Beiträge von Nayouk24

    Trotz aller Trauer und Grübeleien über das Vergangene, was ich nicht mehr ungeschehen machen kann, habe ich sehr schnell gemerkt, dass ich wieder handlungsfähig bin, um auch meinen Bedürfnisse und Verpflichtungen gerecht zu werden, ohne diesen immensen Stress durch Alkohol. Das lese ich bei dir auch heraus.

    An so grauen Wintertagen kommen die Gedanken und du hast genau das Richtige gemacht und hast sie hier aufgeschrieben und du wirst gemerkt haben, wie es dich weiter bringt. Manchmal ist Stillstand, manchmal geht es sogar ein Schritt zurück, aber meistens geht es ein Schritt weiter.

    Gefällt mir, was du heute geschrieben hast. Du bist auf dem richtigen Weg.

    So wie du dich deinem Umfeld mitteilst, so halte ich es auch.
    Das kann jeder für sich selbst entscheiden und bei jedem sind die Verhältnisse anders gelagert.
    Komplettes Outing oder differenzierter zurückhaltend hat beides vor und Nachteile und ich sollte mir dessen bewusst sein.

    Können Verzichtsgedanken durch Vermeidung von alkoholischen Situationen gar nicht erst aufkommen?

    Verzichtsgedanken können alle möglichen Ursachen und Trigger haben. Wenn ich diese Situationen bewusst meide, schliesse ich einen grossen Teil der Ursachen aus.
    Das hat mir gerade am Anfang geholfen. Wenn ich am Anfang noch nicht stabil bin, muss ich mir ja das Leben nicht unnötig schwer machen, oder gar Risiken heraufbeschwören.

    Und wenn man diese Erleichterung und Freiheit tief im Herzen spürt, haben dann Verzichtsgedanken überhaupt eine Chance?

    Wenn du mit Chance meinst, dass die Verzichtsgedanken überhaupt hochkommen können, dann sage ich "Ja".
    Manche haben gar keine, ich habe immer weniger und ich behandele sie immer gleich. Ich spüre in dem Moment keinen Verzicht, es war der Gedanke und nicht ich..
    Seit ich das verinnerlicht habe, kann ich die Gedanken genauso schnell ablegen, wie sie gekommen sind.

    . Den körperlichen Entzug habe ich ja schon Monate hinter mir, aber mit dem seelischen Entzug fange ich gerade erst an.

    Das ist eine sehr wichtige Selbstanalyse.
    Eine Weisheit hier heißt, "nur nicht trinken reicht nicht".
    Die letzten 7 Monate hast du wohl maßgeblich nur nicht getrunken. Der körperliche Entzug war spätestens nach 14 Tagen durch.
    Die psychische Abhängigkeit ist nach wie vor da.
    Sie ist auch der wesentlich schwierigere Teil.

    Es geht immer um die Stabilisierung der Abstinenz. Wie mache ich das?
    Der erste Wegweiser sind die Grundbausteine und Wissen über Fakten der Alkoholsucht.
    Ein Alkoholiker ist suchtkrank.
    Will er abstinent für immer leben, kann er keinen Alkohol mehr trinken, keinen, nie wieder, ob ihm das passt oder nicht.
    Tut er es doch, kann er sehr schnell an einen noch tieferen Punkt gelangen, als sein Ausstiegspunkt war. Die Suchtspirale kennt nur eine Richtung – abwärts.

    Das sind Fakten und sie müssen zu meinen Glaubensätzen werden, damit ich sie nicht immer wieder hinterfrage.
    Warum werden sie hinterfragt? Weil sie meinen alten, einprogrammierten Erfahrungen und Glaubensätzen widersprechen.
    Es kann nicht sein, was nicht sein darf! oder Es kann nicht sein, was ich nicht kenne! oder noch schlimmer Es kann nicht sein, was ich nicht will.

