Beiträge von wardasalles

    Als ich anfing, Dinge zu tun, weil ich sie tun wollte und nicht mehr mit dem Hintergedanken, meinem Mann zu gefallen oder ihn gar damit vom Trinken abzuhalten, dann ging es mir allmählich besser.

    Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Manchmal reichen dafür schon kleine Dinge wie ein Spaziergang allein oder ein leckeres Essen, das man nur für sich selbst macht. Vielleicht etwas, das der Partner nicht mag und das man deshalb aufgegeben hatte.

    Überleg dir mal, ob es dich nicht sehr verletzt hat, dass er gegangen ist, und nicht du?

    Bei mir war es so - obwohl ich jahrelang gelitten habe! - dass ich zuerst verletzt war, als mein Mann die Trennung ausgesprochen hat. Zum Glück war ich aber dennoch schon so sehr "bei mir", dass ich dadurch nicht rückfällig geworden bin. Ich habe es akzeptiert und sowohl den Schmerz als auch die Erleichterung zugelassen. Vielleicht kannst du das auch spüren, dass unter dem verletzten Ich auch eine Portion Hoffnung verborgen liegt. Die kannst du herausholen und sie wird dir Kraft geben.

    Wut. Reine Wut über die Situation. Ich habe jahrelang alles aufrecht erhalten. Bin ich die einzige die das denkt? Ehrlich?

    Hallo Pinguin,

    Ich bin auch oft total oft mega wütend gewesen, insbesondere dann, wenn Versprechungen nicht eingehalten wurden, aber auch generell, weil er einfach nicht versteht, dass die Trinkerei unsere Beziehung zerstört hat.

    Du bist definitiv nicht die Einzige, die wütend war/ist und ihrem Partner manchmal die Pest an den Hals gewünscht hat. 😉

    Beziehungtechnisch, wenn ich zum Beispiel putze während mein Partner es sich auf meiner Chouch gemütlich machen kann. Dann denk ich auch: warum muss ich jetzt was tun und er nicht? Dann denk ich mir: weil ich eine schöne Wohnung haben will. Ist irgendwie total naiv und ein bisschen Kindergarten zu denken: wenn ich was mache muss mein Partner auch was tun.

    Da hab ich mich jetzt direkt wiedererkannt. 😅

    Inzwischen reinige ich nur noch, was mir persönlich wichtig ist und versuche den Rest zu ignorieren. Ist aber nicht leicht und dieser Gedanke "warum immer ich?" ploppt noch ab und zu auf ...

    Konsequent auf meinen wundesten Punkt. Das hat mich so verletzt, dass ich erst einmal wieder geschwiegen habe.

    Hallo Morgenrot,

    das kann ich absolut nachempfinden. Derartig auf Triggerpunkte zu drücken ist absolut schrecklich.

    Ich habe Jedoch in den vergangenen 2 Jahren so viel an mir selbst gearbeitet, dass meine Trigger durch ihn kaum noch ausgelöst werden können. Das bedeutet natürlich auch, dass ich mich schon sehr abgelöst und emotional entfernt habe, was es mir inzwischen einfacher macht.

    Ich falle zum Glück viel seltener in die alten Verhaltensweisen zurück und versuche, stabil bei mir selbst zu bleiben.

    Du verlangst von ihm "alles" was ihn hält aufzugeben. Daher glaube ich sein Gedanke dass du im Gegenzug auch etwas aufgeben musst.

    Liebe Alexa,

    Vielen Dank für deinen Input.

    Tatsächlich habe ich mir das auch teilweise so gedacht und ich wäre sogar bereit, etwas aufzugeben, wenn es denn helfen würde.

    Aber ich kann natürlich keine andere Person sein/werden und ein konkretes Anliegen, was er sich darunter vorstellt, konnte er mir ja leider nicht nennen.

    Ich denke allerdings, dass der manipulative und abweisende Anteil bei dieser Äußerung überwogen hat.

    Hallo Leute,

    ich habe (mal wieder) viele Podcasts und Videos zum Thema Alkohol gehört, diesmal aber mit dem Fokus auf meinen eigenen Konsum.

    Ich habe ja selbst auch Alkohol konsumiert, wenn auch in geringem Ausmaß. Und in mir kam die Frage auf "warum trinke ich überhaupt Alkohol?"

    So bin ich jetzt darauf gekommen, dass ich oft einfach "mitgetrunken" habe, weil das irgendwie "dazu gehört" hat. Darüber bin ich mir jetzt erst bewusst geworden. Ich habe noch nie richtig darüber nachgedacht ... warum eigentlich nicht? Hmm... Das Zeug ist ja ein Zellgift und andere Gifte nehme ich ja auch nicht bedenkenlos zu mir. 🤔

    Auf jeden Fall habe ich mich im Nachgang dieser Überlegungen entschlossen, keinen Alkohol mehr zu trinken. Also ein nüchternes Leben zu führen ab sofort. Ich brauche das Zeug für nix und Rausch mag ich nicht - ich hab ja sowies ein Thema mit Kontrollverlust ... 😅

    Hallo Morgenrot, ich freue mich, dass du mir antwortest.

