen verändert:
- mein Haushalt ist bis auf drei Ausnahmen alkoholfrei
- ich gehe nicht mehr zu kritischen Zeiten einkaufen
- wenn ich raus muss, dann ohne Geld und Karten
- ich mache mir für die kritischen Zeiten in den Abendstunden immer einen Plan, damit ich nicht auf dumme Gedanken komme
- ich bin mit meinen Freundinnen und Freunden abends keinmal mehr unterwegs gewesen - in den Lokalitäten, in denen wir uns treffen, gibt es ja auch immer Alkohol, selbst wenn alle wegen mir keinen Alkohol trinken würden
- ich lehne Einladungen zu Abendessen durchweg ab, am Freitag wäre ich bei einer Freundin zum Christbaumloben eingeladen gewesen, ich habe ihr gesagt, dass ich nichts mehr trinke und deswegen nicht kommen will
- das befreundete Ehepaar (das Alkohol geschenkt hat) war schon im November bei mir zum Essen eingeladen: es gab keinen Alkohol und ich habe den beiden gesagt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke - ist aber wohl nicht angekommen…
Ihr habt vollkommen recht: mein Umfeld war definitiv zu nass in den letzten Tagen und ich muss Strategien für den Umgang finden. Alles, was ich planen kann, plane ich entsprechend, aber der Umgang mit bestimmten, meist überraschenden Situationen, fällt mir schwer. Ja, auch weil ich feige bin…
Kannst du daraus lernen und für dich andere Wege finden?
Ganz klar: bei der Polonaise mitzulaufen war einfach dumm! Da hätte ich anders handeln MÜSSEN! So eine Idee hatten die Nachbarn noch nie… die Idee etwas alkoholfreies anzubieten ist sehr gut! Ich glaube nicht, dass diese Situation wieder kommt.
Mir ist nur aufgefallen, wie oft du schreibst, dass du wieder den ganzen Tag nicht an den Alkohol gedacht hast.
Das kommt noch aus meiner „Anfangszeit“, als ich mich vor 48 Tagen entschlossen habe, abstinent zu sein. Da war es schön, wenn mich der Gedanke an Alkohol nicht die ganze Zeit verfolgt hat. Irgendjemand hat mir geschrieben, dass der Zeitpunkt kommt, wo ich nicht mehr daran denken muss, dass ich nicht daran gedacht habe, weil es normal geworden ist.
Bist du in therapeutischer Behandlung?
Ja, ich bin in therapeutischer Behandlung. Ich war im Oktober auch mal bei der Suchtberatung bei der Caritas. Die Dame war der Meinung, dass meine Alkoholerkrankung zu stark mit meiner psychischen Erkrankung verknüpft sei und ich bei meiner Therapeutin die bessere Betreuung hätte.
. Ich würde daraus mutmaßen dass es auch über das Jahr mit der Nachbarschaft die eine oder andere Veranstaltung gibt, die zum feiern einlädt?
Nein, eigentlich nicht…. Wir hatten früher regelmäßig Lagerfeuer gemacht, aber seitdem die Kinder groß sind und ihre eigenen Wege gehen, nicht mehr…. Bestimmt schon seit drei Jahren.
versuch doch in kurzen und knappen Sätzen mal aufzuschreiben welche Rolle der Alkohol in Deinem Leben spielt. Damit meine ich auch Deine Familie und Dein Umfeld.
Also für mich ist er Gift, etwas, was ich nicht mehr zu mir nehmen will, etwas, was ich tunlichst vermeiden will. In meinem Umfeld, meinem Freundeskreis wird „normal“ (falls es so etwas gibt) Alkohol konsumiert, bis auf eine Freundin, bei der ich manchmal den Eindruck habe, dass sie Alkohol missbraucht. Familie: meine Töchter gehen feiern, mal mehr mal weniger und sie sind sehr aufmerksam wegen ihrer „Familiengeschichte“: Mein Vater Alkoholiker (hat sich totgesoffen), meine Mutter Alkoholikerin (gestorben an einem für Alkoholiker typischen Krebs), meine ältere Schwester abstinent oder trocken, keine Ahnung, weil sie mit Alk nicht umgehen kann, meine jüngere Schwester kann auch nicht mit Alkohol umgehen…
Silvester ist save: meine ältere Schwester und mein Neffe kommen. Meine ältere Tochter wir auch da sein und ich habe schon allen kommuniziert, dass es bei mir keinen Alk geben wird und meiner Tochter auch klar gesagt, wenn sie noch feiern gehen will wird hier nicht vorgeglüht.
Und irgendjemand hat geschrieben, dass ich kein trockenes Verhalten an den Tag lege… Aus meiner Sicht bin ich momentan abstinent und auf dem Weg trocken zu werden. Das wird aber noch ein langer Weg. Jemand von euch hat mir mal ein schönes Bild geliefert: erst wenn meine Festplatte überschrieben ist und kritische Situationen mit positivem Umgang damit überschrieben sind, kann ich mich vielleicht als trocken bezeichnen… vielleicht auch nicht, wer weiß…
Das war jetzt sehr viel, wenn ich auf etwas nicht geantwortet habe, dann nicht, weil ich es nicht ernst nehme, sondern weil ich jetzt gerade einfach nicht mehr kann - ich muss es immer erst verdauen, wenn ich mich so angeschossen fühle…
Grüße an alle
Evelin