    Zuerst habe ich alle Grundstrukturen, die mit Alkohol zu tun hatten geändert
    - Grundbausteine umgesetzt, so gut es mir möglich war
    - keine sozialen Events mit Alkohol
    und ich habe mir viel Wissen über die Alkoholkrankheit angeeignet um dem aufkommenden Widerwillen (gesteuert durch das Suchtgedächtnis) gegenüber den neuen Glaubenssätzen durch weitere Fakten die Grundlage zu entziehen.

    Nach 3-4 Monaten kamen dann vorsichtige Gehversuche in der Öffentlichkeit in Umgebungen mit „normaler“ Alkoholpräsenz. Restaurantbesuche mit meiner Frau etc. und nach 5 Monaten der erste Auslandsurlaub

    Bei den ersten Erlebnissen mit einer Alkohol trinkenden Öffentlichkeit habe ich mich unwohl gefühlt. Ich registrierte jedes Glas, jede Flasche und ich wusste wer Wasser trank.
    Dann kamen die „Sprüche“ des Suchtgedächtnisses, „…ach wär das jetzt schön,,,,“, usw. und so fort.
    Ich konnte sie anfangs nicht abstellen und das kann ich heute noch nicht. Sie sind seltener geworden und ich beantworte sie kurz und knapp. Punkt und erledigt. Willentlich kann ich sie nicht unterdrücken aber ich habe gelernt, damit um zu gehen. So gibt es viele weitere Beispiele.

    Es ist schwer zu beschreiben, aber es war und ist ein lang anhaltender Prozess, die Psyche umzuprogrammieren. Gerade am Anfang meide ich Risiken, die ich kenne, kennengelernt habe und deren Wirkung ich nicht einschätzen kann. Z.B. hat mir ein Restaurantbesuch immer wieder gezeigt, wo ich stehe, wie ich reagiere und ich wurde sicherer in der Abschätzung von unbekanntem Umfeld und habe meinen Lebensraum erweitert.
    Zeitgleich ging meine tägliche Auseinandersetzung mit meiner Alkoholkrankheit hier in diesem Forum weiter.
    So werden aus Erfahrungen und Selbstreflektion neuen Strukturen, Verhaltensmuster und die neuen Glaubenssätze werden immer selbstverständlicher.
    Irgendwann konnte ich die neuen Fakten akzeptieren, ohne Wenn und Aber und wenn doch mal etwas aufblitzt, wird es durch geübte Verhaltensmuster in die Schranken gewiesen.

    Dieser Prozess kennt kein Ende und er hat ein entscheidendes Merkmal: Er braucht Zeit.
    Zeit, die meiner anfänglichen Ungeduld im Wege stand. Ich habe gelernt, mit mir geduldig zu sein und mir die Zeit zu geben.

    Eines ist bei diesem Prozess wichtig. Ich will die Risiken kennen und einschätzen und sollte ich mich doch mal überschätzt haben, weiß ich was zu tun ist. Mein persönlicher Notfallkoffer ist jederzeit bei mir und wenn auch der an seine Grenzen kommt, will ich immer so gehandelt haben, dass ich mich nicht einem Zwang unterziehen muss, weil ich die Situation für mich nicht beenden kann.

    Da du nun schon 7 Monate abstinent bist, wird sich bei dir einiges anders darstellen. Vlt. kannst du für dich etwas mitnehmen.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    So wie Sue es beschrieben hat, halte ich es auch.
    Diese Unruhe ist ein psychisches Entzugssymptom.
    Du aktivierst jedesmal dein Suchthirn, wenn du "Alkoholfreies" trinkst. Du wirst getriggert, durch alle Sinne, nicht nur durch die geringen Mengen Alkohol.
    Was noch hinzu kommen kann, wenn ich alkoholfrei trinke, ist die ausbleibende Wirkung des Alkohols. Mein Suchthirn sieht sich fast am Ziel, aber die Wirkung bleibt aus und dann geht es erst richtig los.