    Also, sein Ziel, dass ich nachgebe, hat er nicht erreicht. Er hat das Gespräch dann selbst abgebrochen und ist gegangen, als er das gemerkt hat.

    Jetzt bist du nicht kompromissbereit, und überlegst dir sicher ob er nicht recht hat, oder?

    Das hätte mich früher stark verunsichert und ich hätte gegrübelt, ob er damut recht hat. Aber heute nicht mehr. Ich weiß, dass ich absolut kompromissfähig bin - ich kenne mich ja ganz gut selbst. 😅

    Wir sind also nach wie vor getrennt, ich habe meinen Standpunkt nicht aufgegeben. Den Mann hinter dem Alkohol liebe ich noch immer, weiß aber, dass er unerreichbar ist, solange der Alkohol sein Leben im Griff hat. Das finde ich so schade und bin auch traurig darüber.

    LG wardasalles

    Danke Stern für deinen Input. Das hilft mir tatsächlich sehr. Deinen Satz "Entscheidung für das Leben" habe ich gestern im Gespräch verwendet und damit zumindest ganz kurz ein Nachdenken bewirkt.

    Ansonsten verlief das Gespräch bemerkenswert ruhig und sachlich. Ich konnte auf meinem Standpunkt bleiben, dass für mich eine Fortführung der Beziehung nur möglich ist, wenn der Alkohol nicht mehr dazu gehört. Er meinte dann, ich sollte dann aber auch etwas 'aufgeben'. Als ich fragte, was genau das denn sein könnte - ich bin ja bereit an mir zu arbeiten, bin ja auch nicht perfekt - sagte er so was wie 'ein anderer Mensch werden'. Als ich fragte, was er damit konkret meint, kam leider nichts. Dann habe ich gesagt, ich könne mich nicht in eine völlig andere Person verwandeln. Damit war ich dann nicht 'kompromissbereit' und somit hatte ich aus seiner Sicht die Schuld an der Trennung.

    Das ist doch wieder so ein Psychospielchen, oder was meint ihr?

    Und so kann auch erstmal jeder Alkoholiker werden.

    Krebs entsteht auch nicht aus dem Nichts, jeder kann ihn bekommen.

    Ich verstehe jetzt, was du meinst.

    Für was bräuchtest du denn aktuell einen Stupser?

    Um aus der Zwickmühle herauszufinden. Einen krebskranken Partner würde ich nicht verlassen, weil er Krebs bekommen hat, einen alkoholkranken aber schon. Was aber, wenn beides in Personalunion zutrifft? Ich weiß nicht, wie ich damit so gut umgehen soll, ohne mir selbst Vorwürfe zu machen. 🤔

    Ich trete dir nicht in den Allerwertesten und ich wünsche dir, dass dir das Sortieren gelingen möge.

    Vielen Dank! Ein kleiner Stupser hilft mir allerdings manchmal, um in Gang zu kommen ... 😉

    Und als solcher sage ich dir, dass ich kein Alkoholiker wäre, wenn ich den Alkohol hätte kontrollieren können.

    Ja, das verstehe ich. Ich meinte es eher die rein theoretische Möglichkeit, "einfach nicht zu trinken" im Vergleich zu "einfach keinen Krebs entwickeln".

    Wie ist die denn die letzten 2 Jahre ergangen.

    Die Zeit nach der Diagnose war sehr hart, eine ganz andere Art von psychischer Belastung. Ich hab oft gedacht, ohne den Krebs hätte er es vielleicht wirklich geschafft. Jetzt wird daraus nichts mehr werden, damit habe ich abgeschlossen. Manchmal haben wir gute Zeiten und verstehen uns wie alte Freunde, nur ab und zu gibt's Streit, dann bin ich natürlich die Böse und Schuld an allem. Immerhin sind wir räumlich getrennt, aber im gemeinsamen Haus gibt's halt immer wieder Begegnungen, das lässt sich nicht vermeiden. Habe jetzt wieder angefangen nach Wohnungen zu schauen ...

    Was mir in der letzten Zeit besonders zu schaffen gemacht hat: Wie kann ich jetzt unterscheiden/wissen, ob Vergesslichkeit, Müdigkeit, Magenprobleme, schlechte Laune, Unlust, Sachen anfangen und nicht fertig machen etc. von der Krebsbehandlung kommt (zB Chemobrain) oder vom Alkohol?

