Beiträge von Hobbes

    Moin,

    als Alkoholiker kann ich dir auf Basis meiner Erfahrung sagen: Volltreffer!

    Deine konkrete Benennung des Problems hat bei ihr vermutlich den Gedanken ausgelöst: "Da stellt sich jemand zwischen mich und den Alkohol" und dann meldet sich die Sucht mit absoluter Panik. Sie weiß (bewusst/unbewusst), dass deine Aussage ein Großteil an Wahrheit enthält.


    Lass dir aber bitte nicht deine Realität verbiegen. Auch das kenne ich von mir früher, neumodisch wird das als "Gas-Lighting" bezeichnet.

    "Das bildest du dir ein / das ist gar nicht so/dein Gefühl ist falsch/ich bin nicht das Problem sondern du/soviel ist das doch gar nicht" etc pp.

    Finde ich wahnsinnig stark, dass du das angesprochen hast! Das erfordert Mut 👍

    Hi sanni1234 ,

    bin von der anderen Seite (nüchterner Alkoholiker). Du kannst sehr stolz darauf sein, beim potenziellen Einzug deine Grenzen kommuniziert zu haben.

    Dass er mir zeigt dass er es dieses mal wirklich ernst meint. Und wie ein bisschen erwartet: du willst mich nicht da haben, du hilfst mir nicht, ich brauch keinen Entzug machen ich schaffe das alleine und weitere Beschimpfungen folgten. Ich bin natürlich die Böse die ihn jetzt hängen lässt und auf die er sich nicht verlassen kann.

    Und es kam ja postwendend die Reaktion: Ich bekomme nicht was ich will, was interessiert mich mein Geschwätz von gerade eben...du bist schuld! Manipulation und Vermeidung, kenne ich auch von mir.

    Alkohol steht immer an erster Stelle, dann kommt das menschliche Bedürfnis nach Nähe und Zuneigung und dann...dann kommst irgendwann DU und DEINE Bedürfnisse.

    Und das ist sehr traurig...

    Auch von mir mein Bauchgefühl als Einschätzung: auf gar keinen Fall einziehen lassen!

    Ich habe locker ein Jahr Abstinenz gebraucht um wieder klar denken zu können, jetzt nach zwei Jahren fühle ich mich erst wieder komplett fit. Tu dir das Auf und Ab bitte nicht an, das Leben ist echt zu kurz für so einen Mist. Geteiltes Leid im Bezug auf Sucht ist immer doppeltes Leid.

    Also ich bin jetzt zwei Jahre trocken, meine Familie und mein bester Freund bei dem ich Trauzeuge war, wissen von meiner Alkoholkrankheit. Ansonsten nur die Ärzte, für die es relevant ist.

    Gut, Kinder oder Partner habe ich nicht aber was ich damit sagen will: sowohl nass als auch trocken ist Scham immer ein Thema bei Alkoholismus. ICH hätte mich unter Druck gesetzt gefühlt, wenn man mir nahelegt wann und wem ich meine Krankheit offenlege. Das ist nämlich ein WIRKLICH schwieriger Schritt und ziemlich unangenehm. Und auch der Adressat will gut ausgewählt sein, der falschen Person muss man nicht von seiner Sucht erzählen.

    Aber ich kann auch vollständig verstehen, dass du dir das als Bestätigung seiner Einsicht wünschst. Nur...ich hab auch viel gelabert wenn mein sicheres Umfeld bedroht war. Jetzt muss er trocken bleiben (wollen).

    Mein bester Freund weiß es übrigens seit zwei Wochen, davor hat es sich einfach nicht richtig angefühlt und es kam auch zufällig die passende Gelegenheit für ein gutes Gespräch.

    Der richtige Moment kommt sicherlich aber ich stimme Hera zu, man muss es nicht aussprechen und umgekehrt kann man es aussprechen und nicht ernst meinen.

    Was war der ausschlaggebende Punk der Einsicht? Hat der abhängige Partner gemerk und vorallem mitgeführt, dass sein Partner leidet. Oder war es ihm egal?