    Du befindest dich ein einem inneren Konflikt, da du keinen Alkohol trinken willst, andererseits werden dadurch alte Muster aktiviert. Das erzeugt Stress und die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, welches für die Unruhe und eventuellem Suchtdruck verantwortlich ist und noch andere unerwünschte Prozesse können in Gang gesetzt werden. Das ist die biochemische Erklärung;)
    Bin ich zusätzlich noch psychisch labil oder angeschlagen, steigt das Risiko, dass ich dem Druck nachgebe und doch irgendwann ein "normales" Glas trinke.

    Wie du selbst festgestellt hast, sind die Begleiterscheinungen unangenehm. Ich möchte das nicht mehr. Diese unangenehmen Gefühle hatte ich lange genug und konnte dem ausser Alkohol nichts entgegensetzen. Heute kann ich etwas dagegen tun, weil ich weiss, was mich triggern kann und deshalb lasse ich es einfach.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Es wird immer eine Gegenmeinung geben, die vorgibt wissenschaftlich belegt zu sein.

    Fakt ist aber auch, dass mit diesem „Programm“ sehr viel Geld verdient werden kann, denn es gibt viele Menschen, die gerne daran glauben möchten.

    Ich habe es über 10 Jahre probiert, immer und immer wieder. Bei mir ging es nicht.

    Wie gesagt, mir hat es geholfen, es ist ein Weg von vielen, aber kein Muss.
    Mir hat es viele Fragen beantwortet, die Psyche wieder aufzubauen, dazu braucht es etwas anderes.

    Habe ja heute angefangen mehr Ruhe und Zeit in mein Leben zu bringen, Atemübungen und habe begonnen meditieren zu üben.

    Das ist in jedem Fall ein guter Anfang. Zeit, sich mit mir selbst zu beschäftigen, nehme ich mir regelmäßig.
    Hier im Forum habe ich gerade am Anfang viel geschrieben und auch viele Rückmeldungen bekommen, die mich weiter gebracht haben. Je offener und ehrlicher ich war, desto besser konnte ich mir dadurch selber helfen.

    Nun ergründe ich, wie es dazu gekommen ist und warum.

    Dazu möchte ich dir etwas mitgeben.
    So wie wie du habe ich über lange Zeit regelmäßig und zuviel getrunken. Wann der Übergang von Missbrauch zur Sucht war, kann ich nicht mehr richtig fest machen. Tatsache ist, ich bin alkoholkrank.

    Ich wollte es auch ergründen, um daraus abzuleiten, wie ich meine Abstinenz weiter stabilisieren kann.
    Heute habe ich akzeptiert, dass ich Alkoholiker bin und nie wieder Alkohol trinken will und kann.
    Mir hat geholfen, genau zu verstehen, warum das so ist, dabei ging es mir um die biochemischen Prozesse in meinem Körper und meiner Psyche, weniger um die Ursachen, warum ich getrunken habe.
    Mit der Akzeptanz konnte ich bis heute die Suche nach den Ursachen in den Hintergrund stellen, da mich diese Suche am Anfang eher blockiert hat. Es ist eine Option, die ich habe, sollte ich merken, dass es für mich wichtig ist.
    Die Akzeptanz ist ein Prozess der Zeit braucht und sie ist Grundvorraussetzung für eine stabile Abstinenz.
    Dies ist mein Weg und du wirst deinen finden.

    viele Grüße

    Nayouk

    Was Dorothea beschrieben hat, dem ist nichts hinzuzufügen.
    Die Unsicherheit ist in Deinem Kopf, die Ärzte machen das nicht zum ersten Mal.
    Du kannst Dir helfen, indem Du offen und ehrlich bist, zu den Ärzten und dir selbst.
    Je nachdem wo Du landest und mit wem, wird es Ablenkungen geben, die für Dich nicht hilfreich sind.
    Konzentriere Dich auf Dich selbst.
    Alles Gute.