    Klar könnte ich sagen, das ist egal, weil es mein Leben so oder so beeinträchtigt. Ist aber doch anders, weil man den Krebs selbst ja nicht kontrollieren kann, den Alkohol aber schon (also wenn man es denn selbst will).

    Blödes Gedankenkreiseln ... ich geh jetzt erst mal in den Garten. Weg mit dem Handy - bis später!

    Liebe Leute,

    Ich habe jetzt mega lange nichts hier geschrieben, denn das Alkoholthema war in den Hintergrund geraten durch die Krebsdiagnose meines Mannes.

    Mein Noch-Mann hatte ja Mitte 2024 eine Krebsdiagnose bekommen (nicht Alkohol induziert) und ich wollte ihn in dieser Situation nicht allein lassen. Unsere Beziehung hat sich in dieser Zeit verbessert, aber wohl nur, weil der Alkoholkonsum nicht mehr der Hauptfokus war. Aktuell sind wir getrennt, leben aber noch beide in unserem Haus. Er trinkt weiterhin - sagt, jetzt mit dem Krebs ist es sowieso egal.

    Ich bin unschlüssig, wie ich weiter damit umgehen soll. Manchmal leben wir wie gute Freunde, dann wieder ist es unerträglich. Ich habe ein bisschen das Gefühl, ich bin nach den 2 Jahren wieder fast am gleichen Punkt wie damals.

    Ich werde jetzt hier wieder schreiben, um mich zu sortieren und mir eure "Tritte in den Allerwertesten" abzuholen.

    Grüße an alle,

    wardasalles

    Bei mir gibt es gute und schlechte Neuigkeiten.

    Daher, liebe wardasalles, finde ich es großartig, dass dein Mann etwas verändern möchte, ich wünsche euch von Herzen, dass es gelingt. .

    Mein Mann hat wirklich was verändert. Er trinkt nicht mehr und will selbst dabei bleiben. Auslöser waren natürlich meine Trennungsabsichten, aber jetzt sagt er selbst, es geht ihm viel besser ohne Alkohol und er genieß es, einen klaren Kopf zu haben. Ich weiß aus Erfahrung, wenn er einen Entschluss gefasst hat, bleibt er dran. Das stimmt mich zuversichtlich, dass er es schafft. Mit Hilfe seines Arztes natürlich.

    Die schlechte Nachricht ist, dass er eine Tumordiagnose bekommen hat. Wir wissen noch nicht, ob gutartig oder bösartig.

    Das macht uns Angst - aber seine Angst wird nicht mit Alkohol betäubt und das ist wirklich erstaunlich. Bitte drückt uns die Dsumen, dass alles gut ausgeht.

    Danke.

    LG wsrdasalles

    Hallo Caro,

    Doch seitdem ich hier lese habe ich dermaßen viele Denkanstöße mitgenommen, dass es in meinem Kopf viel rattert. Mein Blickwinkel auf ihn ist verändert und ich versuche den Fokus mehr auf mich zu legen.

    Das ist doch schon großartig. Wenn du anfängst, dich um dich selbst zu kümmern, ist schon ein großer Schritt getan. Ich wünsche dir, dass du auch deinen Weg findest.

    LG wardasalles

    Ja. Du empfindest halt viel für ihn.

    Das trifft es wohl.

    Bei allem darf man nicht vergessen, dass auch in Alkoholiker-Co-Beziehungen noch ganz viel Liebe drin stecken kann. Nicht alles ist Co-Verhalten. Ja, das ist schwer zu trennen, aber dennoch - Partner:in kamen irgendwann mal in Liebe zusammen (hoffentlich) und Liebe ist ein starker Klebstoff - die Verbindung hält viel aus, bis sie endgültig reißt. Wie ein Tesa-Streifen - der klebt ja auch noch ein bisschen, nachdem man ihn irgendwo abgezogen hat. Aber mit jedem Mal wird die Haltekraft geringer. So ist es zumindest mal bei mir und nur davon kann ich schreiben. Es ist meine ganz eigene Erfahrung.

    LG wardasalles

    Bei körperlicher Gewalt ist Schluss, dafür gibt es keine Entschuldigung! Du solltest sofort mit deiner Tochter weggehen, noch heute.

    Du bist nicht schuld, du hast nichts falsch gemacht! Lass dir das nicht einreden!!

    Gibt es in deiner Gegend ein Frauenhaus? Dann wende dich dorthin. Oder an den Sozialdienst. Zur Not an die Polizei. Hast du Freunde oder Verwandte, die dir helfen können? Sprich mit ihnen!

    Mach schnell den ersten Schritt, rette dein Leben und das deiner Tochter. An das Finanzielle kannst du später denken.

    LG wardasalles