    Bei mir war es ein Intentionstremor, also ein Zittern in der Feinmotorik (Gläser heben, Pinsel halten etc.)der mir das erste Mal körperliche Auswirkungen der Sucht gezeigt hat. Den Kater, die Stimmungsschwankungen und das matschige Gedächtnis hat man zu dem Zeitpunkt ja schon meistens als Alltag abgeschrieben. War davor schon täglich von mir selbst und der Hilflosigkeit angewiedert und wollte einfach nicht mehr. Aber eben für mich und nicht für meine Ex-Partnerin (Beziehung zu dem Zeitpunkt auch bereits am Alkohol zerbrochen).

    Zu dem Mitgefühl: ja natürlich habe ich gemerkt, dass ich ihr mit dem Konsum weh tue. Tat mir selbst emtional weh, habe mich schwach gefühlt, getrunken, dafür geschämt und das ganze dann wiederholt. Sucht ist immer stärker, ausnahmslos.

    Egal war es mir definitiv nicht aber ich kann dir auch sagen, dass DU gegen den Alk absolut machtlos bist. Das ist ein Kampf den du nicht für ihn gewinnen kannst, das geht nur aus eigenem Antrieb.

    Das erste Jahr Abstinenz habe ich von allem Abstand genommen, was ein Risiko darstellen konnte.

    Das ist natürlich individuell aber ich hatte erst nach dieser Zeit wieder das Gefühl Herr meiner Gedanken- und Gefühlswelt zu sein.

    Aber du hast ja bereits geschrieben, dass du die Antworten des Forums bereits ahnst ☺️😂

    Drei Monate sind dermaßen großartig, mir persönlich wäre dieser Erfolg zu wertvoll...

    Hmm, darüber habe ich mir tatsächlich noch keine Gedanken gemacht muss aber zugeben, dass Geruch und insbesondere natürlich Geschmack immer ungewollte Assoziationen wecken können.

    Mein Arbeitskollege hat letztens irgendwas bei mir im Büro etwas mit Ethanol/Isopropanol etc gereinigt. Hat gerochen wie eine Vodka-Fahne 🤮

    Fertigpizzateig hat auch einen wahrnehmbaren Alkoholduft...

    ich habe aber auch immer Isopropanol als Reinigungsmittel im Haus, auch Spiritus für meinen Outdoor-Koch-System...

    Da ist für mich die Frage, habe ich persönlich einen Mehrwert von der Kontrolle unter dem Mikroskop oder entdecke ich Dinge, die es ansonsten nie in meine Gedanken geschafft hätten.

    Leonie80

    Ich passe auf, will mich aber nicht mehr so extrem viel mit dem Thema Alkohol befassen und ihm Raum geben. Ich brauche das Zeug nicht und ich will es auch nicht. Trotzdem immer achtsam bleiben und schauen, wie es mir geht und mich selbst nicht übergehen.

    Jepp, so handhabe ich es auch. Bin nicht abstinent geworden, um den Rest meines nüchternen Lebens in Angst und Isolation zu verbringen. Respekt vor der Sucht, Situationen meiden, andere antizipieren und für Trigger (welche ja einen immer aus dem Nichts erwischen) bereits was in der Hinterhand haben, um die Zeit zwischen Reiz und Reaktion steuern zu können.

    Und genau wie du sagst, emotionale Hygiene. Jetzt am Freitag exakt zwei Jahre trocken und das erste Mal craving gehabt, als es mir im Dezember mental richtig besch...eiden ging.

    Er sagt nur, es sei ja jetzt alles gelöst: er trinke ja nicht mehr. Wie beurteilt ihr so was?

    Ich selbst als Alkoholiker? Absolut wertlose Aussage die ich automatisch und aus eigener Erfahrung in einer trotzigen Stimme lese.

    Klingt nicht nach Einsicht oder einer anderen Form der intrinsischen Motivation für sich SELBST aktiv zu werden. Verzicht weil die Konsequenz im Raum steht hält vermutlich genauso lang bis der Führerschein wieder da ist.

    Zudem zum Aufhören auch erstmal die Erkenntnis steht Alkoholiker zu sein, was den Kontrollverlust mit einschließt, dem ich willentlich nichts entgegensetzen kann. Auf den Weg zum trocken werden ist auch ein Eingestehen machtlos gegenüber dem Saufen zu sein eine Voraussetzung.

    Ja, bei dem Eingestehen der Krankheit und Sucht bin ich auf jeden Fall bei dir. Es das erste Mal auszusprechen verändert wahnsinnig viel. Wie bei meiner Depression hat es mich aus der Isolation rausgeholt: "du bist nicht allein und du bist nicht Schuld" denn die Scham säuft ja immer mit und macht das Anvertrauen und Öffnen so schwer.

    Bei den Begriffen"Kapitulation" und "machtlos" hat sich bei mir aber immer etwas widersetzt. Das waren immer Worte, bei denen ich mich klein gefühlt habe, die ich für mich nicht verwenden wollte. Vor allem nicht beim Weg in die Abstinenz und Genesung...

    Ich haue auch mal eine steile These heraus. Wer es mit Willen allein schafft, nie wieder was zu trinken, ist oder war kein Alkoholiker.

    Wille als Dauerbrenner und Langzeit-Strategie halte ich auch für Quatsch. Habe ja letzten Monat gemerkt, wie schnell so ein Trigger aus dem tote Winkel kommen kann. Aber der Initiator für die Abstinenz war auf jeden Fall der Satz "Ich will nicht mehr. Punkt" was danach kommt ist die in einem anderen Kommentar angesprochene Konsequenz bzw. Handlung.

    Dinge einfach nicht mehr dem Zufall überlassen, niemand spaziert aus Versehen auf einen Berg. Man steht unten und sagt sich "ich will da hoch" und dann läuft man los. Mit Intention und einem Plan. Und am besten mit einem "Warum" ausgestattet, bei mir weil jeder nüchterne Tag einfach scheißgeil ist. Nie wieder Kater, nie wieder Fahne, nie wieder dieser eklige glasige Blick in Spiegel und stattdessen Samstag morgens um 0700 mit den Rentnern im Kaufland stehen 😁

    Ich drücke dir die Daumen.

    Dein Beiträge lesen sich allerdings so, als würdest DU gerade im kalten Entzug stecken. Und vermutlich ist es auch so... Kümmere dich um dich selbst, schau was dir gut tut. Ausgehen mit der Freundin ist schon mal super.


    Aber als Alkoholiker möchte ich auch ganz klar sagen: wenn ich mir gerade vorstelle, wie es mir im Entzug ging. Die Fahrigkeit, die Depression, die Stimmungsschwankungen, die ständige emotionale Überforderung...und dann jemanden zu haben den man mit managen muss, der einem eine Affäre unterstellt. Du gefährdest gerade massiv seinen Schritt in ein alkoholfreies Leben!

    Das ist für euch BEIDE gerade Entzug, bitte nimm nichts persönlich und lass alles ruhen. Ansonsten wird deine Angst um ihn und eure Beziehung eine sich selbst erfüllende Prophezeiung... unabhängig vom aktuellen Partner!

    Ja, dessen bin ich mir bewusst. Meine zwei engen Freunde haben meine Eskapaden schon lange begleitet und wissen um mein Problem mit Alkohol. 2020 hatte ich mit beiden darüber gesprochen und sie waren unterstützend. Ich überlege mich meinem Bruder anzuvertrauen, da ich eh schon länger ein besseres Verhältnis mit ihm suche und er ja doch sehr nah an meiner Lebensgeschichte dran ist.

    Das klingt alles hervorragend und vollkommen klar! Da bist du schon viel weiter als ich damals, habe mir erst sehr spät Menschen als Sicherungsseil und Unterstützung hinzugeholt. Gute Voraussetzungen für deine Abstinenz.

    Und auch dein Umgang mit dem beruflichen Umfeld und einer Privatsphäre ist genau richtig.

    Ach das liest sich hier doch wie Wölkchen 👌

    Fortschritt beginnt mit Handlungen und du bist für dich tätig geworden, kannst stolz auf dich sein!

    Lavendelfuchs

    Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg! Das ging wirklich sehr schnell, kenne das leider auch anders.


    Nur ein wirklich gut gemeinter Tipp aus eigener Erfahrung der deine Freude nicht einmal ansatzweise dämpfen soll:

    Sowohl bei meiner Einsicht Depression als auch Alkoholiker kam eine wahnsinnige Euphorie über mich und ich wollte nach meinen ersten Schritten in die richtige Richtung allen davon erzählen. Geh damit vorsichtig um und weihe nur Menschen ein, denen du ABSOLUT vertraust. Im Zweifelsfall hat mir meine Therapeutin damals geraten, nichts sagen, auf einen Zettel schreiben und nach mindestens 48h nochmals überprüfen, ob der Wunsch zur Mitteilung sich noch rational trägt.


    Das kann nämlich ganz schön nach hinten los gehen, gerade im beruflichen Umfeld.

    Und ansonsten gönne dir heute dein absolutes Lieblingsessen oder sonst etwas was dir Freude bereitet 🎉

    Hab nach der Anmeldung hier das Rauchen auch gleich bleiben lassen.

    Keine Ahnung ob es schlau war, aber es fühlt sich richtig an.

    Glückwunsch zu 14 Tagen! Richtig gut 😃

    Habe Rauchen und den Alkohol auch mit einer Woche Abstand beendet. Hat sich ebenfalls wie die absolut richtige Entscheidung angefühlt. Schon verrückt, fünf Anläufe fürs Rauchen und der erfolgreiche direkt zeitgleich mit dem Alkohol...kannste dir nicht ausdenken.


    Man trinkt aus Spaß, zum Feiern, wenn man traurig ist, zum Kennenlernen, aus Wut, zur Freude, usw.

    Bei mir war es so, dass ich ohne Alkohol keinen Zugang mehr zu meinen Emotionen hatte. War todunglücklich, konnte es auf normalem Weg nicht rauslassen und saß dann am Wochenende nachts nach ein paar Bier oder Longdrinks heulend in meinem Arbeitszimmer. Rinse and repeat...eine sehr unschöne Form der Katharsis und direkt der von dir angesprochene Teufelskreis. Denn irgendwann geht es ohne den Pegel nicht mehr.


    Ich drück dir die Daumen, dranbleiben 👍

    Auch finde ich ganz super, dass du, Hobbes, mir aus der anderen Sicht vieles klar werden lässt. Ganz ganz oft habe ich versucht, Verständnis aufzubringen. Ich danke dir sehr, Hobbes, und hoffe, ich kann von dir noch einges lesen.

    Rosa Sehr gerne 😊

    Gehe aktuell auch sehr schonungslos und selbstkritisch an meine Zeit als Alkoholiker/alkoholkranker Partner ran, da diesen und nächsten Monat endlich meine Therapie zu Kindheitstrauma, Depression und letztendlich Alkoholismus losgeht. Da möchte so viel wie möglich in der Hand haben.

    Die letzten Jahre in meiner Beziehung waren für beide einfach nur noch traurig und beschi**en, wenn unsere Erfahrungen dir helfen hat das Ganze ja noch wenigstens etwas positives...

    Ich lese gerade "Trennt euch" von Thomas Meyer, sinngemäß ein Satz von ihm:

    "Das Leben ist sehr kurz. Spätestens auf dem Sterbebett, wenn ihnen klar wird, dass sie keine Chance mehr haben eine neue Wirklichkeit zu kreieren, werden sie es bereuen nicht das Leben gelebt zu haben, dass sie sich immer gewünscht haben"

    Ich drück dir die Daumen 👍

    Meine Ex hatte zwar auch Ängste und Sorgen nach der Trennung aber sie meinte es zieht auch eine wahnsinnige Ruhe ein. Kein Grübeln, die Frage ist er wieder betrunken wenn ich nach Hause komme etc. das ganze Nervensystem entspannt sich, der Cortisol-Spiegel sinkt.

    Wird großartig!